Miniaturcomic ANTARES Seite 5 (Skizzen/Lines/WIPs)

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miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 5 (antares)

Storyboard und Vorskizze von Seite 5

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Lines von Seite 5 (gezeichnet mit Bleistift und Copic Multiliner SP)

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Miniaturcomic ANTARES Seite 4 (Skizzen/Lines/WIPs)

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miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 4 (antares)

Storyboard und Vorskizze von Seite 4

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Lines von Seite 4 (gezeichnet mit Bleistift und Copic Multiliner SP)

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Kapitel 23: Abyss verliert die Kontrolle (Bis in die tiefsten Abgründe)

Fassungslos ballte Gibbli die Hände zu Fäusten. Sie konnte nicht aufhören, seine Leiche anzustarren.
"Steven mag das nicht", flüsterte der Oceaner und richtete sich auf. Seine klare Stimme wurde lauter und überschlug sich dabei fast. "Steven mag das nicht, überhaupt nicht! MAG DAS NICHT!" Er hatte sich von Sky abgewandt und starrte stattdessen auf Jack, der sich langsam zu regen begann.
"Okay ... Okay. Wir müssen hier weg", murmelte Abyss wieder. "Auf die Mara. Bevor die Maschine endgültig auslöst. Wir sollten dann nicht hier sein."
Alles kam Gibbli so unwirklich vor.
"Kommt mit. Gibbli, Bo", versuchte Abyss, sie zum Gehen zu bewegen. Doch gleichzeitig machte er selbst keine Anstalten, sich zu rühren.
Und Gibbli starrte noch immer Sky an, den Steven vor ihren Füßen so unsanft abgelegt hatte. Langsam hob sie den Kopf. Bo stand ihr gegenüber, auf der anderen Seite der Leiche. Gibbli blickte sie an. Bo blickte zurück, mit ihren leuchtend orangen Augen. Minuten schienen zu vergehen, doch Gibbli wusste, dass es nur Sekunden waren.
"Was treibt ihr? Raus hier!" Er hörte sich nicht an, als würde er gehen wollen. Abyss drehte sich von Sky weg und stützte sich an einer Wand ab. "Wir sollten weg. Wir sollten ..."
Gibbli ahnte, was Bo dachte. Und sie dachte dasselbe.
"Ich muss das tun", flüsterte Bo.
Gibbli nickte. Und schon spürte sie, wie Bo anfing, ihre Energie freizugeben. Das Marahang begann stärker zu leuchten. Immer schneller drehte sich das Gerät. Gibbli wusste, dass das nicht gut ausgehen würde. Wenn die Hybridenfrau ihr Vorhaben vollendete, wäre sie tot. Das war so falsch! Verzweifelt betrachtete sie Bo, wollte sie gleichzeitig abhalten und unterstützen.
"Verdammte Scheiße!", knurrte Abyss irgendwo, scheinbar weit weg.
Dann kam Gibbli eine Idee. Sie war mit Bo über das Marahang verbunden. Es konnte also Energie aus ihr beziehen. Bo würde nicht sterben, sie würden ihre Lebenskraft teilen!
"So was sagt ein Kapitän nicht, oh, nein, nein, nein!", hallte Stevens helle Stimme in Gibblis Ohren wieder, während sie versuchte sich zu konzentrieren. "Was? Energie ... diese Energie, nein! Mädchen! Nicht! Das ist nicht ... nein! Hört auf! Nicht!" NEIN!
Wie ein Echo bohrte sich sein letztes Wort durch ihren Kopf. Plötzlich sah sie alles doppelt. Gibbli schloss die Augen. Es musste funktionieren! Und dann spürte sie es. Ja! Es fühlte sich an, als würde einem die Luft aus der Lunge gezogen werden, mehr Luft, als darin überhaupt Platz hatte. Ein Stück ihrer selbst, lebendige Energie. Schwindel überkam sie. Etwas zog immer und immer weiter. Und dann hörte es plötzlich auf. Gibbli riss die Augen auf und kippte nach vorne. Bevor sie auf den Kapitän fallen konnte, hielten zwei große Hände sie fest, so sackte nur ihr Kopf nach unten.
Das hier war nicht der Tod. Sie lebte. Sie spürte, wie neue Energie in ihre Adern strömte, als würde ihr Körper den Verlust bereits ausgleichen. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie Jack, der düster dreinblickend an eine Wand gelehnt saß und scheinbar noch nicht ganz bei Sinnen zu ihnen herüber starrte. Und da war Bo, die am Boden kniete, auf der anderen Seite Skys.
Neben der blauhäutigen Frau hockte Steven, der sie gepackt hielt und leise auf sie einsprach. Einer seiner Arme umschlang ihren Oberkörper, der andere stützte ihren blassen Kopf. Bo lebte. Bo atmete.
Ihr Blick glitt weiter am Boden entlang. Da lag er. Noch immer.
"Gibbli", hörte sie Abyss' Stimme irgendwo ganz nah.
Hatte es funktioniert? Erst jetzt merkte sie, dass sie gar nicht mehr standen. Langsam kehrte ihr Tastsinn zurück. Gibbli spürte Abyss' warmen Körper an ihrem Rücken. Sein Atem strich über die Seite ihrer Stirn.
"Gibbli", wiederholte er flüsternd, direkt neben ihrem Kopf. "Siehst du das?"
Sie sah es. Das Hemd unter der Uniform spannte sich an. Nur ganz leicht. Die Brust darunter hob sich. Langsam. Und sank wieder nach unten. Kaum sichtbar. Er atmete!
Ihre Mundwinkel zogen sich nach oben. Er lebte!
Und dann, ganz langsam, bewegten sich seine Lippen. "Du hättest sie aufhalten müssen, Abyss", durchdrang die raue Stimme die Basis der Mog.
Stevens Gemurmel verstummte. "Unmöglich", flüsterte er fasziniert.
Skys schwarze Implantate starrten offen an die Decke. "Sie wären fast gestorben. Wegen mir."
"Du bist ja auch der Kapitän", sagte Abyss leise. Er drückte Gibbli noch fester an sich.
"Wenigstens das. Es war ... etwas unheimlich."
Unheimlich? Gibbli kroch ein Schauer über den Rücken. Hatte Sky wirklich gesehen, was danach kam? Hatte der Kapitän tatsächlich einen Einblick erhascht, wie es weiter ging? Das war Wahnsinn!
"Tot sein ist also unheimlich?", sprach Abyss die Frage aus, die Gibbli im Kopf umher schwirrte. Sie fühlte sich noch viel zu schwach, um ihre Stimme zu benutzen.
"Nein", antwortete Sky und schloss erschöpft die Augen. "Dass du Kapitän sein sollst. Mir dich in Uniform vorzustellen war ... in der Tat etwas gruselig."
Gibbli lachte.
"Hm, Idiot", murmelte Abyss.
"Wir kehren zurück auf die Mara", befahl Sky entschlossen, nachdem er sich aufgerichtet hatte. Dann wandte er sich an Bo. "Du nicht."
"Was?", fragte die blasshäutige Frau verwirrt.
Steven, der noch immer hinter ihr stand, runzelte die Stirn.
"Du hast mich verstanden."
"Sky, ich verstehe nicht, was meinst du damit?", fragte Bo.
"Du wirst nicht bei uns bleiben. Du wirst die Mara nie wieder betreten."
"Bist du irre?", fuhr Abyss ihn an.
"Nein, aber du bist es, du hättest sie aufhalten sollen!"
"Sie hat dir dein verficktes Leben gerettet!"
"Ich habe sie nicht darum gebeten!"
Stille breitete sich in der Basis aus. Alle starrten ihn fassungslos an.
"Sie hätte sterben können und Gibbli mit ihr. Dass sie ihr eigenes Leben riskiert, kann ich nicht verhindern, aber das von jemand anderem ..."
"Das war meine Entscheidung", warf Gibbli leise ein.
"Halt den Mund!", fuhr der Kapitän sie an.
"Sky, bist du's wirklich?"
"Abyss, wenn Gibbli meinetwegen gestorben wäre, hättest du mir das nie verziehen."
"Ich ... sie ... sie ist es nicht!"
Der Kapitän starrte ihn eine Weile an. "Ganz genau. Du kannst sie übrigens jetzt loslassen, sie ist okay." Mit düsterem Blick betrachtete er Abyss' Hände, die noch immer Gibbli von hinten umklammerten. "Und Bo verschwindet."
 
Gibbli konnte nicht glauben, dass Bo tatsächlich fort war. Gedankenversunken blickte sie an den Pflanzen der Galerie vorbei nach draußen aus dem großen Frontfenster, über Sky hinweg. Dort unten in der Zentrale saß er, der Mann, der mit seiner kranken Einstellung zur Gerechtigkeit alle zur Verzweiflung trieb. Der Mann, von dem Gibbli gedacht hatte, dass er nie log und jetzt hatte er Bo fortgeschickt. Einfach so. Der Kapitän ließ die Steuerung los. Jack saß neben ihm und sprach leise auf ihn ein. Sky hatte das U-Boot in einiger Entfernung von der Mog Basis in eine Senke am Meeresgrund manövriert. Um sie herum brodelte das heiße Wasser und tausende von winzigen Luftblasen strömten aus dem schlammigen Boden nach oben. Es wäre ein wunderschöner Anblick gewesen. Doch Gibbli nahm das Naturschauspiel kaum wahr. Für einen Moment dachte sie an Steven. Er saß im hinteren Bereich der Zentrale auf dem runden Tisch. Die Kugel schwebte über seinem Kopf und der Oceaner schien darauf irgendetwas zu suchen. Gibbli hatte einige Zeit zugesehen, wie seine Berechnungen kreuz und quer durch den Nebel im Inneren flogen, gefolgt von bildhaften Szenarien, welche das Ergebnis darstellen sollten. Er versuchte, den Schild irgendwie zu modulieren, um daraus etwas zu bauen, was seine Maschine aufhalten könnte. Doch bisher funktionierte nichts davon. Außerdem war es sowieso viel zu spät. Ihnen blieb noch ein Tag, im besten Fall zwei. Offensichtlich hatte Skys Eingriff zwar alles etwas durcheinandergebracht, die Maschine jedoch nicht gestoppt. Gibbli drehte sich um und trat an den Pflanzen vorbei durch einen Durchgang. Abyss hatte sich schon wieder mit dem Kapitän gestritten. Ob es dabei um Bo ging oder um sie, hatte Gibbli nicht richtig mitbekommen. Aber sie wusste, dass er in seiner alten Kapsel hockte. Er hatte sich darin verkrochen, seit sie zurück auf der Mara waren und weigerte sich, herauszukommen. Schon zwei Mal hatte er Gibbli davon gejagt. Und noch immer schien er niemanden sehen zu wollen.
"Abyss?", fragte sie vorsichtig und betrat die Kapsel.
"Lass mich allein", knurrte er.
Das würde sie nicht tun. Es reichte! Er konnte das doch nicht alles so hinnehmen, er gab nie auf! Das passte nicht zu ihm. "Abyss, denkst du, Sky wird es einfach so passieren lassen?"
Er warf ihr einen düsteren Blick zu. "Frag ihn doch." Es schien ihn überhaupt nicht zu interessieren, dass entweder sie oder die Welt dort draußen bald nicht mehr existieren würden.
Gibbli nahm einen tiefen Atemzug. Abyss wusste genau, dass sie sich das nicht traute. Nicht, wenn Jack dabei stand. Und er stand immer dabei. Dazu kam noch, dass Sky sich richtig kalt verhielt, seit er von den Toten auferstanden war. Gibbli konnte es ihm nicht übel nehmen, in Anbetracht dessen, dass der Landmenschenführer ständig versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erregen und ihm einzureden, dass er dazu verpflichtet wäre die Menschen zu retten, indem er seine Crew opferte. Dennoch, Skys Vorgehen, was Bo betraf, verstand sie nicht. Und Abyss offensichtlich auch nicht. Wahrscheinlich war es gut, dass er sich hier verkroch, so würde er wenigstens nicht mit Sky und Jack aneinandergeraten.
Abyss zog sich hoch und trat auf sie zu. Sie schluckte und lehnte sich an eine Wand in der kaputten Tauchkapsel.
"Du solltest jetzt wirklich besser gehen. Bitte", sagte er leise und einer seiner Finger zeigte bedrohlich auf den Eingang.
Sie wollte sich nicht schon wieder verjagen lassen. "Abyss, wir könnten Bo suchen und versuchen Sky zu-"
"Es geht nicht um Bo", unterbrach er sie.
"Dann sag mir doch wenigstens, was ich falsch gemacht habe!"
Er ließ sich vor ihr auf seine Knie fallen. Sein Gesicht war jetzt näher an dem ihren, doch es kam Gibbli nicht mehr so vor, als würde er von oben herab mit ihr sprechen. "Du hast nichts falsch gemacht", gab Abyss zurück. Er legte eine Hand auf ihre Schulter.
"Aber warum darf ich dann nicht bei dir sein? Warum bist du so abweisend?", fragte sie und versuchte, die aufsteigende Angst seiner Berührung zu vertreiben.
"Geh von mir weg", flüsterte er. Gleichzeitig spürte sie, wie sein Griff an ihrer Schulter fester wurde.
Gibbli schüttelte den Kopf. "Nein."
Abyss schnaufte betrübt aus. "Du musst, Gibbli." Sie spürte seinen warmen Atem im Gesicht, als er noch näher auf sie zu kam. Er wirkte erschöpft.
"Warum?", fragte sie wieder. So fest, wie seine Finger ihre Schulter gegen die Wand gedrückt hielt, hätte sie gar nicht mehr gehen können.
Abyss hob seinen anderen Arm und fuhr mit der Hand vorsichtig über ihre Schläfen. "Ich muss weg. Verstehst du?"
"Wo gehen wir hin?"
"Nicht wir."
"Nein. Du wirst nicht schon wieder ... du gehst nicht ohne mich!"
Ohne Vorwarnung überbrückte er den Abstand zwischen ihnen. Bevor sie weiter sprechen konnte, berührten seine Lippen die ihren. Gibbli erstarrte. Sie hätte sich nicht bewegen können, selbst wenn er nicht ihren Kopf festgehalten hätte. Ihr ganzer Körper schien plötzlich zu brennen.
Geschockt starrte sie ihn an, als er plötzlich ein paar Zentimeter zurückwich. Schnell wandte er sich von ihr ab und fuhr mit der Hand durch seine hellen Haare.
"Tut mir leid", flüsterte Abyss.
Gibbli war nicht in der Lage etwas zu erwidern. Ihre Finger verkrampften sich.
Abyss drehte sich wieder um. "Nein, ich lüge. Es tut mir nicht leid", sagte er, während er sich erneut auf den Knien niederließ, ihre Schultern packte und sie behutsam schüttelte. "Aber verstehst du jetzt?"
Panik stieg in ihr hoch. Sie wollte wieder nach dem Warum fragen. Wieso tat er das? Er wollte fort? Mit aufgerissenen Augen starrte sie ihn einfach nur an. Abyss schüttelte leicht den Kopf, als würde er ihre Gedanken lesen.
"Ich weiß doch, dass es falsch ist, Gibbli."
Was tat er mit ihr? Für einen Moment tauchte Djegos braun gebranntes Gesicht in ihren Gedanken auf und Gibbli drückte seinen dummen Lockenkopf beiseite. Abyss durfte hier nicht raus!
"Aber ich bin nicht Sky. Ich bin nicht jemand, der das Richtige tut. Ich mache, was ich will und ich bekomme, was ich will. Etwas anderes akzeptiere ich nicht, es geht nicht. Ich kämpfe darum, bis zum Tod."
Noch immer fehlten ihr die Worte. Zitternd presste sie sich an die Wand der Kapsel, während seine Finger sich weiter in ihre Schultern gruben.
"Ich würde dich jagen Gibbli, das weißt du."
Sie wusste es. Ihre Gedanken rasten wie glühende Lava durch sie hindurch. Halt, was genau wusste sie? Seine grauen Augen ließen sie alles vergessen. Welche Gedanken überhaupt? Sie konnte keine mehr klar erfassen. Abyss' Finger drückten sich auf ihre Haut. Es brannte. Er war zu nah. Viel zu nah. Aber es war okay, oder? Es war doch ... er. Er durfte nicht fort!
"Fürchtest du dich vor mir?", fragte er ruhig.
Gleich würde sie schmelzen. Sie versuchte, den Kopf zu schütteln, doch nicht einmal das gelang ihr richtig.
"Das solltest du", sagte er leise. "Denn ich bin nicht in der Lage, dir zu versprechen, dass ich das nie wieder mache. Ich würde es tun. Immer wieder. Darum solltest du dich von mir fernhalten."
Nervös schluckte sie.
"Hast du das verstanden?"
Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder.
"Gibbli?"
Er war doch ihr Bruder! Lautlos formten ihre Lippen das letzte Wort.
"Ja", sagte Abyss leise. "Ja ... ich bin ... Nein, Gibbli, das bin ich nicht und du weißt, das war ich nie."
"Aber du sagtest ... du ..." Ihre Stimme klang kaum hörbar.
"Ja. Ja verdammt! Ich sage, was andere hören wollen, um sie zu manipulieren, okay? Das bedeutet nicht, dass ich dir schaden wollte. Ich wollte dein Vertrauen. Darum sagte ich das. Ich will nur, dass es dir gut geht, dafür würde ich alles tun. Aber wenn ich weiter in deiner Nähe bin, dann wird es dir nicht mehr lange gut geh'n. Verstehst du das?"
"Abyss ..." Alle Kraft schien sie zu verlassen.
"Hey, ich ... ich tu dir nicht weh. Das würde ich niemals. Aber jede Sekunde in der ich dich sehe, fällt es mir schwerer, nicht über dich herzufallen. Und ich bin mir nicht sicher, wie lange ich es noch schaffe, mich zurückzuhalten. Nur ein kleiner Schubs. Wenn Jack wieder oder irgendjemand ... Nein Gibbli, das lasse ich nicht zu." Er hielt kurz inne. "Ich gehe jetzt, okay?"
Nein, das war nicht okay!
"Und ich werde nicht, ich kann nicht zurückkommen. Nie mehr."
Gibbli fühlte, wie ihre Beine leicht wegsackten. Das hielt sie nicht aus. Nie mehr. Diese Worte fühlten sich an, als würde eines seiner Messer mitten durch sie hindurch fahren.
"Bitte, lauf mir nicht nach. Ich will, ich darf dich nie wieder seh'n! Verstehst du das?"
Warum stellte er ihr immer wieder diese Frage? Sie konnte sich nicht mehr halten.
"Hey." Abyss packte sie, hielt sie fest und sackte mit ihr zu Boden. "Ich musste das tun." Vorsichtig drückte er ihren Kopf an seine Brust, wo sie wie erstarrt durch ihren offenen Mund atmete. "Ich hätte das nicht tun dürfen, aber ich muss, okay? Ich muss", flüsterte er immer wieder und strich über ihre Haare.
 
Eine raue Stimme drang in Gibblis Ohren: "Sag mir, was geschehen ist."
Mit starren Liedern realisierte sie aus den Augenwinkeln, dass Sky vor ihnen hockte. Noch immer hatte sie ihren Kopf an Abyss' Brust vergraben, wo er sie fest umklammert hielt. Noch immer hörte sie sein Flüstern. "Ich hätte das nicht tun dürfen. Ich hätte das nicht tun dürfen."
Und Gibbli fühlte sich wie versteinert. Sie war sich sicher, wenn sie sich bewegte, dann würde sie zerbrechen und zu Staub zerfallen.
"Abyss?", fragte der Kapitän besorgt.
"Es ist zu spät. Ich hätte das nicht-" Abyss verstummte mitten im Satz. "Sky", sagte er dann tonlos.
Für einige Sekunden war es still. Sky schien zu warten, doch es kam nichts mehr.
"Sky", flüsterte Abyss schließlich wieder.
"Ja?", fragte Sky ruhig.
Wieder schienen einige Sekunden zu verstreichen, dann hörte Gibbli Abyss' Stimme erneut: "Ich hab Mist gebaut."
"Sag mir, was geschehen ist", forderte der Kapitän ihn zum wiederholten Mal auf.
"Ich ... nichts. Ich ... ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, Sky."
Sky streckte vorsichtig eine Hand nach ihm aus. "Abyss, du erdrückst sie", sagte er ruhig. "Wie wäre es, wenn du Gibbli jetzt loslässt?"
"Nein. Nein!", rief Abyss sofort und Gibbli spürte, wie sein Griff fester wurde. "Ich will nicht." Und noch einmal flüsterte er: "Ich will nicht."
"Ruhig. Schon gut." Sky fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. "Dann ... dann rede wenigstens mit mir. Ihr ... sitzt hier bereits länger."
Abyss nickte.
"Sag mir wie lange."
"Eine Stunde. Zwei? Fünf? Keine Ahnung."
"Okay. Gut. Und jetzt sagst du mir genau, was passiert ist."
Abyss öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Sky schien abzuwarten.
"Sky", flüsterte Abyss nach einer Weile erneut.
"Ich bin hier", gab der Kapitän leise zurück.
"Sky."
"Ich bin hier, Abyss", wiederholte er beruhigend.
"Ich wollte das nicht. Jack hat ... und sie wäre ... und du ...", Abyss brach ab.
"Er ist ein Monster."
Abyss schnaubte. "ICH bin das Monster! Wie kannst du damit einfach so ... Ich wollte nicht ... es ... ich ... ich hab die Kontrolle verloren."
"Nein, hast du nicht."
"Hab ich nicht", wiederholte Abyss Skys Worte.
"Es hätte nie passieren dürfen. Aber ich kann es nicht rückgängig machen, Abyss."
"Nein, kannst du nicht. Du hättest mich aufhalten müssen! Ich hätte das nie ... ich würd's wieder tun, Sky. Das darf nicht getan werden. Es ist falsch. Warum lässt du ihn hier sein? Wie kannst du ... wie hältst du das aus?" Der Tonfall, mit dem er sich immer weiter hineingesteigert hatte, sackte zu einem verzweifelten Flüstern ab. "Warum lässt du mich hier sein?"
"Dich trifft keine Schuld."
"Wie oft willst du mir das noch einreden?"
"Bis du es glaubst. Das habe ich dir damals auf dem Planeten der Mog schon gesagt und immer wieder. Und du wirst nie etwas anderes von mir hören. Du hast das gut gemacht!"
"Nein! Das war nicht gut. Das war krank! Und jetzt auch noch das mit dem Jungen! Sie ist völlig ... nein, ich bin ... ich ... Ich hasse euch! Ist es das, was ihr Eliteheinis tut? Ist das normal für euch?"
"Abyss, du hast nach meinem Befehl gehandelt!"
"Weißt du, was sie mich gefragt hat?", sagte Abyss leise. "Gibbli hat mich gefragt, ob sich Menschen weh tun, die zusammen sind."
Der Kapitän fuhr sich mit den Händen durch die Haare.
"Tun sie das, Sky? Tun sie das?"
"Nein! Natürlich nicht!", rief Sky eindringlich.
Für eine Weile herrschte Stille und Gibbli wünschte sich, Abyss würde wieder irgendetwas sagen, einfach nur um seine Stimme zu hören, um zu wissen, dass er noch da war. Sie realisierte gar nicht, über was sie eigentlich sprachen. Es hatte keine Bedeutung. Es war nicht der Kuss, welcher sie so geschockt hatte. Er wollte gehen. Wieder. Erst nahm er sie mit, spielte ihr vor, er wäre ein Freund, ihr Bruder! Und jetzt ließ er sie zurück. Wieder.
"Ich hätt's auch getan, wenn du nicht zugestimmt hättest", sagte Abyss dumpf.
Für einen Moment schwieg der Kapitän. Dann sagte er leise: "Ich weiß."
"Ich liebe sie."
"Ich weiß."
"Sky ... Sky?"
"Ich bin hier."
"Ich wollte nicht ... dich ... Sky?"
"Ich bin hier, Abyss", wiederholte er noch einmal die Worte.
"Es tut mir so leid", flüsterte Abyss kaum hörbar.
Stille breitete sich in der alten Tauchkapsel aus.
"Abyss, bitte erzähle mir jetzt, was passiert ist", verlangte der Kapitän nach einer Weile wieder. "Was hast du getan?"
"Gar nichts. Ich ... Sky du ... ich werd's wieder tun, verstehst du das? Du musst mich ...", begann Abyss und brach ab. Sein Griff um Gibbli lockerte sich etwas.
"Wirst du nicht. Sag mir, was ich muss."
"Du musst ... Ich ... Sky ... ich hab ..."
"Abyss", flüsterte Sky, "hast du sie verletzt?"
Abyss schüttelte den Kopf. "Aber ich werde! Sky, sie ist doch meine kleine Schwester! Was, wenn er ... wenn Jack einen Weg findet oder ... wenn ich ... ich verliere die Kontrolle, Sky. Du musst ... Siehst du nicht? Es hat schon begonnen! Ich schaffe es nicht! Und sie wird es nicht verkraften, erst recht nicht nachdem dieser dämliche Junge ... Nein ... Ich hab dir gesagt ... Ich ... warum willst du überhaupt, dass ich ... Nein! Ich kann das nicht, ich würde ... Ich will ihr nicht ... Scheißdreck! Lass mich in Ruhe, Sky! Hier."
Gibbli spürte, wie es plötzlich kälter wurde. Sie wollte es verhindern, zurück in die Wärme, doch sie schaffte nicht, sich zu bewegen.
Sky streckte überrascht die Hände aus. "Abyss was-"
Und dann lag sie in den Armen des Kapitäns. Sie hörte, wie Abyss aufstand.
"Warte! Wo gehst du hin?", fragte Sky scharf.
Abyss blieb stehen. "Du musst ... Halt mich von ihr fern. Bitte", sagte er, ohne sich umzudrehen.
"Abyss!", rief Sky und drückte Gibbli an sich. "Bleib stehen! Abyss! Verflucht!"
 
Gibbli lehnte mit dem Kopf regungslos an einem der goldenen Rohre. Sie saß am Boden vor dem MARM. Nicht weit von ihr standen drei Gestalten, direkt mitten im Durchgang zur Zentrale.
"Warum hast du ihn weggeschickt? Du machst alles kaputt!", rief Steven aufgebracht. "Du machst sie kaputt! Mein Mädchen."
"Steven, bitte."
"Diese dumme Göre sollte ebenfalls nicht hier sein", sagte Jack an Sky gewandt. Er stand etwas abseits an die Wand gelehnt.
"Wie hast du mein Mädchen genannt?"
"Gibbli kann nichts dafür", gab der Kapitän zurück.
Jack, bedacht darauf, nicht direkt zu Steven zu sprechen, blickte den Kapitän wütend an. "Sky, sie ist an allem schuld! Sie und dieses ... etwas von ... was auch immer er ist."
"Nein, nein, nein, so sprichst du nicht über uns!" Steven legte den Kopf schief und trat einen Schritt auf Jack zu.
"Steven", Sky ruckte warnend mit dem Kopf. "Fang du nicht auch noch an!"
"Ach, jemand muss das aber machen, ihn hast du ja weggeschickt!"
"Ohne die beiden wäre das hier alles nie geschehen!", sagte Jack wieder. "Sky, sie gehören nicht hierher! Er und dieses kleine Miststück sind daran schuld, wenn diese Welt auseinanderbricht!"
"Du gehst zu weit, Mensch, oh ja!"
"Schweig Jack!", rief der Kapitän und stellte sich zwischen Steven und Jack. "Und du", er wandte sich dem Oceaner zu und legte die Hände auf seine nackte Brust, "halte dich zurück. Wir haben eine Abmachung. Niemand von euch berührt ihn."
"Er hat uns beleidigt! Er hat mein Mädchen beleidigt!"
"Das sind nur Worte, Steven!", sprach er eindringlich auf ihn ein.
Die Augen zu Schlitzen verzogen, starrte er an Sky vorbei auf Jack, der noch immer an der Wand lehnte und von Steven keine Notiz nahm. "Du kannst mich nicht aufhalten, oh nein. Das weißt du, Kapitän."
"Das ist mir bewusst. Aber du wirst es nicht tun, weil ich es dir befehle. Du wolltest zur Crew gehören, du hast es dir ausgesucht, also tu was ich sage und beruhige dich. Wir brauchen ihn."
Wofür? Wofür brauchten sie ihn eigentlich?, fragte sich Gibbli, die das Gespräch nur mäßig interessiert verfolgte. Sie brauchte Abyss. Niemanden sonst. Doch der war ja wieder einmal weg.
Steven schnaufte genervt aus, hatte sich aber anscheinend etwas beruhigt. Sky ließ langsam seine Arme sinken.
"Glückwunsch", sagte Jack. "Wenigstens hast du ihn unter Kontrolle. Im Gegensatz zu diesem Muskelklops von Bleichgesicht, der nicht mal-"
Sky drehte sich um und schlug zu. Gibbli verzog keine Miene, hob jedoch jetzt etwas mehr interessiert den Kopf. Jack stöhnte auf und rutschte von der Wand ab.
"Ups", sagte der Kapitän tonlos, ganz nebenbei, als wäre es ein Versehen gewesen.
Jack richtete sich zähnefletschend auf. Doch als er in Skys Waffe blickte, hielt er inne.
"Das ist nicht fair", murmelte Steven. "Ich will auch!" Gleichzeitig trat er belustigt einen Schritt zurück. Flüchtig sah er zu Gibbli herüber, die sich jetzt langsam hochzog und die drei ausdruckslos betrachtete.
Jack nickte kurz, ohne Skys Waffe zu beachten. Dann fing er unbeeindruckt an zu grinsen. "Dieser Abgrund von Kerl hat keinen guten Einfluss auf dich, mein Freund. Aber wenigstens bringt dich das dazu, mich zu berühren."
Die Starre in Gibblis Kopf löste sich ein wenig, als Sky auf ihn zustürzte. Noch immer mit dem Strahler in einer Hand, packte er Jack und drückte ihn gegen die Wand.
"Noch ein Wort über Abyss und ich werde dich so durchlöchern, dass nichts mehr von dir übrig bleibt!" Der Kapitän hielt inne, um seinem Befehl Nachdruck zu verleihen. "Du hältst dich von meiner Crew fern, auch in deinen Gedanken!" Er schubste Jack beiseite, wandte sich von ihm ab und hielt sich erschöpft am Rahmen des Durchgangs fest.
"War das der Grund, Sky? Warum du ihn nicht aufgehalten hast? Um die beiden Menschlein voneinander fernzuhalten?"
"Du hast keine Ahnung!", fuhr der Kapitän Steven an. "Verschwindet. Beide! Lasst mich ... haut ab, ich will meine Ruhe!" Er ließ den Kopf hängen und taumelte einen Schritt nach vorne. "Wenigstens ein paar Minuten. Okay? Bitte. Geht, verflucht!" Dann verschwand er in der Zentrale.
Düster starrte Gibbli ihm nach. Plötzlich verspürte sie einen Ruck und eine gefährliche Absicht ergriff von ihr Besitz. "Warte!", rief sie.
Das war ihre Chance, Sky allein zu sprechen. Er war in einer verdammt miesen Laune und wahrscheinlich würde er sie sowieso nur böse anknurren, aber sie musste ihn zur Rede stellen. Jetzt oder nie! Wütend rannte sie dem Kapitän hinterher, vorbei an dem zufrieden dreinblickenden Jack und an Steven, der sie verdutzt musterte.


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Miniaturcomic ANTARES Seite 3 (Skizzen/Lines/WIPs)

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Storyboard und Vorskizze von Seite 3

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Lines von Seite 3 (gezeichnet mit Bleistift und Copic Multiliner SP)

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WIP von Seite 3 (graue Copics, Neocolor II und Farbstifte)

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Größere Version / Scan von Seite 3

 

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Miniaturcomic ANTARES Seite 2 (Skizzen/Lines/WIPs)

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Storyboard und Vorskizze von Seite 2

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Lines von Seite 2 (gezeichnet mit Copic Multiliner SP)

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WIP von Seite 2 (graue Copics, Neocolor II und Farbstifte)

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Miniaturcomic ANTARES Seite 1 (Vorzeichnungen/WIPs, Material und Ergebnis)

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miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Oben könnt ihr die Vorlage des Storyboards sehen. Für die erste "Seite" hatte ich anfangs noch ein anderes Bild vorgesehen, das Antares a und b zeigt. Da ein Abbild der beiden Sterne aber später noch in einem kleinen Ausschnitt einer späteren Karte vorkommt und im Grunde für die Story entbehrlich ist, dachte ich mir, ich schreib den Titel gleich auf die zweite Karte. Damit komme ich aktuell auf nur noch 36 geplante Bilder.

Das komplette Storyboard findet ihr hier (Achtung Story-Spoiler): Storyboard und Skizzen: Entstehungsprozess des Miniaturcomics "Antares" auf Artist Trading Cards

miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Für die Lines habe ich Copic Multiliner SP verwendet. Die Zeichnungen in der Stärke 0,03 und für Texte / Sprechblasen 0,1.

miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Normal arbeite ich hauptsächlich mit Farben auf Wasserbasis, allerdings verwende ich für diesen Comic ein sehr dünnes Papier, da man durch Aquarellpapier nicht so gut durchsieht, wenn ich mir die Vorskizzen drunter lege. Jede Art von Wasserfarbe würde sich darauf wellen. Darum musste ich das Material leider etwas einschränken.

Zunächst zeichne ich mit kalten Grautönen (Copic Marker) die ersten Schatten. Anschließend benutze ich Farbstifte (Albrecht Dürer von Faber Castell). Für mich sind diese eher ungewohnt und ich mag die Struktur nicht so, die damit entsteht. Darum habe ich meine Wachsmalkreiden wieder ausgepackt (Neocolor II) und mit diesen die Farben noch etwas verstärkt und verfeinert. Eigentlich verwende ich die auch oft mit Wasser zusammen, aber das muss ich dieses Mal leider weglassen und direkt ohne Pinsel zeichnen. Zum Aufhellen einiger Stellen verwendete ich außerdem meinen weißen POSCA Marker.

miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Ich überlege, ob ich ggf. später irgendwann noch den per Hand geschriebenen Text in den Sprechblasen austausche. Ich habe versucht, ordentlich zu schreiben, dennoch fällt mir das etwas schwer, hoffe aber, dass es einigermaßen leserlich ist. Hier ein größeres Bild vom Scan:

miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Da ich wahrscheinlich Auflagen davon drucken werde, habe ich für den Verschnitt in der Druckerei an den Rändern beim Zeichnen jeweils drei mm hinzugerechnet (7,0cm x 9,5cm). Die kommen dann natürlich noch weg.

Die fertige Karte ist viel kleiner als der oben abgebildete Scan, da es sich um eine Artist Trading Card handelt. Das bedeutet, dass ich auch im Original so winzig zeichne und nichts digial verkleinere.

Nachfolgend die fertige Karte (6,4cm x 8,9cm):

miniaturcomic auf kakaokarten von sockenzombie - seite 1 (antares)

Zurück zum Comic: ANTARES - Miniaturcomic auf ATC


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Kapitel 22: Die Maschine (Bis in die tiefsten Abgründe)

Gibbli hatte es sich auf der schrägen Sitzfläche in der alten Tauchkapsel des Mönchs gemütlich gemacht. Durch die gerissenen Scheiben drang das helle Licht der Sonnenstücke herein. Kaum vorstellbar, dass sie mit diesem Ding einst in den tiefen Graben nahe Noko hinabgetaucht waren, um die Mara zu bergen. Und jetzt lag die Kapsel hier, kaputt, in ihrem Hangar. Sie funktionierte zwar nicht mehr, gab aber ein gutes Versteck ab. Gibbli dachte an Bo. Die Hybridenfrau tat ihr Leid. Sie hatte sich verändert. Jedenfalls zum Teil. Es gab Momente, da schien sie die alte zu sein. Doch sie trug ihre Maske nicht mehr. Ihre Augen erschienen noch warm, aber ihre Worte ernster seit Samanthas Tod. Bo war stark, sie kam damit klar.
Abyss lehnte sich gegen die aufgeschraubten Konsolen. Einige Kabel hingen aus ihnen heraus. Er sah aus, als überlegte er gerade, welches Körperteil er ihrem erzwungenen Gast als erstes abhacken würde.
"Ich glaube, wir haben keine Axt an Bord", sagte Gibbli kühl.
Abyss grinste. "Hm ... du könntest mir eine bauen."
"Mir bitte auch", murmelte plötzlich eine raue Stimme.
Gibbli blickte erstaunt auf, als Sky sich in die Tauchkapsel zog und dann erschöpft an einer Wand zu Boden glitt.
Abyss kniff die Augen zusammen. "Hey, wenn du hier bist, wer steuert dann die Mara?"
"Steven. Bo ist bei ihm."
Der Kapitän hatte befohlen, dass niemand alleine im Schiff herum lief, so lange Jack sich an Bord befand. Doch seine Vorsichtsmaßnahme erwies sich als unnötig. Denn der einzige, der von Jack verfolgt wurde, war Sky selbst.
"Du überlässt ihm das Steuer? Ernsthaft? Diesem goldenen Dreck-" Abyss brach mitten im Wort ab und seine Aufmerksamkeit wanderte auf das lange Ding, das von Skys Finger baumelte. Es schillerte in gelblich gefärbter Fischhaut, mit der ein Teil des Bandes überzogen war. "Ähm ... was hast du da?"
Der Kapitän hob seine Hand und betrachtete es überrascht. "Oh verflucht", murmelte er und ließ das Ding angeekelt fallen, als hätte er sich daran verbrannt.
Abyss runzelte die Stirn. "Der gehört Jack." Er lachte schnaubend "Wann hast du ... Wie?"
Sky ließ seinen Kopf sinken und rieb mit beiden Händen über sein Gesicht. "Ich habe keine Ahnung."
Abyss versuchte angestrengt, sein Grinsen zu verbergen. "Du hast echt seinen Gürtel geklaut!", sagte er ungläubig.
"Erzählt ihm das bloß nicht", gab Sky müde zurück. "Ich will mir nicht vorstellen, wie er darauf reagieren würde."
"Während er ihn trug?"
Sky lehnte sich an die gebogene Wand und schwieg. Für einen Moment schloss er die Augen, als würde er die Ruhe vor Jack genießen.
Abyss öffnete den Mund.
Doch Sky kam ihm zuvor: "Nein, Abyss", sagte er mit noch immer geschlossenen Augen. "Ich werde nicht seine Unterhose stehlen."
Abyss schloss den Mund wieder.
"Nur ein Wort von dir, Kapitän", sagte er nach einer Weile ernst. "Nur ein einziges und ich mach es. Ich erledige ihn. Ich erwürge ihn damit." Abyss deutete auf den Gürtel.
Sky warf ihm einen kurzen Blick zu und schüttelte leicht den Kopf.
Abyss riss sich ein Haar aus und hielt es dem Kapitän vor die Nase. "Ich könnte das hier auf seine Uniform schmuggeln, was meinst du?"
"Ich meine, dass du dann gegen die Abmachung verstößt." Seufzend wandte er sich Gibbli zu und musterte sie prüfend. "Bist du okay?"
"Ja", antwortete sie leise.
Sky nickte und lehnte sich wieder zurück. "Gut. Das ist gut."
"Sky?", sagte Abyss nach einer Weile.
"Mh."
"Und wenn ich ihn anzünde? Darf ich ihn anzünden?"
Der Kapitän schüttelte den Kopf. "Das geht nicht."
"Doch. Mit altmodischen Streichhölzern und etwas Schwarzpulver, ist ganz leicht."
Gibblis linker Mundwinkel zuckte, als sie Abyss' Blick auffing.
"Nein", knurrte der Kapitän.
"Aber er ist widerlich! Komm schon, ich zünde ihn an, ich schlag ihm die scheiß Fresse ein!"
"Sei etwas netter, Abyss."
"Wie wäre es damit, Kapitän:", tönte plötzlich eine helle Stimme durch die Kapsel und Steven kroch herein, "Ich greife ihm unsanft mit meiner perfekten Faust in sein unästhetisches Gesicht?"
Stutzig blickte Gibbli auf, als Abyss nichts erwiderte. "Sollten jetzt keine Widerworte von dir kommen?", fragte sie. "Du widersprichst ihm doch sonst immer."
Abyss zuckte mit den Schultern. "Nein, wieso? Das hörte sich überaus reizend an, was das Goldmännchen sagte. Lass uns Jacks Antlitz liquidieren zu bildhübscher, roter Matschpampe. Hört sich das netter an, Sky?"
"Mich grauste immer vor dem Tag, wenn ihr einer Meinung seid", murmelte Sky. "Was machst du überhaupt hier, Steven? Du solltest bei Bo in der Zentrale bleiben und die Mara steuern!"
"Hatte keine Lust mehr. Das ist langweilig."
Der Kapitän schien zu müde, um ihn zurechtzuweisen. Er holte genervt Luft und verließ die Kapsel.
 
Die Maguna Quellen lagen auf halber Strecke zwischen der Meeresakademie und der Hauptstadt Mooks. Dort, verborgen unter heißen Wasserströmungen, befand sich Steven nach die Spionagebasis der Mog. Abyss hatte seinen Mantel ausgezogen und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Skys Hemd klebte nass an seinem Körper. Sogar Gibbli war ein wenig warm. Bo und dem Oceaner schien die Hitze überhaupt nichts auszumachen. Gibbli stand am Fenster und betrachtete in Gedanken versunken einen gigantischen Schwarm Cans, der an ihnen vorbeizog. Die wilden Geschöpfe trugen weder Gestelle noch darin enthaltene Nachrichten und wirkten verspielt.
"Nein Bo, wir behalten sie nicht und ich lasse sie sicher nicht alle an Bord", sagte Sky leise, als ahnte er, was die Hybridenfrau gerade dachte.
Bo folgte fasziniert den Bewegungen der Cans, als diese außer Sicht verschwanden.
"Ach, aber der Schwachkopf darf hier an Bord schlafen?", warf Abyss ein.
"Ich schlafe nicht", gab Steven zurück.
"Ich meinte nicht dich", sagte Abyss leise.
Er presste die Zähne aufeinander und funkelte Jack giftig an. Doch Jack hielt sich stur an die Abmachung und ignorierte bis auf Sky jeden aus der Crew. Gibbli betrachtete eine blinkende Konsole, die eine Warnmeldung wegen der Hitze abgab. Steven hatte die Temperatur im Inneren der Mara soweit herunter geregelt wie möglich. Mit Buchstaben konnte sie zwar noch nichts anfangen, aber mittlerweile war Gibbli dazu im Stande, die Zahlen der oceanischen Sprache ganz gut zu entziffern. Das Außenthermometer zeigte über 300 °C an einigen Stellen des Bodens. Erfrieren würden sie hier wahrscheinlich nicht.
"Wie praktisch, dass wir zwei lebende Kühlschränke an Bord haben", sagte Jack zufrieden. Er saß mit verschränkten Armen neben Sky.
Abyss ballte seine Hände zu Fäusten, sagte jedoch nichts. Der Kapitän ignorierte Jack. Seine Finger umklammerten die Steuerhebel, während er düster und mit steinerner Miene nach vorne blickte. Draußen, wo das kochende Wasser aus dem Boden auf die kühlen Strömungen traf, stieg schwarzer Rauch empor. Die feinen Partikel schlängelten sich durch das Licht der Scheinwerfer und trübten die Sicht am großen Frontfenster. Sky hatte das Steuer wieder übernommen und bugsierte sie sicher durch die Quellen, der Route des Oceaners folgend. Es war Gibbli ein Rätsel, wie Steven wissen konnte, wo sie sich befanden. Doch schließlich sendete er ein Signal nach draußen und direkt unter ihnen öffnete sich der Meeresboden. Sky navigierte sie durch einen gebogenen Tunnel hindurch. Das Geräusch von arbeitenden Maschinen durchdrang die Zentrale, abgedämpft durch das Wasser. Es war kein richtiger Schall, sondern Frequenzen anderer Ebenen, die ungehindert durch den Schutzschild dringen konnten. Am Ende des Tunnels tauchten sie auf und gemeinsam verließen sie das U-Boot.
 
Bis auf das ausfüllende Becken der Anlegestelle war die Basis recht klein und bestand lediglich aus einem Raum. Hinter ihnen trieb die Mara und schaukelte leicht in den Wellen auf und ab. Die Luft roch abgestanden und modrig. Gibbli blickte sich um, als Steven die Beleuchtung einschaltete. Das blaugrüne Licht ließ die Umgebung jedoch nicht viel gemütlicher erscheinen. In der schummrigen Luft waren kaum mehr als schwache Umrisse zu erkennen. Dunkle Schatten ihrer eigenen Körper bedeckten den gläsernen Boden. Entlang an den Wänden und Decken verliefen schwarze Rohre. In einigen bildeten sich bereits Risse. Dampf trat aus und verflüchtigte sich in der stickigen Halle. Abyss half Bo dabei, eine mitgebrachte Festluftflasche langsam abzulassen, damit der Raum sich mit genügend frischem Sauerstoff füllte. Die Mog hatten zwar das Wasser abgelassen, aber nicht darauf geachtet, Filter einzubauen. Sie benötigten keine Luft zum Atmen. Bo prüfte die Werte auf einem mitgebrachten Messgerät. Gibbli erkannte, dass es sich um einen medizinischen Sensor der Oceaner handelte. Steven musste ihr gezeigt haben, wie er funktionierte.
Dicht gefolgt von Jack, trat Sky auf ein Podest zu. Dieses dominierte den gesamten Raum. Darauf stand die Maschine, etwa in der Mitte der Basis. Gibbli folgte dem Blick des Kapitäns. Das Gebilde war etwa so hoch wie sie selbst. Kleine Zahnräder drehten sich hinter gläsernen Scheiben. An den Rändern befanden sich seltsame Öffnungen zwischen Schläuchen. Diese Löcher wirkten so ähnlich wie die Raumzeitgravitationsrisse. Es gab Sensoren, die aussahen, als würden sie Wellen verschiedener Frequenzen aussenden oder empfangen.
"Stopp, Kapitän. Nicht näher, Mädchen!" Steven tippte etwas in eine Tastatur, die zwischen zwei Rohren an einer Außenwand der Basis angebracht war.
Helle Strahlen entflammten plötzlich in bläulichem Licht. Abyss und Bo blickten auf. Gibbli wich einen Schritt zurück. Um die Maschine herum bildete sich in einigen Metern Entfernung eine runde Kuppel. Wie es aussah, gab es absolut keine Möglichkeit, die Vorrichtung im Inneren überhaupt auch nur zu berühren.
"Jetzt ist es sichtbar." Der Oceaner trat wieder zu ihnen.
"Und wie kommen wir da durch?", fragte Abyss und kam ebenfalls näher heran.
"Gar nicht, Mensch."
"Dann schießen wir die Maschine da drin doch einfach weg! Ich spreng das Teil von hier."
"Tss, zwecklos. Denkst du, daran hätte ich nicht gedacht? Keine Materie wird auf diese Art bis zur Vorrichtung gelangen. Sie wird verlangsamt. Dieses Feld ist unauflösbar. Ich habe es in einer für die Mog nicht zugänglichen Ebene verankert. Und jeder, der den Schild durchschreitet, stirbt. Ganz einfach. Ja, ja, ganz simpel."
"Du kannst es nicht von hier aus gemacht haben." Gibbli trat an das Bedienfeld heran, durch das der Oceaner die Schildoberfläche zum Leuchten gebracht hatte. Sie stellte fest, dass es weder eine Zeitschaltung noch eine Verbindung nach innen gab.
"Was hast du wie gemacht?", fragte Bo.
"Mit einem Schalter. Ein Knopfdruck. Oh ja, Steven kann gut Köpfe drücken. Ich meinte Knöpfe. Ach egal, Knöpfe, Köpfe, Gehirne, ist doch alles das gleiche."
Gibbli nickte genervt. "Aber nicht von hier. Sonst könntest du sie auch von hier aus abschalten."
"Natürlich nicht, Mädchen. Wozu auch? Sie sollte ja nie abgeschaltet werden können."
"Du hast sie also von innen eingeschaltet. Du warst dort drin. Das bedeutet, du kannst den Schutzschild durchqueren", schloss Sky.
"So schlau, so schlau. Ja, das seid ihr. Aber nicht schlau genug. Jeder kann hindurch. Hindurchlaufen und Sterben und Tanzen und Springen und was ihr wollt. Nur nicht in dieser Reihenfolge."
Gibbli beobachtete, wie Jack einen Finger ausstreckte, um die Hülle des Schildes zu berühren. Abyss musterte ihn mit abfälliger Miene. Es leuchtete kurz auf und kleine Blitze fuhren hindurch. Doch sonst passierte nichts. Jack zog den Finger wieder zurück.
"Na schön. Ich gehe rein", sagte Sky.
"Nein!", schrie Steven und packte ihn am Arm.
"Wenn es einen Grund gibt, warum nicht, dann rede endlich! Wir müssen sie abschalten!"
"Das sagte ich bereits Kapitän. Wer hindurch geht, stirbt."
"Du bist nicht gestorben! Ich will wissen, warum."
"Ein Schalter Sky, darum. Ja. Genau. Ich drückte nur einen einzigen Knopf, um die Maschine einzuschalten. Den dort hinten." Steven deutete durch den Schild hindurch zur Maschine hin und zog seinen Arm dann wieder heraus.
Auf einer Seite der Vorrichtung konnte Gibbli ein Kontrollpult erkennen. Ein Hebel befand sich über dem Display und kleine Schalter darum herum verteilt.
"Man stirbt nicht sofort, oh nein. Der Schutz ist raumübergreifend, eine Kugel. Ihr seht nur die leuchtende Hülle davon, aber er besteht voluminös im Inneren. Und er zögert bei organischen Verbindungen. Diese Verzögerung baute ich ein, um sie einzuschalten. Aber nicht, um sie wieder auszuschalten."
"Wie lange?", fragte Abyss.
"Ein paar Sekunden, nicht länger. Das schaffst du nicht Mensch. Okay, gut, möglich, dass es klappt, aber unwahrscheinlich. Und derjenige, der dort drin ist, wird dem Schild zu lange ausgesetzt sein. Oh ja, das Abschalten benötigt Zeit, mehr als das Anschalten. Jemand müsste den Hebel dort oben hinabdrücken und dann auf der Konsole die Vorrichtung herunterfahren. Das dauert um einiges länger als ein paar Sekunden. Der Hebel muss gerdrückt bleiben, während man die anderen einzeln abschaltet. Ich könnte die Strecke überbrücken, indem ich mich in die Ebene der Mog verschiebe. Aber das Bedienen der Vorrichtung selbst muss hier erfolgen, in dieser Ebene. Nicht einmal ich würde das überleben."
"Aber es ist möglich", stellte Sky fest.
Steven schüttelte den Kopf. "Hört doch auf Steven! Ich bin ein Genie! Selbst wenn man es schnell genug schaffen würde, was, wie ich bereits sagte, unwahrscheinlich ist, derjenige würde mit Sicherheit diese Welt verlassen."
"Es ist möglich", wiederholte Sky. Langsam drehte er sich um. "Deine Aufgabe, Jack."
Jack kniff die Augen zusammen, überrascht, so direkt von Sky angesprochen zu werden. Dann schüttelte er den Kopf. "Nein, sicher nicht. Ich bin oberster Anführer der Landmenschen."
"Ein aufgeblasener Wichtigtuer, der verzweifelt dem Kapitän seiner größten Feinde hinterherrennt, trifft es eher", fuhr Abyss ihn an.
Doch Jack ignorierte ihn, gemäß der Abmachung mit dem Kapitän. "Sky, ich gebe Befehle. Ich werde gebraucht. Mein Volk braucht mich! Jemand anderes sollte das tun."
"Mit jemand anderes bin dann wohl ich gemeint", gab Sky zurück, wandte sich wieder der Maschine zu und verschränkte die Arme. "Andere Ideen? Irgendjemand?"
Gibbli spürte auf einmal, wie jemand sie von hinten packte. Erschrocken stieß sie die Luft aus.
"Hey!", brüllte Abyss.
"Lass sie los!", schrie Bo.
"Keiner rührt sich!", rief Jack.
Steven grinste nur und bewegte sich nicht von der Konsole weg. Abyss zog sein Messer, doch Sky umschloss blitzschnell sein Handgelenk, um ihn aufzuhalten. Er raunte ihm etwas zu, woraufhin Abyss sein Messer sinken ließ. Gibblis Atem beschleunigte sich. Das durfte er nicht! Jack stand viel zu nahe hinter ihr!
"Mache keinen Fehler, Jack", sagte der Kapitän ruhig und hob beide Arme.
Gibbli wollte ihn treten, ihn schlagen, ihre Zähne in seine Haut rammen, in das eklige Fleisch, das sie fest umklammerte. Doch stattdessen stand sie nur da, erstarrt vor Schreck.
"Keinen Fehler? Sky, ich meinte nicht dich! Die Maschine muss abgeschaltet werden! Aber weder du, noch ich, sollten hierfür unser Leben geben! Sie soll es tun", sagte Jack. "Sie ist kein Mensch, sie gehört nicht hier her, sie ist Schuld an allem!"
Sky, der eben noch Jack gemustert hatte, ließ seinen Blick sinken. Und Gibbli sah auf, in sein Gesicht. Er fixierte sie mit den unheimlichen Implantaten.
"Gibbli", sagte Sky leise.
War das eine Zustimmung? Sollte sie es tun? Dort hinein gehen? Sie würde es sofort, wenn der Kapitän es befahl und wenn Jack sie dann endlich losließ. Doch je länger Sky sie musterte, desto mehr hatte sie das Gefühl, dass der Kapitän etwas anderes von ihr erwartete.
"Sky!", murmelte Abyss ungeduldig hinter ihm. Doch der Kapitän schüttelte kaum sichtbar den Kopf. Währenddessen ließ er Gibbli nicht aus den Augen, als wollte er ihr etwas sagen.
"Stopp, er kommt nicht näher, oder ich schubse sie in den Schild! Noch habe ich sie nicht verletzt. Ich habe die Vereinbarung nicht gebrochen und ich habe es auch nicht vor. Aber sie sollte es tun. Sky, sie ist kein Verlust für die Menschheit. Sie muss es machen!"
Der Kapitän starrte direkt in ihre Augen. Plötzlich begriff Gibbli. Sie schlug unvermittelt mit ihrem Stiefel in Jacks Schienbein. Er keuchte auf, für einen Moment lockerten sich seine Finger. Das nutzte sie. Schnell zog Gibbli ein Werkzeug aus ihrer Tasche hervor, wirbelte herum und schlug mit aller Kraft auf den Flottenführer ein. Überrascht taumelte er nach hinten und krallte sich an einem Rohr fest. Gibbli wich schnell einen Schritt von ihm weg, als er einen Arm nach ihr ausstreckte. Währenddessen eilte Sky an ihr vorbei. Er entriss ihr im Gehen den großen Schraubenschlüssel und schlug damit gegen Jacks Schädel. Benommen kippte dieser zur Seite und blieb dann am Boden liegen.
"Ein Anführer schickt seine Leute nicht in den Tod, Jack", sagte Sky leise zu seinem reglosen Körper. "Und das hier ist nicht Gibblis Schuld. Es ist deine. Und Stevens. Und damit auch meine."
Außer Atem starrte Gibbli den Flottenführer an. "Ist er ... ist er ..."
Bo trat mit ihrem Messgerät heran, kniete sich in einigem Abstand neben ihn und scannte seine Werte. "Nein. Er ist nur bewusstlos."
"Ich hab ihn nicht berührt", flüsterte Gibbli schnell. "Mein Schraubenschlüssel war das, ich hab deine Vereinbarung nicht gebrochen, er hat mich angefasst, nicht ich ihn, ich habe-"
"Gibbli", unterbrach Sky sie. Er drehte sich ihr langsam zu. "Du hast ja doch etwas von mir gelernt. Gut gemacht." Er warf ihr den Schraubenschlüssel zu. Dann trat er an ihr vorbei an den Schutzschild der Kugel heran.
Gibblis Mundwinkel zogen sich kaum merklich nach oben. Ihr Blick traf den von Abyss, der erleichtert zurücklächelte. Währenddessen stand Steven scheinbar gelangweilt ein paar Schritte hinter ihm.
"Ich mache es", sagte der Kapitän plötzlich mit fester Stimme und alle drehten sich zu ihm.
"Das darfst du nicht!", rief Bo sofort und sprang auf.
"Abyss, komm her", befahl Sky.
"Kapitän, das ist ein sinnloses Opfer", sagte Steven.
"Wir überlegen uns etwas anderes", meinte Bo.
"Wir gehen auf die Mara und dehnen die Schilde über die Maschine hinweg aus", schlug Gibbli vor. Es mussten sich sowieso mehrere Personen an Bord befinden, damit es funktionierte.
"Was?" Steven schüttelte wild den Kopf. "Nein, nein, nein, nein! Nicht mein Boot!"
"Nicht meine Crew. Im Übrigen ist die Mara mein U-Boot und jetzt schweigt, ich möchte sie nicht zerstören! Abyss, komm her."
"Aber dich?", fragte Abyss leise, "Sky, tu das nicht ... du ..."
"Verflucht, jetzt mach schon!"
Langsam setzte er sich in Bewegung und trat auf den Kapitän zu. Sky hob beide Arme und legte sie auf seine Schultern.
"Und jetzt?", fragte Abyss, als wäre der Kapitän völlig verrückt.
Sky schwieg für einen Moment und blickte ihn nur eindringlich an. Gibbli schluckte nervös. Die Sekunden schienen sich zu endlosen Minuten auszudehnen.
"Hey, falls du vorhast, mich jetzt zu küssen, dann ramme ich dir mein Messer in den Bauch", knurrte Abyss.
Der Kapitän lachte kurz, dann wurde seine Miene wieder ernst. "Abyss." Er legte eine Hand auf seine Wange. "Ich ernenne dich hiermit zum Kapitän der Mara."
Abyss packte ihn ungläubig am Arm. "Was ... nein Mann, Sky was ... das kannst du nicht ... Ich kann das nicht!"
"Du wirst deine Rolle gut spielen."
"Aber es bleibt eine Rolle!"
"Darin bist du doch perfekt. Ich kenne niemanden, der das besser hinbekommen würde. Falls ich es nicht schaffe die Maschine abzuschalten, trägst du die Verantwortung. Bring sie auf das U-Boot. Rette sie. Rette meine Crew."
"Sky ..."
"Ich muss es wenigstens versucht haben. Ich verlasse mich auf dich." Ohne ein weiteres Wort von Abyss abzuwarten, wandte er sich von ihm ab. Kurz blieb sein Blick an Gibbli und Bo hängen. Dann nickte er Steven zu und trat durch die leuchtende Hülle in die Kugel hinein.
Abyss öffnete ungläubig den Mund.
Gibblis Augen weiteten sich.
"Nein", hauchte Bo.
Steven schloss resignierend die Augen.
Sie beobachteten, wie Sky mit aller Kraft gegen Schmerzen anzukämpfen schien, nachdem er in das Feld eingetaucht war. Er setzte langsam einen Schritt vor den anderen, scheinbar unter großer Anstrengung. Der Kapitän taumelte leicht, doch seine Beine trugen ihn bis zur Konsole. Seine Finger umschlossen zuckend den Hebel der Maschine. Gibbli verfolgte gebannt, wie er sich ein Stück bewegte. Ein winziges Stück nur. Ganz langsam rastete er endlich am Ende ein. Sky sackte nach unten, doch er hielt sich am Hebel fest, während er zwei weitere Schalter drückte. Dann glitt seine Hand ab. Er stürzte zu Boden, zuckend, seine Augen weit offen.
Sky hatte es nicht geschafft.
Geschockt blickten sie auf ihren Kapitän. Das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein! Das hier war nicht echt. Sicher träumte Gibbli wieder. Bestimmt. Doch Gibbli schlief nicht. Sie spürte, wie Abyss sich ihr näherte, fühlte seine Wärme direkt hinter ihr.
"Wir müssen hier weg", murmelte er.
"Wir können ihn nicht dort liegen lassen!", rief Bo.
Irritiert beobachtete Gibbli, wie im Inneren der Kuppel kleine Roboter auf den Kapitän zu tuckerten. Waren das Greifarme und Besen an ihrer Seite?
"Hol ihn da raus", sagte Bo tonlos.
Steven presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.
"Hol ihn raus!", schrie sie wieder an Steven gewandt.
Der Oceaner zuckte mit den Schultern. Dann zog er das Gerät aus seiner schillernden Hose, mit dem er durch Wände gehen konnte. Seine Finger lösten es aus. Gibbli beobachtete gebannt, wie er langsam mit seiner Umgebung verschmolz und vor ihren Augen beinahe unsichtbar wurde. Lediglich ein weißlicher Nebel blieb zurück. Dieser schien den Raum widerzuspiegeln. Der weiße Schleier, der sich auf Sky zubewegte, erinnerte Gibbli an einen Mog. Dann wurde Steven wieder sichtbar. Er stieß einen der Roboter beiseite, der sich an Sky zu schaffen gemacht hatte und schliff den leblosen Körper mit sich. Eine zweite Maschine verfolgte ihn und fuhr den Boden wischend hinter ihm her bis zum Rand der Schutzvorrichtung. Sie tauchten hindurch.
Steven ließ ihren ehemaligen Kapitän vor ihnen fallen. Dann fiel er selbst auf alle viere und rang angestrengt nach Luft. "Was?", fragte er, als er ihre ungläubigen Gesichter erblickte.
Abyss nickte ablehnend zu den Robotern hin.
"Na, ich kann doch da drin nicht putzen. Wer soll denn die ganzen ekligen Leichen wegmachen, wenn sich Eindringlinge hereinschleichen? Niemand beschmutzt meine wunderschöne Maschine!" Er verstummte und rollte sich auf den Rücken. Dann schloss er für einen Moment die Augen und stöhnte erschöpft auf.
"Er hat angefangen, wenn ich jetzt reingehe und-"
"Sinnlos", rief der Oceaner vom Boden aus.
"Du hast mir gar nichts zu sagen! Ich bin jetzt der Kapitän!", fuhr Abyss ihn an. "Ich bin ... ich ..." Er schien die Idee aufzugeben.
"Du weißt, dass es nicht geht. Du würdest es ebenfalls nicht lebend rausschaffen", sagte Steven leise. "Der Hebel ist bereits in seine Ausgangsstellung zurückgefahren."
Gibbli spürte eine Träne über ihr Gesicht laufen. Sky war tatsächlich tot.


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Kapitel 21: Nu (Bis in die tiefsten Abgründe)

"Und wenn ich einfach Kopfhörer trage?", fragte Abyss missmutig, während er an dem Anzug herum zupfte. Runde Lichter blinkten auf den daran befestigten Gerätschaften.
"Es macht keinen Unterschied, ob du die Töne hörst oder nicht. Es sind die Schwingungen, welche alles zerstören. Die verschwinden nicht nur, weil du Kopfhörer aufsetzt, du beschränkter Mensch", erklärte Steven ihm. "Wenn ich dir in den Rücken schieße, dann bleibst du auch nicht am Leben, nur weil du den Schuss nicht gesehen hast. Soll ich es demonstrieren, um dir das zu beweisen? Oh, das wäre lustig, ja."
Abyss funkelte ihn an, als würde er ihn gleich abstechen wollen. "Schon gut", knurrte er. "Jetzt stopft mich schon in dieses komische Ding rein."
Gibbli schraubte eine kleine Konsole an seinem Arm fest und verband ein heraushängendes Kabel mit ihrem EAG, um die Verbindungen zu prüfen. Sie gab es an Steven weiter, der die Berechnungen durchging.
"Ich finde das nicht gut", murmelte Bo. Sie stand neben dem Kapitän, der mit verschränkten Armen verfolgte, wie Gibbli und Steven Abyss den Anzug anlegten.
"Wenn ihr ein Senderfeld konstruiert, das alle Schwingungen auffrisst, auf den gleichen Frequenzen der Geige, die beim Spielen um mich herum entstehen, dann würde mir doch nichts passieren." Abyss ließ nicht locker. "So eine Art begrenzte Superschutzkugel oder sowas."
"Superschutzkugel? Schwingungen essen?" Steven lachte. "Du solltest dringend Physikunterricht nehmen, Mensch. Ja, ja, soll Steven dir etwas beibringen?"
"Halts Maul, Goldhaufen!"
Abyss Gedanken waren gar nicht so schlecht, dachte Gibbli. Doch so einfach wie er sich das vorstellte, war es dann doch nicht. "Die Geige und Nu müssten sich außerhalb befinden. Deine Finger wären Matsch", sagte sie und verband zwei Kabel miteinander. Gibbli drückte einen Schalter ein und die Vorrichtung des Anzugs fuhr langsam hoch.
"Die hat mir Sky sowieso schon zerschossen", maulte Abyss. "Ist doch egal, wenn die restliche Hand weg ist. Dann baust du mir eben wieder eine. Ich will hören können, was ich spiele!"
"Genau darum geht es", sagte der Kapitän mit prüfendem Blick. "Du sollst es nicht mitbekommen. Du darfst die Schwingungen weder hören noch in dieser Form spüren. Und um das noch einmal klar zu stellen, du sollst gar nicht spielen! Das ganze dient nur zur Abschreckung, um uns in eine verhandelbare Position zu bringen."
"Das, was du wahrnimmst, wird dir mehr als genug vorkommen, Mensch", sagte Steven, ohne auf Skys Mahnung einzugehen. "Du hältst doch eh nichts aus, oh nein, gar nichts!"
Der Tauchanzug, den Gibbli vor Kurzem auf Skys Befehl hin nach Stevens Konstruktion gebaut hatte, war mit einer speziellen Legierung beschichtet. Dabei handelte es sich um ein Material, das selbst Frequenzen erzeugte. Mit der eigenen Schwingung sollte es die Schwingungen der entstehenden Geigentöne umwandeln können. Diese würden zwar trotzdem eindringen und durch seinen Körper rasen, doch in einer abgewandelten Form. Sie komplett abzuschirmen war schlicht nicht möglich, da es sich nicht um reine Schallwellen handelte. Sonst hätte ein einfacher Vakuumschild genügt. Die geänderten Frequenzen lösten somit zwar noch immer Schmerzen aus und griffen seine Nervenbahnen an, doch sie wären abgeschwächt und nicht mehr tödlich.
 
"Was tust du da?", fragte Gibbli eine halbe Stunde später und zog die Augenbrauen zusammen.
"Nach was sieht es denn aus, Mädchen? Ich entzerre die atomaren Verschlingungen der Schutzschilde."
"Warte, das geht?" Misstrauisch öffnete sie ein Fenster auf ihrer Konsole, um seine Eingaben nachzuverfolgen.
"Nur ein Genie, wie ich es bin, kann so etwas konstruieren, oh ja, mein Schatz." Gibbli schüttelte genervt den Kopf, während Steven unbeirrt weiter sprach. "Die Mara besitzt drei Schilde und natürlich die Hülle selbst. Diese ist unverrückbar materiell. Die anderen Felder sind beweglich und ineinander verschlungen. Ein Energiefeld, falls die Hülle bricht oder reißt. Es schirmt materielle Einwirkungen ab. Also das, was wir gegen die Flotte brauchen. Dann, ein elektromagnetischer Schild, welcher die Frequenzen der Oca abschirmt. Das ließ auch die Felder aus Jacks Störsender nicht durch. Darum funktionierte die Technologie der Mara hier weiterhin. Die Stadt besitzt diesen Schild nicht, oh nein. Bis auf den Gedankenraum, du erinnerst dich, Mädchen?"
Natürlich tat sie das. Beunruhigt warf Gibbli einen Blick auf das Frontfenster. Ganz unten konnte man den Kopf eines Tauchers erkennen. Sie hatten ihn an der Außenhülle der Mara fest verankert.
"Und dann gibt es noch einen Schild, welcher die Mara vor Einbrüchen aus anderen Ebenen schützt. Das ist der, den du so töricht zerstörtest. Er beruht auf Strahlung organischer, lebender Energie, welche von den sich an Bord befindlichen Lebewesen in ihrer Ebene abgezogen wird. Du hast mit ihr bereits experimentiert, mit der Maschinenhand deines Menschen. Es müssen mindestens drei Personen anwesend sein, um diesen Schild vollkommen aufrecht zu erhalten. Nur dann schützt er uns vor den Auswirkungen der Zeitgravitationsfelder, den Einbrüchen der angrenzenden Ebenen. Sind keine Wesen gegenwärtig ... BÄM!" Er fuchtelte mit den Händen durch die Luft und ballte sie dann zur Faust. "Psssss, die Verzerrung nimmt zu. Tod! Verderben! Platzende Gehirnmasse, die sich selbst aufsaugt! Darum füttern wir das Ding mit euch stinkenden Parasiten und verpassen ihm eine Blähung."
Gibblis Augen weiteten sich. Sie verstand plötzlich, was er ihr damit sagen wollte.
"Bäm, so funktioniert das, Mädchen!" Dann verfiel Stevens Stimme in ein Flüstern, Gibbli nahm an, dass er irgendetwas auf oceanisch hinzufügte.
Sky stöhnte auf und betätigte einen Schalter. "Abyss, hast du das gehört?", fragte er.
Ein missmutiges Grummeln tönte durch die Lautsprecher in der Zentrale. "Meine Damen und Herren, schalten Sie das Gehirn nicht aus, das funktioniert jetzt ganz automatisch! Das ist die Macht des Oberparasitens!" Abyss' Anzug war über einen dicken Sicherheitsschlauch mit der Mara verbunden. Durch ihn konnte die Kommunikation aufrecht erhalten bleiben.
"Gut. Du bist das Sprachgenie. Dann übersetze mir doch bitte das Chaos des Oceaners", befahl Sky.
Abyss' Stimme drang dumpf zu ihnen herein. "Mit Vergnügen, Kapitän. Ich bin ein hässlicher Kerl, meine Hobbys sind mich golden anmalen und technische Scheiße labern, von der ich selbst keine Ahnung habe, weil mein Gehirn winzig ist und ich nur ein infantiler, blöder Oceaner bin."
Sky seufzte tief und wandte sich dann fragend an Gibbli.
"Steven sagte, es ist möglich, die Schutzschilder der Mara auszudehnen, damit es Abyss umschließt, wenn sie auf uns schießen." Alle drei Schilde, dachte sie.
"Meine Version war besser", murmelte Abyss über die Kommunikationsverbindung in seinem Anzug.
"Wenn ...", Gibbli zögerte. "Wenn sich Stevens Maschine tatsächlich nicht abschalten lässt, dann ... könnten wir den Ebenenschild über sie hinweg ausdehnen."
"Das bedeutet, wir wären in der Lage, diesen Planeten dadurch zu retten", sagte Sky leise.
Gibbli nickte. "Und würden sterben. Da der Schild nur funktioniert, wenn sich mehrere Personen an Bord befinden."
In der Zentrale breitete sich Stille aus.
"Woho, wir sterben! Was mach ich dann hier im Wasser? Was machen wir überhaupt noch hier? Der bescheuerte Oca hat recht, lasst uns feiern!", rief Abyss plötzlich von draußen.
"Ein Wunder, der Mensch hat es endlich verstanden! Ich wollte das die ganze Zeit! Aber auf mich hört ja keiner! Ihr solltet die letzten Tage eures Lebens genießen!"
"Es muss nicht so enden", sagte Sky mit rauer Stimme.
"Aber es wird", flüsterte Bo.
"Was ich damit sagen wollte, lass mich endlich was kaputt machen, Sky! Ich bin bereit, lass mich spielen!", knurrte Abyss.
"Noch einmal, du wirst nicht spielen, verflucht! Bestätige das!", fuhr Sky ihn an.
"Hm, na klar", murmelte Abyss leise.
"Bo hat recht", stimmte Steven ihr zu. Seine Worte klangen seltsam ernst. "Das ist unser Ende. So wird es sein. Ich wollte es hinauszögern. Ich weiß alles, ich bin ein Genie. Ich habe die Zeit berechnet, die Stunden, die uns noch bleiben. Schon vor Wochen. Und jetzt sind es nicht mehr viele. Nein, das sind es nicht. Wir sterben."
"Ich will es nicht mehr hören! Das wird nicht geschehen! Wir schalten diese verfluchte Maschine ab!", fuhr Sky ihn an.
"Du irrst dich!", widersprach Steven schreiend. "Denk nach, mit deinem Gehirn! Es wird!"
"Sag mir warum!"
Jetzt wieder völlig ruhig lehnte sich der Oceaner zurück und sagte verträumt: "Weil du es bist, Kapitän. Weil du Sky bist. Der heroische Held. Der Beschützer dieser Welt. Weil du deine Crew und dich für die Menschen opfern wirst."
"Hey!", rief Abyss. "Das ziehst du doch nicht ernsthaft in Erwägung, oder? Sky? Sky! Hey, lass mich wieder rein, ich schneide dir die Kehle durch, wenn du das vor hast! Und im Übrigen, dieses Warten nervt!"
"Schweig! Ich opfere dich nicht, vertraut mir. Konzentriere dich auf deine Geige und halte Nu fest. Ich tauche jetzt auf. Und wehe, ich höre auch nur einen Ton!"
"Na endlich", murmelte Abyss und fügte hinzu: "Opfern wir den Goldklumpen dann stattdessen? Weißt du, das könnte so ganz zufällig passieren, auch wenn wir überleben."
Falls wir überleben, dachte Gibbli.
Der Kapitän verzichtete auf eine Antwort.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch prüfte Gibbli die Werte, als Sky das U-Boot nach oben steuerte.
"Woho! Ich bin die größte Waffe, die jemals existiert hat!", tönte es über die Kommunikationsverbindung durch die Lautsprecher. "Ich werde alles vernichten!"
"Wirst du nicht! Also er hat mir entschieden zu viel Spaß da draußen. Ist er betrunken? Hat ihm jemand etwas gegeben?", fragte der Kapitän.
Bo schüttelte den Kopf. "Der Druck in seinem Anzug ist grenzwertig, aber noch im normalen Bereich." Die Hybridenfrau prüfte alle Werte von Abyss in Echtzeit vor sich auf ihrer Konsole. "Ich senke ihn etwas."
Abyss' heitere Stimmung würde sich ändern, wenn er zu spielen beginnen würde, dachte Gibbli und versuchte den Kloß in ihrem Hals hinunterzuwürgen. Sie war sich sicher, dass er nicht auf den Kapitän hören würde. Nervös betrachtete sie das Frontfenster. Bo, die eine Konsole versetzt neben ihr stand, hatte ihren Mund aufgerissen. Tausende von U-Booten lagen verstreut vor ihnen und warteten auf ein Zeichen sie anzugreifen. Währenddessen beobachtete Steven neugierig Sky, der mit steinerner Miene die Steuer der Mara fest umgriffen hielt.
"Da platzen euch die Augen, sind das viele", hörten sie Abyss von draußen murmeln. "Seht ihr das? Soll ... soll ich?"
"Nein", gab Sky konzentriert zurück und steuerte die Mara weiter nach oben.
"Sind wir drin, Mädchen?", fragte Steven.
Gibbli drückte einen Hebel nach unten. "Ja." Das neue Feld, das er generiert hatte, umgab jetzt die Mara. Nicht nur Abyss musste vor den Tönen geschützt werden, sondern auch sie selbst.
"Wozu der ganze Aufwand, wenn er sowieso nicht spielen soll?", fragte Bo.
"Ohne ein Druckmittel kommen wir nicht weit. Wenn ich Jack sage, dass es funktioniert, wird er mir glauben. Und das kann ich nur behaupten, wenn es auch wirklich in der Praxis funktionieren würde."
Natürlich, Sky log ja niemals, dachte Gibbli. "Einige von ihnen nähern sich uns", sagte sie.
"Sky!", schrie Abyss von draußen.
"Nein, halt dich zurück!", befahl der Kapitän.
Panisch drückte Gibbli auf eine Konsole. "Sie schießen!", rief sie.
Steven fletschte böse grinsend die Zähne. Erwartungsvoll beobachtete er die U-Boote, die jetzt direkt vor ihnen am Frontfenster auftauchten. Draußen leuchtete es hell auf. Blendendes Licht warf für einen Moment unheimliche Schatten durch die Zentrale.
Gibbli schirmte ihre Augen ab. "Das war ein direkter Treffer!" Schnell prüfte sie die Werte der Schilde. Sie hatten alles abgefangen.
"Tut mir Leid Sky, ich kann das nicht", hörten sie Abyss plötzlich sagen. "Das ist für dich und für meine Schwester!"
"Hey! Nein, verflucht! Nicht-" Der Kapitän ließ die Steuerung los und schloss gequält die Augen.
Ein schräges Geräusch hallte durch die Zentrale, dicht gefolgt von einem markerschütternden Schrei über die Lautsprecher. Kurz brachen die Töne ab. Dann spielte Abyss stöhnend weiter. Bo keuchte auf und hielt sich die Ohren zu. Gibbli verzog mitleidig das Gesicht. Was hatte der Kapitän erwartet, wenn er Abyss so eine Macht in die Hände drückte?
Steven schloss die Augen. Er schien es zu genießen. "Ich wünschte, die direkten Frequenzen kämen durch."
Sky packte wütend die Steuerhebel und manövrierte die Mara ein Stück zurück. Langsam verebbte die atonale Melodie. Die begleiteten Schmerzensschreie Abyss' schwächten ebenfalls ab.
"Sie haben nicht mehr geschossen. Bedeutet das ..." Bo beendete die Frage nicht.
"Da hinten kollidierten zwei", sagte Gibbli und betrachtete eine Übertragung auf der Konsole vor ihr. "Dort drüben stürzt eines auf den Meeresgrund."
Sky stoppte die Mara. "Abyss?"
Er antwortete ihm nicht.
"Es ... betrifft alle im Umkreis von hundert Metern", sagte Gibbli. "Wir ... er hat etwa 15 U-Boote erwischt."
"Das ist nichts", sagte Steven fröhlich.
"Nichts? Das waren verflucht noch mal 150 Menschenleben! Abyss! Wenn du mich hörst, dann sag etwas!", versuchte es Sky noch einmal.
Bo tippte hastig auf einem holografischen Bildschirm, um seine Werte zu prüfen. Sie biss die Zähne aufeinander und schüttelte abwehrend den Kopf, sagte jedoch nichts.
"Abyss! Hey, bist du okay?", fragte Sky wieder.
"Jetzt!", rief Bo. "Er kommt wieder zur Besinnung."
"Hab ich's ... erwischt? Sein ... Boot? War ... es ... dabei?", kam seine Stimme schwach aus den Lautsprechern durch die Verbindungskabel.
"Du verdammter-"
"Da nähert sich ein U-Boot", unterbrach Gibbli den Kapitän.
"Greift es an?", fragte Sky sofort beherrscht.
"Nein", gab sie zurück.
"Ich ... greife es an!", murmelte Abyss.
"Stopp! Lass es ran, Abyss! Sie senden ein Signal." Sky öffnete eine Konsole über seinem Sitz, um das U-Boot näher zu betrachten.
"Ist das diese Kapitänfrau, Dixland? Deine alte Crew?", fragte Bo.
Steven grinste. Gibbli erkannte es sofort. Es war das Führungsboot selbst. Doch seine Flotte blieb hinter ihm zurück.
"Es ist Jack höchst persönlich", sagte Sky leise.
"Perfekt", hörten sie eine mordlustige Stimme über die Lautsprecher.
"NEIN! Unterstehe dich! Du folgst gefälligst meinem Befehl!"
"Du kannst mich nicht aufhalten, Sky! Diesmal nicht!" Abyss' Stimme klang wieder etwas stärker. Offensichtlich erholte er sich langsam von den Schmerzen.
Der Kapitän sprang von seinem Sitz auf, rannte an Gibbli vorbei in die zweite Konsolenreihe hoch zu Bo und drückte einen Schalter. Dann drehte er langsam einen Regler zur Seite.
"Bist du verrückt? Du bringst ihn um!", schrie Bo ihn an und packte seinen Arm.
Doch Sky ignorierte sie.
"Abyss?", fragte Gibbli. Er antwortete nicht. Hastig ließ sie sich seine Werte anzeigen. Der Sauerstoffgehalt in seinem Anzug war erschreckend niedrig! "Was hast du getan?", flüsterte sie.
"Was nötig ist." Wieder verschob der Kapitän einen Regler. "Er übersteht das."
Steven setzte sich auf einen der drei Stühle vor ihnen und verschränkte lächelnd die Arme, als würde er sich einen dieser Filme ansehen, von denen er immer sprach. Verärgert von Skys Vorgehen Abyss betreffend, beobachtete Gibbli, wie der Kapitän an dem Oceaner vorbei trat, an das Frontfenster heran. Währenddessen näherte sich Jacks U-Boot der Mara weiter.
Dann erblickten sie ihn. Jack stand direkt auf der anderen Seite am Fenster seines U-Bootes. Die Uniform ordentlich zurechtgerückt, starrte er den Kapitän schweigend und mit leicht gesenktem Kopf an. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
"Gibbli stelle eine Funkverbindung her", verlangte Sky.
"Das ist verboten", gab sie noch immer beleidigt zurück und betrachtete Jack voller Abscheu. Dieser Mann hatte ihre Eltern ermorden lassen.
"Verflucht, das interessiert mich nicht! Hört auf damit, wir befolgen meine Gesetze! Mach schon!"
Gibbli zögerte. Es widersprach tatsächlich allem, was sie ihr ganzes Leben auf der Akademie gelernt hatte.
"Gibbli, ich werde sicher nicht die Schutzschilde abschalten, damit er uns ein Kommunikationskabel herüberschießen kann."
Das überzeugte sie. "Ich brauche einen Moment, um eine geeignete Empfängeranlage auf seinem Boot zu ertasten und einen Sender ..." Ihre Stimme wurde leiser, als sie hinter einem Computer verschwand.
Als sie sich wieder aufrichtete, hatte sich Sky offenbar noch immer nicht bewegt. Mit versteinerter Miene starrte er durch die Fenster hindurch. Und Jack starrte zurück. Getrennt, nur von den unsichtbaren Schutzschilden der Mara und einer Schicht Wasser.
"Es ... also ... es müsste funktionieren." Gibbli drückte eine Taste, in der Hoffnung, dass sie recht hatte.
"Jack", sagte Sky mit fester Stimme, ohne sich zu ihr umzudrehen.
Jack kniff die Augen zusammen und blickte nach oben. Dann wieder zu ihnen herüber. Er sagte etwas. Seiner Mundbewegung nach war es Skys Name, den er aussprach. Doch sie hörten ihn nicht.
Gibbli drückte schnell einen Hebel, um die Verbindung umzulenken. "Okay, jetzt", murmelte sie.
"Und wieder brichst du das Gesetz", hörten sie Jacks Stimme aus den Lautsprechern der Zentrale, die auch mit Abyss' Anzug verbunden waren.
Sky schloss angewidert die Augen, als könnte er damit seine Stimme verdrängen. Dann starrte er ihn wieder an. "Du hast Ocea nicht zerstört. Sag mir warum."
Jack grinste. "Wozu Energie verschwenden? Diese verrückten Beben werden das für mich erledigen."
"Jack, diese Beben werden auch uns vernichten, das weißt du! Aber es gibt eine Möglichkeit die Menschheit zu retten. Es gibt einen Weg, diese Beben zu beenden! Wir werden die Maschine abschalten, die sie verursacht. Dazu müssen wir sie erreichen. Lass uns durch."
"Nein."
"Du bist für sie verantwortlich, du bist der Führer! Du kannst nicht allen Ernstes den ganzen Planeten vernichten, nur wegen ... wegen mir!"
Jack trat einen Schritt vom Fenster zurück. "Ich kann. Ob ich es werde, liegt an dir."
"Das ist absurd!"
"Nein Sky, das nennt man Verhandeln."
"Na schön! Wenn du uns nicht durch lässt, werde ich jeden einzelnen Soldaten deiner Flotte vernichten!"
"Das tust du doch bereits!"
"Ich bedauere das. Es war nicht vermeidbar, Jack. Du wolltest verhandeln. Ich habe uns lediglich in eine Position gebracht, die uns das ermöglicht."
"Indem du Massenmord begehst! Ich hätte nicht erwartet, dass du sofort angreifst, nicht von dir. Du hast dich verändert, Sky."
"Nun, das ... hätte ich auch nicht erwartet. Aber insgeheim bewunderst du das. Ich weiß es, ich kenne dich zu gut. Siehst du den Taucher, Jack? Erkennst du ihn? Oh ja, ich bin mir sicher, dass du das tust. Er ist unsere Waffe. Ich habe die Sauerstoffkonzentration in seinem Anzug verringert. Hätte ich das nicht getan, wärst du jetzt ebenfalls tot. Abyss wird jeden Moment das Bewusstsein wieder erlangen. Und du kannst dir denken, was er tun wird. Setze dein Glück aufs Spiel und wir werden sehen, ob ich es ein weiteres Mal schaffe, ihn davon abzuhalten dich zu töten. Oder nein warte, die Frage ist, will ich ihn davon abhalten?"
Gibbli erkannte wie Jack lächelnd den Kopf schüttelte und jetzt näher ans Fenster seines U-Bootes herantrat. "Hat dir schon einmal jemand den Unterschied zwischen verhandeln und erpressen beigebracht, mein Freund? Ach stimmt, das war ja ich. Das war wohl ein Fehler. Gut. Schön. Ich mache dir ein Angebot, Sky. Weil du es bist. Ein letztes Angebot. Und du bist ein Narr, wenn du es ablehnst. Denn dann bist du derjenige, der sie vernichtet, nicht ich."
Jack ließ sich die Fäden nicht aus der Hand nehmen, dachte Gibbli. Für einen Moment war sie froh, dass Sky es war, der ihm gegenüber stand, nicht Abyss. Sky würde sich seinen Vorschlag wenigstens anhören, statt sofort einen offenen Krieg anzufangen, wie Abyss es getan hätte. Oder noch schlimmer, Steven. Gibbli kontrollierte erneut die Werte von Abyss' Anzug. Sie waren wieder in einem normalen Bereich. Beunruhigt warf sie Bo einen Blick zu. Diese verzog den Mund und hob die Schultern an, um zu signalisieren, dass sie auch nicht wusste, was los war. Abyss hätte längst das Bewusstsein wieder erlangen müssen. Da stimmte etwas nicht!
"Sky?", tönte Jacks fragende Stimme wieder durch die Zentrale.
"Okay. Ich höre."
"Du wirst deine ... Waffe nicht mehr einsetzen. Ich weiß, du willst nicht töten. Ich biete dir und deiner Crew freies Geleit durch meine Flotte."
Der Kapitän verzog keine Miene. "Das ist, was ich will. Die Sache ist die, mich wirst du im Gegenzug dafür nicht bekommen, Jack. Niemals. Ich sorge dafür, dass nicht einmal meine Leiche dein U-Boot betreten wird!"
"Das verlange ich auch gar nicht, Sky. Im Gegenteil."
"Sprich."
"Du lässt mich zu dir an Bord kommen."
Sky schloss die Augen und schwieg. Für einen Moment schien er nachzudenken, dann fragte er: "Wie sollte ich Abyss davon abhalten dich umzubringen?"
"Dein Problem. Niemand wird mich anrühren ... hm, außer dir natürlich. Dir sei es erlaubt. Meine Leute werden nicht auf dein Boot schießen, so lange ich mich lebend an Bord befinde. Niemand muss mehr sterben, weder von deinen noch von meinen Leuten. Wir fahren gemeinsam zu dieser Maschine und schalten sie ab."
Gibbli war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. Das klang unerwartet vernünftig. Andererseits war es seine Aufgabe als Führer der Landmenschen. Jack begab sich in Gefahr, um das Leben seines Volkes zu retten.
"Einverstanden", sagte Sky. "Aber ich habe Bedingungen."
"Natürlich hast du die. Sonst wärst du nicht du. Also, rede."
"Du wirst keine Waffe bei dir tragen."
"Einverstanden. Weiter, Sky. Was noch?"
"Du lässt meine Leute in Ruhe. Damit meine ich, du greifst sie nicht an. Du wirst sie nicht verletzen."
"Okay."
"Und noch etwas, Jack. Du wirst mit niemandem sprechen, außer mit mir."
"Schön."
Der Kapitän trat einen Schritt nach vorne und stand jetzt so nahe am Fenster, dass er die Scheibe fast berührte. "Um das ganz deutlich klar zu stellen: Sollte ich auch nur ein Haar von Abyss auf deiner Uniform finden, erschieße ich dich. Wenn du ihn berührst, erschieße ich dich. Wenn du Abyss auch nur mit einem einzigen Wort ansprichst, erschieße ich dich."
"Ich werde nicht mit ihm reden und halte mich von ihm fern."
Sky nickte. Während er sich von Jack abwandte, fragte er: "Hast du das gehört, Abyss?"
"Ich hab's gehört, Kapitän", drang seine Stimme aus den Lautsprechern. "Die Ehre, ihn abzuknallen, gebührt dir. Ich empfehle einen Schuss in seinen abscheulich hässlichen Schädel."


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Kapitel 20: Ausgleich (Bis in die tiefsten Abgründe)

Müde lag Gibbli in ihrer Hängematte im Maschinenraum. Nox war mit seiner Tochter fortgeschwommen. Sky hatte ihm noch eine Botschaft für Dixland mitgegeben und ihm die Kennung ihres U-Bootes genannt, für den Fall, dass er erwischt werden sollte. Bo hatte sich in den Krankenraum zurückgezogen. Dort lag noch immer der leblose Körper ihrer Schwester in einer der Kühlkammern. Obwohl Gibbli ständig die Augen zufielen, gelang es ihr nicht, einzuschlafen. Eigentlich wollte sie das auch gar nicht. Sie hatte Angst, Djego in ihren Träumen zu begegnen. Und mit Erschrecken kam ihr ins Bewusstsein, dass es da noch etwas anderes gab, was sie wach hielt: Jemand, der nicht weit von ihrer Hängematte lag, am Boden, auf einer dünnen Unterlage.
Und natürlich war ihm das aufgefallen. "Was ist los?", hörte sie Abyss nach einer Weile fragen.
Gibbli zögerte. "Du bist kein spontaner Mensch."
"Nein. Versuchst du dich jetzt im Menschen lesen? Verschwende keine Zeit damit, du bist mies darin. Frag mich einfach, was du wissen möchtest."
"Warum willst du, dass ich es bin? Du sagst immer, ich soll leben, ich soll mir nicht zu viele Gedanken machen. Ich soll sein wie ... wie Steven es ist."
"Vielleicht, weil ich nicht möchte, dass du wirst wie ich. Kalt. Berechnend."
Nachdenklich starrte Gibbli auf die schwach glühenden Sonnenstücke über ihr. Im Gefängnis auf der Akademie hatte er gesagt, er plante nicht voraus und dachte erst darüber nach, wie man ausbrechen konnte, wenn es so weit war. "Du hast mich angelogen, oder? Du hättest mich damals nicht gebraucht, um die Zelle zu öffnen."
"Natürlich nicht. Ich war gerade dabei zu fliehen, als sie dich in meine Zelle geworfen haben", sagte er leise. "Ich hatte alles geplant, wie ich entkommen würde. Einer der Soldaten übergab mir freiwillig seine Schlüsselkarte, kurz bevor er tragischerweise in die Colbspalte verfrachtet werden musste."
Gibbli verdrehte die Augen. "Was für ein Zufall."
"Kein Zufall. Aber, ich war's nicht. Er hat sich selbst aufgegeben."
"Warum?"
"Nun ja, dass er fälschlicherweise dachte, er würde an einer unheilbaren Krankheit leiden, ist wohl doch meine Schuld. Es war seine Pflicht, vor seinem Tod dafür zu sorgen, dass so eine Schlüsselkarte nicht in falscher Leute Hände geriet. Glücklicherweise war ein heldenhafter Elitesoldat zugegen, der diese Aufgabe für ihn übernahm. Ich sehe gut aus in Uniform, das darfst du mir glauben. Jedenfalls, in der Zelle dann, warst du plötzlich da. Ungeplant. Und ich musste unbedingt rausfinden, warum sie dich so behandelten und was du angestellt hast."
"Also hast du mit mir gespielt." Das war es, was sie wach hielt. Woher sollte sie wissen, dass er es nicht wieder tat? Und vor allem, dass er nicht war wie Djego? Das beabsichtigte, was Djego ihr angetan hatte?
"Ja, das hab ich. Ich war nett zu dir. Ich bedrohte dich. Ich probierte aus, wie du auf verschiedene Situationen und Verhaltensweisen von mir reagierst."
Genau das war es. Ein Spiel. Kein offensichtliches, wie Steven es spielte. Sondern eines mit verdeckten Karten. Ein Spiel, in dem er die Maske trug hinter einer Maske, hinter einer weiteren.
"War die Geschichte mit deinen Eltern auch gelogen?", fragte Gibbli und wandte sich ihm zu. Hatte er die Wahrheit gesagt, als er ihr erzählt hatte, dass er ihren Tod hilflos mitansehen musste? "Als du in dieser Meeresgondel stecktest, unaufhaltsam von ihnen davon gefahren bist und nichts mehr tun konntest?"
Abyss lag auf dem Rücken und betrachtete sie berechnend. "Ich hatte nicht geplant, dir das zu erzählen. Nein, das war nicht gelogen", sagte er nach einer Weile.
Traurig blickte sie zu ihm hinab. "Ich hab es in den Geschichtsaufzeichnungen nachgeschlagen."
Er schloss die Augen.
"Der Vulkanausbruch war vor über dreißig Jahren, Abyss." Also entweder hatte er sie gerade wieder angelogen, oder er hatte gelogen, was sein Alter betraf.
"Na schön. Es war nicht der Vulkan, der damals in die Luft flog. Der war vor meiner Geburt. Es ... nun, es waren ein paar Gebäude. Weißt du, damals war ich noch nicht besonders gut im Bomben basteln. Hey, ich war vier Jahre alt. Es starben Leute, Gibbli. Viele Leute. Meinetwegen. Du weißt so gut wie ich, was das bedeutet. Dass ich noch ein Kind war, spielte keine Rolle für die Elite. Aber der Rest ist wahr. Meine Eltern wollten mit mir unter das Meer fliehen. Die Soldaten erwischten uns kurz davor. Nun, mich nicht. Aber meine Eltern."
Sie nickte. Das war jetzt also seine neue Geschichte. Sie hörte sich fast plausibel an, passte zu ihm. Aber hatte er im Gefängnis damals nicht behauptet, er wäre fünf Jahre alt gewesen? Was machten die Elitesoldaten in einer Küstenstadt, an Land? Warum wollten seine Eltern ins Wasser fliehen, obwohl es bei den Landmenschen über dem Meer nicht so streng ablief wie bei den Soldaten hier unten? Das passte alles nicht zusammen. Die Geschichte war also mit Sicherheit wieder erfunden. "Wie soll ich dir je irgendetwas glauben, wenn ich nicht weiß, wann du mich anlügst und wann nicht?"
"Das kannst du nicht", gab er zurück. "Es spielt auch keine Rolle. Ich beschütze dich Gibbli, das ist, was zählt. Vertrau mir."
Vor Djego jedenfalls hatte er sie nicht beschützt. Er musste ihren ablehnenden Gesichtsausdruck bemerkt haben, denn jetzt blickte er sie eindringlich an.
"Okay. Ganz ehrlich? Bei unserer ersten Begegnung, war ich kurz davor, dir die Kehle durchzuschneiden. Mit demselben Messer, das jetzt in deinem Stiefel steckt. Ich habe dich damit bedroht, du erinnerst dich? Du warst nur eine kleine Verzögerung zu meinem ursprünglichen Plan. Ich nahm mir vor, sobald ich herausgefunden hatte, was du in dieser Zelle treibst, würde ich dich umbringen. Du wusstest zu viel. Du hättest mich da drin gar nicht sehen sollen. Ich musste dir außerdem zu viel preisgeben, um es herauszufinden."
Gibbli schluckte. "Aber das hast du nicht."
"Nein." Seine Stimme klang verträumt, als er weitersprach. "Denn dann passierte was, womit ich nicht gerechnet hatte. Nur ein kurzes Blinzeln und mir wär's nicht aufgefallen. In diesem einen, Augenblick wurde mir klar, dass ich die Zelle nicht ohne dich verlassen würde. Ich hätte die ganze Akademie in die Luft gejagt, um dich mitzunehmen. Niemals könnte ich mehr ohne den Menschen sein, der es schafft, mich so zu beeinflussen, der es schafft, mit nur einem winzigen Lächeln, meine ganzen Pläne über den Haufen zu werfen."
"Aber du kannst nicht ohne deine Pläne sein. Also hast du einen neuen entwickelt, um mich für dich zu gewinnen. Einen, der mich miteinschließt."
"Hab ich dich denn gewonnen?"
Gibbli schmunzelte über die direkte Frage.
"Das ist es. Genau für dieses Lächeln würde ich jedes Gesetz brechen." Abyss Mundwinkel zogen sich nach oben, dann sagte er ernst: "Aber ich will nicht, dass du tust, was ich begehre. Ich möchte keinen Kuss von dir, weil ich es verlange oder dich dazu zwinge. Ich brauche keinen. Ich will nicht bestimmen, dass du mir gehörst. Ich gehöre dir längst."
Gibbli spürte, wie ihr wieder die Augen zufielen. Abyss gehören, klang dennoch gut. Konnte sie das? Der Kuss, den Djego ihr geraubt hatte, kam ihr in denn Sinn.
"Gibbli?", fragte er nach einer Weile. "Was ist los?"
"Nichts", flüsterte sie.
Für ein paar Sekunden war es still. "Ich hasse es, wenn du mich anlügst und ich es merke", sagte er dann traurig.
Sie antwortete ihm nicht und drehte sich von ihm weg. Er wusste nichts von Djego und sie wollte nicht darüber reden, niemals wieder an dieses Monster denken.
"Du zerdenkst dich wieder, Gibbli. Da ist etwas und ich weiß nicht, was es ist. Seit ich zurück bin, bist du anders. Du zuckst wieder zusammen, wenn ich dich berühre. Du siehst mich an, als ..." Abyss zögerte, "... als hättest du ... Angst vor mir."
Skys Stimme drang durch ihren Kopf. Du wirst sie verletzen, hatte er zu ihm gesagt. Der Kapitän hatte das sogar ihr gegenüber erwähnt. Würde Abyss ihr wirklich weh tun?
"Bist du noch wach?", fragte er leise.
Langsam drangen seine Worte in ihr Bewusstsein. War sie noch wach? Müde fixierte Gibbli eines der abgedunkelten Sonnenstücke und ließ es ganz erlöschen. "Erinnerst du dich daran, als ich zum ersten Mal diese Kugel da oben berührt habe?", dachte sie. Oder dachte sie nur, dass sie es dachte, flüsterte sie es?
"Ich erinnere mich", hörte sie Abyss' Stimme wieder. "Das war ... nicht schön."
Nicht schön, war stark untertrieben. Rod hatte Mara vergewaltigt. "Nicht schön", wiederholte Gibbli. Dann nickte sie weg.
 
Sie starrte in die türkisfarbenen Augen. Seine gebräunten Finger hielten sie fest an die Wand gepresst. Gibbli wimmerte. Das durfte er nicht! Seine Locken berührten ihr Gesicht! Warum war sie plötzlich so schwach? Mit aller Kraft versuchte sie, sich loszureißen. Ein dumpfer Schlag schickte eine Welle aus Schmerz durch sie hindurch. Verzweifelt wand sie sich in seinem Griff.
"Gibbli!"
Eklige Finger, weg! Weg! Sie schlug um sich, erwischte ihn, doch dann hielt er sie wieder fest umklammert und rief erneut ihren Namen.
"Gibbli!" Seine Stimme wandelte sich, wurde tiefer.
Wieder schlug sie zu. Dieses Mal erwischte Gibbli ihn.
"Hey, verdammt! Beruhig dich!"
Und die Farbe seiner Augen blich aus. Plötzlich starrte sie in ein blasses Gesicht. Benommen nahm sie wahr, dass sie am Boden lag. Heftig atmend, als wäre sie gesprintet, versuchte Gibbli, sich zu bewegen. Hatte er sie gefesselt? Nein. Er hielt sie nur fest, mit seinen langen, starken Fingern.
"Du hast geträumt", sagte er leise. "Was hast du geträumt? Erzähl's mir."
Langsam beruhigte sie sich. Doch seine Aufforderung drang nicht bis in ihr Bewusstsein durch. Sie drückte ihren Kopf an seine Brust, während sie wieder einschlief. Abyss würde sie beschützen.
 
Zwei starke Arme hielten sie fest. Zwei nackte Arme? Nein, dieser Mann trug eine Uniform. Die beiden Arme steckten in den Ärmeln der Elite. Gibbli schrie und wollte sich befreien. Doch der Griff wurde fester. Das durfte er nicht! Verzweifelt biss sie in das blasse Fleisch hinein. Jemand keuchte auf.
"Hey! Gibbli!"
Die Finger ließen locker. Gut, dieser dumme Lockenkopf würde ihr nicht wieder weh tun! Hastig riss sie sich los und stolperte von ihm weg. Ihr Herz raste, dass es fast brach. Schneller! Ja! Sie hastete davon. Die niedrige Decke an dieser Stelle hielt ihn auf. Er musste sich ducken. Gibbli hingegen konnte rennen. Aber er verfolgte sie! Mist! Seit wann war Djego eigentlich so groß? Sie jagte durch die Gänge! Plötzlich stand er vor ihr! Verdammt! Wie hatte er das geschafft? Gibbli machte kehrt, doch er packte sie von hinten, hielt ihre Arme fest. Brüllend versuchte sie, sich zu befreien. Jetzt kam er auch noch von vorne und krallte sich in ihre Schultern! Wieso war er überall? Es gab doch nicht mehrere von ihm! Und seit wann besaßen diese Djegos eigentlich so viele Muskeln? Das war falsch! Das stimmte nicht! Panisch schrie sie auf und versuchte sich loszureißen.
"Schhhht, du hast nichts zu befürchten", drang eine raue Stimme in ihr Ohr.
Sie hielt inne. Die gehörte ja gar nicht Djego. Gibbli riss die Augen auf und starrte in ein blasses Gesicht. Nicht türkis. Grau!
"Niemand verfolgt dich", sagte die raue Stimme wieder, direkt hinter ihr.
Erschöpft zog sie die Luft ein. Metallische Luft, vermischt mit dem exotischen Duft von Pflanzen.
"Gibbli, sag mir, wo du bist." Sie sah ihn nicht, aber sie hörte ihn. Sein Griff hielt sie ruhig, sie konnte nicht weg. Sie wollte nicht mehr weg.
"Ich bin ...", begann Gibbli flüsternd, weiterhin in die grauen Augen starrend, "zu Hause?"
"Das bist du. Du machst das hervorragend. Und jetzt sag mir, wer ich bin."
"Der Kapitän", antwortete sie leise. "Du bist mein Kapitän."
"Richtig. Das hast du sehr gut erkannt. Ich bin Sky. Und wer befindet sich vor dir?"
Einen Moment schwieg sie, den Blick noch immer auf ihn gerichtet. Es waren nicht Djegos Finger an ihren Schultern. Djego fehlten keine Finger. Djego hatte gar keine Finger mehr. Es gab gar keinen Djego mehr. Schuldbewusst bemerkte Gibbli das Blut an seinem Arm. Noch immer konnte man leicht die Abdrücke ihrer Zähne erkennen. Ihn schien es nicht zu kümmern.
"Abyss." Und endlich drang die Wärme der großen Hände durch ihren Pullover in sie hinein. Unverrückbar, stark. "Mein Bruder steht vor mir."
Nein, er kniete vor ihr. Der Kapitän ließ sie los und Gibbli sank in Abyss' Arme. Fest umschlungen glitt er mit ihr zu Boden, ihren Kopf gegen seine nackte Brust drückend. Gibbli schloss die Augen. Er roch noch immer nach diesem alten Holz. Sie saßen in der Ecke eines Lagers, drang es in Gibblis Bewusstsein, irgendwo in den Tiefen der Maschinenräume. Ihr Körper spannte sich an, als sie eine weitere Hand an ihrem Rücken spürte. Doch Gibbli öffnete ihre Augen nicht. Langsam beruhigte sie sich wieder.
Skys Stimme drang an ihr Ohr, schien jedoch von weit wegzukommen. "Ich sollte wieder zu Bo. In zwei Stunden tauchen wir nach oben."
Sie spürte, wie Abyss nickte. Er wollte irgendetwas wissen und Sky verneinte. Noch einmal fragte er etwas.
"Nein", sagte Sky leise und Gibbli hörte nicht mehr zu.
Mit geschlossenen Augen lauschte sie den Schlägen Abyss' Herzens. Dann verriet ihr das verebbende Geräusch von Kampfstiefeln, dass der Kapitän ging. Ein ungutes Gefühl kroch in ihr hoch, wie ein Wurm, der sich langsam um ihren Körper wickelte. Abyss hielt sie schweigend umschlungen, als wäre er nicht gewillt, sie jemals wieder gehen zu lassen. Erschrocken stellte Gibbli fest, dass es tatsächlich Angst war, die da auf ihr umher kroch und sich immer enger um sie zog. Und der Drang aufzustehen wurde stärker. Sie begann zu zittern.
"Abyss?", fragte sie nach einer Weile leise. "Kannst du ... kannst du mich loslassen?"
Er tat es. Erleichtert rückte Gibbli von ihm fort und zog sich hoch. Er stand ebenfalls auf und blickte auf sie herab. Warum wirkte er so betrübt? Hatte sie etwas falsches gesagt? Hätte sie einfach sitzen bleiben sollen? Nein, er sah immer so aus, oder? Unsicher hob sie den Kopf.
"Was hast du?" Seine grauen Augen schienen sie zu durchbohren. "Sky will es mir nicht verraten. Was ist es?"
Sie schwieg.
"Gibbli." Er schien zu überlegen, was er sagen sollte. "Ich fühle mich hilflos."
Sie blickte ihn verständnislos an. Hatte Abyss das gerade ernsthaft zugegeben? Hilflos? Dieser riesige Kerl? Er war doch stark!
"Sag mir, was ich tun kann, Gibbli."
Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie hatte es doch versucht. Es machte keinen Sinn, es ihm zu sagen. "Du bist gegangen", flüsterte sie.
"Ich bin gegangen? Wie kann ich dir helfen, wenn ich nicht weiß, worum es geht?"
"Du kannst nicht ... du ... Nein", flüsterte sie.
"Nein?", fragte er aufgebracht. "Nein", wiederholte er und dieses Mal klang seine Stimme ruhig und resigniert. "Nein. Ich kann dieses Wort nicht ausstehen. Nein. Diese vier Buchstaben tun mehr weh, als wenn du einfach mein Messer in mein Herz rammen würdest. Nein", wiederholte er mit Nachdruck und Gibbli wich vor ihm zurück. "Ich kann verflucht noch mal keine Gedanken lesen! Nein. Schön. Weißt du was, vergiss es." Er drehte sich genervt um, lehnte sich mit einer Hand an die gegenüberliegende Wand und fuhr sich mit der anderen über sein Gesicht.
Sie schluckte und blickte zu Boden. Niedergeschlagen atmete sie aus. Jetzt war er ihr wieder böse. Dabei war es doch nicht seine Schuld.
"Okay. Offensichtlich hab ich was falsch gemacht", sagte Abyss leise.
Djego hatte alles falsch gemacht! Oder irrte sie sich? Djego hatte gesagt, sie waren zusammen. War es normal, das zu tun? Für Rod war es offensichtlich auch normal gewesen, Mara zu verletzen.
Abyss' Worte rissen sie aus ihren Gedanken: "Über was denkst du nach?"
Sie hob den Kopf. Er beobachtete Gibbli und seine Mundwinkel hoben sich zu einem traurigen Lächeln. Aber seine Augen wirkten warm und strahlten diese Zuversicht aus, wie sie es immer taten.
"Abyss? Warum tun sich Menschen weh, wenn sie zusammen sind?", hörte sie sich plötzlich fragen.
Irritiert zog er seine Brauen zusammen. "Menschen tun sich nicht weh, wenn sie ..." Er brach ab, als würde er gerade etwas realisieren. "Rod und Mara, darum hast du sie erwähnt." Mit einem Schlag wurde seine Miene düster. "Der Junge", flüsterte Abyss und kam näher.
Gibbli wich vor ihm zurück und spürte eine Regalwand an ihrem Rücken. Sie bereute ihre Frage. Sie hatte sie gar nicht laut aussprechen wollen.
"Was hat er dir ..." Ungläubig öffnete Abyss den Mund, dann schrie er: "WAS HAT ER DIR ANGETAN?"
Sie antwortete nicht, presste sich stattdessen gegen die gestapelten Schubfächer hinter ihr, in der Hoffnung, sie würde im Regal versinken, so wie Steven durch Wände gehen konnte. Abyss packte ihre Schultern. Gibbli keuchte auf und zuckte zusammen. Sofort ließ er sie wieder los.
"Nein." Er drehte sich von ihr weg und fuhr sich über seine Haare. "Nein. Nein ... das gehörte nicht zum Plan, das ... ich wusste nicht ..." Er stützte sich an einem Regal ab und ließ den Kopf hängen. "Das ist unverzeihlich. Und ich Idiot bin gegangen."
"Das bist du", sagte Gibbli leise. Langsam glitt sie wieder nach unten.
Abyss tat es ihr gleich und setzte sich neben sie an die Regalwand. "Ich ging, als du mich am meisten gebraucht hättest", sagte er ohne sie anzusehen. Er wirkte, als wäre etwas in ihm zerbrochen. Elend starrte er in die Luft.
Gibbli überkam das Verlangen, ihn aufmuntern zu müssen. "Du bist zurückgekommen." Sie war verwundert, wie fest ihre Stimme plötzlich klang. Doch dann spürte sie wieder diesen dummen Wurm. "Sind wir zusammen, Abyss?"
Sie drehte ihren Kopf und zwang sich, ihn anzusehen. Langsam wandte er sich ihr zu. Seinen Mund leicht geöffnet, blickte er sie betroffen an.
"Wirst du mir weh tun?", flüsterte Gibbli fragend, kaum hörbar, als er nicht antwortete.
Er kam näher und hob eine Hand. Gibbli blickte zu Boden, wollte sich von ihm weg lehnen. Doch schon spürte sie seine Finger an ihrem Kinn.
"Schau mich an."
Er hob ihren Kopf. Ihr Herz schlug so laut, dass er es sicher hören musste.
"Gut. Und jetzt mach die Augen zu."
Sie öffnete den Mund, wollte seiner Anweisung widersprechen, doch dazu kam es nicht.
"Ich will diese Angst in ihnen nicht mehr seh'n."
Und seine Stimme klang so eindringlich, dass sie es zögernd tat. Langsam glitten ihre Lieder nach unten. Sie sah nichts mehr. Unsicher versuchte Gibbli, das Zittern zu unterdrücken. Etwas warmes berührte ihre Wange. Dann spürte sie seine weichen Lippen. Er küsste sie auf die Stirn. Jetzt fühlte Gibbli seinen Atem an ihrem Ohr.
"Hat das weh getan?"
"Nein", flüsterte sie.
Er drückte sie an sich und hielt sie fest.
"Tut das weh?"
"Nein", erwiderte Gibbli leise.
"Du bist meine kleine Schwester. Ich könnte dich niemals mit Absicht verletzen. Aber du musst mit mir reden, okay? Und wenn ich ... wenn ich wieder mal zu blöd sein sollte, zu blind, dann schweig mich nicht an. Sag mir, dass du mich brauchst. Schrei mich an, meinetwegen schlag mir den Schädel ein, aber tu irgendetwas. Und lass mich nie wieder einfach so geh'n, okay?"
"Okay."
"Und natürlich sind wir zusammen. Geschwister kann man nicht trennen. Niemals. Ich hab dir das schon mal gesagt. Nicht mal, wenn sie selbst das wollen würden, sie werden trotzdem immer Geschwister bleiben. Denn es gibt nichts, was stärker ist. Nichts im ganzen Universum."
Erleichtert zog sie die Mundwinkel nach oben. Das waren sie. Das waren die Worte, die sie hören wollte, auf die sie die ganze Zeit über gehofft hatte. Die Worte, die sie brauchte. Und Gibbli wollte nicht darüber nachdenken, ob sie echt waren oder wieder eine seiner Lügen. Sie entschloss einfach, dass sie wahr waren. Für eine Weile saßen die beiden schweigend da.
Irgendwann zog Abyss Djegos Strahler aus Gibblis Tasche und betrachtete ihn nachdenklich. "Ich wünschte, Sky hätte ihn nicht erledigt. Ich wünschte, er würde noch leben und ich könnte ihn leiden lassen. Ich will ihn mindestens hundertmal töten. Immer und immer wieder."
"Abyss?" Gibbli hob den Kopf von seiner Schulter. "Weißt du, was ich mich schon immer gefragt hab? Angenommen, Sky hätte ihn nicht erledigt. Wenn wir diesen Brotmensch dann Köpfen und er würde nicht sofort draufgeh'n, würde dann sein Kopf spüren, dass sein Körper fehlt, oder würde er im Körper spüren, dass ihm sein Kopf fehlt? Lebt man dann an zwei Stellen gleichzeitig?"
Er lachte. "Ich mag deine Gedanken. Schwer zu sagen, da er weder Hirn noch Herz besaß." Er hielt inne, dann wurde seine Stimme wieder ernster. "Ich schwör dir, jeder, der es wagt, dir zu nahe zu treten, wird elendig dahinscheiden. Ganz langsam. Niemand wird dich mehr anfassen. Dafür sorg ich. Auch Steven nicht."
Erschrocken sprang Gibbli auf, als der Oceaner mitten aus einem Regal hindurch auf sie zutrat.
"Hörte ich da meinen Namen? Im Ernst? DU hast meinen Namen laut ausgesprochen? Ich bin entzückt, ich ... hm, nette Narbe Mensch, wer hat das geschrieben? Doch nicht etwa mein Mädchen?" Belustigt betrachtete er Abyss' nackten Rücken.
Mit einem giftigen Gesichtsausdruck fuhr Abyss herum und hob dabei seinen Arm.
"Oha", entwich es Steven überrascht, der nicht damit gerechnet hatte, so plötzlich in die Mündung einer Waffe zu starren.
"Verpiss dich", knurrte Abyss.
"Nein", sagte er schlicht und wandte sich Gibbli zu. "Ich will mit dir allein sein, Mädchen."
Abyss drückte die Waffe gegen seine Schläfen. "Nein, das willst du nicht." Seine Worte klangen so bedrohlich, dass sie Stevens Kälte zu übertreffen schienen.
Doch der Oceaner ignorierte ihn. "Er soll gehen", sagte er zu Gibbli.
Abyss fletschte die Zähne. "Nein, das soll er nicht."
"Wir haben etwas zu klären, Mädchen! Denkst du, ich fürchte deinen Menschen? Nein, das tue ich nicht. Dieses fröhliche Gesicht wollte mich schon tausende Male erledigen und hat es nie getan."
"Vielleicht tut er es ja jetzt", sagte Abyss mit einem Ausdruck weit jenseits von fröhlich.
"Er bleibt und er wird dich nicht umbringen", sagte Gibbli.
Abyss gab ein missmutiges Grummeln von sich. "Vielleicht ein kleines bisschen doch?", flüsterte er. "Nur ein Stück?"
"Bist du sicher Mädchen, dass er unser Geheimnis erfahren soll?"
Sie legte den Kopf schief und blickte Steven berechnend an. "Ich glaube, er weiß das doch längst. Dir ist wieder langweilig. Und jetzt willst du mir die neue Aufgabe stellen."
Abyss schüttelte den Kopf. "Nein, das will er nicht."
"So? Will ich also nicht, Mensch?", fragte Steven, während Gibbli geistesabwesend ihr Messer aus dem Stiefel zog.
"Nein, willst du nicht. Euer Spiel ist zu Ende."
"Nicht ganz", sagte Gibbli plötzlich. Steven schuldete ihr noch eine Strafe. Sie hatte ihm eine Aufgabe gestellt und er hatte abgelehnt, Abyss zurückzuholen. Dafür hatte sie den Gefallen einsetzen müssen, den er ihr schuldete. "Abyss? Ich bin nicht gut in Anatomie. Kannst du mir zeigen, wo genau sich seine Stimmbänder befinden?", fragte Gibbli.
Ein fieses Grinsen breitete sich auf Abyss' Gesicht aus.
 
Der Kapitän stieg festen Schrittes die Rampe zwischen den Konsolen herab. "Abyss!"
"Ich war's nicht!", rief Abyss sofort und blickte auf.
Während er und Gibbli an den Sitzen vor dem Frontfenster vorbei gingen, hatte er noch immer vertieft seine neuen Finger bewundert. Gibbli hatte sie ihm überreicht, nachdem der Oceaner sich röchelnd davongeschleppt hatte. Das Handstück passte erstaunlich gut und es hatte nicht lange gedauert, seine abgetrennten Nervenenden damit zu verbinden. Abyss schaffte bereits einfache Bewegungen. Es würde nicht mehr lange dauern und er würde nicht mehr spüren, dass es sich nicht um seine echten Finger handelte.
"Warum bei Ocea steckte da vorhin ein Messer in Stevens Hals?", fragte Sky scharf. "Bo musste ihn zusammenflicken!"
"Was? Oha, das hört sich ja schmerzhaft an. Hm, ja. Schon seltsam." Abyss zuckte mit den Schultern.
"Das ist nicht lustig!"
"Also ich find's lustig."
"Abyss!"
"Was regst du dich auf? So was kann passieren, wenn du deine Krieger zum Schlafen schickst statt in die Schlacht, weißt du?"
Dem Oceaner hatte es scheinbar auch nicht viel ausgemacht, dachte Gibbli und erinnerte sich daran, wie er mit einem krächzenden Lachen Richtung Krankenstation abgezogen war. Sicher, mit Bo's Hilfe würde er spätestens in ein paar Minuten wieder munter plappernd durch die Zentrale hüpfen. Doch Steven würde nie wieder dazu kommen, ihr eine Aufgabe zu stellen. Nicht, solange sie sich Messer aus Abyss' Vorrat leihen konnte.
"Sky", murmelte Abyss plötzlich geistesabwesend und blieb abrupt stehen.
Der Kapitän kam ebenfalls vor ihm zum Stehen und starrte ihn düster an.
"Wo warst du?", fragte Abyss leise, als würde er mehr mit sich selbst reden. "Wo warst du, Sky?"
Skys Miene änderte sich schlagartig. Er öffnete den Mund und atmete betroffen die Luft aus. Er hatte erkannt, wovon Abyss sprach.
"Du hättest da sein sollen."
Der Kapitän schwieg. Plötzlich schlug Abyss zu und traf ihn am Kinn.
Gibbli schrie überrascht auf: "Nicht!"
"Du bist der Kapitän! DU HÄTTEST DA SEIN SOLLEN!", brüllte Abyss und schlug wieder zu.
Sky wehrte sich nicht. Er fiel nach hinten auf die Rampe.
Gibbli packte Abyss am Arm, als dieser erneut ausholte. Er wollte sich auf den Kapitän stürzen! Schnell drängte sie sich dazwischen. Beinahe hätte Abyss sie getroffen. Kurz vor ihrem Gesicht hielt er inne. Sie stolperte, aber er packte grob ihren Arm, bevor sie ebenfalls zu Boden fallen konnte. Dann schob er Gibbli beiseite. Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Er hielt inne und seine Faust entspannte sich. Erleichtert zuckten ihre Mundwinkel nach oben.
Abyss wandte sich Sky zu, der mit emotionsloser Miene zu ihm hochblickte. Mürrisch streckte er dem Kapitän seine Hand entgegen und sagte: "Wir sind quitt."
Gibbli war nicht ganz klar, was er damit meinte.
Sky zog die Augen zusammen. "Was?"
"Wir sind quitt", wiederholte Abyss barsch.
"Du kranker, trauriger ..."
"Lügner? Mistkerl? Mörder? Soziopath? Willst du das sagen?"
Der Kapitän schüttelte fassungslos den Kopf.
"Wie wär's mit Wichtel? Verräter? Vergewaltiger?"
"... Mann!", vollendete Sky seinen Satz.
"Kannst du nicht einfach ja sagen und meine Hand-"
"Abyss, verflucht! Das ist nichts, was man-"
"Wir sind quitt!", wiederholte Abyss mit fester Stimme.
Der Kapitän zögerte. Dann nahm er seine Hand. "Nette Finger", murmelte er.
Abyss grinste.
 
Gibbli schluckte nervös, als sie mit Abyss die Galerie betrat. Steven kam gerade aus dem Krankenzimmer heraus. Sie atmete tief durch und blieb stehen.
"Ihr seid doch nicht schon am Feiern? Ohne mich?", krächzte er. Die sonst so helle Stimme klang noch etwas angeknackst.
Düster begann Abyss zu murmeln: "Irgendwann trifft dich ganz zufällig ein Stromschlag aus undefinierbarer Quelle und-"
Gibbli gebot ihm zu schweigen. "Sky sagt, ich muss dich das gleiche tun lassen und ich soll dich um Verzeihung bitten. Aber das mit dem Messer in deinem Hals tut mir nicht leid." Sie war sich sicher, dass er beleidigt wäre, hätte sie sich bei ihm entschuldigt.
"Gutes Mädchen", sagte Steven zufrieden.
Eisige Wellen drangen durch ihre Haut. Doch es machte ihr nichts mehr aus. Statt von ihm davonzuweichen trat sie auf ihn zu. Steven legte fragend den Kopf schief. Er war nicht warm und er war kein Mensch, dachte Gibbli plötzlich. Es war nicht schlimm. Bevor der Oceaner etwas sagen oder Abyss sie aufhalten konnte, umarmte sie ihn. Steven erstarrte in ihren Armen wie ein kaltes Stück Metall.
"Danke, dass du ihn zurückgebracht hast", flüsterte Gibbli.
"Was ... warum ... was ist ...", stotterte er. "Ja! Steven hat das gut gemacht! Was? Hä?"
Sie trat schnell wieder von ihm weg.
Für einen Moment starrte der Oceaner sie verwirrt an. Dann schüttelte er benommen den Kopf und trat ohne ein weiteres Wort an ihnen vorbei.
"Ich glaub, du hast ihn kaputt gemacht", flüsterte Abyss, während Bo aus dem Krankenzimmer kam.


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Kapitel 19: Die Flucht (Bis in die tiefsten Abgründe)

Der Boden fing an zu vibrieren. Das Ruckeln wurde stärker. Abyss klammerte sich mit einer Hand am Rohr fest und versuchte mit der anderen Gibbli zu erreichen. Doch sie rutschte nach unten, als der Gitterboden sich öffnete und schräg legte. Während sie ihre Arme hochriss, um ihren Fall an dem geneigten Boden entlang zu verlangsamen, normalisierte sich die Lage bereits wieder. Das Donnern ließ nach. Erleichtert atmeten sie auf.
"Das sollte nicht passieren", murmelte Abyss. "Alles klar bei dir?"
Gibbli nickte und blickte sich um. In einem angrenzenden Gang hatte sich ein neuer Riss gebildet, der sich über mehrere Stockwerke hinwegzog. Das Abschalten der Sender hatte also nicht funktioniert. Sie waren doch aus? Unruhig betrachtete Gibbli den Abgrund, der sich nicht weit von ihnen aufgetan hatte.
"Sky!", rief Abyss, als der Kapitän plötzlich direkt an ihnen vorbeirauschte.
Wie es schien, hatte er auf dem Weg zur Mara kehrtgemacht. Wortlos marschierte er zur nächsten Rampe, die immer im Zentrum jeder Etage nach unten führten. Unsicher warf Gibbli Abyss einen Blick zu, der zuckte mit den Schultern. Hastig erhob sie sich und die beiden beeilten sich, dem Kapitän zu folgen.
"Wo gehen wir hin?", fragte Gibbli außer Atem.
"Alles was schief gehen kann, geht schief", gab Sky zornig zurück. "Es reicht."
"Diese Scheiße mit der Butter, die man auf eine Katze schmiert?", fragte Abyss.
Doch der Kapitän antwortete nicht. Sie passierten umgekippte Maschinen und Metallstücke, während sie weiter zwischen den Gebäuden die Stadt hinab hetzten, dem wütenden Sky hinterher. Aus einem Seitengang traten unvermittelt Soldaten auf sie zu. Abyss drückte Gibbli alarmiert Djegos Strahler in die Hand, während er ein Messer zog. Doch die Soldaten schossen nicht, stattdessen wurden es immer mehr, je weiter sie in die unteren Stockwerke kamen. Und Sky ignorierte sie einfach und schritt weiter die Gänge entlang.
"Ähm. Sky? Hey, was immer du vor hast, das ist keine gute Idee!", warnte Abyss.
Doch seine Worte blieben von ihm ungehört. Oder er ignorierte sie. Beunruhigt versuchte Gibbli, Schritt zu halten, und blickte sich immer wieder nach den Soldaten um, die mit grimmigen Gesichtern ihre Waffen zogen und diese auf sie richteten. Dennoch wagte sich scheinbar niemand näher als ein paar Meter an sie heran.
"Warum schießen sie nicht?", fragte Gibbli.
"Weiß nicht", antwortete Abyss. "Vielleicht wollen sie nicht sterben?"
Irgendwann blieb Sky auf einem großen Platz stehen. Hinter ihnen verschlossen die Soldaten ihren Weg. Gibbli versuchte gar nicht erst, sie zu zählen. Es waren hunderte!
"Sky?", murmelte Abyss vorsichtig, während er die Soldaten nicht aus den Augen ließ. "Das war ein wirklich verdammt mieser Plan von dir."
"Plan? So etwas plant man nicht, Abyss. Schweigt. Und bleibt in meiner Nähe", knurrte er leise.
Sie befanden sich mitten im Lager der Elite! Skys Miene verdüsterte sich und Gibbli fühlte sich an das Gewitter auf dem Planeten der Mog erinnert. Sie wäre fast vor ihm zurückgewichen, stände Abyss nicht neben ihr. Ein paar Meter vor ihnen erblickte sie den Grund für Skys Zorn: Mit dem Rücken zu ihnen gewandt, beugte sich Jack über einen Tisch, wo er auf einem Hologramm etwas markierte. Als Sky erhobenen Hauptes auf ihn zuschritt, drehte er sich langsam um. Jacks überraschte Miene verwandelte sich in ein Lächeln, dann in Entsetzen, als der Kapitän seine Faust erhob und mit voller Wucht auf ihn einschlug.
"Du willst mich dazu zwingen, die Stadt zu verlassen!", schrie Sky währenddessen. "Sag mir sofort, ob da noch etwas ist!"
Jacks Kopf wurde zur Seite gerissen. Baff öffnete Gibbli den Mund. Sie erhob ihre Waffe, ebenso wie Abyss. Die Soldaten um sie herum kamen aufgebracht etwas näher. Vereinzelte Rufe gingen entrüstet durch die Reihen. Unbegreiflicherweise fiel kein Schuss. Schnell atmend versuchte Gibbli, den Strahler ruhig zu halten. Ohne es selbst richtig wahrzunehmen, trat sie einen Schritt näher an Abyss heran. Er sah aus, als würde er bis zum bitteren Ende kämpfen und nur darauf warten, sich auf Skys Befehl hin in die Massen der Soldaten zu stürzen.
"Sag mir die Wahrheit! Ist das dein Ziel? Habt ihr eine Technologie entwickelt, welche die Risse auslöst? Verheimlichst du etwas?"
Langsam hob Jack den Kopf. Blut rann an einem seiner Mundwinkel hinab. "Nein Sky. Ich habe damit nichts zu tun!" Der Blick, mit dem er den Kapitän fixierte, wirkte interessiert, beinahe sanft. Als würde er mehr erwarten.
"Und sie sind nicht wieder an? DIE SENDER?"
"Die Sender sind aus. Wie vereinbart." Jack richtete sich auf, trat direkt vor den Kapitän und seine Stimme wurde lauter. "Es hat nichts gebracht. Du hast gesagt, die Beben hören auf! Du hast mich belogen!"
"Dreh mir nicht die Worte um! Ich sagte möglicherweise!", brüllte Sky ihn an. "Also hatte der Oca recht."
Mit rotem Gesicht fauchte Jack: "Meine Leute sterben!"
"Wir alle werden sterben!"
"Wie die Soldaten, die ich vermisse, Sky?"
"Möglich."
Ihre Nasenspitzen berührten sich fast und Gibbli war sich sicher, gleich würden Blitze aus den beiden Männern heraustreten.
"Wo ist Djego? Wo ist mein Bote?", fragte Jack.
"Dein Spion ist tot", antwortete Sky kalt.
Wieder ging ein Murmeln durch die Reihen der Soldaten. Abyss und Gibbli traten mit erhobenen Waffen näher an den Kapitän heran.
"Du hast ihn umgebracht." Ungläubig starrte Jack ihn an. "Einen Unschuldigen! Du hast gute Männer und Frauen getötet!"
"Ein unschuldiger Mann", wiederholte Sky abfällig.
Gibbli zuckte zusammen, als Sky erneut zuschlug, so heftig, dass der Führer der Landmenschen den Boden unter seinen Füßen verlor und hart aufschlug.
"Er bekam, was er verdiente! Gerechtigkeit!", schrie der Kapitän ihn an.
Die Soldaten um sie herum raunten, flüsterten und ballten wütend ihre Fäuste. Doch keiner von ihnen trat näher oder griff ein.
Langsam ging Sky vor ihm in die Hocke, bedacht darauf, ihn nicht zu berühren. Jack stöhnte auf vor Schmerzen. Die Soldaten wurden unruhiger, doch als der Kapitän leise zu sprechen begann, verstummten sie.
"In gewisser Weise liebe ich dich, Jack." Sky schmunzelte und starrte ihn durchdringend an, als wäre es eine Genugtuung ihn so zu sehen. "Nicht dich als Person. Sondern dich als lebendes Wesen. So wie man alles Lebende liebt. Ich liebe Leben. Darum habe ich dich bisher verschont. Doch es reicht nicht aus, nur zu lieben." Er erhob sich wieder. "Man muss auch entsprechend handeln, Jack!"
Gibbli erschrak, als Sky beim letzten Wort seinen Fuß in Jacks Bauch rammte. Beunruhigt suchte sie Abyss' Blick, der schützend neben ihr stand und gleichzeitig versuchte, die Soldaten hinter ihnen im Auge zu behalten.
"Du bist ein Clown, Jack. Nichts weiter. Ein beschissener", wieder schlug Sky zu, "verfickter", wieder traf er ihn, "Clown." Der Kapitän trat zurück, zwischen Gibbli und Abyss. "... der es nicht schafft, seine eigenen Leute in den Griff zu bekommen." Er lachte auf. Angeekelt schüttelte er den Kopf, während er das zusammengekrümmte Bündel Jacks blutbespritzten Körpers vor sich musterte. "Djego, ein guter Mann."
Sky blickte auf und betrachtete die Soldaten. Ohne seine Waffe zu ziehen, ging er langsam auf sie zu. Gibbli merkte, wie sie vor ihm zurückwichen. Doch ihre ablehnenden Blicke sagten deutlich, was sie von ihm hielten.
"Euch scheint er ja unter Kontrolle zu haben", murmelte Sky. Mit entschlossenem Ausdruck schritt er langsam vor den Soldaten entlang. Die Energie, die er ausstrahlte, brachte einige Hände mit ihren Waffen leicht zum Zittern. Die Energie eines wahren Anführers. Als würde seine Macht alles um ihn herum aufsaugen. Dann erhob er seine Stimme. "Hört mir gut zu! Dieser Mensch", er streckte einen Finger aus und deutete beherrscht auf Jack, der benommen vor dem Tisch lag, "wird höchstwahrscheinlich euer aller Tod sein. Er mag sich für euch einsetzen, doch seine Engstirnigkeit hat uns in diese Lage gebracht. Er lehnte die Vereinigung unserer Arten ab. Er führte uns in dieses Verderben, die Landmenschen, die Meermenschen und die Oceaner. Dennoch, wäre es eine Schande, wenn er die Konsequenzen seiner eigenen Taten nicht mehr miterleben würde. Das hat er verdient. Er ist euer Führer, also", Sky gelangte wieder bei Gibbli und Abyss an und hielt einen Moment inne, "flickt ihn zusammen, bevor er hier verblutet." Dann nickte er den beiden grimmig zu. "Zurück auf die Mara. Es wird Zeit, dass wir Ocea verlassen."
Ohne sich noch einmal nach Jack umzusehen, schritt er direkt in die Masse der Soldaten hinein. Abyss und Gibbli beeilten sich, ihm zu folgen. Fassungslos nahm Gibbli wahr, wie sich die Menschenmenge vor ihnen teilte und vor dem Kapitän zurückwich. Die drei konnten ungehindert zwischen ihnen hindurch wandern. Dennoch sahen die bewaffneten Männer und Frauen nicht so aus, als wären sie begeistert davon. Niemand wagte es, zu sprechen.
Ein paar Stockwerke höher schüttelte Abyss ungläubig den Kopf. "Ich liebe deine ungeplanten Pläne, Mann", murmelte er in sich hinein und steckte sein Messer in den offenen Mantel.
"Halt den Mund", knurrte Sky. "Ich habe die Kontrolle verloren."
"Nein", sagte Abyss sofort und grinste. Dann zuckte er mit den Schultern. "Okay, vielleicht ein ganz klein wenig."
"Das Beben vorhin versetzte mich in Rage, ich brauchte von ihm die Bestätigung, dass es nicht von seiner Seite ausgeht, dass Steven recht hat. Aber als ich Jack sah ... und als er dann noch Djego erwähnte ..."
"Warum hat er sich nicht gewehrt?"
"Aus dem gleichen Grund, warum du fast einen ganzen Planeten zerstört hättest", antwortete Sky leise.
Die drei schwiegen, bis sie die Schleusen der Mara erreichten.
 
Steven öffnete ihnen. "Ich hab's geseh'n! Es ist so winzig! Es lebt! Esjay ist zauberhaft, so schön. Aber grässlich. Schleimig! Ihh, Bo sagt, das geht weg. So schöne Schuppen, aber dreckig, wäh! Und ihre Haut schimmert! Ein wenig. Wundervoll abstoßend. Nox hat es - was ist passiert?", fragte er, als Sky ihn beiseite schubste. "Hat der große Mensch Mist gebaut? Er ist ja wieder da, mein blasser Freund. Uh, Kapitän, du siehst auch nicht gut aus. So, hm, muffelig?"
"Reiz ihn heute bloß nicht mehr, Goldhaufen. Er hat gerade Jack verprügelt", murmelte Abyss ihm zu.
Der Oceaner legte den Kopf schief und ging den dreien hinterher. "Es gab ein neues Beben, oder? Ja, das gab es", beantwortete er sich selbst die Frage.
Gibbli nickte. Sie betraten die Zentrale der Mara.
"Nun, das ist schlecht", meinte Steven. "Gut."
"Schlecht gut", wiederholte Sky mit rauer Stimme, während sie am runden Tisch vorbei gingen. "Erkläre das."
"Schlecht, dass ich Recht hatte und gut, dass wir auf der Mara nichts davon bemerkten. Die Schutzschilde funktionieren wieder perfekt. Mein Mädchen hat hervorragende Arbeit geleistet, oh ja, das hat sie."
Sky wies Gibbli an, den Start vorzubereiten. Sie stellte sich vor eine Konsole und ging die Systeme durch, um zu prüfen, ob alles in Ordnung war.
"Ich kapier's noch immer nicht", sagte Abyss, der ebenfalls anfing, die Werte an einer anderen Konsole abzulesen. "Warum haben sie nicht geschossen?"
"Weil Jack es ihnen verboten hat", antwortete Sky und schubste Steven wieder beiseite, der ihm erneut im Weg stand.
"Woher wusstest du das?", fragte Abyss.
"Ich wusste es nicht."
"Du bist wahnsinnig, Sky."
Steven lachte und lehnte sich an einen der Stühle vor dem Frontfenster.
"Das war ich doch schon immer." Seine Stimme klang ruhig und mörderisch. Der Kapitän setzte sich in den mittleren der drei Stühle und zog die Steuerungen zu sich heran.
Gibbli tippte auf der Konsole auf ein Feld und löste damit die Schleusen. Währenddessen fiel ihr ein, dass Abyss' Finger noch immer in einer der Hütten in der obersten Etage Oceas lagen. Sicher würde Sky ihr nicht erlauben, sie noch zu holen. Bei seiner aktuellen Laune, wagte sie auch kaum, ein Wort zu sagen.
"Warum hast du ihn nicht umgebracht?", traute sich Gibbli schließlich leise zu fragen, während er die Mara vorsichtig von der Andockstelle fort bugsierte.
Sie war sich nicht sicher, ob Sky ihre Worte überhaupt gehört hatte, doch nach einer Weile antwortete er: "Er hat nicht getötet. Noch nicht. Den Tod verdient nur jemand, der selbst getötet hat."
"So wie du?", fragte Steven vergnügt hinter ihm.
Für einen Moment schwieg der Kapitän. Dann stimmte er ihm zu. "So wie ich."
"Du kannst nicht vergessen, was er getan hat!", rief Abyss aufgebracht und blickte von seiner Konsole auf.
"Du kennst mich, ich vergebe niemandem", erwiderte Sky konzentriert. "Geduld, Abyss. Geduld. Mir fällt schon noch etwas ein für ihn. Irgendwann." Er schaltete die Maschinen ab und ließ die Mara auf der Stelle, inmitten des mit Wasser gefüllten Hohlraums schweben. Lediglich Tiefseemenschen war es jetzt noch möglich, von der Stadt auf das U-Boot zu gelangen. Die Soldaten konnten sie hier nicht erreichen.
Der Kapitän schob die Steuerungen von sich weg, erhob sich und trat um die Sitze herum zu ihnen.
Abyss funkelte ihn wütend an. "Warum tust du es nicht endlich? Er soll verrecken! Lass es mich tun! Mir fallen tausend Sachen ein, wie er sterben kann. Ich mach's, ich mach das für dich!"
"Nein", sagte Sky bestimmt.
"Ich versteh's nicht, er hat-"
"Abyss, halt den Mund!", unterbrach der Kapitän ihn scharf. "Lass es."
"Aber Jack ist-"
"HEY!", Sky beugte sich vor und packte ihn über die Konsole hinweg an den Schultern. "Das ist auch meine Entscheidung! Und ich will ihn leiden sehen, okay? Ich - will - ihn - leiden - sehen!" Stille breitete sich in der Zentrale aus. Sky ließ Abyss wieder los und fügte böse grinsend hinzu: "Es macht doch keinen Spaß, wenn er sich zwischendrin nicht erholt."
Begeistert klatschte Steven in die Hände. "Uhh, das gleiche sagte Rod einst zu Mara." Als er Rods Namen erwähnte, krallten sich Gibblis Hände in die Konsole vor ihr. "Du bist ihm ähnlich Kapitän, ja das bist du."
"Ist er nicht!", fuhr Gibbli den Oceaner barsch an.
Abyss hob erheitert die Augenbrauen, während Sky Steven mit einer Bewegung seines Kopfes zum Schweigen brachte, als dieser etwas erwidern wollte.
"Wer ist was nicht?", fragte plötzlich eine sanfte Stimme.
Sie wandten sich nach oben. Eine Gestalt stand über ihnen in der Galerie am Geländer und blickte müde auf sie herab. Hinter Bo trat Nox heran.
"Sam?", fragte Sky.
"Sie liegt in einer der Kühlkammern im Krankenzimmer", antwortete Bo leise.
Sofort breitete sich eine bedrückende Stimmung zwischen ihnen aus.
"Esjay schläft", sagte Nox mit seiner kratzigen Stimme.
"Sie ist nicht wie ich", fügte Bo hinzu. "Sie kann beides. Esjay besitzt voll ausgebildete Kiemen und eine funktionierende Lunge. Sie ist stark."
Sky nickte.
"Ich wegbringe sie", sagte Nox.
"Ich rate dir davon ab", gab Sky zurück.
Die Miene des Tiefseemenschen verfinsterte sich. "Ich war nie richtiges Mitglied deiner Crew. Ich kam wegen Sam. Um zurückzuholen. Jetzt, sie nicht ist mehr in dieser Zeit."
"Nox, dein Volk hat euch gejagt!"
"Du irrst, Kapitän. Sie mögen Bo nicht. Sie dulden meine Anwesenheit. Ich sprach mit Elai. Er ist jetzt ihr Führer. Er akzeptierte Sam. Er akzeptieren wird auch meine Tochter. Esjay aufwächst bei meinem Volk."
Für einen Moment blickte Nox Bo an, als würde er sie etwas fragen. Doch seine Frage war lautlos.
Bo schüttelte den Kopf.
"Dann bleib", sagte er düster.
Sie rannte ihm nach, als Nox von der Galerie zurück trat und verschwand.
Gibbli starrte ihnen nach. "Du lässt niemanden gehen", flüsterte sie. Das hatte er doch gesagt!
Sky wandte sich ihr kurz zu, dann blickte er aus dem Fenster. "Nox war nur auf Zeit in meiner Crew. Ich habe das mit ihm von Anfang an abgemacht. Er wollte nie Mitglied werden. Ich gab ihm mein Wort: Wenn seine Schuld beglichen ist, lasse ich ihn gehen. Seine Schuld ist nicht beglichen, der Auftrag mit den Hochseemenschen scheiterte. Dennoch hat er Recht. Er war hier wegen Sam. Nur wegen ihr. Um sie zu retten. Jetzt ist sie tot. Unsere Abmachung gilt also nicht mehr. Und Esjay gehört erst recht nicht hier her. Das hier ist kein Ort für Kinder. Jedenfalls, nicht ... nicht für so junge", fügte er hinzu. "Hier auf der Mara sind wir eine Zielscheibe."
Nox dachte wohl, er hätte eine größere Chance allein im Wasser zu entkommen und seine Tochter in Sicherheit zu bringen. Steven schüttelte verständnislos den Kopf und murmelte vor sich hin, während Bo jetzt zu ihnen heran trat.
"Er will raus, sobald wir oben sind", sagte sie betrübt.
Sky nickte. "Sobald er weg ist, werde ich für seine Sicherheit nicht mehr garantieren. Sollte einer von euch ebenfalls den Gedanken haben zu verschwinden, vergesst es."
Bo setzte sich und schwieg.
Der Kapitän wandte sich dem Oceaner zu. "Sag ihnen, was du mir erzählt hast."
Stevens Murmeln verstummte und jetzt sagte er ebenfalls kein Wort mehr.
"Sofort!", befahl Sky nachdrücklich.
Er nickte zögernd, dann sprach er Gibbli direkt an: "Mädchen, erinnerst du dich daran, als du mich fragtest, ob es Reihenfolgen gibt bei den Ebenen?"
Gibbli nickte unsicher. "Ja."
"Gut, das ist gut. Schlecht. Was denkst du passiert, wenn man zwei Ebenen verbindet, die nicht direkt zusammen hängen?"
"Sie ... verschmelzen zu einer?"
"Ja. Darum ist Riss eigentlich kein gutes Wort dafür. Die Maschine reißt die Ebenen nicht auf, sie verschmelzt sie. Und die jeweiligen Lebewesen in ihnen wären im Stande, sich zu begegnen. Kein Problem also. Doch was passiert, wenn es Ebenen sind, die für uns einzeln betrachtet bereits Lebensraum darstellen und die direkt aneinander liegen?"
Gibbli riss entsetzt die Augen auf. Das war nicht sein Ernst!
"Was bedeutet das?", fragte Abyss genervt.
"Die Vernichtung der Leben in ihnen", antwortete Gibbli an Stevens Stelle. "Alles wird eins. Zusammen gepresst."
"So könnte man es ausdrücken", bestätigte der Oceaner. "Und die Verschiebung aller angrenzenden Ebenen."
"Übersetzung bitte!", knurrte Abyss.
"Gravitationsbrüche, beschränkter Mensch!", rief Steven. "Das wird die Ebenen, wie ihr sie kennt, auseinanderreißen oder besser gesagt zusammen pressen! Hahaha! Die Ebenen der Zeit und der Materie werden schon bald nicht mehr an die drei aneinander liegenden Raumebenen angrenzen."
"Sondern an eine einzige Raumdimension", führte Gibbli seinen Satz weiter. "Länge, Breite und Höhe verschmelzen zu einer. Du hast die drei Dimensionen unseres Raums zu einer verbunden!" Darum also gab es diese Zeit-Gravitationsrisse! Die angrenzenden Ebenen der Zeit und der Materie drückten sich langsam in ihren Lebensraum.
"Noch nicht Mädchen, aber ja, das ist es, was die Vorrichtung in etwa macht, die ich baute. Gut gemacht Mädchen, du bist mein Oca, ich bin stolz auf dich!" Steven nickte.
Abyss Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen.
"Dein Eingriff erfolgte übergeordnet", sagte Sky. "Und da wir hier Leben, noch, müssen wir auf unseren drei Dimensionen ... wohin?"
"Wir können nirgendwohin, Kapitän. Der Ort spielt keine Rolle mehr. Einzig die Mara ist sicher. Sie ist abgeschirmt dagegen. Darum sollten wir sie auf keinen Fall mehr verlassen. Die Beben werden stärker. Die Abstände zwischen ihnen kürzer. Es ist nicht zu verhindern."
"Lüge nicht! Und nein, das meinte ich nicht. Sag ihnen, wo du das Ding gebaut hast!"
"Pfff, Menschen. Ihr tragt immer diesen Funken des Wahnsinns in euch. Niemals aufgeben. Immer hoffen, selbst wenn es aussichtslos ist. Ich mag das, Kapitän. Ich bewundere das. Aber es wäre so viel schöner, wenn ihr die letzten Momente eurer Völker genießen würdet. Wir sollten feiern."
"Befolge meinen Befehl! Der Ort deiner Maschine!", fuhr Sky ihn drohend an.
Steven schloss die Augen. "In der Spionagebasis der Mog."
"Und die ist wo? Steven, jetzt rede, verflucht!", knurrte Sky.
"Zwischen der Meeresakademie und Mooks. Nicht weit von hier."
Der Kapitän nickte. "Und du warst dort."
"Ja. Ich war ein weiteres Mal dort." Steven wandte sich Abyss zu. "Nachdem Jack die Störsender abgeschaltet hat, war ich kurz bei dir, du erinnerst dich?"
"Oh, ich erinnere mich gut. Du hast mich angefleht, mit dir zu kommen. Das war sehr ... amüsant." Doch Abyss sah nicht aus, als wirkte er amüsiert. Seine Miene war ernst und seine Stimme kalt.
"Nun, ich bin nicht direkt zu dir gefahren. Davor war ich erneut kurz bei der Basis, um nach der Vorrichtung zu sehen."
"Und?", fragte Gibbli, interessiert, mehr über Stevens Maschine zu erfahren.
"Sie scannte noch. Mein Meisterwerk erkennt uns durchaus, zögert aber, weil wir keine vollständigen Oca sind. Darum passiert es nicht sofort. Die Störsender hatten absolut nichts damit zu tun. Jack ließ deinen Vater hinrichten. Er zwang Cora durch seine Sender zum Verlassen ihres Körpers. Vielleicht waren wir alle vier es zusammen, was die Maschine zurückhielt, auszulösen. Und jetzt, wo sie läuft, kann sie nicht registrieren, dass noch immer Oca auf diesem Planeten anwesend sind ... weil ... weil es den Tatsachen entspricht. Die Maschine akzeptiert weder dich noch mich, Mädchen. Wir reichen nicht aus."
"Aber wenn sie es nicht tut ...", begann Gibbli flüsternd.
"... dann passiert mit diesem Planeten", Steven hielt eine Hand hoch, zog sie zusammen zu einer Faust und blickte in die Runde. In Gibblis Kopf entstand das Bild einer runden Kugel, "das hier." Er öffnete die Faust, welche jetzt eine Fläche darstellen sollte, dann formte er seinen Daumen und Zeigefinger so, als würde er einen kleinen Krümel zwischen ihnen festhalten. Die Kugel in Gibblis Gedanken wurde plattgedrückt und dann zusammengequetscht.
"Dreidimensionaler Raum wird zu einem eindimensionalen Punkt", hallte Skys raue Stimme durch die Zentrale.
"Wir könnten ihn ausstopfen und als Frontfigur an die Außenwand der Mara kleben. Bitte?", fragte Abyss an den Kapitän gewandt.
 
Trotz Stevens Einwänden, dass es keine Möglichkeit gäbe die Maschine abzuschalten, begann der Kapitän die Mara durch die Höhle nach oben zu steuern. Es fiel ihm sichtlich nicht leicht, die Stadt zurückzulassen, kam es doch einer Aufgabe gleich. Betrübt starrte Gibbli über die Konsole hinweg aus dem großen Frontfenster. Die goldenen Silhouetten strahlten durch ein Sichtfenster im Felsen zwischen der Andockstelle und Oceas hindurch. Ein durchsichtiges Kraftfeld hinderte das Wasser daran, aus der Andockstelle in die Stadt einzudringen. Die Sonnenstücke in ihr leuchteten hell in die Höhle hinein. Ausgerechnet jetzt, wo die Maschinen wieder liefen, fuhren sie fort. Die Bauten verschwanden am unteren Rand der Scheiben und machten den metallverstärkten Wänden der Höhle Platz. So viele hochtechnologische Schätze lagen dort unten, ungenutzt. So viele Experimente, die niemals stattfinden würden, begraben. Spätestens, wenn Jack die Stadt dem Erdboden gleich machen würde.
"Du brauchst sie nicht", sagte Steven plötzlich neben ihr. "Die Mara ist das fortschrittlichste Stück Technologie, das du auf diesem Planeten finden wirst. Noch. Wahahaha, wir werden alle sterben!"
Gibbli verdrehte die Augen zur Seite und schüttelte genervt den Kopf. Auf der Konsole vor ihr blinkte etwas auf. Sie öffnete ein Fenster auf ihrer Anzeige.
"Kann uns das U-Boot auch durch massive Felsen befördern?", fragte sie resigniert.
Eine Warnmeldung kündigte an, dass ihre vorgegebene Route unpassierbar war. Die Übertragung einer Außenkamera zeigte den verschütteten Durchgang.
Sky stoppte die Maschinen. "Das letzte Beben muss den Tunnel zerstört haben. Da ist alles eingestürzt. Steven, ich brauche einen anderen Weg."
"Es gibt keinen anderen, Kapitän. Oh, nein, gibt es nicht. Die Mara schafft das. Wir wühlen uns durch. Es wird nur etwas länger dauern, als geplant."
"Gibbli?", fragte Sky und wandte sich auffordernd zu ihr um.
Unsicher öffnete Gibbli ein weiteres Fenster, um sich die Werte des Schildes durchgeben zu lassen. Im Kopf überschlug sie ein paar Berechnungen, dann nickte sie. "Ich denke, die Hülle würde standhalten."
"Natürlich tut sie das, Mädchen."
Als der Kapitän die Mara mitten in die Brocken aus Metall und Fels steuerte, erklangen furchteinflößende Geräusche. Alles in Gibbli zog sich zusammen bei diesem Klang. Beunruhigt begab sie sich in die Maschinenräume, um die einzelnen Systeme zu prüfen. Doch alles schien einwandfrei zu funktionieren. Irgendwann tauchte Steven neben ihr auf und nervte sie mit einem Vortrag über die Standhaftigkeit der Schutzschilde. Er erklärte, wie man ein abdämpfendes Feld aufbauen konnte, was Gibbli sofort in die Tat umsetzte. Dennoch drang das Schrammen der Stücke an der Außenhülle des U-Bootes noch immer unangenehm durch ihre Ohren. Doch jetzt klang es wenigstens etwas leiser und für eine Weile aushaltbar.
Nach einiger Zeit fiel Gibbli auf, dass er mit einem Gewirr aus Drähten in einer Vorrichtung herumspielte.
"Was machst du da?", fragte sie misstrauisch.
"Ich prüfe deine Arbeit, Mädchen." Er zuckte mit den Schultern. Dann nahm er das Gebilde aus der Vorrichtung und warf es ihr zu. "Das hast du in der Stadt vergessen, oh ja, sehr vergesslich bist du. Dabei habe ich mir so eine Mühe gemacht, dir die Bauteile zu besorgen! Würdige das!"
Hastig fing sie es auf. Beinahe rutschte die Maschinenhand mit den herausstehenden Kabeln aus ihren Händen. Das hätte fast die Arbeit von Wochen zunichtegemacht! Wütend und erleichtert zugleich fuhr Gibbli über die nachgebildeten Finger.
"Hier." Steven hielt ihr einen Hologrammgenerator vor die Nase.
Vorsichtig legte sie die Hand beiseite und nahm den goldenen Knopf, um ihn zu öffnen. "Was ist das?" Vor Gibbli baute sich ein dreidimensionales Bild auf. Es war an verschiedenen Stellen mit leuchtenden Buchstaben beschriftet.
"Meine Konstruktionspläne nach einer Idee von Sky. Er will, dass du das baust", gab der Oceaner zurück. "Genial von mir, nicht wahr? Und du findest alles im Lager meiner geliebten Mara."
Fassungslos betrachtete Gibbli Stevens Skizzen genauer und rief ein paar Details der einzelnen Bauteile ab. "Der Kapitän ist wirklich wahnsinnig. Nur der kleinste Fehler und es könnte Abyss umbringen."
"Dafür hast du meine Berechnungen. Wir nehmen einen eurer Tiefseedruckanzüge als Basis und modifizieren ihn. Das bekommst du doch hin, Mädchen."
Gibbli lächelte. Natürlich würde sie das. Diese Ablenkung kam ihr gerade recht.
 
Der Kapitän steuerte das U-Boot mit steinerner Miene durch die Brocken. Währenddessen verbrachte Gibbli die nächsten Stunden damit, seine Idee in die Tat umzusetzen, sowie letzte Einstellungen an Abyss' künstlicher Hand vorzunehmen.
Nox und Bo ließen sich kaum in der Zentrale blicken und verbrachten die meiste Zeit in der Krankenstation. Esjay schien trotz der unangenehmen Geräusche seelenruhig zu schlafen. Was Bo wiederum beunruhigte, da dies ungewöhnlich war für Landmenschen. Doch Nox hatte ihr erklärt, dass das bei Tiefseemenschen in diesem Alter normal sei. Steven hingegen hielt alle auf Trab wie ein kleines Kind.
"Lasst uns etwas spielen", drang seine helle Stimme in ihren Kopf, als hätte sie ihn herbeigerufen. "Ich verstecke mich und ihr sucht mich."
Gibbli blickte genervt von ihrem Teller auf.
Abyss hatte sich in der Küche an den Vorräten zu schaffen gemacht und bestand darauf, dass sie etwas aß. "Wie wär's, wenn du dich versteckst und wir suchen dich nicht?", murmelte er.
"So funktioniert das nicht, Mensch! Ihr macht doch so etwas? Verstecken spielen. Ich habe euch studiert, oh ja! Du hast das früher nie mit anderen Kindern gespielt?"
"Natürlich hab ich das. Mit meinen unzähligen Freunden, ich hatte ja so viele davon, dämlicher Goldklumpen." Genervt warf er das Besteck beiseite.
"Ja, weil du sie umbringen wolltest", gab Steven zurück.
"Eigentlich wollte ich sie nur von Dingen überzeugen, die vorteilhaft für mich gewesen wären. Ich wollte nie jemanden verletzen. Das passiert eben einfach."
"Klar." Steven lachte. "Wenn Dinge dem großen Menschen nicht gefallen, kippen ein paar kleine Menschen einfach um. Plopp. Ganz zufällig."
"Gute Idee", knurrte Abyss. "Wie wär's, wenn es Plopp macht und du kippst um?"
Gibbli stand auf. Sie wusste, dass das hier wieder in ein gegenseitiges Anbrüllen ausarten würde und dass Sky, wie viele Male zuvor, irgendwann dazwischen gehen würde, bevor die beiden aufeinander losgingen. Abyss und Steven kamen sich ständig in die Quere, seit sie wieder beide an Bord waren. Abyss wollte man nicht begegnen, wenn er sich langweilte. Der Oceaner hingegen langweilte sich nie, er fand immer etwas, womit er anderen auf die Nerven gehen konnte.
 
"Die Zeit arbeitet gegen uns", sagte Sky müde. Sie hatten sich um den runden Tisch versammelt. "Gibblis Messungen zufolge werden die Beben stärker und treten in immer kürzeren Abständen auf."
Der Kapitän hatte die Mara bis an den Rand der Höhle gebracht. Diese endete etwas außerhalb der Meeresakademie. Nicht weit von ihnen begannen die ersten Gebäude. Noch waren sie nicht aus dem Gang aufgetaucht. Der letzte Durchgang lag verschlossen über ihnen, getarnt im Meeresboden. Die Kugel über ihren Köpfen zeigte unter Stevens Hand die Ausmaße der Gravitationsrisse. Er stand neben dem Gerät mitten auf dem Tisch. Der milchige Nebel hatte sich zu schrecklichen Bildern geformt. Große Teile der Meeresakademie schienen zerstört. Erschüttert betrachtete Gibbli die mit Wasser gefüllten Gebäude. Sie wollte nicht glauben, was sich dort befinden sollte! Nicht weit von ihnen, getrennt durch eine dünne Schicht Metall, die darauf wartete geöffnet zu werden, zogen sich Risse mitten durch die Bauten der Akademie. Und stiegen dort Körper auf? Sie schluckte. Das waren junge Schüler, Kinder!
"Das ist grauenvoll!", flüsterte Bo.
"Nicht schön, nein." Steven grinste. Dann wischte er über die Oberfläche und das Bild änderte sich. "Aber das hier ist lustig."
"Verdammt", murmelte Abyss.
Nox' Zähne blitzten auf und Gibbli vernahm sein bedrohliches Fauchen. Kurz regte sich die kleine Esjay, die neben ihm in Bo's Armen lag. Gibbli stieß entsetzt die Luft aus. Unglaublich viele U-Boote erstreckten sich über das gesamte Gebiet. So viele Kampfeinheiten, dass sie nicht mehr zählbar waren, hunderte, tausende. Und es wurden mit jeder Sekunde mehr. Sie fühlte sich plötzlich so schlapp. Wie sollten sie an denen je vorbei kommen?
"Er hat seine Männer nach oben gebracht", stellte Sky ruhig fest. "Jack zieht die Flotte zusammen. Er hat schnell reagiert. Wir waren zu langsam. Sie werden uns entdecken, sobald wir die Höhle verlassen."
"Diese U-Boote werden uns kaputt machen!", sagte Bo.
"Einfach zermatschen", stimmte Gibbli ihr zu. Sie war sich sicher, dass die U-Boote noch nicht alle voll besetzt sein konnten. Doch der verschüttete Durchgang hatte sie viel Zeit gekostet.
"Die Mara wird halten, Mädchen, das wird sie!"
Sky schüttelte den Kopf. "Selbst wenn tausende von Waffen auf sie einfeuern? Unterschätze die Menschen nicht, Steven. Jack wird hart durchgreifen müssen. Ich habe ihn vor seinen Leuten gedemütigt. Die Soldaten sind verunsichert. Jack wird diese Schwäche ausgleichen müssen, wenn er seine Macht behalten will."
Abyss schlug auf den Tisch. "Ich will ihn brennen sehen. Habt ihr je eine Kernfusion der Atome eines Menschen beobachten dürfen? Ich nicht. Ich würde das gern mal."
"Ja! Ich kann sie wieder ablenken. Wir sprengen sie! Steven macht das, Kapitän, Steven sprengt sie, auch ohne Cora! Ich krieg das hin! Und ihr schnappt euch den Menschenbefehler. Lass uns feiern!"
Alle blickten den Kapitän erwartungsvoll an. Für einen Moment schwieg er. "Wie lange noch, Gibbli?"
Gibbli tippte auf ihr EAG und öffnete die Datei mit ihren Berechnungen von Plotz Daten. "Wenn sich die Abstände der Beben im gleichen Tempo verringern, dann vielleicht noch vier Tage? Höchstens", sagte sie leise.
"Das ist gut. Das schaffen wir." Sky nickte, dann fragte er in aller Ruhe: "Wann habt ihr das letzte Mal geschlafen?"
Ungläubige Gesichter blickten ihn an. Für einen Moment dachte Gibbli tatsächlich darüber nach. Wann hatte sie das letzte Mal geschlafen? In Skys Raum. Mit einem unguten Gefühl dachte sie daran zurück. Wie lange war das her? Und wie lange hatte dann erst der Kapitän schon nicht mehr geschlafen? Für einen Moment war es still, dann brach ein Schwall von Protest über ihn herein.
"Na klar, scheiß auf die Schlacht", knurrte Abyss düster, "legen wir uns erst mal hin, während diese megagigantische Macht an Eliteheinis darauf wartet, unsere Überreste den Haien zum Fraß vorzuwerfen!"
"Tiefseemenschen wachen lange! Ich verlasse die Mara!" Wieder schien er Bo in Gedanken eine lautlose Frage zu stellen.
Bo schüttelte den Kopf. "Ich sagte bereits, nein", fuhr sie ihn an.
"Dann geh mit ihnen unter!", gab er düster zurück.
"Oca schlafen nicht! Wir sind euch überlegen, wir leben immer, wir zerfetzen! Wir-"
"Schweigt!" Sky erhob sich und alle verstummten. Bedachtsam betrachtete er jeden Einzelnen von ihnen. "Wenn ich die Mara jetzt dort hinaus tauche, steuere ich euch in den sicheren Tod. Ich meine das ernst, nicht Jacks Flotte wegen, mein Reaktionsvermögen ist aufgebraucht. Ich bin seit über zwei Tagen wach und kann kaum noch klar denken. Und Sprengen? Eine Schlacht? Ihr wollt kämpfen? Ihr wollt morden? Hört euch doch zu! Ihr wollt kopflos in euer Verderben rennen. Ich verbiete das! Es hat genug Tote gegeben!"
"Wenn du jetzt damit kommst, dass wir mit Jack auf gut Freund machen sollen, dann schlachte ich dich gleich mit ihm", murmelte Abyss.
"Nein", sagte Sky ruhig. "Nein, wir regeln das anders. Ich denke mir etwas aus. Zweifelt nicht immer an meinen Entscheidungen. Ihr werdet überleben. Meine Crew stirbt nicht. Jeder, der hierbleibt, wird leben. Das ist ein Versprechen. Ruht euch aus. Und das war ein Befehl. Ob es in der Zwischenzeit ein paar hundert Boote mehr werden, spielt doch keine Rolle mehr. Fünf Stunden. Nehmt euch die Zeit."


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