Kapitel 3: Kreativer Arbeitsplatz (Was soll ich zeichnen?)

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


Ort

Such dir am besten eine ruhige Umgebung, wo du nicht ständig von anderen gestört wirst.

Die meisten Zeichner brauchen viel Platz und Stauraum. Je nachdem, mit welchen Materialien man arbeitet, kann schon mal ein kompletter Tisch voll werden. Über die Jahre hinweg sammelt sich zudem viel Material an, das irgendwo untergebracht werden muss.

Versuch auch hin und wieder an anderen Orten zu zeichnen als an dem, den du gewohnt bist, um auf neue Ideen zu kommen. Vielleicht draußen in der Natur, in Museen, im Freibad oder im Vergnügungspark.

sockenzombie - blog - trennstrich

Einrichtung

Eine leere Wand kann manchmal sehr bedrückend sein. Hänge Bilder auf, die dir gefallen und dir als Inspirationsquelle dienen können. Richte deinen Zeichenplatz dekorativ so ein, dass du dich wohl fühlst.

Ein paar Ideen dazu:

  • Magnetklebeband um Dinge aufzuhängen
  • bunt bemalte Regale für Zeichenbücher und Malsachen
  • selbst gebastelte Stifthalter
  • schöne Tischunterlagen
  • eine kleine Süßigkeiten-Schatzkiste
  • Notizzettelständer und Schachteln für verschiedene Dinge
  • inspirierende Gegenstände wie Edelsteine, Schmuckstücke, Urlaubssouvenirs

sockenzombie - blog - trennstrich

Aufbewahrung

Wenn du während dem Zeichnen etwas brauchst und du findest es nicht, ist das sehr nervig. Sorge also dafür, dass du deine Materialien ordentlich und immer am selben Fleck aufbewahrst. Ob in Schubläden, Regalen oder Kisten musst du entscheiden. Hauptsache ist, dass alles gut und jederzeit erreichbar ist.

Wirf alte Bilder und Skizzenbücher nicht weg. Du kannst sie in Mappen oder Ordnern aufbewahren und später wieder ansehen. Das ist enorm motivierend, wenn man sieht, wie sehr man sich verbessert hat. Oft findet man in alten Bildern auch Ideen für neue Werke.

sockenzombie - blog - trennstrich

Bücher

Lege dir eine kleine Bibliothek an. In Zeichenbüchern findest du viele Tutorials und Anleitungen. Zum Beispiel über verschiedene Perspektiven. Ein Anatomiebuch ist nie verkehrt, in dem du immer wieder spicken kannst, wenn mal ein Charakter nicht so aussieht, wie er aussehen soll.

Oft kommt man auch auf viele neue Ideen, wenn man solche Anleitungen einfach mal durchblättert. Zudem kannst du Bücher verschiedenster Art als Referenzen verwenden. Sehr hilfreich sind Tierlexika, Pflanzen-Nachschlagewerke oder andere Themenbücher, über die du gerne und viel Zeichnest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Sound

Manche mögen es ruhig, andere brauchen einen gewissen Sound, um arbeiten zu können.

Mit der richtigen Musik kannst du dich in die Stimmung eines Bildes noch besser hineinversetzten. Höre z.B. traurige Musik, wenn du ein trauriges Bild zeichnest und fröhliche, wenn es ein belebendes Motiv werden soll. Hörspiele sind manchmal auch super als Inspiration.

Manchmal ist es auch sinnvoll den Fernseher im Hintergrund laufen zu lassen, je nachdem was du zeichnest. Vor allem bei Fanarts zu Serien, die man sich gerade ansieht, kann das sehr motivierend sein. Lass dich nur nicht zu sehr davon ablenken.

sockenzombie - blog - trennstrich

Verpflegung

Iss etwas, bevor du zeichnest. Denn mit Hunger zeichnet es sich meistens nicht gut. Stell dir am besten auch immer etwas zu trinken bereit, damit du nicht Wasser holen musst, wenn du Durst bekommst und gerade mitten im Bild steckst. Kleine Süßigkeiten helfen auch manchmal bei der Motivation.

Eine Decke oder Wärmflasche bereit zu legen bevor man anfängt, ist auch nie verkehrt. Beim Zeichnen bewegt man sich oft sehr lange nicht und dann kann es schnell mal kalt werden.

sockenzombie - blog - trennstrich

Zeichenmaterial

Natürlich darf das wichtigste an deinem Arbeitsplatz nicht fehlen:

  • verschiedene Papiersorten
  • Stifte
  • Pinsel
  • Farben aller Art
  • Lineale
  • Schere und Kleber
  • Leuchttisch
  • Spitzer
  • Motivpapier
  • Radiergummi
  • oder was du sonnst noch alles zum Zeichnen benötigst.

 


 

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kurzgeschichte: Dimensionssprung (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 3)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel – Zum Tutorial: Dimensionssprung

 

Es ist noch nicht lange her, da kam ein kleines Mädchen völlig aufgelöst in meine Bar. Ihr Name war Ellie. Und Ellie erzählte mir tränenüberströmt etwas über ihre große Schwester, Kiara. Kiara, die Ellie nie beachtete, doch von Ellie vergöttert wurde. Kiara, die immer nur zu Kim aufblickte, der dritten Schwester.

Die drei Schwestern lebten auf einer seltsamen Welt. Drei Kugeln schwebten mitten im Nichts, voll gestopft mit Wohnungen. Auf ihrer Oberseite trugen sie eine unerschöpfliche Energiequelle. Der Platz war endlich, deswegen entsorgte man die Toten einfach ins All. Doch Einigen war ein anderer Weg bestimmt. Ellie erzählte mir eine Geschichte, die so außergewöhnlich war, dass nur die wenigstens sie begreifen konnten…

 

„Kiara, wach auf“, die Stimme schmerzte in ihrem Kopf. Sie versuchte die Augen zu öffnen, doch das Licht versetzte ihr einen Stich. Zu hell. Sofort erkannte Kiara, dass etwas schief gelaufen war.

„Du musst in den Zug“, hörte sie wieder eine Stimme sagen, eine sehr junge, helle Stimme.

„Was? Kim, bist du das?“, etwas benommen begann sie sich aufzurichten. Es war Ellie, die sich jedoch sofort umdrehte und den Raum verlies. Erinnerungen durchschwemmten Kiara plötzlich. Ihre Schwester Kim fiel vom Dach. Langsam kam Kiara zu sich. Sie wollte ihr folgen, ohne Kim gab es kein Leben. Scheinbar war ihr Versuch gescheitert.

„Kiara, der Zug wartet“, sagte jemand anderes. Diese Worte kamen von einem der Wächter! Ihre Stimmung änderte sich schlagartig. Die Wächter der Außentore! Kiara war sich nicht sicher, ob sie erleichtert sein sollte. Ihr Selbstmord war gescheitert. Eine brutale Entscheidung, die aktuelle Zeit zu verlassen. Doch jetzt gab es einen anderen Weg. Vielleicht einer, der zu Kim führte.

Kranke Menschen durften mit dem Zug reisen. Auch Mörder, Diebe und andere Kriminelle, die niemand in den drei Städten haben möchte. Menschen mit Problemen konnte man in den 3 Städten nicht gebrauchen. Deswegen wurde Kiara in den Zug geschickt.

Der Zug fuhr einmal in der Woche und nahm alle Unerwünschten mit. Er war eine Konstruktion höherer Wesen. Durch ihn wandelte sich Zeit zu einer räumlichen Dimension.

Noch ein letzten Blick zurück, gleich würde er die Stadt verlassen, Richtung All. Richtung Anderswo. Einem Ort außerhalb des uns bekannten Universums.

Jeder der in dem Zug fuhr, drang in einen Übergeordneten Raum ein. Dies war eines der ersten Dinge, die Kiara in der Schule gelernt hatte. Für jemanden, der in einer 4-Dimensionale Welt lebte und nur die 3 Dimensionen begehen konnte, war dieser 5-Dimensionale Ort unverständlich. „Der Ort, wo die Toten hingehen“, so hatte ihn Kim immer genannt.

Während der Reise änderte sich die Einheit der Zeit zu einem Raumabschnitt, in dem Vergangenheit und Zukunft begehbar waren, wie eine Strecke. Und eine neue, unbekannte 5. Dimension ersetzte die Zeit.

Noch etwas benommen von ihren Verletzungen spürte Kiara einen Ruck, als sich der Zug in Bewegung setzte. Das letzte was sie sah, bevor der Zug die Dimension der lebenden verließ, waren die Augen von Ellie. Da stand sie, draußen am Bahnsteig. Die dritte Schwester. Die kleinste von ihnen. Die Schwester, die immer im Hintergrund stand. Die Schwester, die Kiara immer vergessen hatten. Die Schwester, die nicht Kim war. Und sie besaß die traurigsten Augen von allen. Ihr Blick durchdrang Kiara wie ein Schuss, mitten ins Gesicht.

 

Traurig, nicht wahr? Kannst du dir vorstellen, dass mich diese Geschichte nicht berührt hat? Nein? Naja, es ist eben so. Ich bin ein Roboter… Du kannst die 5. Dimension vielleicht nicht verstehen, aber ich kann es. Und ich war dort. Ich traf Kiara. Es geht ihr nicht gut. Kim ging weiter nach oben, in die 6. Dimension, verrückt was? Kiara hat sie nicht mehr getroffen. Aber Ellie lebt noch, ganz sicher. Sie war nicht in der 5. Dimension. Ellie ist noch irgendwo da draußen. Ich frage mich, wie es ihr geht und was sie jetzt macht. Ob sie wohl zurück nach Hause ging? Vielleicht kannst du sie ja für mich finden?

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kapitel 2: Ideen für Skizzenbücher (Was soll ich zeichnen?)

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


Skizzen

Allein der Name sollte dir schon den ersten Tipp geben. Also warum nicht ein Skizzenbuch dafür verwenden, wozu es da ist? Für Skizzen!

Dein Buch ist geeignet für Zeichenübungen, erste Eindrücke, Ideen, Vorzeichnungen. Verwende dein Skizzenbuch, um zeichnen zu üben, denn dafür wurde es gemacht. Und zeichne einfach alles.

sockenzombie - blog - trennstrich

Perspektive und Lichtverhältnisse

Wähle einen Gegenstand aus und zeichne diesen ab. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder, aus verschiedensten Richtungen, mit unterschiedlichstem Lichteinfall. Das kannst du mit allen möglichen Gegenständen, Tieren oder Personen machen.

Versuch das auch zu anderen Tageszeiten, da sich dann die Lichtverhältnisse ändern. Dadurch lernst du auch, wie sich künstliches Licht von natürlichem Tageslicht unterscheidet. Je nachdem welches Licht du verwendest, verändern sich auch die Schatten (hart, weich, hell, dunkel, in unterschiedlichen Farben,…) auf deinem Motiv.

sockenzombie - blog - trennstrich

Anleitungen

Überlege dir, in welchen Bereichen du gut bist und wo du noch Übung brauchst. Dein Skizzenbuch ist zum Durcharbeiten von Tutorials rund ums Zeichnen perfekt geeignet. Diese findest du überall, zum Beispiel in Büchern, auf Internetseiten, Künstlerblogs oder Videos.

Du kannst auch selbst Anleitungen erstellen und diese dann als Nachschlagewerk benutzen oder sie anderen Zeichnern zur Verfügung stellen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Träume

Leg dein Skizzenbuch zusammen mit einem Stift vor dem Schlafen neben dein Bett. Sofort, nachdem du aufwachst, kannst du ein Motiv aus deinem Traum zeichnen. Träume sind oft komisch und meistens handeln sie auch von Dingen, die dich interessieren und ein cooles Bild abgeben. Dabei kommen die verrücktesten Dinge raus.

sockenzombie - blog - trennstrich

Storyideen / Dialogfetzen

In so ein Buch kann man auch schreiben. Vielleicht hast du manchmal coole Ideen für Geschichten oder Dialoge, die du nicht vergessen möchtest. Schreib sie einfach in dein Skizzenbuch. Das können auch Sätze sein, die du bei Gesprächen hörst. Halt die Ohren offen, überall dort, wo Menschen miteinander reden.

Du kannst später durch sie auf neue Ideen kommen, wenn dir mal nichts einfällt.

sockenzombie - blog - trennstrich

Farbtabellen

Farbtabellen sind recht nützlich, wenn man noch nicht genau weiß, wie man ein Bild kolorieren soll. Du kannst dir dadurch ansehen, welche Farben du zur Verfügung hast und dann die passenden für das jeweilige Bild auswählen und miteinander vergleichen.

Schreib am besten auch die Namen der Farben dazu, damit du sie schnell wieder findest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Studien

Such dir etwas aus und zeichne verschiedene Arten davon in dein Skizzenbuch. Zum Beispiel verschiedene Arten von Pilzsorten. Oder Eissorten mit unterschiedlicher Dekoration, Autos aller Art oder unterschiedliche Edelsteine.

Schau dir genau an, wie sich die einzelnen Arten deines gewählten Themas voneinander unterscheiden. Vielleicht haben sie verschiedenen Farben und Formen oder reflektieren Licht unterschiedlich stark. Wie sieht ihre Struktur aus? Gibt es härtere oder weichere Arten?

sockenzombie - blog - trennstrich

Erfindungen

Zeichne eine Erfindung. Das kann alles Mögliche sein. Es gibt immer etwas, was es noch nicht gibt. Zeichne das Ding von verschiedenen Seiten. Aus welchem Material besteht es? Du kannst auch versuchen die Funktionsweise darzustellen. Denk dir was aus!

Beispiele:

  • ein selbst schließender Klodeckel
  • ein neuartiger Fahrstuhl
  • ein futuristisches Fortbewegungsmittel
  • ein Aquarium in einem Schreibtisch verbaut

sockenzombie - blog - trennstrich

Umgebung

Zeichne einfach deine Umgebung, egal wo du dich gerade befindest.

Setze dich in die Küche und zeichne, was du siehst. Oder bist du gerade im Bus auf dem Heimweg? Zeichne die Sitzplätze oder den Stopp Knopf.

Egal wo du gerade bist, um dich herum finden sich unendlich viele Motive, die nur darauf warten, in deinem Skizzenbuch verewigt zu werden.

sockenzombie - blog - trennstrich

Kochrezepte

Schreib doch mal deine leckersten Rezepte in dein Buch. Du kannst ein Foto des fertigen Gerichts dazu kleben. Oder du zeichnest die einzelnen Zutaten hinein. Oder wie wäre es mit jemandem, der gerade dabei ist, das fertige Gericht zu essen? Zeichne seine Reaktion auf das Essen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Kleben

Man kann alles in ein Skizzenbuch einkleben, solange es danach noch zugeht.

Beispiele:

  • Erinnerungen, wie alte Kino- oder Konzertkarten
  • Ausschnitte aus Zeitschriften und Katalogen, die dir gefallen. Besonders Urlaubskataloge sind da sehr ergiebig
  • interessante Zeitungsartikel
  • Süßigkeiten Verpackungen
  • alte Fotos
  • schöne Postkarten
  • Briefmarken

sockenzombie - blog - trennstrich

Gefühle

Versuche verschiedenste Gefühle bildlich darzustellen, ohne aber einen Menschen zu zeichnen. Wie würde Wut aussehen? Oder Trauer? Welche Farben würdest du welchen Gefühlen geben? Gibt es Gegenstände, bei denen du immer an bestimmte Dinge denken musst, wenn du sie siehst?

sockenzombie - blog - trennstrich

Autogramme sammeln

Das ist eine coole Art Portraits zu üben. Zeichne eine berühmte Person in dein Skizzenbuch und versuch dann sie irgendwie zu treffen, damit sie ihr Autogramm unter dein Bild setzt. Oder anders herum. Sammle ein paar Autogramme, klebe diese in dein Skizzenbuch und zeichne darunter jeweils ein Portrait des Autogrammgebers.

sockenzombie - blog - trennstrich

Wetter

Mach dir eine Liste verschiedener Wetterarten, zum Beispiel Sonnenschein, Hagel, Sturm, …

Denk dir anschließend Motive für die Wetterarten aus. Wie könnte man das jeweilige Wetter darstellen? Wehende Haare im Wind? Ein vergessener, tropfnasser Wäscheständer am Balkon?

Versuch dir auch vorzustellen, wie sich die Lichtverhältnisse bei einem bedeckten Himmel von einem wolkenlosen unterscheiden. Je mehr Wolken sich am Himmel befinden, desto dunkler ist es. Wobei Schnee das Licht gut reflektiert und die Umgebung sogar in der Nacht etwas heller erscheinen lässt.

Auch die Farben können zur Darstellung beitragen. Man unterscheidet zwischen warmen und kalten Farben, die man gut dazu einsetzten kann, um unterschiedliche Temperaturen darzustellen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Aufgaben

Auch To-do-Listen finden in Skizzenbüchern ihren Platz. Schreib oder zeichne Dinge hinein, die du schon immer mal machen wolltest. Das können kurzfristige Wünsche sein, oder aber auch Erlebnisse, die du erst in 10 Jahren machen möchtest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Gasteinträge

Überlasse jemand anderem eine Seite deines Buches. Drück einem lieben Freund einen Stift in die Hand und sag ihm, er soll was auf diese Seite zeichnen. Er kann auch Fotos auf diese Seite kleben, Sprüche hinein schreiben, lass dich überraschen was daraus wird. Eine schöne Erinnerung, wenn du das Buch später mal wieder durchblätterst, um dir neue Ideen zu holen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Wohnungspläne

Stell dir vor, wie dein Traumhaus aussehen soll und zeichne es. Zeichne die Zimmerverteilung von oben, zeichne wie die Möbel aussehen sollen und wo sie stehen. Und vielleicht auch noch einen Garten dazu? Welche Bäume möchtest du darin anpflanzen? Und wie wäre es mit einem Pool?

Dein Hausplan muss nicht unbedingt real umsetzbar sein. Vielleicht handelt es sich ja um dein unbezahlbares Traumschloss oder eine Geistervilla mit vielen Geheimgängen?

sockenzombie - blog - trennstrich

Listen

Listen gibt es über alle möglichen Dinge. Wie wäre es mit einer Liste deiner Lieblingskünstler? Eine Liste der Bücher, die du schon gelesen hast oder noch lesen willst? Listen der Leute, die bei dir daheim zu Besuch waren und warum sie da waren. Das ist übrigens nach ein paar Jahren sehr lustig zu lesen!

Du musst nicht unbedingt schreiben, du kannst die Liste auch zeichnen oder aus Fotos bestehen lassen. Zeichne beispielsweise Listen von Orten, die du bereits besucht hast oder noch besuchen möchtest.

Lass dir weitere, eigene Listenthemen einfallen!

sockenzombie - blog - trennstrich

Zitat/Bildkombinationen

Such dir ein Zitat oder auch einen beliebigen Satz aus, welcher dich anspricht und schreib ihn in dein Skizzenbuch. Darunter kannst du ein dazu passendes Bild zeichnen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Bildfortsetzungen

Das funktioniert super mit Briefmarken. Du kannst aber auch Ausschnitte aus Zeitschriften oder sonnst woher verwenden. Klebe einen Fetzen von einem Bild mitten auf eine Seite deines Buches. Darum herum kannst du das Bild jetzt weiterzeichnen.

sockenzombie - blog - trennstrich

Erinnerungen

Zeichne deine schönsten und traurigsten Erinnerungen in dein Skizzenbuch. Manchmal blitzen Momente durch den Kopf, die man irgendwann mal erlebt hat oder denkt, sie erlebt zu haben. Versuch sie in einem Bild festzuhalten.

Denk zurück, wie es damals war, in der Schule, im Kindergarten, bei deinem ersten Auftritt auf einer Bühne. Wie war dein Weihnachten, als du noch ganz klein warst? Wie sah dein Zimmer aus und was war dir als Kind besonders wichtig?

 


 

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kurzgeschichte: Lasst die Monster los (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 2)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel – Zum Tutorial: Lasst die Monster los

 

Ich saß in dem ausbruchsichersten Gefängnis der Galaxis. Umgeben von Vakuum trieben wir durch die wunderschönsten Nebel. Die Kapseln wurden mit Menschen bestückt und dann auf eine lange Reise geschickt. Ihre Geschwindigkeit bestimmte die Dauer der Haft. Wir bewegten uns langsam, etwas unter Lichtgeschwindigkeit. Es gab Vorräte, die man sich einteilen musste. Doch keinem von uns wurde gesagt, wie viel Zeit genau vergehen würde bis zur nächsten Zivilisation.

Die Zelle teilte ich mir mit Lele, einer jungen Frau. Sie sah so zerbrechlich aus und erweckte niemals den Anschein, als könnte sie jemandem wehtun. Doch keiner hier war unschuldig, das hatten uns diese Wesen klar gemacht.

Jeder durfte eine persönliche Erinnerung mitnehmen. Meine Wahl war schlecht. Mittlerweile kannte ich das Buch auswendig. Ich wünsche mir sehnlichst meinen Gegenstand mit einem der anderen zu tauschen. Doch Lele hatte sich nur ein altes Kissen ausgewählt und Schleusen zu den anderen Gefängnis-Schiffen gab es keine. Da waren nur wir beide. Ich konnte Lele oft nicht ansehen. Ihr trauriger Blick zerriss mir jedes Mal aufs Neue mein Herz. Und manchmal waren da auch die Gesichter der anderen namenlosen Menschen aus den anderen Kapseln. Wir konnten sie hinter den Gittern weiterer Zellen da draußen erkennen. Sahen, wie sie langsam verzweifelten.

„Bonney…“, die sanfte Stimme von Lele ließ mich hochschrecken, „da draußen ist etwas.“

Schnell sprang ich auf. „Wo?“

„Siehst du? Da drüben!“

Das Schiff war fremd und riesig. Tausende von uns würden im Inneren Platz finden. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete ich das Grauen „Nein! Was tun sie da?“

„Sie sammeln die Kapseln ein“, kommentierte Lele das Geschehen leise. Ich vermied es, sie anzusehen und fing an, gegen die Scheiben zu schlagen. „Nein!“

„Sie retten uns“, flüsterte sie wieder, scheinbar unberührt.

„Das dürfen sie nicht!“ Erschöpft ließ ich mich auf die Knie fallen.

 

Irgendwann nahm uns das fremde Schiff auf. Wir stiegen aus und Lele verschwand in der Menschenmasse der anderen Gefangenen. Ich würde sie nie wieder sehen.

Mit uns wurden ein paar Millionen weitere Kapseln geborgen. Die Wesen stellten sich als friedliche Forscher vor. Sie dachten, sie täten etwas Gutes. Dabei erkannten sie nicht, dass sie mit uns den Tod in die ganze Galaxie brachten.

Was wir getan haben? Wir sind Menschen. Wir haben gemordet, geplündert, gefoltert. Wir haben ganze Arten ausgerottet und uns sogar gegenseitig das Leben genommen. Wir ließen unsere Kinder verhungern und ignorierten es, bis alles zerbrach.

Ich, Bonney, wusste von den Bomben und den Kriegen auf der Erde. Doch ich ignorierte das, lebte in meiner eigenen, heilen Welt, wie Milliarden andere Menschen.

Jeder Einzelne von uns trägt die Schuld mit sich. Wir taten das Schlimmste, was ein Volk in diesem Universum tun kann. Wir haben unseren Planeten verletzt. Wir haben die Erde zerstört. Wir haben zugelassen, dass es so weit kommt.

 

Der Gast, der mir diese Geschichte erzählte, ein junger, hoffnungsloser Bursche, verließ leider viel zu früh meine Bar. So konnte ich nie erfahren, was mit den Menschen weiter passiert war. Und warum seine Freundin Bonney ausgerechnet ein Buch als letzte Erinnerung ausgewählt hatte. Was denkst du? Glaubst du Bonney hat ihre Zellengenossin jemals wieder gesehen? Dieser Bursche wollte Lele jedenfalls finden, für Bonney.

Man erzählt sich, dass noch heute ein paar dieser Gefängnis – Kapseln vergessen im Universum herumtreiben. Vielleicht machst du dich auf die Suche nach ihnen? Das sollte wirklich mal getan werden!

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kapitel 1: „Kreatief“ vermeiden (Was soll ich zeichnen?)

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


 

Nicht Zeichenhand

Du bist Rechtshänder? Zeichne zur Abwechslung mit deiner linken Hand. Als Linkshänder, versuch es mit deiner rechten Hand. Du wirst dich wieder an den Anfang zurückversetzt fühlen, so als würdest du neu Zeichnen lernen. Und wenn du dann später wieder mit deiner Zeichenhand etwas machst, kommt dir das gleich viel einfacher vor.

Du kannst diese Übung auch erweitern, indem du versuchst, den Pinsel oder Stift mit deinen Zehen zu halten. Hast du schon mal ein Bild mit deinen Füßen gezeichnet? Nein? Dann wird es Zeit!

sockenzombie - blog - trennstrich

Speed Kritzelei

Kritzle irgendwas auf ein Schmierpapier. Jetzt, sofort. Und mach das, ohne darüber nachzudenken. Schalte deinen Verstand aus. Es muss nichts darstellen. Irgendein Muster ohne Regeln, unvorhergesehene Linien.

Nach einer Weile kannst du dann versuchen, Motive in deiner Kritzelei zu erkennen. Vielleicht kommt dadurch genau das Meisterwerk in deine Vorstellung, welches du schon immer erschaffen wolltest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Verbesserungen erkennen

Manchmal erscheint es, als trete man auf der Stelle. Es ist einfach kein Fortschritt zu erkennen. Aber das stimmt nicht. Wenn du siehst, wie sehr du dich verbessert hast, motiviert das extrem!

Blättere durch deine alten Bilder. Meistens merkt man gar nicht, wie sehr man sich verbessert hat, da dies oft nur langsam geschieht. Aber wenn du deine alten Bilder mit neueren vergleichst, wird es dir sofort auffallen.

Du kannst dir auch eine Art Monatsbuch erstellen. Wähle dazu von jedem Monat ein Motiv, das du archivierst. Wenn du dann diese Bilder der vergangenen Monate ansiehst, wirst du sofort erkennen, wie sehr du dich über das ganze Jahr hinweg verbessert hast.

sockenzombie - blog - trennstrich

Neuauflage

Suche eine Zeichnung von dir aus und sieh sie dir ganz genau an. Sie darf ruhig schon ein paar Jahre alt sein. Gefällt sie dir noch? Erinnerst du dich daran, wie du sie damals fandest? Vielleicht warst du stolz darauf. Das darfst du auch jetzt noch sein! Allerdings hast du in der Zwischenzeit sicher etwas gelernt und kannst das heute besser.

Überlege dir, was genau man daran noch verbessern kann.

  • Mehr Details?
  • Farbverläufe?
  • Schattierungen, Glanzeffekte?
  • Sauberere Linien?
  • Eine schönere Komposition?

Sobald du dir klar gemacht hast, woran man hier noch arbeiten könnte, zeichne es noch einmal. Dieser zweite Versuch wird bestimmt besser als der erste. Das ist ein großer Erfolg! Und du wirst erkennen, dass sich das viele Üben gelohnt hat.

sockenzombie - blog - trennstrich

Größter Wunsch

Nichts ist motivierender, als ein Wunsch, der kurz vor seiner Erfüllung steht. Das schöne daran ist, dass du auf dem Papier auch Wünsche darstellen kannst, die in der Wirklichkeit nie eine Chance hätten!

Es kann eine Sehnsucht sein, ein Lebenstraum.

  • Gibt es etwas, was du machen würdest, wenn du sicher weißt, dass du nicht scheitern würdest?
  • Was wolltest du schon immer mal tun?
  • Was wünschst du dir am meisten?
  • Was fehlt dir in deinem Leben?

Versuch deinen Wunsch bildlich darzustellen. Zeichne alle Einzelheiten von ihm. Vielleicht erschließt sich dir dabei sogar ein neuer Weg, wie du diesen Wunsch schneller erreichen könntest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Gruppenzeichnen

Mit anderen zusammen Zeichnen macht Spaß! Schnappe dir ein paar Leute, die zeichnen können oder es versuchen wollen/müssen, macht es euch irgendwo bequem und zeichnet. Ihr könnt Tipps austauschen, euch gegenseitig helfen und über verrückte, antreibende Ideen sprechen. Auch Zeichenspiele oder gemeinsam an einem Bild arbeiten, ist immer wieder schön. Vergesst die Süßigkeiten nicht.

Beispiel:
Jeder fängt ein Bild an, einer stoppt die Zeit. Nach 10 Minuten zeichnen, tauscht ihr die Bilder durch und jeder hat dann ein anderes Bild, an dem er wieder 10 Minuten weiter zeichnen kann. Diese Reihe könnt ihr beliebig oft fortsetzten, bis die Bilder alle fertig sind.

sockenzombie - blog - trennstrich

Maskottchen

Wenn dir gar nichts mehr einfällt, versuch mal ein Maskottchen für dich zu erfinden. Der Eindruck, den es erwecken soll, bestimmt das Aussehen. Zeichne es in verschiedenen Posen, aus verschiedenen Perspektiven und bei verschiedensten Tätigkeiten.

  • Welches Tier würde zu dir passen?
  • Soll es böse drein schauen?
  • Niedlich sein?
  • Durchgedreht?
  • Welche Talente und Fähigkeiten hat dein Maskottchen?
  • Wie würde es sich in bestimmten Situationen verhalten und wie kannst du dies auf Papier umsetzen?

sockenzombie - blog - trennstrich

Untergrund wechseln

Beschränke dich nicht auf Papier. Du kannst überall zeichnen, wirklich auf allem. Ob auf der Straße, auf Steinen oder auch auf Lebensmitteln. Hast du schon mal eine Tafel Schokolade bemalt? Pass nur auf, sie nachher nicht zu essen, wenn es sich um giftige Farben handelt. Wie wäre es mit einer Hauswand? Stühlen? Teller? Musikinstrumenten? Oder verwende Blumentöpfen als Untergrund. Zaubere atemberaubende Landschaften auf Luftballons. Auch ein Radiergummi ist wunderbar geeignet für ein Miniaturbild.

sockenzombie - blog - trennstrich

Material wechseln

Das gleiche wie bei der Unterlage, gilt auch für Material. Probiere immer wieder etwas Neues aus und verwende Kreiden, Ölfarben, Aquarellfarben, Kugelschreiber und Filzstifte. Oder stell deine eigenen Farben her, auch darüber findest du viele Anleitungen im Internet.

Wenn du etwas Ungewöhnliches ausprobieren möchtest, versuch es mit deinen Fingern im Sand, verwende Lippenstifte in verschiedensten Farben oder zeichne mit flüssiger Schokolade. Sogar mit Licht kann man zeichnen. Denk nach, dir fallen bestimmt noch weitere Farbgeber ein.

sockenzombie - blog - trennstrich

Störfaktoren ausschalten

Manchmal lenken dich andere Dinge so sehr ab, dass sie sich in den Vordergrund drängen. Vor das Zeichnen. Also musst du sie vernichten. Überlege dir, was dich davon abhält, einen Stift zur Hand zu nehmen. Vielleicht der Fernseher? Schalte ihn aus. Der Drang im Internet zu surfen? Zieh den Netzwerkstecker. Mach die Tür zu. Und was ist mit den lauten Autos draußen? Setzt dir Kopfhörer auf und übertöne sie mit Musik.

Wenn gar nichts mehr geht, solltest du dir einen anderen Ort suchen, wo du mehr Ruhe hast.

sockenzombie - blog - trennstrich

Prioritäten setzen

Stell dir die Frage: Warum zeichnest du jetzt im Moment nicht?

Hast du keine Lust drauf? Oder keine Zeit? Die Antwort ist immer gleich: Weil etwas anderes gerade mehr Priorität besitzt. Bequem auf der Couch liegen zum Beispiel. Aufräumen. Den Tisch sauber machen. Essen. Spazieren gehen. Du machst immer das, was oberste Priorität hat. Wenn du zeichnen möchtest, musst du das wirklich wollen und du solltest dem Zeichnen für die Zeit, in der du es tun möchtest, die höchste Priorität geben. Es muss für dich wichtiger werden, als all die anderen Dinge.

sockenzombie - blog - trennstrich

Fragen stellen

Aus Fragen ergeben sich oft Motive und neue Ideen, was man zeichnen könnte. Ganz besonders „Was wäre, wenn…“-Fragen. Also überlege dir Fragen, egal welcher Art. Sie dürfen gerne verrückt klingen.

Beispiele:

  • Wie war dein Mittagessen?
  • Was würdest du beim Mittagessen nie erwarten dass passiert?
  • Was wäre, wenn morgen vor deiner Haustüre ein UFO landen würde?
  • Was, wenn Bäume plötzlich Menschen fressen?
  • Warum ist eine Banane gelb?
  • Wo würdest du jetzt am liebsten sein?
  • Was passiert, wenn man riesengroße Gummibärchen in die Badewanne wirft?
  • Was wäre, wenn du deine Hautfarbe beliebig wechseln könntest?
  • Was ist so verrückt, dass du es niemals machen würdest?

sockenzombie - blog - trennstrich

Inspiration von anderen Künstlern

Es gibt viele Bilderseiten im Internet. Schau dich einfach mal in den Galerien anderen Künstlern um. Lass dich nur nicht entmutigen!

Du kannst dir bei den Motiven Ideen holen, du kannst dir ganze Geschichten über Bilder ausdenken und Motive zu diesen Geschichten zeichnen. Überlege dir, was das Besondere am Stil anderer Künstler ist und dann, was das besondere an deinem eigenen Stil sein könnte.

  • Was macht dich in deinem Zeichenstil einzigartig?
  • Was machst du anders, als andere Künstler?
  • Und was würde dir vom Stil her gefallen?

Probiere es aus!

sockenzombie - blog - trennstrich

Bilder nach Farben

Such dir eine beliebige Farbe heraus. Dann überlege, welche Dinge es gibt, die in dieser Farbe existieren könnten. Was ist typisch für diese Farbe? Und was würdest du nie in dieser Farbe anmalen? Welche Gefühle verbindest du mit dieser Farbe?

Wenn du alles zeichnest, was dir dazu einfällt, hast du eine Menge neuer Motive.

sockenzombie - blog - trennstrich

Zweifelnde Gedanken ausschalten

Zweifelnde Gedanken sind ganz böse, denn es handelt sich um Lügen. Du darfst niemals denken, dass du etwas nicht schaffst. Wenn du es nicht kannst, dann heißt das nicht, dass es auch für immer so bleiben muss. Lerne es. Übe es. Und sag dir immer wieder: „Ich schaffe das! Und niemand wird mich aufhalten!“.

Keiner ist in der Lage, von Anfang an perfekt zu zeichnen. Komischerweise denken alle, entweder hat man Talent oder man hat es nicht. Aber so ist das nicht. So etwas wie Talent gibt es nicht. Du lernst auch nicht an einem Tag eine neue Sprache oder setzt dich hin und kannst auf einmal Programmieren. Aber Tatsache ist, dass du es lernen kannst. Mit dem Zeichnen ist es nicht anders.

Es ist ein langer Weg, der viel Übung erfordert. Du kannst alles schaffen, wenn du es möchtest.

sockenzombie - blog - trennstrich

Nichts zeichnen

Wie stellst du dir das „Nichts“ vor?

Ein Ort, an dem absolut gar nichts existiert, selbst der Ort nicht. Wo es kein hell und kein dunkel gibt, keine Farben, gar nichts. Ist es überhaupt möglich so was darzustellen? Wahrscheinlich nicht, aber du könntest den Eingang zeichnen in dieses Nichts. Ein Tor, das ins Nichts führt. Vielleicht ist das Tor ins „Nichts“ deine Wohnzimmer Tür? Dein Kleiderschrank? Ein Marmeladenglas? Oder etwas ganz anderes?

Oder wie wäre es mit einer Person, die sich in „Nichts“ auflöst? Fallen dir weitere Motive zum Thema „Nichts“ ein?

sockenzombie - blog - trennstrich

Sei verrückt

Es muss nicht immer alles einen Sinn ergeben. Es muss nicht immer alles gerade sein. Es ist nicht falsch aus der Menge hervorzustechen. Du willst doch bestimmt Aufmerksamkeit für deine Kunst oder? Lass sie nicht in der Masse untergehen.

Wie macht man das? Verhalte dich komplett anders als sonst. Mach irgendwas Ungewohntes, was du noch nie gemacht hast und erledige Dinge anders als normal. Was würden andere nie von dir erwarten? Mach etwas Unlogisches. Etwas Lustiges. Etwas ganz Verrücktes.

Versuch einmal etwas absichtlich falsch zu verstehen. Überlege dir untypische Verwendungszwecke für Gegenstände. Aus einer Tasse z.B. kann man nicht nur trinken, sondern mit ihr auch viele anderen Dinge anstellen, an die man im ersten Augenblick nicht denkt.

Beispiele:

  • Zeichne die Tasse als Blumentopf.
  • Zeichne eine Miniaturstadt in die Tasse.
  • Zeichne jemanden bei einer neuartigen Tassensportart, z.B. Tassenweitwurf.
  • Zeichne Kinder beim Spielen. „Wer die meisten Scherben beim Wurf einer Tasse gegen eine Wand zusammen bringt“.
  • Die Tasse kann als Miniaturtisch für kleine Menschen verwendet werden, wenn man sie umdreht.
  • Wie wäre es mit einer riesigen Tasse als Boot, die auf dem Wasser schwimmt?
  • Ein Karussell aus Tassen?
  • Ein Tassen-Stifthalter?

Und jetzt nimm dir einen anderen Gegenstand und überlege dir, wozu man ihn noch verwenden könnte. Zum Beispiel einen Staubsauger. Vergiss nicht, deine Einfälle zu skizzieren.

sockenzombie - blog - trennstrich

Frag jemanden

Dir fällt absolut nichts ein was du zeichnen solltest und du hast keine Lust, dir was zu suchen oder dir was auszudenken?

Nicht jeder ist zur selben Zeit einfallslos. Also frag doch einfach die erste Person, die dir begegnet. Das kann jemand sein, den du kennst oder jemand völlig fremdes. Was sollte unbedingt mal auf Papier gezeichnet werden?

Es gibt ein paar Milliarden Menschen auf dieser Welt, irgendjemandem fällt bestimmt etwas ein.

sockenzombie - blog - trennstrich

Zitate / Gedichte

Such dir ein Zitat oder ein Gedicht und denk darüber nach.

  • Was ist die Botschaft des Textes?
  • Wer kommt darin vor?
  • Spielen bestimmte Orte oder Gegenstände eine Rolle?
  • Welche Personen treten im Text auf?

Überlege dir ein passendes Motiv zum Inhalt. Es gibt sehr lange Gedichte, die schöne Geschichten erzählen. Diese kannst du sogar als Comic umsetzen. Das gleiche funktioniert auch super mit Songtexten.

sockenzombie - blog - trennstrich

Nichts aufschieben

Zeichne jetzt sofort. Nicht später. Es gibt keinen Grund etwas hinaus zu zögern. Dinge aufschieben macht unzufrieden. Du wirst ständig etwas im Hinterkopf haben, was du noch erledigen wolltest. Das lenkt dich ab. Hör auf, dir Ausreden auszudenken und warte nicht, bis du denkst in der richtigen Stimmung zu sein. Wenn du zeichnen willst, solltest du es jetzt tun. Fang einfach an. Überwinde diesen ersten Schritt. Sobald du zeichnest, kommt es dir ganz leicht vor. Aber du musst dich dazu aufraffen, es überhaupt zu tun. Jetzt.

sockenzombie - blog - trennstrich

Tiere

Kennst du jemanden der ein Haustier hat? Oder hast du vielleicht sogar selber eins? Sieh es dir genau an. Du kannst auch ein Foto als Vorlage verwenden, wenn es sich zu schnell bewegt. Versuch die Besonderheit des Tieres zu erkennen und überlege, wie sich diese in einem Bild darstellen lassen. Zeichne es.

Geh nach draußen und schau, was du dort alles für Tiere entdecken kannst. Auch ein Besuch im Tierpark bietet sich dafür sehr gut an. Nimm einfach deine Zeichensachen mit.

Du kannst auch neuartige Lebewesen erfinden. Wie würden Tiere eines anderen Planeten aussehen? Wie wären dort ihre Lebensbedingungen? Sei kreativ und denk dir was aus!

sockenzombie - blog - trennstrich

Ausdauer

Halte durch und zeichne immer weiter, auch wenn es mal schwer ist und dir nichts gelingt. Denn wenn du jetzt aufhörst, war all das, was du bisher gezeichnet und gelernt hast umsonst. Es wird bald wieder leichter werden. Und dann wirst du sehen, dass es sich gelohnt hat dran zu bleiben.

Sei stur, geh den Weg weiter und kämpfe!

sockenzombie - blog - trennstrich

Geduld

Mit etwas Geduld kannst du alles schaffen. Zeichnen lernt man nicht, indem man es einmal macht und auch nicht nach tausend Versuchen. Man hört nie auf es zu lernen. Es gibt kein endgültiges Ziel, kein Ende, an dem man sagt: „So jetzt kann ich perfekt zeichnen und kann damit abschießen“.

Es geht um jedes einzelne Bild, nicht um das allerletzte, perfekte. Denn das gibt es nicht. Sei geduldig und mach es nicht, um perfekt zu werden. Zeichnungen sind keine Fotos, sie stellen ein Stück deiner Seele dar, die du zu Papier bringst. Sie enthalten deine persönlichen Geschichten!

sockenzombie - blog - trennstrich

Fotos

Alte Fotos hat fast jeder daheim. Egal ob es Personen, Landschaften oder Gegenstände zeigt, versuch mal eines abzuzeichnen. Zeichne es mehrmals ab, in verschiedenen Stilen und mit verschiedenen Materialien. Welche Version gefällt dir am besten? Mit welchem Material und mit welchem Stil bist du am besten zurechtgekommen?

Stell dir vor, wie das Foto aussehen würde, wenn es zu einer anderen Tageszeit gemacht worden wäre und zeichne das. Fang an zu träumen. Du kannst das Foto auch kopieren und neue Dinge darauf einzeichnen. Vielleicht eine Miniaturstadt?

sockenzombie - blog - trennstrich

Mehr Konzentration

Vielleicht fehlt es dir an Konzentration. Versuch nur an das Bild zu denken, welches du zeichnen möchtest. Du hast es genau vor Augen. Alles andere ist jetzt nicht wichtig. Stell dir jedes Detail vor. Ziehe in Gedanken die Linien nach und achte dabei auf ihren Verlauf, ihre genaue Form.

Gibt es Dinge, die dich immer wieder ablenken? Achte mal bewusst darauf, was du während des Zeichnens denkst. Störfaktoren können alles Mögliche sein. Vielleicht ist der Stuhl, auf dem du sitzt, einfach nur zu unbequem? Versuch Dinge, die dich stören, zu ändern, damit du dich besser konzentrieren kannst.

sockenzombie - blog - trennstrich

Mach dir Notizen

Wenn du eine Idee hast, schreib sie sofort auf oder skizziere sie. Immer. Für den Fall, dass du sie nicht gleich ausarbeiten kannst, sparst du sie dir somit für eine einfallslose Zeit auf.

Führe ein Skizzen-/Notizbuch. Wichtig ist, dass du es nicht in irgendeiner Schublade verstauben lässt. Nimm es überall hin mit.

sockenzombie - blog - trennstrich

Was anderes machen

Wenn gar nichts mehr geht, solltest du dich nicht zum Zeichnen zwingen. Versuch abzuschalten und was anderes zu machen. Vielleicht ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Vielleicht bist du zu müde, zu hungrig, zu durstig, vielleicht macht es dir gerade einfach keinen Spaß.

Es hat keinen Sinn, stundenlang auf ein leeres Blatt Papier zu starren. Sauge Staub. Räum dein Zimmer auf. Geh spazieren oder schwimmen. Dabei ist dein Kopf nicht so leer und du kannst über ein Bild nachdenken. Vielleicht erhältst du dadurch auch eine tolle neue Idee. Egal was du tust, du wirst um dich herum mehr potentielle Motive entdecken, als beim anstarren des leeren Blattes.

sockenzombie - blog - trennstrich

Drauf los zeichnen

Zeichne den ersten Gegenstand in deinem Blickfeld. Egal was es ist. Jetzt sofort!

 


 

Diese Tipps sind Teil des E-Books:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kurzgeschichte: RE B340 (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 1)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel – Zum Tutorial: RE B340

 

Ich bin Robo-Einheit B340. Das B steht für Bio. Und das heißt, dass ich zwar aus Metall bestehe, meine Recheneinheit allerdings mit einem Gehirn aus biologischem Zellmaterial verbunden ist. Aber meine Innereien sind nicht halb so interessant wie die Geschichten in meinem Lokal!

Ich betreibe eine kleine Bar im Sternentstehungsgebiet des Krop-Zentrums. Eine Art Raststelle. Ihr Erdmenschen habt so was auch auf Autobahnen. Nur dass die Aussicht in meiner kleinen Bar um einiges spektakulärer ist! Und die Gäste… nun, exotischer. Und von diesen Gästen kommen die Geschichten. Ich liebe sie! Sie zu sammeln ist meine größte Leidenschaft. Und jeder der hierher kommt, muss mir eine davon da lassen.

Ich heiße dich willkommen! Mach es dir bequem und bestell ein paar Drinks. Immerhin muss ich ja auch von was leben! Und das Wichtigste, erzähl mir deine Geschichte. Das ist die Bedingung, der Eintritt in meine kleine Bar.

Bist du einer von diesen Erdlingen, die entkommen sind? Ich frage mich, was deine Augen gesehen haben. Auf deinen langen Reisen durchs Universum hast du sicher viele Abenteuer erlebt! Wie? Du willst mir nichts erzählen? Nun, dann beginne ich und erzähle dir ein paar Erlebnisse meiner Gäste. Ich hoffe, du hast genügend Zeit mitgebracht.

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Blog Planung 2019 – kostenlose Tutorials und Geschichten für euch

In diesem Jahr habe ich viele tolle Dinge für euch geplant. Wie letztes Jahr angekündigt, möchte ich diesen Blog größer und aktiver machen. Ein kleiner Überblick, was ihr demnächst hier alles lesen dürft:

sockenzombie - skizze - sitzende menschen zeichnen

Tutorials und Materialtests

Auch dieses Jahr werde ich hin und wieder die Entstehung meiner Werke mit dokumentieren, um daraus Zeichner-Tutorials zu erstellen. Außerdem will ich wieder viel tolles Künstlermaterial für euch testen. Zusätzlich soll es weitere coole Extras für euch hier und auch auf meinem Instagram-Account geben:

  • Zeichner-Tutorials mit vielen WIPs
  • Künstlermaterial Tests
  • Speedpaint-Videos
  • Video-Wanderungen durch meine Skizzenbücher
  • Erfahrungsberichte über verschiedene Zeichner-Challenges

sockenzombie - skizze - sitzende menschen zeichnen

Geschichten und Tipps

Ich habe alle E-Books und Bücher, die ich selbst veröffentlicht habe aus Amazon rausgenommen. Denn diese sollt ihr demnächst hier direkt auf meinem Blog kostenlos lesen dürfen.

Mein Buch „Bis in die tiefsten Ozeane“ ist bereits online. Für dieses Jahr habe ich geplant:

    skarabäus sky - sockenzombie - tiefste ozeane - skizze

  • Bis in die tiefsten Abgründe
    (2. Teil der DO-Reihe, also die Fortsetzung von „Bis in die tiefsten Ozeane“ geplant für März/April 2019)
  • Der Geschichtensammler im All
    Kurzgeschichten des E-Books, die Tutorials zu den Illustrationen sind bereits online
  • Wie wird meine Künstlerseite bekannter?
    (Artikel, angelehnt an mein E-Book)
  • Was soll ich zeichnen?
    (Artikel zu Themen aus meinem E-Book: Kreatef vermeiden, Ideen für Skizzenbücher, Motivwahl und vieles mehr)

sockenzombie - skizze - sitzende menschen zeichnen

Alles Kostenlos?

Genau! Der Blog bleibt außerdem weiterhin werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Artikel, Texte, Geschichten und Tutorials wert sind.

Wenn du mich unterstützen möchtest, kannst du freiwillig einen beliebigen Betrag auf meinen PayPal Account überweisen. Einnahmen daraus verwende ich, um wiederkehrende Serverkosten für diesen Blog abzudecken, sowie für Hardware, Software und Material zum Erstellen neuer Artikel.

sockenzombie - skizze - sitzende menschen zeichnen

Kapitel 25: Steven (Bis in die tiefsten Ozeane)

Sie standen in einem gigantischen Hohlraum, dessen Dach sich kuppelförmig über ihnen erstreckte. Vor ihnen türmten sich unzählige Maschinen und Eingänge von hausähnlichen Gebilden aus blass goldenem Metall. Diese führten zur Mitte hin wie Treppenstufen immer weiter nach oben. Die komplette Stadt war kegelförmig angelegt und Skys Crew stand gerade einmal am Fuß dieses Kegels. In weiter Ferne konnte man auf der Spitze eine abgeflachte Plattform erkennen. In der Luft schwebten Milliarden der glühenden Sonnenstücke. Diese lie­ßen alles andere um sie herum erstrahlen. Die Wände, die Git­terböden, die runden Türöffnungen, die Wege und all die fas­zinierenden Maschinen schimmerten ihnen golden entgegen. Gibbli schirmte für einen Moment das Licht mit ihrer Hand ab. Alles leuchtete so hell, dass es sie blendete. Einzig Sky konnte seine implantierten Augen sofort an die Umgebung anpassen. Bo presste ihr Ocea-Buch fest an sich. Die erste Zeichnung auf der Platte zeigte zwar genau diese Stadt, dennoch wirkte sie in der Realität ganz anders. Viel größer und nahezu er­schlagend. Pflanzen existierten hier auf den ersten Blick keine und auch sonst gab es nirgendwo ein Lebenszeichen zu ent­decken. Alles schien ausgestorben, als hätte jegliches Leben diese Stadt vor hunderten von Jahren verlassen. Trotz dem warmen Licht und dem schimmernden Gold, packte eine ste­chende Kälte all ihre Glieder und ergriff Besitz von ihnen. Fröstelnd blickte Gibbli umher, als ihr neben dem Anblick der beeindruckenden Stadt wieder einfiel, dass es hier noch zwei Bewohner gab, die jederzeit vor ihnen stehen könnten. Steven und Jeff.
„Wie sollen wir hier Sam je finden?“, fragte Bo in die Stille hinein. „Das müssen tausende von Häusern sein!“
„Und am höchsten Punkt, in der Mitte der Stadt, liegt der Dolch des Nu“, wiederholte Abyss eine Passage aus ihrem Buch.
„Dann sollten wir dort mit der Suche beginnen“, sagte Sky und deutete auf die abgeflachte Spitze des goldenen Berges aus Gebäuden. „Wenn wir etwas finden, dann dort oben.“
„Und wie kommen wir da hoch?“, fragte Bo wieder.
„Im oceanischen System ist alles auf eine Mitte ausgerich­tet“, erklärte Abyss. „Alles ist kreis- oder kugelförmig angelegt. Also…“
„… begeben wir uns in das Zentrum der Stadt“, vollendet Sky den Satz.
 
Sie betraten das Innere des gigantischen Komplexes, passierten rund angelegte Gänge und durchquerten lange, röhrenförmige Wege, die alle zur Mitte hin ausgerichtet waren. Sehnsüchtig betrachtete Gibbli all die Maschinen, an denen die Crew vor­beizog. Am liebsten hätte sie an einigen von ihnen herum ge­schraubt und ihre Funktion erforscht. Beim Anblick all dieser Schätze konnte sie diesen Steven fast vergessen. Ohne ihn wäre das hier ein Paradies. Der Hass auf den Oceaner durch­zuckte Gibbli, wie ein plötzlich auftretendes Gewitter. Sie spürte eine Wut in sich brennen, die für einen Augenblick die Kälte in ihrem Körper vertrieb. Im selben Moment begann es um die Mannschaft herum zu surren. Eine Maschine am Rand des Ganges brizzelte auf und kleine Funken stoben aus ihr hervor.
„Au“, stöhnte Bo, die diese gerade passierte und wich vor der Maschine zurück.
Sky richtete seinen Strahler auf das Ding.
Gibbli beachtete die anderen nicht mehr. Eine weitere Welle aus Hass durchströmte ihren Körper. Sie würde diesen Ocea­ner töten. Er würde ihr nie wieder Angst einjagen. Er würde sie nicht anfassen! Währenddessen hoben um sie herum weitere Geräte vom Boden ab. Einige apfelgroße Maschinen kamen näher auf die anderen zu.
„Komm raus, Steven!“ Der Kapitän wich gerade noch einem der Fluggeräte aus, das an ihm vorbeiflitzte.
Nox duckte sich, als ihm eine Maschine beinahe den Kopf abschlug.
„Bleib ruhig, Gibbli“, sagte Abyss leise. Er hatte sie beobach­tet und sofort erkannt, dass es nicht Steven war, der die Gerä­te zum Leben erweckte.
Sky drehte sich zu ihnen um, zielte mit seinem Strahler auf Gibbli und ließ ihn dann sinken. Sie schreckte aus ihren Ge­danken hoch. Im selben Moment brachen alle Maschinen um die Crew herum zusammen, als hätte jemand ihnen die Ener­gie abgedreht. Mit lautem Poltern fielen sie auf den goldenen Metallboden.
„Pass auf, was du hier denkst“, sagte Sky ruhig.
Gibbli blickte auf ihre Füße, während die Schuld auf ihr lastete. Die Maschinen hätten jemanden verletzen können! Sie musste sich wirklich besser kontrollieren. Steven spielte mit ihr. Für einen kurzen Augenblick hatte er die Angst von ihr ge­nommen, nur um zu sehen was passierte. Sie hatte sich von ihrem Hass gegen ihn überrumpeln lassen, während er sie von irgendwo aus beobachtete.
„Es war ein Test. Wir kommen ihm langsam näher. Weiter jetzt!“, befahlt der Kapitän.
Gibbli spürte Abyss‘ besorgten Blick auf sich ruhen, wäh­rend sie Sky hinter den anderen folgten.
 
Es dauerte keine fünfzehn Minuten mehr, dann standen sie im Zentrum und fanden-
„Noch so ein Fahrstuhl. Ich hab die Nase voll von den Drecksteilen!“, grummelte Abyss und blickte missmutig auf das ringförmige Gebilde.
„Du kannst ja den langsamen Weg wählen.“ Sky machte eine Handbewegung zu einem der abführenden Gänge hin, die von der Mitte aus steil empor führten.
Während sie alle in das runde Gefährt stiegen, wünschte sich Gibbli, sie hätten wirklich die Rampen benutzt. Wenn dort oben Steven und Jeff auf sie warteten, hätte das ihr Zusam­mentreffen noch etwas hinausgezögert.
Der Mechanismus war einfach zu verstehen. Es dauerte nicht lange, da ruckelte die Gondel und setzte sich gemäch­lich in Bewegung, der Spitze entgegen. Kleine Rädchen dreh­ten sich im Antrieb und hangelten sich unaufhaltsam an den in der Mitte angebrachten Schienen entlang. Ihm entgegen. Steven würde ihr wehtun. Er würde sie anfassen. Steven wür­de alle umbringen. In Gedanken spürte Gibbli schon seine eis­kalten Finger um ihren Hals. Nervös trat sie von einem Fuß auf den anderen. Sie erschrak kurz, als Abyss eine Hand auf ihre Schulter legte. Doch er zog sie mit seinem Gewicht nicht nach unten, wie es Steven mit seiner Aura tat. Abyss‘ Finger strömten eine Wärme aus, die sie ruhiger werden ließ.
„Ich vernichte ihn“, erinnerte er sie flüsternd.
 
Oben angekommen, führte ein breiter Aufgang zur Plattform hoch. Um diese herum ragten viele Säulen in die Höhe, welche eine kreisförmige Galerie über ihren Köpfen trugen. Der An­blick war einmalig, auch wenn die dunkle Kugel im Zentrum der Plattform den Ausblick über die goldene Stadt etwas trübte. Sie besaß einen Durchmesser von etwa fünf Meter und ließ die Luft um sich herum gefährlich flimmern. Im Schutz ei­ner goldenen Wand, über die abgeflacht zwei Aufgänge zur Galerie hoch führten, schien sie alles Licht aufzusaugen. Die Kugel war von einer metallischen Vorrichtung umgeben, die man nur von der Vorderseite aus begehen konnte und wirkte weder fest noch irgendwie berührbar. Jeder hielt lieber Ab­stand zu ihr. Dennoch strahlte sie eine seltsame Faszination aus, die ihre Blicke immer wieder anzog. Etwas entfernt von der Kugelvorrichtung standen einige Podeste mit verschiede­nen Gerätschaften und Konsolen. Von Steven oder Jeff fehlte noch immer jede Spur. Ebenso wie von Sam.
„Sie ist nicht hier“, sagte Nox enttäuscht, während er sich ungeduldig umsah.
„Abyss? Was hast du?“, fragte Sky plötzlich und Gibbli blickte von einer Konsole auf, die sie gerade genauer betrach­ten wollte.
Abyss hatte seinen Koffer am Boden abgestellt und das Messer weggesteckt. Mit offenem Mund schritt er langsam auf ein Podest zu.
„Das ist er.“ Seine Stimme klang erregt. „Das ist der Dolch Nu!“
Sie traten näher an ihn heran, als Abyss vorsichtig einen länglichen Gegenstand hoch hob. Es beeindruckte Gibbli, wie furchtlos er ihn einfach berührte. Elegant glänzte das goldene Ding in seinen langen Fingern. Feinste Haare spannten sich schimmernd über das Metall.
„Ein Geigenbogen“, sagte Sky ungläubig.
„Ja.“
„Du… nimmst all das hier auf dich wegen eines… Geigenbo­gens?“
Abyss grinste. „Was dagegen?“
Sky blickte ihn misstrauisch an. „Nein. Ich… ich dachte nur… unter einem Dolch stelle ich mir eher… eine Waffe vor.“
„Oh, aber das ist eine Waffe.“ Abyss öffnete seinen Koffer, um seinen eigenen Bogen hervorzuholen und die beiden mit­einander zu vergleichen. „Glaubst du, ich lernte Geige, nur weil der Mönch das wollte? Sicher nicht. Ich lernte sie spielen we­gen dieses Bogens. Dieser Bogen ist in der Lage, einen so mächtigen Klang zu erzeugen, dass er tötet. Seine Töne durchschneiden nicht nur Luft, sondern feste Materie. Wie die Klinge eines Dolches dringen sie in den Körper ein und-“
„Nett, nicht wahr?“
Alle schraken zusammen und wirbelten herum, als Stevens Stimme klar über den Platz hallte. Gibblis Atem beschleunigte sich, obwohl sie ihn nirgendwo entdecken konnte.
„Ich schenke ihn dir“, sagte er. Dann erblickte sie ihn, als er über ihren Köpfen an das Geländer trat. Mit nacktem Ober­körper stand er hinter der Kugelvorrichtung, oben auf der Mauer, die in die ringförmige Galerie mündete. Von dort aus betrachtete er fröhlich seine Gäste. „Stell dir den atemberau­benden Klang unter den erhöhten Druckverhältnissen dieser Kolonie vor. Er klingt viel tiefer hier unten, wegen der Kälte. Die Schallwellen breiten sich langsamer aus. Was ist los? Willst du nicht spielen, Mensch?“
Bo legte den Kopf schief und sah böse zu Steven auf. Sky zielte mit seiner Waffe auf den Oceaner.
„Es würde jeden hier töten“, antwortete Abyss.
„Nein. Nicht jeden, nein. Deine kleine Freundin könnte dem Klang wohl widerstehen.“ Er nickte Gibbli zu, die wie paraly­siert da stand. „Und ich natürlich auch. Unsere Spezies mag die Musik, musst du wissen. Wir lieben die todbringenden Töne. Dich selbst würdest du damit natürlich auch umbrin­gen“, fügte er schnell hinzu.
Steven hielt inne, bis Abyss seinen Fehler begriff. Dieser ließ den Bogen langsam sinken.
„Da hältst du ihn endlich in der Hand, nach all den Strapa­zen und dann wirst du nie in der Lage sein, ihn mehr als ein einziges Mal zu spielen. Na, doch nicht mehr so begeistert von Nu? Ein Jammer, ich hätte den Dolch so gerne gehört. Es klingt wirklich bezaubernd, wenn seine Melodie auf organi­sche Materie trifft und sie im Takt der Musik zerfetzt.“
„Schieß ihn nieder“, murmelte Abyss Sky zu.
„Nein!“, rief Bo.
„Wo ist Sam?“, schrie Nox.
Steven drehte sich ihm langsam zu. „Ah, wie ich sehe, bringst du zurück, was dein Vater mir stahl. Das heilende Auge.“
Nox zog Bo einen Schritt zurück. „Bleib hinter mir.“
„Ich danke dir. Wir haben es wirklich vermisst. Das haben wir.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen stolzierte Steven die Galerie entlang und kam langsam den Abgang herunter.
Gibbli wich einen Schritt auf die andere Seite zurück. Sie bemerkte, wie Abyss ein Messer aus seiner Tasche zog und Sky Steven mit seinem Strahler folgte.
„Mein… unser Erzeuger war hier?“, fragt Nox.
„Oh ja. Mehrmals. Woher dachtet ihr hat er all die Infor­mationen, die er in diesem lächerlichen Buch niederschrieb?“ Bo drückte ihr Ocea-Buch fest an sich. „Er hat mich wirklich gut unterhalten. Nur leider, leider brachte er dann jemanden mit. Ist hier eingedrungen mit seinem Bruder, Elai und dieser Menschenfrau. Wie hieß sie noch gleich? Kassandra. Wollte unbedingt unser heilendes Auge, für ihr kleines Baby.“
„Meine Mum war hier?“, fragte Bo überrascht.
Steven schwang sich elegant über das Geländer und sprang das letzte Stück Mauer hinab. Es sah leichtfüßig aus, aber als seine nackten Füße am Boden aufsetzten, ertönte ein lautes ‚TONK’. Gibbli trat weiter zurück. Jetzt stand er direkt vor Nox.
„Wie ich sehe, konnten deine Eltern ihr Vorhaben doch noch in die Tat umsetzen“, sagte er zu Bo. „Ich dachte, Elai hätte deiner Mutter das heilende Auge verwehrt, nachdem ich seinen Bruder umbrachte.“
„DU WARST DAS?“ Im nächsten Moment fuhr Nox seine Krallen aus und stürzte sich auf Steven.
Anstatt sich zu wehren, ließ er sich von dem Tiefseemen­schen einfach an die goldene Wand drücken und fing an, laut zu lachen. Dann wurde sein Gesicht plötzlich ernst. „Ich war das.“ Er drückte Nox mit Leichtigkeit von sich.
Nox krachte einige Meter entfernt zu Boden. Entsetzt be­obachtete Gibbli, wie Bo auf ihn zueilte und sich neben ihrem Halbbruder niederkniete. Einen Tiefseemenschen so einfach durch die Gegend zu schleudern, war so gut wie unmöglich.
„Hör auf damit!“, schrie Bo Steven an.
„Hör auf damit“, äffte der Oceaner sie nach.
Abyss holte aus und sein Messer flog durch die Luft. Ob­wohl es sich in der zähen, oceanischen Atmosphäre langsa­mer fortbewegte als normal, traf es Steven mit voller Wucht und bohrte sich durch seinen Arm. Dieser ignorierte es voll­kommen. Er schien nicht die geringste Spur an Schmerz zu verspüren.
„Ich habe Lio… wie sagt man so schön? Erluftet.“ Steven zog sich das Messer grinsend aus dem Arm und Gibbli fühlte Panik in sich aufsteigen, als sie sah, wie sich die Wunde in Se­kundenschnelle schloss. Währenddessen fing das Marahang an, kräftig zu leuchten und Bo keuchte auf. Sie presste eine Hand gegen ihre Brust und blickte den Oceaner gequält an. „Und du dachtest, die Landmenschen tragen Schuld daran. Du hast den Krieg gegen sie neu entfacht. Ahhh, der Hass steckte noch tief in euch. Dein Volk ist mit Freuden darauf eingestiegen.“
„Elai erzählte mir nichts davon!“, presste Nox hervor.
„Natürlich nicht, er hat den Krieg befürwortet. Oh, das war so lustig euch zuzusehen. Hach, letzten Endes wurde er schwach. Elai verriet dir also, wo er das heilende Auge ver­steckt hatte und ihr habt das Vorhaben von Lio und Kassan­dra zu Ende gebracht. Er fühlte sich wohl schuldig wegen all dieser toten Kriegsopfer.“ Steven lachte laut auf, dann schüt­telte er mit tragischer Miene den Kopf. „Was für ein Jammer. Dann ist der Kampf ja jetzt wohl vorbei. Wie langweilig.“
Im nächsten Augenblick warf Abyss erneut ein Messer nach ihm. Während Bo Nox hoch half, fing Steven es einfach mitten im Flug auf.
„Sei doch nicht so grausam zu mir. Ich hab dir immerhin Nu überlassen.“ Grinsend musterte er dann Gibbli. In ihr zog sich alles zusammen. Sie fühlte sich wie festgefroren an ihrem Platz. „Ich spüre, du willst mich töten. Oh, das ist lustig, das mag ich. Das ist mein Mädchen. Hat es dir gefallen, die Ma­schinen zu kontrollieren? Wir werden viel Spaß haben mit­einander, ich werde dir Dinge zeigen, die du dir-“
„Gib mir Sam zurück!“, schrie Nox wieder.
„Jaja.“ Steven wirbelte sichtlich genervt herum und ver­schwand hinter der Vorrichtung, welche die große, schwarze Kugel umgab.
„Warum hast du nicht auf ihn geschossen?“, fuhr Abyss Sky an, der noch immer mit erhobener Waffe da stand. Doch Sky ignorierte ihn.
„Da mein Mädchen hier ist, bekommst du deines“, sagte Steven, als er auch schon wieder auftauchte. „Ich halte mein Wort, das tue ich. Du kannst sie haben.“ Er warf einen leblo­sen Körper direkt vor Nox Füße.
„Sam!“, rief Bo und stürzte auf sie zu.
„Was antatest du ihr?“, fauchte Nox, während er ihren re­gungslosen Kopf vorsichtig anhob und versuchte, sie aufzuwe­cken.
„Betäubt. Keine Sorge, die wird schon wieder.“ Steven schritt an den Podesten vorbei, Richtung Abyss und Gibbli. Dabei passierte er ihren Kapitän. Skys erhobene Waffe und dessen Kiste ignorierte er einfach. „Wisst ihr, sie war so ruhig. Hat ständig von euch gesprochen. Meine Schwester ist tot, Nox wird mich retten, uh uhh“, jammerte er. „Wie langweilig. Ich mag es, wenn sie SCHREIN!“ fuhr er Gibbli an.
„Weg von ihr!“, rief Abyss, stellte sich vor sie und hob eine Faust, um auf ihn einzuschlagen.
Gibbli schrie auf, als er im nächsten Moment durch die Luft flog und an eine Säule gepresst wurde. Zappelnd versuchte er sich zu befreien, während sich die goldenen Fäden eng um seinen Körper wanden. In Stevens Hand blitzte ein kleines Me­tallgerät auf, das er zurück in seine Hose steckte.
„Sie braucht dich jetzt nicht mehr. Sie hat jetzt mich. Und Jeff. Wenn er wieder da ist.“ Er trat langsam auf Gibbli zu. Seine Kälte fuhr durch sie hindurch und sie zuckte zusammen. Ihr Herz begann zu rasen. Abyss brüllte, doch niemand beach­tete ihn. „Du wirst schreien, nicht wahr? Mein Mädchen wird schreien.“
Verzweifelt versuchte Gibbli sich zu bewegen, aber ihr Kör­per schien wie erstarrt. Er würde ihr wehtun! Er würde ihr die Kleidung vom Leib reißen und die Haut abziehen! Etwas be­wegte sich hinter Steven. Dann erblickte Gibbli die Waffe. Sky hielt ihm seinen Strahler direkt an den Kopf.
„JETZT SCHIESS ENDLICH!“, brüllte Abyss ihn an.
Steven verzog seinen Mund zu einem Grinsen. „Er wird nicht schießen. Der putzige U-Bootführer.“ In Schneckentem­po drehte er sich genüsslich zu Sky um. „Du willst etwas von mir, hab ich nicht Recht, Kapitän?“
„WORAUF WARTEST DU!“, schrie Abyss wieder und zerrte an seinen Fesseln.
„Sag es ihnen“, forderte Steven ihn auf.
Skys Hand zitterte leicht.
„SAG ES!“, wiederholte er ungeduldig.
Sky schwieg.
„Nein? Nicht? Hm, dann zeige ich es ihnen.“
Der Oceaner stolzierte an ihrem Kapitän vorbei, während dieser langsam seine Waffe sinken ließ, ohne sich umzudrehen oder irgendeine Anstalt zu machen, ihm zu folgen. Mit einem gequälten Gesichtsausdruck schloss Sky seine Augen. Steven kam bei der Kiste an, die der Kapitän immer mit sich ge­schleppt hatte und riss den Deckel mit einem Ruck beiseite.
„Darf ich vorstellen? Letitia Sky!“ Der Oceaner gab der Kiste mit dem Fuß einen Tritt.
Sie fiel um und eine türkise Flüssigkeit plätscherte daraus hervor, gefolgt von einem kleinen Körper, der über den Boden rollte und dann mit dem Gesicht nach oben liegen blieb. Ihre wächserne Haut schimmerte halb verdeckt von langen, schwarzen Haaren. Es handelte sich um ein Kind, vielleicht neun oder zehn Jahre alt. Ein fürchterlicher Gestank drang in Gibblis Nase. Bo richtete sich langsam auf und Nox, der die bewusstlose Sam in den Armen hielt, zog diese weiter vom Geschehen weg. Mit offenem Mund starrte Gibbli auf den kleinen Körper, während Abyss schlaff in seinen Fesseln hing. Sky hingegen wagte es nicht, sich umzudrehen und stand noch immer mit dem Rücken zu Steven und der Kiste.
„Möchte niemand etwas dazu sagen? Ihr seid ja plötzlich so still. Keine Fragen? Oh Kapitän, du schleppst eine Leiche mit dir herum? Was hast du mit deinem Kind gemacht? Wie kann es sein, dass ein ach so perfekter Kapitän, der sich immer streng an die Gesetze hielt, ein kleines, unschuldiges Kind um­bringt? Nein? Keiner?“
„Ich dachte… ich dachte, das war nicht ernst gemeint, als du sagtest… deine Tochter sei… da drin“, sagte Abyss leise.
„Oh, ich mag dich Sky. Der Anführer, der Kapitän, das große Vorbild, immer fair und gerecht! Wie du mit ihnen ge­spielt hast. Sie hintergangen hast, ohne auch nur einziges Mal zu lügen. Das war ein Meisterstück.“ Steven wandte sich ihm zu. „Nicht, dass es einen Sinn gehabt hätte“, fügte er hinzu.
Gibbli blickte zu Sky. Seine Miene wirkte leer und aus­druckslos, als erwarte er etwas Unvermeidliches, was ihm nicht gefiel.
„Warum erzählst du ihnen nicht, was passiert ist, Kapitän? Alle hielten es für einen Unfall, nur es war keiner, nicht wahr? Sag ihnen, dass ihr toter Anblick dir das Herz brach Sky. Dass du mit deinen eigenen Augen durch die Scheibe hindurch zu­sehen musstest, wie sie ertrank, unfähig sie zu retten, aus dem Becken, in dem du hättest sein sollen!“ Er begann zu flüstern. „Dass du dir selbst die Augen herausgerissen hast, weil du die Schuld nicht mehr ertragen konntest.“ Dann wurde seine Stimme wieder lauter. „Warum erzählst du ihnen nicht, was dich wirklich dazu brachte, hier her zu kommen?“
Steven stolzierte langsam um ihn herum und stellte sich dann neben Gibbli. Sie hätte am liebsten ihre Faust in ihm ver­senkt. Doch seine Nähe machte sie bewegungslos.
„Pass gut auf, mein Schatz, jetzt kommt das Beste“, wis­perte er ihr ins Ohr und sie erschauderte. Sein eisiger Atem raubte ihr fast den Verstand.
„Hör auf damit!“, fuhr Bo ihn an. „Lass Gibbli in Ruhe und Sky auch!“
Steven lachte und schritt aufgeregt um Sky herum. „Da spricht genau die Richtige. Nicht wahr, Kapitän?“
Skys Arm regte sich. Langsam hob er seine Waffe wieder und zielte auf Steven. „Funktioniert es?“, fragte er leise.
„Oh ja“ Steven nickte und blickte ihn erwartungsvoll an. „Also, wie sieht es aus, würdest du sie opfern?“
„Nein“, antwortete Sky knapp.
„Nein? Aber das ist er doch, dein geheimer Plan. Der Grund, warum du hier bist. Genau deswegen hast du Bo mit dir genommen! Das ist es, was du immer wolltest.“
„Jetzt nicht mehr.“
„Sky, was bedeutet das? Was meint er?“, fragte Bo.
„Nun, er möchte dich eintauschen“, antwortete Steven an seiner Stelle.
„Ich will das nicht mehr!“, rief Sky und die Waffe in seiner Hand zitterte wieder.
„Weißt du“, sagte Steven zu Bo gewandt, „das heilende Auge hält dich am Leben. Aber es kann noch etwas anderes. Es entzieht dir Energie, um diese auf andere zu übertragen. Mit jeder Verletzung, die es heilt, gibst du ein klein wenig dei­ner Lebenskraft ab. Dein Kapitän lebt die absolute Gerechtig­keit. Du bist ein Hybrid. Von Natur aus nicht lebensfähig. Und dennoch lebst du. Seine Tochter war jung und hatte ihr gan­zes Leben noch vor sich. Und trotzdem starb sie. Das findet er nicht fair, der Kapitän. Gerecht wäre es, deine gesamte Le­bensenergie zu übertragen, um seine Tochter wieder zum Le­ben zu erwecken. Du stirbst, im Austausch für ihr Leben. Ist es nicht so, Sky?“
Bo sah den Kapitän ungläubig an. „Du willst mich opfern, um… um sie zu retten?“
„Das wollte ich“, sagte er leise. Dann blickte er Steven an. „Aber jetzt habe ich meine Meinung geändert. Ich bin zum Ka­pitän dieser Crew geworden und deswegen wirst du mein Le­ben nehmen. Nicht das ihre.“
„Wie rührend. Tja, du hast da leider, leider etwas falsch verstanden. Pass auf, ich erkläre es dir. CORA!“
Oben auf der Galerie hüpfte die kleine Kind-KI lachend nach vorne, sprang über das Geländer und drückte den Boden ein Stück ein, als sie landete. Dann tapste sie zu Steven und starrte ihn unterwürfig an.
Währenddessen fiel Gibblis Blick auf Abyss. Er nickte ihr ungeduldig zu und sein eindringlicher Blick war es, der ihr wie­der ein Gefühl in ihre Füße zurückgab. ‚Dein Messer‘, formte er mit dem Mund und blickte nach unten. Gibbli blickte eben­falls an sich hinab. Dann fiel es ihr wieder ein: Das Messer, das Abyss in ihren Stiefel gesteckt hatte. Unauffällig versuch­te sie näher an ihn heran zu kommen.
„Cora ist Bewusstsein in einer KI. Sie ist nicht nur eine Ma­schine. Sie ist der Geist eines echten Kindes. Transferiert durch Lebensenergie. Maras Lebensenergie“, erhob Steven wieder das Wort. „Rod hat Mara nicht getötet. Er war nicht nett zu ihr, nein. Aber er hat sie nicht umgebracht. Er tötete Cora, sein ei­genes Kind, weil sie ihm nicht gehorchte. Weil Cora ihren eige­nen Kopf besaß und ihre oceanischen Vorfahren viel lieber hatte, als ihn. Stattdessen konstruierte er eine KI nach der an­deren, von denen er glaubte, sie wären sein.“
Gibbli stand fast vor Abyss. Noch ein kleines Stück.
„Schließlich hatte er sie perfektioniert. Doch Cora war nicht mehr, als eine Maschine. Jeff erfand das heilende Auge, als Geschenk für Mara. Es enthielt seine und Maras DNA. Er nannte es Marahang. Dieses Gerät war in der Lage, Schmerz auf den Träger zu übertragen und ihn aufzuteilen, sogar ein Stück von ihm zu verschlingen. Jeff konnte sich damit nicht nur in Maras Körper versetzen, um zu sehen, dass es ihr gut ging. Es diente auch zur Übertragung. Nein, es kann keine to­ten Körper wieder erwecken. Aber es ist in der Lage, den Geist zu versetzen. In Maschinen, die dafür geschaffen wurden.“
„Das ist nicht wahr“, unterbrach ihn Bo. „Das Marahang hat Gibblis Verbrennungen an der Hand geheilt. Es hat tote Haut-“
„Bei normalen Menschen wird es immer Narben hinterlas­sen. Oceaner hingegen besitzen von sich aus regenerierende Kräfte und das heilende Auge wirkt auf sie stärker als auf an­dere.“ Er blickte über Skys Waffe hinweg in seine schwarzen Augen. „Ich kann den Körper deiner Tochter nicht wieder bele­ben. Er ist nicht mehr verwendbar. Zu lange unbewohnt. Sie war nur ein einfacher Mensch. Aber an Bord der Mara befinden sich die Konstruktionspläne von Cora. Wir bauen eine zweite KI, die aussieht wie Letitia Sky. Die Energie geht von Bo aus, sie ist jetzt die Trägerin. Ich kann ihre Energie verwenden, um den Geist deiner Tochter zurück zu holen und in eine KI zu versetzen, so wie es mit Cora geschah. Vorausgesetzt, er existiert noch in dieser Ebene.“
„Sky, du kannst meine Lebensenergie haben“, flüsterte Bo überraschend. „Ich opfere mich für sie.“
„Nein“, knurrte Sky.
Währenddessen zog Gibbli das Messer aus dem Stiefel, um Abyss‘ Fesseln zu durchtrennen.
„Oh, sie hat es begriffen. Bo hat es verstanden. Deine Mannschaft ist ja so schlau! Wenn die Trägerin des heilenden Auges stirbt, bin ich verwundbar. Zwar trage ich nicht Jeffs DNA in mir, was es mir nicht ermöglicht, durch das heilende Auge zu sehen. Dennoch bin ich in der Lage, den Schmerz zu übertragen. Warum gehst du also den Deal nicht ein? Im Kampf hättet ihr dann eine Chance gegen mich. Und du hät­test dein Kind zurück, unsterblich.“
Sky verzog den Mund zu einem Lächeln. „Nein. Du bist es, der da etwas falsch verstanden hat. Ich sprach nicht von mei­ner Tochter! Letitia ist tot. Ich habe das jetzt verstanden. Ich sprach von dem, was jetzt ist. Ich sprach von meiner Crew, als ich sagte, du wirst mein Leben nehmen. Ich sprach von allen hier. Abyss lass das, er wird sich wieder heilen und Bo dafür schwächen.“
Abyss ließ das Messer sinken, das er soeben auf Steven werfen hatte wollen.
„Ich verlange, dass du sie gehen lässt. Du kannst mit mir machen was du willst. Du kannst mich foltern und du kannst mich töten. Aber die anderen wirst du nicht anrühren. Du lässt Bo gehen, mit dem Marahang. Nox, Sam, Abyss und Gibbli. Und auch Cora, wenn sie das möchte. Mein Leben ge­gen das meiner Leute. Ich bleibe hier.“
Totenstille breitete sich unter der goldenen Kuppel der Stadt aus.
Dann fing Steven verstört an zu lachen. „Nein, nicht Gibbli!“ Der Oceaner kniff die Zähne zusammen und etwas Bedrohli­ches blitzte in den Pupillen seiner zornigen Augen auf. „Mein Mädchen ist nicht verhandelbar.“
„Sie ist nicht dein Mädchen!“, fuhr Abyss ihn an.
„Ich habe ihre DNA geprüft! In ihr fließt das Blut von Mara und Jeff. Sie ist ein Nachfahre von ihnen beiden. Sie gehört hier her! SIE GEHÖRT MIR!“
„Oh nein, das ist nicht der Grund“, sagte Sky ruhig, seine Waffe noch immer auf Steven gerichtet. „Gibbli mag ein Nachfahre von Oceanern sein, aber größtenteils ist sie immer noch ein Landmensch. Ich werde dir sagen, warum du sie hier behalten willst. Weil du alleine bist. Du fühlst dich einsam und sehnst dich nach deinesgleichen. Du hättest uns hier längst alle umbringen können. Aber das hast du nicht getan. Stattdessen beantwortest du bereitwillig unsere Fragen. Dein Volk verließ vor langer Zeit diesen Planeten und ließ euch zu­rück. Mara ist tot. Jeff befindet sich ebenfalls nicht mehr hier. Schon lange nicht mehr. Und er wird auch nie zurückkehren, ist es nicht so?“
Steven drehte sich um und blickte ausdruckslos auf die große Vorrichtung mit der dunklen Kugel. Langsam schüttelte er den Kopf und begann weinerlich zu jammern. „Er ging durch das Portal. Ein paar Jahre nachdem Mara starb.“ Seine Miene wirkte gespielt, doch bei Steven konnte man das nie so genau wissen.
„Wohin führt es?“, fragte Bo.
„Wie funktioniert es?“, entfuhr es Gibbli. Sie bereute ihren Wissensdrang sofort.
Steven drehte sich ihr zu und strahlte sie an. „Indem du zwei Ebenen weiter denkst, mein Schatz. Durch die Stau­chung der Raumzeit. Verstehst du? Gravitation. Es ist auf eine bestimmte Struktur ausgelegt und auf einem gewissen Fre­quenzbereich ist eine beidseitige Kommunikation möglich. Es führt direkt zu unserem Heimatplaneten. Für feste Materie allerdings auch nur dort hin. Einen Weg zurück gibt es nicht. Mein Volk errichtet dieses Portal in jeder Kolonie. Zur Sicher­heit und als schnelle Fluchtmöglichkeit. Die Vorrichtung schirmt das Gravitationsfeld des Portals ab und sorgt dafür, dass die Körper, die es betreten weder zerquetscht werden noch in der Zeit stecken bleiben.“
„Warum hat dein Volk diesen Planeten verlassen?“, fragte Bo neugierig.
„Weil wir gerufen wurden, um Raumschiffe zu besetzen. Für die große Schlacht gegen einen Feind, der eure Vorstel­lungskraft sprengt.“
„Dafür warst du Trottel wohl zu schwach. Ein Feigling bist du!“ sagte Abyss verächtlich.
„Nein. Wir blieben, um die Stadt zu bewachen und damit mein Volk eines Tages, mit einem neuen Raumschiff, zurück­kehren kann. Es ging viele Jahre lang gut, dann mischten sich die Menschen ein. Mara bekam ein Kind mit diesem Mensch­lein, Rod. Von dem zweiten Kind mit Jeff wusste ich nichts und Jeff hat es offensichtlich selbst nicht gewusst, sonst wäre er nicht gegangen. Er liebte Mara. Wir beide taten das. Ihr mögt es vielleicht nicht glauben, aber Oceaner können Liebe empfinden. Ja, das können wir.“ Er blickte Gibbli an und sie hatte das schreckliche Gefühl zu fallen. „Laut meinem Blut­test bist zu einem Viertel eine von uns. Das bedeutet, dein Vater oder deine Mutter war ein Enkel von Maras Kind. Sie muss es bei den Menschen versteckt haben. Es ist sicher längst tot. Ohne unsere Technologie würden wir nicht älter werden, als normale Menschen. Spürt ihr es nicht? Diese Ener­gie umgibt die ganze Stadt. Selbst euer Leben könnte sich um Jahre verlängern, wenn ihr hier wohnen würdet.“
„Und dann opferte sich Mara für Cora und Jeff verließ die­sen Planeten. Ich nehme an, du hast das U-Boot mit Cora vergraben“, schloss Sky.
„Ja. Dieser Rod ist an allem Schuld. Wäre er nicht gewe­sen-“
„-dann wärst du nicht allein.“
„Aber warum gehst du nicht einfach auch durch das Por­tal?“, fragte Bo.
„Weil sie nicht mehr antworten, du dumme Frau“, jammer­te Steven. „Der Kontakt zu meinem Heimatplaneten brach ab. Ich nehme an, wir verloren den Krieg. Das Gegenstück zu die­sem Portal könnte in Feindeshand geraten sein. Vielleicht exis­tiert es auch gar nicht mehr. Im besten Fall ist einfach nur die Übertragung fehlerhaft. Wenn ich hindurch schreite, könnte das vielleicht meinen Tod bedeuten.“
„Wie tragisch“, grummelte Abyss. Und Gibbli wusste sofort, dass er an das gleiche dachte wie sie. Diese Kugel war die Möglichkeit, Steven loszuwerden!
„Allerdings. Sehr tragisch.“ Steven grinste plötzlich wieder böse und drehte sich zu ihm um. „Cora, töte ihn.“
Gibbli schnappte erschrocken nach Luft. Im nächsten Au­genblick sprang Cora auf Abyss zu, warf ihn um und um­schloss seinen Hals mit ihren kleinen, goldenen Fingern.
„Nein!“, schrie Bo.
Während alle Augen auf die schwere Kind-KI blickten, die auf Abyss‘ Brust hockte und ihn röchelnd festhielt, spürte Gibbli, wie etwas Eiskaltes sich um ihren Mund legte, ihren Schrei erstickte und sie dann von den anderen wegzog.
„Stopp! Cora, hör auf! Das ist ein Befehl!“, rief Sky und die KI hielt inne. Dann ließ sie Abyss los, der kaum noch Luft be­kam und hüpfte von ihm herunter.
„Cora versteht nicht! Ich will nicht zwei Kapitäns!“ Verwirrt blickte das Kind Sky an, während Gibbli verzweifelt versuchte, sich Stevens Griff zu entwinden. In ihrem Bauch kribbelte alles und es fühlte sich an, als wäre sie schwerelos.
„Nimm deine dreckigen Finger von ihr!“, krächzte Abyss und alle drehten sich zu Steven um.
Er stand jetzt mit Gibbli kurz vor der Kugel. „Sonst was?“
„ICH REISS DIR DEIN VERFICKTES HERZ RAUS!“, schrie er und warf ein Messer knapp an Stevens Ohr vorbei.
„Nett von dir. Aber ich besitze keins“, sagte der Oceaner er­freut.
Sky packte Abyss am Arm, als dieser ein weiteres Messer aus seinem Mantel zog. „Nicht, das wird Bo schwächen!“ Gleichzeitig hielt er jedoch seinen Strahler auf Stevens Kopf gerichtet.
„Lass mich! Das ist mir verdammt noch mal scheiß egal!“, blaffte Abyss ihn an.
Steven grinste. „Drehen wir das Ganze einfach einmal um. Dann wird das hier gleich viel interessanter, nicht wahr? Ihr tut was ich sage oder ich reiße meinem Mädchen hier ihr kleines Herz heraus.“
Gibblis Körper fühlte sich an, als würde er auseinander ge­zogen und gleichzeitig zusammen gedrückt. Sie hielt dieses Gefühl, das er ihr übermittelte nicht mehr aus! Sie wünschte sich selbst zu zerspringen, wie ein Tropfen Wasser, der auf eine Oberfläche traf.
„Das tust du nicht“, sagte Sky.
„Nein? Nun, mein Mädchen hält viele Schmerzen aus. Und ich bin ein Oceaner, wie ihr uns nennt. Was denkst du, was ich mache?“ Steven zog eines von Abyss‘ Messern hervor und rammte es Gibbli in die Schulter.
Sie krümmte sich vor Schmerzen in seinen Armen.
Abyss brüllte.
„Hm. Noch eins?“ Steven hielt schon das nächste in der Hand. „Du hättest mich nicht mit so vielen von den Dingern bewerfen sollen. Danke auch.“
„NEIN!“, schrie Abyss erneut.
„Steven, tu das nicht!“, redete Sky auf ihn ein.
„Waffe runter, Kapitän.“
Sky senkte langsam seinen Strahler. Währenddessen zog Steven Gibbli weiter zurück, näher an die dunkle Kugel heran. Die Klinge in ihrer Schulter pochte schmerzhaft.
Der Oceaner nickte Abyss zu. „Die Geige. Na los Mensch, heb sie auf! Und Nu.“
Abyss warf ihm einen giftigen Blick zu, als Steven Gibbli näher an sich presste und sie versuchte, ein gequältes Wim­mern zu unterdrücken. Dann bückte er sich und nahm das In­strument, sowie den Bogen.
„Nein!“, rief Bo erzürnt. „Steven, wenn du sie tötest, werde ich ihr mein Leben schenken und dann wirst du verwundbar sein! Ich habe Skys Bein geheilt, im Aufzug. Ich weiß wie es funktioniert!“
„Das wird dir, zu meinem tiefsten Bedauern, nichts nützen, wenn ich sie einfach mit mir ins Portal ziehe.“ Steven nickte mit dem Kopf hinter sich, auf die schwarze Kugel. „Wie ich be­reits sagte, es ist nicht auf eure Struktur ausgelegt und mein Mädchen ist nun mal leider zum Teil ein Landmensch. Sie würde den Durchgang nicht überleben. Ich könnte es. Also los! Ich will die Musik hören.“
Sky blickte Steven mit offenem Mund an. „Steven, nein. Du willst dort gar nicht durch“, sagte er leise.
„Spiel für uns, Abyss. Spiel die Melodie des Todes.“
Gibbli fing an zu zappeln und schrie. Das durfte er nicht! Abyss durfte nicht sterben! Die anderen durften nicht ihretwe­gen sterben!
„Es ist ganz leicht, Abyss. Entweder spielst du oder ich bringe sie um. Du kannst es dir aussuchen.“
Abyss zögerte, blickte Gibbli an. Sie schüttelte verzweifelt den Kopf, doch seine Miene verriet ihr, dass er es tun würde.
„SOFORT!“, schrie der Oceaner.
„Ich… ich spiele.“
Gibbli hörte auf zu zappeln, als seine grauen Augen sich in die ihren bohrten.
„Abyss“, flüsterte sie und spürte eine Träne langsam über ihre Wange kriechen.
Er verzog seinen Mund zu einem traurigen Lächeln, wäh­rend er die Haare des Bogens mit einem Drehknopf fester ein­spannte.
Steven schnaubte ungeduldig.
Seelenruhig ging Abyss in die Hocke. Einige seiner blonden Strähnen warfen düstere Schatten auf seine helle Haut, als sie ihm ins Gesicht rutschten. Er zog eine kleine Dose aus seinem Koffer. Kolophonium stand auf dem Deckel. Er öffnete ihn und begann damit, die Haare des goldenen Bogens langsam mit Harz zu bestreichen. Steven wirkte, als würde er jeden Moment explodieren, dennoch wartete er geduldig. Dann ver­gaß Gibbli ihn, nahm den Oceaner kaum noch wahr. Wie hyp­notisiert folgte sie Abyss‘ langen Fingern. Alles um sie herum schien zu verschwimmen und die Zeit dehnte sich wie zäher Gummi. Sie sah nur noch ihn. Abyss. Schließlich, eine halbe Ewigkeit später, stellte er die Dose beiseite, stand auf und blickte wieder hoch, direkt in ihr Gesicht.
„Für dich“, sagte er leise.
Dann erhob er seine Geige, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen.
Gibbli bemerkte, wie Sky weiter hinten ebenfalls seine Waffe hob und sie langsam auf Abyss richtete.
Für einen Moment lockerte Steven zufrieden seinen Griff. Das nutzte Gibbli sofort aus. Mit einem Ruck riss sie sich los, wirbelte herum und stieß ihn mitten in das Portal hinein.
Die Kraft, mit der er sie in seiner Anwesenheit zu Boden drückte, verschwand. Geschafft! Steven war besiegt! Fort!
Für einen kurzen, wunderbaren Moment, dachte sie, ihn für immer los zu sein. Dann spürte Gibbli seine frostigen Finger an ihrem Handgelenk. Er umschloss es, fest wie eine Maschine.
„GIBBLI!“ Abyss rannte auf die Kugel zu.
Sie drehte sich noch in seine Richtung, doch da wurde sie schon mitgerissen.
Eine unsichtbare Kraft zog Gibbli in ein lichtloses Loch hinein, weg von den anderen. Weg von Abyss. Immer kleiner wurde die Öffnung. Weit entfernt sah sie die Stadt Ocea und die Crew der Mara auf der Plattform. Durch den schrumpfen­den Eingang erblickte sie Abyss‘ große Gestalt. Er stand direkt davor, seine Geige und den oceanischen Bogen noch immer in der Hand und verzweifelt auf die Kugel starrend.
Er richtete sich auf und straffte fest entschlossen seinen Körper. Mit angespannten Muskeln legte er sich das Instru­ment unter sein Kinn, hob den Arm und schloss seine Augen.
Dann setzte er den goldenen Bogen an, zum ersten Ton.

 

Wenn du möchtest, ist die Geschichte hier zu Ende. Aber wenn dir die Crew der Mara auch so sehr auf die Nerven geht wie mir, wenn sie einfach nicht mehr aus deinem Kopf raus möchte, egal was du tust, um sie loszuwerden, dann merk dir diesen Blog und lies in ein paar Wochen im zweiten Teil weiter: „Bis in die tiefsten Abgründe“

Ich verspreche dir, es wird noch düsterer, noch tiefer und noch fieser. Denn ich werde Kapitän Sky und seine Crew in jeden Abgrund werfen, den ich finden kann, vielleicht verschwinden sie dann ja endlich.

Socke, Dezember 2018

Ich freue mich über jeden Pieps deiner Anwesenheit hier. Schreib mir doch einen Kommentar. Was denkst du gerade?

 

 

„Licht ist hell und blendet.
Ich komme in der Dunkelheit.“

Abyss

 


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kapitel 24: Verborgen in der Tiefe (Bis in die tiefsten Ozeane)

„Gibbli? Nox?“, flüsterte jemand. „Ich bin hier!“
Gibblis Blick folgte der Stimme und sie sah Bo in einem der zwölf Zellensegmente. Ihre dünnen Arme umklammerten das Ocea-Buch. Die Soldaten hatten es nicht geschafft, es ihr wegzunehmen.
„Sind die anderen auch hier?“, fragte Gibbli und rannte auf sie zu.
„Nein. Alle Zellen hier sind leer. Man brachte Abyss weiter hinab, ich weiß nicht wohin. Vielleicht ist Sky auch dort.“ Bo deutete auf eine Treppe, die hinter dem Fahrstuhl begann. „Ist Cora bei euch?“
„Cora? Nein, blieb sie nicht auf der Mara?“ Gibbli steckte die Karte in das Schloss, während Nox weitere Gegenstände zum Aufzug schleppte, um diesen zu versperren.
„Als wir aufwachten, war sie verschwunden. Ich dachte, sie ging mit dir und Sky mit auf den MARM!“, sagte Bo, als die Gittertür aufsprang. „Ich hab noch mein Buch geholt und Abyss seine Geige. Er wollte sie unbedingt mitnehmen. Und dann sind schon die Soldaten aufgetaucht. Ich hab es nicht losgelassen, siehst du?“ Bo strahlte sie an und hob das Buch hoch.
„Was ist mit deiner Wunde?“, fragte Gibbli, die bemerkte, dass das Gerät an Bo’s Brust zu leuchten begann. Augen­blicklich verringerten sich die schmerzlichen Nachwirkungen von den Schlägen ihres Vaters.
„Ist schon fast weg. Abyss hat extra nahe auf das Mara­hang gezielt, damit sie schnell verheilt. Gibbli, ich muss dir et­was sagen.“
„Musst du nicht! Beeilt euch!“, rief Nox ihnen zu.
„Es ist wichtig!“, widersprach Bo.
Gibbli blickte sie erwartungsvoll an, während Nox auf seine Halbschwester zutrat.
„Nox, sie hat ein Recht darauf! Du darfst nicht in die Stadt, Gibbli“, sagte Bo wieder.
Der Tiefseemensch schüttelte wütend den Kopf und Gibbli war sich sicher, dass er mit ihr in Gedanken sprach.
„Nein, ich hab es geträumt, sie muss es erfahren!“
Nox packte Bo schroff an den Schultern und sah sie mit einem Blick an, der Gibbli die Haare aufstellte. Doch Bo schien unbeeindruckt davon.
„Aber der Traum im Krankenhaus stimmte auch. Ich träumte, dass wir ins Wasser gehen und ich bin nicht gestor­ben, es ist alles eingetroffen!“
Wieder schüttelte Nox den Kopf.
Und jetzt tat Bo es ihm gleich. „Nein! Es ist mir egal, ob die Landmenschen von unserer Gabe erfahren!“
„Hört auf damit!“, rief Gibbli gereizt. Sie wollte weiter. Sie mussten die anderen retten. Sie vertrödelten hier viel zu viel Zeit!
„Sie wird sterben!“, schrie Bo jetzt ihren Bruder an, dann wandte sie sich an Gibbli. „Ich wollte es dir schon früher sa­gen, nur ich traute mich nicht, wegen Sam. Wir müssen sie doch retten, er wird sie töten, wenn du nicht auftauchst, aber du wirst dort-“
„SEI STILL!“, schrie jetzt Nox laut dazwischen. „Du nicht seinkannst dir sicher. Niemand von uns kann. Es ist eine Wahrscheinlichkeit. Der Moment bestimmt die Abzweigung. Der Abstand zuweitist dort hin, um es zuwissen sicher. Wir nicht beeinflussenlassen dürfen uns davon!“
„Sag es ihr Nox! Es wäre sonst nicht fair.“
„Pah, fair. Du zulang warst bei diesem Sky.“ Er seufzte. „Tiefseemenschen sind zu blicken in der Lage durch den… Trichter.“
„Trichter?“, fragte Gibbli.
„Es ist nur ein Vergleich, du musst denken mit einer Ebene mehr. Bo, sie nicht versteht es, sie ist ein Landmensch, wei­terlasst uns endlich!“ Er ballte die Fäuste und trat wütend ein paar Schritte von ihnen weg.
„Er meint Zeit, Gibbli. Wir können das nicht immer, nur manchmal passiert es im Schlaf.“
„Also hast du in einem Traum vorhergesehen, wie ich ster­be, in Ocea?“
„Ja!“, antwortete Bo.
Gibbli blickte zu Nox, der sie jetzt beinahe flehend ansah. Sie erinnerte sich an die Raumzeit-Theorien aus einem der zahlreichen Physikkurse an der Akademie. Ein Knacken ließ sie herum fahren. Der Aufzug ruckelte und klemmte den Tisch ein. Er hielt dem Druck stand, aber es war nur eine Fra­ge der Zeit, bis er bersten würde. Zeit, dachte Gibbli grimmig. Nox hatte Recht. Es war nur eine Wahrscheinlichkeit. Bo’s Traum musste nicht zutreffen. Sie konnten jetzt nicht einfach umkehren. Die Soldaten waren hinter ihnen her.
„Weiter“, sagte Gibbli entschlossen.
Bo zögerte, dann zwang sie ihren Mund zu einem schauri­gen Lachen. Mit dieser Fratze sah sie beinahe so erschreckend aus wie Nox, obwohl ihr Aussehen sonst eher dem eines Landmenschen ähnelte. Und mit einem Schlag wurde Gibbli etwas klar. Warum war ihr das vorher nie aufgefallen? Nun, sie war nicht gerade gut in solchen Dingen. Durch die Erfah­rungen in Bo’s Körper, hätte sie eigentlich längst bemerken müssen, dass die blauhäutige Frau nur schauspielerte. Siehst du die Maske lachen?, dachte Gibbli traurig. Bo’s kindisches Verhalten, ihre angestrengte Neugierde, ihr gespielt fröhliches Gesicht. All das tat sie nur ihrer Halbschwester zuliebe, weil diese wollte, dass sie glücklich war. Weil diese ihr Leben für sie eingesetzt hatte, um ihr all das hier zu ermöglichen.
Nox nickte. „Also weiter, für Sam.“
Und um Steven zu töten, fügte Gibbli in Gedanken hinzu.
Die drei rannten zur Treppe und hasteten nach unten. Der Abgang war so eng, dass sie hintereinander gehen mussten. Am Ende der Stufen versperrte ihnen eine schwere Stahltür den Weg. Gibbli blickte an Nox vorbei und suchte die Oberflä­che ab. Es gab weder eine Konsole noch einen Anschluss für Chipkarten oder ein EAG. Einzig eine Art Hebel befand sich am Rand, welcher sich aber nicht heraus ziehen ließ. Darunter gab es ein kleines Loch. Als auch Gibbli ratlos mit den Schul­tern zuckte, warf Nox sich mit aller Kraft gegen die Tür. Nach mehreren Versuchen musste er jedoch aufgeben.
Über ihnen krachte es.
„Das war der Tisch“, knurrte Nox und versuchte es noch ein letztes Mal.
„Ich glaube, der Aufzug fährt jetzt zurück“, flüsterte Bo, die noch ein paar Stufen höher stand. „Warum geht ihr nicht wei­ter?“
„Es gibt keinen Durchgang“, sagte Gibbli. „Wir müssen zu­rück!“
„Das kann doch nicht euer Ernst sein!“ Bo zwängte sich mit verständnislosem Blick an ihnen vorbei, drückte den Griff nach unten und die Tür schwang einen Spalt breit auf.
„Man muss den Hebel nach unten drücken?“, fragte Nox überrascht.
„Verrückt“, flüsterte Gibbli kopfschüttelnd. Wer dachte sich denn so einen Unsinn aus? „Und das Loch unter dem Hebel? Steckt man da ein Kabel rein?“
Bo verdrehte die Augen. „Das ist ein ganz normales Schlüsselloch. Was? So etwas kennt ihr nicht? Überall dieses Technikzeug und ihr kriegt keine einfache Tür auf? Das glau­be ich ja nicht! Wenn sie zugesperrt ist, steckt man einfach einen Schlüssel rein, dreht ihn um und es ist offen. Kann doch nicht sein, dass ihr nie davon gehört habt? An Land gibt es nur solche Türen.“
„Die benutzen rein mechanische Türen über dem Wasser?“, fragte Gibbli ungläubig.
„Ja, es gibt welche aus Holz und aus Plastik und aus-“
„Kommt schon, weiter“, unterbrach Nox sie.
Zusammen schoben sie die schwere Tür auf. Gibbli konnte gerade noch ein sägendes Geräusch wahrnehmen, das aber sofort verstummte. Hinter der seltsamen Tür befand sich ein schwach beleuchteter Raum mit nur zwei Zellen an einer Sei­te. Auf der anderen Seite stand ein Tisch und hinter diesem stapelten sich Fässer bis hin zur Außenwand.
Bo nickte Nox zu. Offensichtlich hatte er sie lautlos irgendetwas gefragt. Dann begannen die beiden einige Fässer vor die Tür zu schleppen, um mehr Zeit zu gewinnen.
Währenddessen trat Gibbli langsam an eine der beiden Zel­len heran. Diese lagen halb im Schatten und es war nicht zu erkennen, ob sich jemand darin befand. Sofort stellte sie fest, dass die alte Chipkarte hier nichts bringen würde. An den Git­tern waren Riegel angebracht, mit einem ähnlichen Loch, wie auf der altmodischen Tür, durch die sie eben herein gekom­men waren.
Bevor Gibbli die Zelle mit dem Licht ihres EAGs absuchen konnte, tauchte ein großes Gesicht aus den Schatten auf. Sie erschrak, als sie ihn erkannte. Seine Haut war leichenblass und Blut rann ihm über eine Wange. Ein Teil der blonden Haare, die sich aus seinem Zopf gelöst hatten, war rot durch­tränkt. Jack hatte nicht gelogen, was seine Verhörmethoden betraf.
„Abyss“, flüsterte Gibbli und umklammerte die Gitterstäbe.
Er lebte! Sie fühlte sich plötzlich so leicht und gleichzeitig brach all die Wut über sie herein. Sie wollte wieder vor ihm zurückweichen, aber er packte ihre Handgelenke, sodass sie nicht mehr loslassen konnte. Sie spürte den kalten Griff eines seiner Messer an ihrer Haut, das er in der Hand hielt. In einer der Gitterstangen befand sich eine kleine Kerbe. Offenbar hat­te Abyss versucht, diese durchzusägen. Gibbli fragte sich, wie er es immer wieder schaffte, diese Dinger überall mit hinein zu schmuggeln. Er grinste sie an und es fiel ihr schwer, ihre Trä­nen zurückzuhalten.
„Warum?“, fragte sie, als würden die beiden ein Gespräch fortsetzen und schüttelte leicht den Kopf.
Sein Grinsen erstarb. „Wer war das?“
„Mein Vater. Sag mir warum!“
„Tja, dann ist ja jetzt klar, von welcher Seite aus du das oceanische Blut hast.“
„Warum, Abyss?“
„Es musste echt wirken, okay?“
„Also… also traust du mir nicht zu, eine Geisel zu spielen?“
„Nein. Nein das tu ich nicht!“, rief er laut. „Du bist kein gu­ter Schauspieler, Gibbli. Du bist gut im Dinge verschweigen, aber auf deinem Gesicht kann man Gefühle lesen, als hätte sie dir jemand auf die Stirn geschrieben. Und ja, ich hätt’s dir vor ein paar Tagen vielleicht noch zugetraut. Aber so bist du nicht mehr. Du bist jetzt mutiger.“
Daraufhin wusste Gibbli nicht, was sie sagen sollte. Stimmt, sie hatte sich verändert. Und Abyss war verdammt gut im Einschätzen von Menschen, auch wenn ihn das meis­tens nicht interessierte. Aber was hatte das damit zu tun, dass er ihr etwas vorgespielt hatte?
„Du hättest die Angst vor uns nicht spielen können, weil du keine mehr hast“, fuhr er fort. „Die hätten das sofort gemerkt.“
„Ach und da hast du einfach entschieden, dass ich das nicht kann?“, fragte sie bissig. Sie wusste, dass er Recht hatte, doch am liebsten hätte sie ihn geschlagen dafür, dass er so mit ihr umgegangen war.
Abyss ließ ihre Handgelenke los und blickte suchend an ihr vorbei. „Wo habt ihr eigentlich die Tauchanzüge?“
„Welche Tauchanzüge?“, fragte Bo von hinten.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Gibbli, hast du meine zweite Nachricht nicht erhalten?“
Sie blickte auf ihr EAG und suchte in den Dateien nach einer weiteren Nachricht. Tatsächlich, da war noch eine. Sie startete die Aufnahme und Abyss‘ Gesicht tauchte auf dem Bildschirm auf. „Ach ja und vergiss die Taucheranzüge nicht, es geht tief runter.“
„Oh“, sagte Gibbli. Plötzlich kochte etwas in ihr hoch. Warum verdammt hatte er diese dummen Anzüge nicht selbst besorgt? Wie hätte sie denn die bitte beschaffen, geschweige denn, sie im Feuergefecht hier mit nach unten bringen sollen? Wer hatte denn die dämliche Idee gehabt, den Tod der halben Crew vorzuspielen?
„Ja, oh. Wie sollen wir jetzt diesen Gang hinab tauchen?“, fuhr er sie an.
Ein klatschendes Geräusch hallte durch die Zellen, gefolgt von einer unheimlichen Stille. Gibbli hatte ihn, zwischen den Gitterstäben hindurch, mitten auf die Wange getroffen, unge­achtet des Blutes, das noch immer an ihm herab tropfte.
„Zum ersten Mal in meinem Leben gab es jemanden, dem ich vertraute. Ich habe dir vertraut, Abyss!“ Wütend starrte sie ihn an und fing an leise zu sprechen: „Ich gab dir die Macht, mich mehr zu verletzen, als jeder andere dieses Planeten zu­sammen es könnte. Und du hast sie missbraucht. Du hast ge­nau das getan, was der Grund war, warum ich nie Freunde wollte. Du spieltest mir vor, dass alles nur eine Lüge war, dass du mich ausgenutzt hättest! Du brachtest Bo um! Hast mich im Glauben gelassen, du seist tot und jetzt machst du mir Vorwürfe, weil ich deine scheiß Nachricht nicht sah UND DIE­SE DUMMEN TAUCHANZÜGE NICHT DABEI HAB? Du bist unglaublich… du… du warst mein Bruder, du…“ Erschrocken brach sie ab. Was verdammt noch mal war in sie gefahren? Vor all den anderen so zu herum zu schreien…
Abyss blickte sie betroffen an. „Es war eben ein dummer Plan“, sagte er dann. „Hört sich doch ganz nach mir an.“
„Ja… Ja.“
„Könntet ihr… das… bitte… später klären?“, fragte eine raue Stimme aus der Nachbarzelle. Gibbli sah seine Umrisse im Schatten liegen. Die schwarzen Augen ihres Kapitäns wirkten in der Dunkelheit fast wie tiefe Löcher und scheinbar wollte oder konnte er nicht aufstehen.
„Ich… ich weiß nicht wie die Gitter aufgehen“, sagte Gibbli leise. „Die Chipkarte funktioniert bei diesen Schlössern nicht.“
„In meinem Mantel findest du noch eine der Festluftbom­ben“, sagte Abyss, als wäre es selbstverständlich so etwas ge­fährliches bei sich zu tragen und zeigte an ihr vorbei. „Er liegt da hinten.“
Gibbli drehte sich um. Bo half Nox noch immer die schwe­ren Fässer vor die Tür zu wuchten. Der Geigenkoffer stand neben Skys großer Holzkiste, den die Soldaten unter einen Tisch gerollt hatten. Auf diesem lag Abyss‘ Mantel.
Sie stürzte darauf zu und suchte in den vielen Innenta­schen nach der kleinen Bombe. Nachdem ihre Finger einige Messer ertasteten, fand Gibbli was sie suchte.
„Du musst nur die Blockade aus dem Schlauch raus zie­hen. Dann dauert es etwa drei Sekunden. Hm, naja, manch­mal auch mehr oder weniger. Wenn du sie zwischen unseren Zellen platzierst, sollte es klappen.“
Sie nickte. „Geht zurück.“
Abyss wich an die Wand zurück und Sky zerrte sich an den Gitterstäben entlang weiter nach hinten, in eine Ecke. Dann zog Gibbli das Metallstück heraus. Sie schaffte es gera­de noch weit genug weg, bevor das Ding explodierte und einen großen Teil der Gitterstäbe mit sich riss.
Es hatte funktioniert, die beiden waren frei!
„Null Plan von Technik… aber so etwas… bekommt er hin“, brachte Sky hervor, während sich der Staub langsam legte.
„Ein paar Versuche waren schon nötig dafür“, erwiderte Abyss.
„Ein paar Versuche?“, rief Bo hustend, irgendwo von den Fässern aus. „Als ihr bei den Tiefseemenschen wart, hätte er mit seinen Experimenten fast die halbe Mara in die Luft ge­sprengt!“
Sky zog sich an den Gitterstäben hoch, verzerrte dann das Gesicht und sank wieder zu Boden. Abyss trat aus seiner Zelle heraus, drückte Gibbli sein Messer in die Hand, um dann zu Sky zu eilen, vor dessen Seite er sich niederkniete.
Ein wenig nervös trat Gibbli an die beiden heran. Im Licht ihres EAGs erblickte sie Sky am Boden. Die Narbe, die Nox damals verursacht hatte, trat deutlich aus seinem Gesicht her­vor. Jemand hatte sich an ihr zu schaffen gemacht und die Kratzer erneut aufgerissen. Seine Kampfmontur hing teilweise zerrissen an ihm herab und wurde von einer großen Wunde an seiner Schulter mit Blut durchtränkt. Den beunruhigends­ten Anblick gab sein Bein ab. Es lag halb verdreht da und stand in einem Winkel ab, der normalerweise nicht möglich war.
Abyss sah aus, als fühlte er sich schuldig. „Sky, es… das hätte mich treffen s-“
„Halt… die Klappe“, unterbrach ihn der Kapitän.
„Bo!“, rief Abyss. „Komm her!“
Bo eilte herbei und an Gibbli vorbei zu Sky. Hinter sich hör­te Gibbli, wie Nox an sie herantrat. „Die Fässer aufhalten sie nicht lange. Wir wegmüssen. Sofort!“, murmelte er leise.
„Du musst es grade biegen!“, sagte Abyss an Bo gewandt.
„Was? Nein!“ Bo blickte ihn unsicher an. „Ich… ich hab so was noch nie gemacht. Was, wenn ich es kaputt mache? Ich mache es bestimmt kaputt! Es ist-“
„Schweig!“, krächzte Sky und unterbrach ihren Wort­schwall. „Sehe ich… da… Angst? Ein Tiefseemensch kennt kei­ne… Angst. Du kannst das Bo!“
Bo’s Ausdruck änderte sich schlagartig. „Halt ihn fest“, sag­te sie kalt und blickte entschlossen zu Abyss auf.
Abyss nickte.
Gibbli zuckte zusammen, als ein ekliges Knacken durch den Raum hallte, gefolgt von Skys Aufschrei.
Nach ein paar Sekunden schien es ihm besser zu gehen. Mit geschlossenen Augen hielt er sein Bein fest und versuchte tief durchzuatmen.
Gibbli reichte Abyss sein Messer zurück. Er steckte es kur­zerhand in ihren Stiefel. „Behalt es. Vielleicht ist es dir noch nützlich.“
Sie freute sich so sehr, ihn wieder zu sehen. Lebendig, wenn auch etwas mitgenommen. Aber er stand wieder an ihrer Seite und das nicht als Verräter. Dass sie ihn gerade geschlagen hatte, schien er völlig zu ignorieren. Blutverschmiert lachte sein blasses Gesicht sie an und Gibblis Mundwinkel zogen sich für eine Sekunde nach oben. In seinen grauen Augen erkannte sie, dass er es bemerkt hatte. Sie kämpfte gegen das Verlangen an, ihn einfach zu umarmen. Abyss hob einen Arm, als hätte er denselben Gedanken. Dann hielt er sich jedoch zurück und legte seine Hand nur kurz auf ihre Schulter, um sie sofort wie­der zurück zu ziehen und sich von Gibbli wegzudrehen. Na­türlich wusste er, dass sie es verabscheute berührt zu werden. Dennoch fühlte sich Gibbli ein klein wenig enttäuscht und wünschte sich fast, er hätte es doch getan.
„Und jetzt?“ Bo blickte sich ratlos um.
„Wir müssen hinunter tauchen“, sagte Nox.
„Und wie?“, fragte Abyss.
„Seid still!“, befahl Sky und zog sich an den Gitterstäben hoch. Bo atmete durch ihre Zähne aus und Gibbli sah ihr an, dass es ihr nicht recht war, dass er jetzt schon aufstand. „Wir müssen den Gang erst einmal finden.“
Der Kapitän humpelte aus der Zelle. Abyss machte eine ungläubige Handbewegung und auch Nox hielt sich kurz die Hand vor Augen, schüttelte dann den Kopf und folgte ihm. Sky schnallte sich seine Taschen um, während Abyss sich den Mantel umwarf und nach seinem Geigenkoffer griff.
„Warte, ich kann das Ding doch auch ziehen! Soll ich dir helfen?“, fragte Bo, als Sky seine Kiste mit größter Anstren­gung unter dem Tisch hervorschob.
„Fass sie nicht an!“
„Und schon ist er wieder am rumkommandieren“, grum­melte Abyss.
„Ich bin euer Kapitän, vergiss das niemals!“, knurrte Sky ihn an. „Schafft die restlichen Fässer hier beiseite! Ich habe da et­was aufblitzen sehen!“
Sie machten sich an die Arbeit und tatsächlich befand sich hinter den Fässern eine runde Falltür im Boden.
„Wie funktioniert das?“, fragte Bo, als sie um die Öffnung herumstanden.
Ein großes Rad prangte darauf und schimmerte in golde­nem Metall. Sky ließ sich umständlich zu Boden fallen und drückte an der Tür herum. Schließlich drehte er das Rad mit aller Kraft. Es gab nach und quietschte leise, ansonsten pas­sierte nichts.
„DNA gesichert?“, fragte Abyss.
„Los!“, Sky sah Gibbli auffordernd an.
Sie steckte ihr EAG weg und kniete sich an der Öffnung nieder. Ob es wieder wehtun würde? Nach kurzem Zögern fasste Gibbli mit beiden Händen den glänzenden Balken des Rades und drehte es. Unter ihren Fingern rastete der Me­chanismus ein. Mit jedem Stück klickte es, wie ein alter We­cker den man aufzog. Das Metall unter ihren Fingern erhitzte sich kein bisschen. Schließlich rastete der Mechanismus ein und hob sich leicht nach oben. Die anderen fassten mit an und die runde Luke öffnete sich langsam.
Darunter befand sich eine breite Röhre, die gerade hinab führte und in einem runden Raum endete. An der Innenseite ragten kleine Griffe empor, mit deren Hilfe man nach unten klettern konnte.
Sie erschraken, als draußen jemand an der Tür rüttelte und diese gegen die Fässer knallte, mit denen Nox und Bo den Eingang verrammelt hatten.
Fast in derselben Sekunde hielt Sky schon seinen Strahler in der Hand. „Ich gehe als letzter. Macht schon!“
Nox sprang als erstes nach unten und landete leichtfüßig in dem Raum. Bo hüpfte ihm hinterher. Danach kletterten Gibbli und Abyss mit seinem Koffer durch die Röhre hinab. Dann hörten sie, wie einige Fässer umfielen.
„Die Kiste!“, rief Sky über ihnen, schob seinen schweren Holzkasten in die Röhre und ließ sie langsam herab gleiten.
Abyss und Nox fingen sie auf. Gibbli sah, wie Sky sich von der Öffnung wegdrehte. Stimmen ertönten und ein Schuss fiel. Eines der Fässer rollte irgendwo durch den Raum. Dann schob sich Sky in die Röhre. Gibbli sah, wie oben die Gesichter von Soldaten auftauchten. Der Kapitän packte die runde Luke und hängte sich mit vollem Gewicht daran, so dass sie zurück nach unten fiel. Ein Mann schrie, offenbar hatte er sich die Finger an der Öffnung eingequetscht. Jemand trommelte dumpf dagegen, während Sky noch an dem Rad baumelte, das sich baugleich wie außen auch auf der Innenseite befand. Doch der Mechanismus war eingerastet und unverrückbar fest. Ihr Kapitän hangelte sich an den Griffen entlang durch die Röhre nach unten, dann ließ er sich in den Raum fallen.
„Verflucht!“ Er packte sein Bein und taumelte rückwärts an die gebogene Außenwand.
„Sky, der Schuss, bist du-“
„Nein. Einer der Soldaten ist umgekippt, ich habe ihn ge­troffen“, unterbrach er Bo und sank erschöpft auf den Boden.
Gibbli sah sich in dem Raum um. Er war zylinderförmig rund und breit, jedoch sehr niedrig, vielleicht knapp über zwei Meter. Abyss konnte gerade noch stehen, ohne mit dem Kopf an die Decke zu stoßen.
„Hier drin befindet sich gar nichts. Es geht nirgendwo wei­ter“, sagte Bo enttäuscht.
Sky, wischte mit einer Hand durch die Luft, als fange er eine Fliege ein, während Abyss das goldene Rad ergriff und die zweite Luke am Ende der Röhre über ihnen schloss.
„Falls sie oben durchkommen“, sagte er.
Im selben Moment fingen hunderte kleiner Kugeln in der Luft um sie herum an aufzuglühen. Sky öffnete seine Faust und eines der Pünktchen leuchtete ihm entgegen.
„Kleine Sonnenstücke… Wie auf der Mara“, sagte er.
Dann hörte Gibbli ein Geräusch, welches ihr sofort das Ge­fühl gab zu fallen.
„Wasser!“, rief sie erschrocken.
„Wo?“, fragte Abyss und sah sich um.
„Ich höre es ebenfalls“, sagte Nox. „Ein Rauschen. Irgendwo eindringt Wasser.“
Bo fing an, die goldenen Wände abzutasten. „Hier ist alles trocken.“
Abyss legte eine Hand an die Decke. „Ich glaub, es fällt auf uns drauf.“
„Es rinnt die Außenwände hinab“, sagte Sky
Ohne Vorwarnung durchfuhr ein Rütteln den ganzen Raum und für einen kurzen Moment fühlte Gibbli sich wirk­lich so, als fielen sie nach unten. Abyss taumelte leicht, wäh­rend Bo und Nox an den gebogenen Wänden Halt suchten. Gibbli hielt sich an Skys Kiste fest.
„Das ist ein Aufzug. Der ganze Raum ist ein Aufzug!“ Sky grinste. „Wir bewegen uns in den Boden hinein.“
Nach ein paar Minuten wurde ihnen klar, dass dies wohl länger dauern würde. Gibbli setzte sich neben Abyss, während der Kapitän Bo erlaubte, sein Bein noch einmal anzusehen. Doch ohne Verband und Medikamente konnte sie nicht viel ausrichten. Das Marahang musste reichen. Einzig Nox stand mit verschränkten Armen da und ließ seinen düsteren Blick durch den Raum schweifen, als erwartete er jeden Moment einen Angriff.
„Jetzt mal im Ernst, was ist da drin?“, fragt Abyss nach ei­ner Weile.
„Das hast du mich schon einmal gefragt“, knurrte Sky.
„Und?“
„Und ich habe dir schon einmal gesagt, dass dich das nichts angeht.“
Gibbli bemerkte, dass es Abyss langsam langweilig wurde. Das war nicht gut. Gar nicht gut.
„Ich könnte sie einfach aufmachen“, sagte er angriffslustig.
„Ich könnte dich einfach erschießen“, erwiderte Sky.
„Wegen einer alten Dreckskiste?“, stichelte Abyss.
Sky hob seinen Strahler und zielte auf ihn.
„Hört doch auf!“, Bo begann in dem niedrigen Raum auf und ab zu gehen. „Immer diese Streiterei. Könnt ihr nicht ein­fach normal miteinander reden?“
Abyss blickte sie düster an, während Sky zögernd seine Waffe wegsteckte.
In Gibblis Ohren begann es leicht zu klicken. „Die Luft än­dert sich“, flüsterte sie.
„Druckausgleich!“, befahl Sky und riss kurz den Mund auf, während er sich an seine Ohren fasste. Dann zog er sein EAG aus der Tasche, um die Änderungen zu prüfen. „Das geht viel zu schnell.“
„Was bedeutet das?“, fragte Abyss.
„Dass wir irgendwann in einer blutigen Masse enden, wenn es nicht aufhört“, antwortete der Kapitän.
„Was? Warum? Ich möchte nicht in einer blutigen Masse enden“, sagte Bo. „Dann kann ich Sam nicht mehr sehen!“
„Du bist bereits ohne Druckanzug getaucht, du wirst es überstehn“, grummelte Abyss.
Nach einer Weile fühlte sich Gibbli leicht benommen. Die Temperatur sank langsam und das Atmen fiel ihr zunehmend schwerer. Sie fühlte sich an diesen schrecklichen Traum mit Rod erinnert. Rod, der Mara packte. Mara, die keine Luft mehr bekam.
Gibbli schnappte nach Luft.
„Hey!“, hörte sie Abyss neben sich sagen. „Gibbli!“ Vor ihren Augen verschwammen die Schemen der anderen und wurden dann wieder klarer. Sie bemerkte, wie Abyss‘ Oberkörper leicht hin und her schwankte. „Das passiert nicht wirklich hörst du! Ich bin… bei… dir. Ich… bin…“ Während er sprach, wurden seine Worte immer langsamer. Dann brach er ab. Die Augen fielen ihm zu und sein Kopf sackte zurück gegen die Wand, an der er saß.
Panik stieg in ihr hoch. „Mir ist schwindlig“, sagte Gibbli und hielt ihre Stirn mit beiden Händen fest. Sie versuchte aufzuste­hen und merkte, dass ihre Bewegungen mehr Kraft als sonst erforderten. Die Luft erschien so zäh, fast greifbar. Langsam wurde es bitterkalt.
„Nein! Bleib sitzen!“ Sky streckte vom Boden aus die Hand nach ihr aus. „Bo, halt sie… am Boden, sie wird… umkippen.“ Gibbli spürte, wie Bo plötzlich über ihr stand und sie sanft da­von abhielt aufzustehen. Weder sie noch Nox schienen etwas von den Auswirkungen auf die Druckänderungen zu spüren.
„Die Zusammensetzung… der Luft… ändert sich“, brachte Sky hervor, den Blick auf sein EAG gerichtet. „Hier drin… muss… irgendwo… eine… Öffnung…“
Wieder verschwamm alles um Gibbli herum.
 
Als sie erwachte, schienen nur ein paar Minuten vergangen zu sein. Gibbli lehnte noch immer an der gebogenen Wand. Die Zusammensetzung der Luft hatte sich verändert und Gibbli konnte wieder atmen, doch der Druck war gleich hoch und ihre Bewegungen nur langsam. Sie sah eine fast weiße Gestalt regungslos auf der anderen Seite des Raums liegen. Sein ehe­mals gebrochenes Bein stand angewinkelt am Boden. Schein­bar konnte er es wieder abknicken. Skys Lippen hoben sich kaum mehr von seiner Haut ab und sein schwacher Atem ge­fror an der eiskalten Luft. Mit offenen Augen starrte er gera­dewegs zur Decke.
„Warum?“, fragte er leise und ohne sich zu bewegen.
Zwei Schritte weiter saß Bo erschöpft an einer Wand. „Du bist unser Kapitän“, flüsterte sie kraftlos.
Nox kniete neben seiner Schwester und blickte sie schein­bar halb wütend, halb besorgt an. Das Marahang an ihrer Brust drehte sich wahnsinnig schnell und leuchtete so hell, dass es die Sonnenstücke im Raum um ein Vielfaches über­strahlte.
Gibbli schlang zitternd die Arme um ihre Füße. Auch vor ihrem eigenen Mund bildete sich ein weißer Hauch beim Aus­atmen. Neben ihr nahm sie eine Bewegung war. Sie drehte langsam den Kopf. Abyss war wach und blickte sie müde an. Er wirkte erschöpft.
„Bist du okay?“, fragte er leise.
Gibbli nickte leicht.
„Wir atmen jetzt die oceanische Luft der Kolonie. So muss es sich auch auf ihrem Planeten anfühlen“, raunte Abyss ihr zu. „Ich glaub es wird noch kälter. Aber an der Luft scheint sich nichts mehr zu ändern und der Druck bleibt konstant.“
Beunruhigt blickte Gibbli zu den anderen hinüber. „Was ist mit ihnen?“, flüsterte sie.
„Muss an seinem Bein liegen.“ Abyss schüttelte den Kopf. „Sky hat die Änderungen der Atmosphäre überstanden, ohne bewusstlos zu werden. Als Soldat trainiert man so was. Als ich aufgewacht bin, ging’s ihm noch gut. Dann ist Bo fast um­gefallen. Das Marahang entzog ihr wahnsinnige Mengen an Energie. Sie versuchte ihn ohne seine Zustimmung zu heilen, viel zu schnell und das hat sein Körper wohl nicht verkraftet. Er kippte plötzlich einfach um. Ich glaube, damit hat er nicht gerechnet, dass Bo sich so für ihn aufopfert.“
Gibbli öffnete den Mund, um etwas zu sagen, dann hielt sie inne. Ihr Herz begann zu rasen und das Kribbeln in ihrem Bauch zeugte von seiner grausamen Nähe. Sie verspürte den Drang zu fliehen und alles in ihr schien mit einem Schlag wie festgefroren. Er wartete. Und sie wusste, er spürte, dass sie nicht mehr weit war. Der Aufzug näherte sich ihm unaufhalt­sam und mit seinen Gedanken pflanzte er bereits jetzt eine panische Angst in sie hinein. Sie versuchte seine Kälte abzu­blocken, doch es gelang ihr nicht.
„Abyss“, flüsterte Gibbli zitternd. „Halt mich fest.“
Er zögerte überrascht, rutschte dann näher an sie heran und zog sie zu sich unter seinen Mantel. Währenddessen stemmte sich der Kapitän nach oben, in eine sitzende Position und funkelte die beiden missbilligend an. Umschlungen in Abyss‘ starken Armen spürte sie die Wärme, die von ihm aus­ging und ihr Herzschlag beruhigte sich ein wenig.
„Steven?“, fragte er leise.
Gibbli nickte, drückte ihre Knie fest an sich und legte den Kopf an seine Brust.
„Denk nicht an dieses Monster. Wir töten ihn. Denk an Ocea und die Technologie, die du dort finden wirst“, versuchte er sie zu beruhigen.
Mit Erfolg. Welche wundervollen Maschinen würden sie in Ocea finden? Kaum vorstellbar, dass sich die Stadt so weit unter dem Meeresgrund befand. Eine Stadt im Inneren des Planeten. Und sie bewegten sich noch immer nach unten. Me­ter um Meter, vielleicht viele tausende.
„Abyss“, zischte der Kapitän drohend von der anderen Seite des Aufzugs aus. „Weg.“
Trotzig schüttelte Abyss den Kopf. „Halt mich doch auf, wenn es dir nicht passt. Nichts, was du oder irgendein Gesetz mir vorschreiben wollt, wird etwas daran ändern. Niemals.“
Sky blickte ihn ernst an, doch er blieb sitzen. „Das ist nicht gut. Nicht gut, Abyss“, sagte er dann leise.
Schweigend saßen sie da und Gibbli wünschte sich fast, diese Fahrt würde niemals enden.
Nur wenige Minuten später, Bo ging es Dank des Mara­hangs gerade wieder besser, hielt der Aufzug abrupt an. Sky sprang hoch. Noch immer etwas humpelnd trat er zu seiner Kiste. Dank Bo’s erschöpfender Heilung, wirkte er um einiges fitter. Abyss half Gibbli auf.
Lautes Plätschern war zu hören, das zu einem ohrenbetäu­bend prasselndem Geräusch anschwoll. Kurze Zeit darauf wurde das Rauschen des Wassers wieder leiser, bis nur noch der Klang vereinzelter Tropfen durch den niedrigen Raum drang. Etwas krachte laut, als würde Metall von irgendwo ab­gekoppelt werden. Sky zog seinen Strahler und auch Abyss holte ein Messer aus seinem Mantel hervor. Mit der anderen Hand griff er nach seinem Geigenkoffer. Dann bewegten sich die gebogenen Wände um sie herum und fuhren knirschend nach oben.
Der Aufzug hatte sich in eine Art runde Plattform verwan­delt. Um sie herum tropfte noch immer eine große Menge Wasser nach unten, wie ein kleiner Wasserfall. Es fiel auf das Gitter im Boden, wo es versickerte. Dahinter konnte Gibbli ver­schwommen die ersten glänzenden Bauten erkennen. Sky hielt kurz seine Hand unter die Flüssigkeit, dann packte er sei­ne Kiste und zerrte sie, seinen Strahler nach vorne gerichtet, durch das tropfende Rinnsal hindurch. Nox folgte ihm ohne zu zögern. Dahinter die anderen. Unsicheren Schrittes ging Gibbli hinter dem Kapitän her. Und als sie die Wasserwand passiert hatte, bot sich ihr der atemberaubendste Anblick ihres ganzen Lebens.

Ich freue mich außerdem über jeden Pieps deiner Anwesenheit hier. Schreib mir doch einen Kommentar. Was denkst du gerade?


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Kapitel 23: Das Verhör (Bis in die tiefsten Ozeane)

Eine Stunde später lag sie, übersät mit blauen Flecken, im Bett des Gästequartiers. Sir Brummer hatte zwei Ärzte vorbei ge­schickt, doch Gibbli ließ die beiden nicht herein. Es machte auch gar keinen Sinn aufzustehen, um ihnen die Tür zu öff­nen, denn ihr Vater hatte sie eingesperrt. Angeblich musste er im Kommunikationsbereich der Akademie einer Konferenz mit einigen Mitarbeitern seiner Firma beiwohnen. Nach einiger Zeit verstummte das Klopfen und um Gibbli herum breitete sich er­neut eine erdrückende Stille aus. Sie trug noch immer ihre Kleidung und hatte nicht einmal ihre Stiefel ausgezogen. Aus einer ihrer Taschen kam ein leiser Piepton. Im Raum herrschte beinahe vollkommene Dunkelheit. Das Zimmer besaß kein Fenster ins Meer hinaus. Es gab Lampen, doch Gibbli wollte nichts sehen und hatte sie kurzerhand außer Betrieb gesetzt. Ihr ganzer Körper tat weh von den Schlägen ihres Vaters, doch dieser Schmerz kam ihr vor, wie kleine Kratzer. Er war nichts gegen das, was Steven mit ihr anstellen würde, wenn er sie fand. Sollte sie nicht bald nach Ocea gelangen, stände er frü­her oder später vor diesem Zimmer. Nein, er würde wohl nicht davor warten, sondern geradewegs durch die Wand marschie­ren. Aber selbst darüber fühlte sie nur noch Gleichgültigkeit. Sollte er doch! Im Augenblick hatte sie keine Angst mehr vor ihm. Sollte er nur kommen und machen, was immer er ma­chen wollte. Egal was er tat, nichts würde den einen Gedan­ken aus ihrem Gedächtnis löschen: Abyss.
Abyss war tot. Abyss hatte Bo umgebracht. Abyss hatte mit ihr gespielt, hatte sie benutzt und belogen. Wieder piepste es leise in ihrer Tasche. Wie einfach wäre es, wenn sie jetzt einschlafen würde. Sie könnte hier liegen bleiben und nicht mehr aufstehen. Nie wieder die Augen öffnen. Doch Gibbli konnte nicht mehr schlafen. Jedes Mal wenn sie es versuchte, tauchte Abyss‘ Gesicht in ihrem Kopf auf. Warum hörte dieser nervige EAG nicht auf zu piepen? Gedankenverloren griff sie in eine ihrer Werkzeugtaschen und hatte plötzlich das me­chanische Küken in der Hand. Ein leichtes Glimmern ging von ihm aus, das seine Umgebung schwach beleuchtete. Gibbli schüttelte den Kopf, als sie begriff. Natürlich hatte sie in Cora nichts gefunden, was auf Steven hinwies. Es war das Küken! Er beobachtete sie durch dieses dumme Tier! Sie ließ es fallen. Das Küken schüttelte sich und sprang zurück aufs Bett. Gibbli betrachtete es abschätzend. Machte es überhaupt Sinn, das Ding jetzt noch zu zerlegen? Wieder ertönte ein Piepen. Gibbli zog ihr EAG hervor und warf das Gerät mit aller Wucht ge­gen die nächste Wand. Es prallte ab und blieb scheppernd am Boden liegen. Das Küken hüpfte hinunter und flatterte aufge­regt um ihr EAG herum. Sein Bildschirm leuchtete in der Dunkelheit auf. War das blöde Ding jetzt also endlich kaputt? Schön, hoffentlich musste sie nie wieder ein Wort hinein tip­pen! Gibbli drehte sich um und zog sich die Decke über den Kopf. Doch durch den Stoff drang ein leises Geräusch. Eine Stimme!
„Jetzt? Nimmt es auf?“
Gibbli erstarrte. Seine Stimme. Sie würde sie unter Milliar­den wieder erkennen! Gibbli kämpfte sich hektisch von dem Laken frei und fiel aus dem Bett. Dann kroch sie so schnell es ging auf ihr EAG zu und schlug das Küken grob beiseite. Es handelte sich nicht um ein Hologramm, stattdessen wurden die beweglichen Bilder direkt auf dem kleinen Bildschirm des Gerätes angezeigt.
„Hey, kleine Schwester“ Gibbli erkannte, dass jemand eine Zeit eingestellt hatte. Das Piepen hatte den Ablauf dieses Weckers angedeutet. Das EAG war nicht kaputt. Beim Auf­prall mit der Wand musste der Startknopf ausgelöst worden sein. Abyss‘ Gesicht blickte ihr grinsend entgegen und in ihr zog sich alles zusammen. Im Hintergrund konnte man die gol­denen Maschinen der Mara erkennen.
„Und sie hört mich wirklich durch dieses Ding?“
„Ja. Jetzt mach schon, bevor sie aufwacht“, drangen die Worte von Sky aus dem Lautsprecher. Gibbli konnte ihn auf der Aufnahme nicht erkennen. Der Kapitän musste das EAG halten. Ihr Blick fiel auf die Zeitanzeige. Die beiden hatten die­se Aufnahme erstellt, während sie schlief. Kurz bevor dieser Streit in der Zentrale ausgebrochen war. Kurz bevor Nox die Mara verlassen hatte, Abyss Bo umgebracht hatte und dann selbst von Sky getötet worden war.
„Gibbli, du bist eine bezaubernde Frau… Mädchen.“
„Abyss, lass das!“, wies ihn Sky hinter der Kamera zurecht.
„Kannst du dir vorstellen, wie schwer es mir manchmal fällt, dich als Schwester zu sehen? Du musst verstehen ich…“ Er zögerte. „Ich liebe dein Lachen Gibbli und ich-“
„Abyss, ich warne dich! Wir hatten das damals geklärt! Also hör auf damit und sag was wir gerade abgemacht ha­ben!“
„Hey, wenn ich sterbe, will ich, dass sie das weiß!“
„Noch bist du nicht tot.“
„Okay, ich… okay. Also Gibbli, wenn du das hier hörst, dann hab ich mich wahrscheinlich ziemlich scheiße benom­men. Das tut mir echt Leid. Ich werde dich anlügen und es wird wahrscheinlich so ausgehen, dass er-“, Abyss zeigte auf den Bildschirm.
„Sie sieht mich nicht, sag meinen Namen.“
„…dass Sky mich erschießen wird. Ich meine, erschießen werden hat müssen. Richtig so?“
„Ja, weiter.“
„Also, merk dir eins Gibbli, eine Familie findet einfach zu­sammen. Ob man das will oder nicht. Man kann sie sich nicht aussuchen, so wie Freunde. Und Geschwister bleiben immer Geschwister, egal wie blöd sie sich benehmen, ja? Es tut mir Leid, okay?“
„Abyss, wenn du nicht endlich zur Sache kommst, ziehe ich in Erwägung dich wirklich zu erschießen.“
„Ich bin nicht tot! Hoffe ich jedenfalls. Wenn Sky seinen Strahler richtig einstellt und Bo meinen Angriff überlebt und sie wird überleben, du weißt dass ich gut in so was bin, wenn ich’s drauf ankommen lasse, dann kann uns ihr Marahang retten. Gibbli, wo immer du bist, wenn du das hier siehst, wer­den wir vermutlich gerade gefoltert und unserem Kapitän steht wohl jeden Moment die Hinrichtung bevor. Also schwing deinen süßen Arsch hoch und SUCH MICH VERDAMMT NOCH MAL!“
„Uns“, berichtigte ihn Sky. „Und fluche doch nicht immer!“
„Ist die Aufnahme beendet?“
„Ja.“
Der Bildschirm des EAGs erlosch. Mit ihm das restliche Licht im Raum.
„Nein“, flüsterte Gibbli fassungslos in die Dunkelheit. Gleichzeitig erwachte eine Kreatur in ihr, die sich am liebsten sofort auf Abyss stürzen wollte, um ihm jedes Haar einzeln auszureißen.
Dieser Idiot hatte sie angelogen! Natürlich war ihr diese Lüge um einiges lieber, als die angebliche Tatsache, er hätte sie nur benutzt, um nach Ocea zu gelangen. Aber wie konnte er es wagen, so mit ihr spielen? Was erlaubte sich dieser eingebil­dete Volltrottel! Zugegeben der Plan war nicht schlecht. Aber doch nicht so, ohne ihr Wissen! Sie spürte, wie das Leben langsam in ihren Körper zurück sickerte und wie ihr Kampf­geist erwachte.
Hastig riss Gibbli die Augen auf. Wenn sie nicht sofort et­was unternahm, würden die anderen wirklich sterben! Zumin­dest ihr Kapitän. Was hatte Jack noch mal gesagt? Zwei Tage bis zur Hinrichtung? Sie schaltete die Lampe ihres EAGs ein und tastete in ihrer Stiefeltasche nach ihrem selbst gebauten oceanischen Fluggerät. Als sie es nicht fand, konzentrierte sie sich und dachte angestrengt daran, dass es sich einschaltete. Und tatsächlich, irgendwo in ihrer Tasche leuchtete etwas auf und es begann zu surren. Das murmelgroße Gerät schwebte langsam heraus. Erleichtert sprang Gibbli auf und eilte zur Tür. Vielleicht funktionierte diese Methode im Gefängnis unten nicht mehr, aber hier sollte es noch klappen. Die Verriegelung des Gästequartiers klickte leise, als Gibbli das Fluggerät durch das Schloss hindurch schickte.
 
Sich immer wieder umblickend, hastete Gibbli durch die Gänge der Schule. Dabei hatte sie noch immer keine Ahnung, wie sie am besten ins Gefängnis einbrechen sollte. Normalerweise gab es keine Wachen, doch aufgrund der Vorkommnisse, lag es im Bereich des Möglichen, dass sich dies nun anders verhielt.
„GIBBLI!“ War ja klar.
Kurz bevor sie den Zentrumsturm erreichte, brüllte jemand am anderen Ende des Ganges. Zu ihrem Pech handelte es sich um einen der Direktoren höchst persönlich: Markus Brummer. Sie blieb stehen. Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren. Schnau­bend stapfte er auf sie zu und baute sich vor ihr auf.
„Jack erzählte, du seist nicht ansprechbar! Die Ärzte be­richten mir, dass sie nicht eingelassen wurden!“
Dieser Hohlkopf! Was wohl passieren würde, wenn sie ihm ein Loch in die Glatze stach? Der Gedanke brachte sie beina­he zum Grinsen. Dann müsste er sicher zum „Friseur. Bete dass ich dir nicht den Schwanz aufschlitze.“
„WAS?“
„Ich sagte, Sir, es geht mir wirklich ganz spitze“, versuchte Gibbli die letzten Worte ihrer Gedanken schnell zu berichtigen, als ihr auffiel, dass sie diese laut ausgesprochen hatte.
„Tatsächlich?“, fragte der Direktor. Ihr war klar, dass er die Blutergüsse in ihrem Gesicht nicht übersehen konnte. „Dann kannst du ja morgen am Tauchkurs teilnehmen!“
„Ja, Sir.“
Er blickte sie misstrauisch an. „Interessant! Dann hat die Strafe also doch etwas gebracht! MITKOMMEN!“
Gibbli verzog die Augen zu kleinen Schlitzen. „Habe ich et­was falsch gemacht, Sir?“ Abgesehen davon, dass ihr Vater die Tür verriegelt hatte, war es ihr doch nicht verboten, sich hier aufzuhalten.
„Dr. Elvira Fenchel erwartet dich für die Befragung! Ich wollte soeben jemanden schicken, um dich zu holen!“, bellte er sie an.
Gibblis Puls beschleunigte sich, als sie ihm unsicher zum Zentrumsturm folgte. Sie wollte keine Angst mehr vor ihm ha­ben, dennoch spürte sie, wie die Umgebung der Akademie sie in alte Muster zurück fallen ließ. Sir Brummer passierte die Aufzüge, ohne diese zu betreten. Offensichtlich sollte die Be­fragung im unteren der drei Büros stattfinden.
 
Sie betraten den runden Raum. Gibbli fiel sofort auf, dass die­ser viel chaotischer wirkte, als Sir Brummers Büro ein Stock­werk höher. An der Wand entlang reihten sich deckenhohe Regale mit unzähligen digitalen Ordnerplatten und Schublä­den. Viele davon konnte man nur mit einer Leiter erreichen. Über mehreren Konsolen zeigten Hologramme verschiedene Knochen des menschlichen Körpers und sogar ein paar echte Pflanzen standen verstreut umher. Auf einer Seite befand sich eine Untersuchungsliege für Dr. Fenchels private Patienten, wie sie auch zuhauf in den Heileinrichtungen der Akademie zu finden waren. Die medizinischen Instrumente, die diese Lie­ge umgaben, wollte Gibbli lieber nicht genauer betrachten. Das Herzstück des Büros aber bildete ein großer Tisch mit sechs edlen Stühlen.
Eine kleine Frau mit kurzen blonden Haaren erhob sich und lächelte die Hereinkommenden freundlich an.
„Ah, sehr gut Markus“, sagte sie und rückte ihre Brille zu­recht. Dann schritt sie direkt auf Gibbli zu und streckte ihr die Hand entgegen. „Guten Tag. Ich glaube, wir sind uns noch nicht persönlich begegnet. Mein Name ist Dr. Fenchel und ich leite alle medizinischen Einrichtungen an der Akademie. Du bist Gibbli de Orange, nicht wahr?“
Gibbli nickte kurz, nahm ihre Hand allerdings nicht entge­gen. Die Lehrkräfte der medizinischen Fakultät waren ihr schon immer etwas unheimlich gewesen. Da bildete diese Frau keine Ausnahme. Die Direktorin holte einen altmodi­schen Stift aus ihrem weißen Kittel und schrieb eine Notiz auf ihr Klemmbrett, das sie in der anderen Hand hielt. Ihre Schrift wurde sofort auf ein Dokument übertragen und auf einer Ordnerplatte gespeichert, die in dem Klemmbrett steckte. Misstrauisch betrachtete Gibbli den Stift. Es war ungewöhn­lich, keine holografische Tastatur zu benutzen.
„Setzt euch.“ Dr. Fenchel ließ sich wieder am Tisch nieder und öffnete eine Mappe, die anscheinend auf Folienstreifen gedruckte Unterlagen und sogar alte Kinderfotos von Gibbli enthielt.
Eines der Bilder war herausgerutscht. Es zeigte Gibbli vor einer alten Schiffsschraube stehend, wie man sie vor vielen hundert Jahren für die Schifffahrt benutzt hatte und welche heute den Eingang der Firma ihres Vaters zierte. Sie erinnerte sich noch genau daran. Es war zwei Tage nach ihrem vierten Geburtstag zum Schuljahreswechsel entstanden. Dr. Fenchel schob das Foto schnell zurück in die Mappe.
Markus Brummer packte einen Stuhl und wuchtete sich breitbeinig drauf. Gibbli stellte sich vor, dass der Stuhl laut stöhnte unter dieser groben Behandlung. Hätte er einen Mund, würde er jetzt sicher um Hilfe schreien. Sie bemerkte, dass Dr. Fenchel sie interessiert musterte und beeilte sich, ihr gegenüber Platz zu nehmen.
„Wir warten noch auf Jack. Ah, da kommt er ja schon.“
Nervös senkte Gibbli den Blick, als der militärische Direktor das Büro betrat. Zusammen mit allen drei Leitern in einem Raum, das hatten sicher noch nicht viele Schüler geschafft. Jack Kranch blieb an der Tür stehen und verschränkte die Arme.
„Die Gefangenen waren nicht sehr gesprächig. Aus ihrem Kapitän ist nichts mehr rauszubekommen“, sagte er. „Ich er­fuhr weder ihren Plan noch warum sie sich der Akademie nä­herten. Die sind ganz schön stur. Ich hoffe, diese Befragung wird erfolgreicher.“
„Nun, diese Befragung, wie du sie nennst, wird sicher um einiges netter ablaufen als deine Foltermethoden“, erwiderte die blonde Frau missbilligend.
„Beeilt euch. Ich habe eine Hinrichtung durchzuführen. Sie wurde auf 21 Uhr vorverlegt. Außerdem hätte ich davor Lust auf eine weitere Befragung seines Kommunikationsoffiziers, wie er ihn nennt. Ihr habt eine Stunde.“
„Beachte ihn gar nicht“, sagte Dr. Fenchel, als sie Gibblis entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte. „Möchtest du ein Glas Wasser?“
Gibbli schaute sie düster an. „Nein.“
Sie musste einen Weg finden, dieses Gespräch so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Sky war in größter Gefahr. Nur noch eine Stunde! Und wenn Jack von einem Kommuni­kationsoffizier sprach, dann bedeutete das, dass Abyss wirk­lich noch lebte. Und Jack würde ihn foltern! Vielleicht hatte er auch Nox erwischt. Wobei sein und Bo’s einziges Verbrechen darin bestanden, keine Landmenschen zu sein. Sicher würden die beiden vorerst verschont bleiben.
„Wie fühlst du dich?“, unterbrach die Direktorin ihre Ge­danken.
„Gut“, antwortete Gibbli knapp.
Die Frau blickte sie zweifelnd an. „Ich würde dich gerne untersuchen, okay?“
Gibbli erbleichte und warf einen beunruhigten Blick auf die Behandlungsliege. „Nein!“
„Du musst dich nicht fürchten, ich unternehme nichts, was du nicht möchtest. Vielleicht später, ja? Dann beantworte jetzt einfach meine Fragen, das ist ganz leicht. Möchtest du, dass dein Vater bei dieser Besprechung hier dabei ist? Ich lasse ihn holen, wenn-“
„Nein“, sagte Gibbli schnell.
„Okay. Kanntest du deine Entführer, bevor sie dich mitnah­men?“
Sie schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte sie gesagt, dass niemand sie entführt hatte, um die anderen zu entlasten. Nur sicher würde das nichts an der Hinrichtung ändern. Zudem wäre dann ihre Tarnung aufgeflogen. Vielleicht würde man sie ebenfalls einsperren. Gibbli bemerkte, wie Sir Brummer sich räusperte und seiner Kollegin ungeduldig zunickte.
„Meinetwegen. Gibbli, kennst du dich mit dieser oceani­schen Technologie gut aus?“
Sie zuckte mit den Schultern.
„ANTWORTE!“, brüllte Sir Brummer sie an.
„Markus, bitte misch dich nicht weiter ein, ich leite dieses Gespräch!“
Auf Sir Brummers Glatze bildeten sich rote Flecken. „SIE HAT MIT VERBOTENER TECHNOLOGIE EXPERIMENTIERT! ICH HAB SIE NICHT OHNE GRUND EINGESPERRT!“
„Ich bezweifle stark, dass sie sich damit auskennt. Sie ist wie alt? 14?“, warf Jack von der Tür aus ein.
„RUHE!“, schrie Dr. Fenchel. „Noch ein Wort von euch und ihr verlasst auf der Stelle mein Büro!“ Dann wandte sie sich wieder mit etwas netterer Stimme an Gibbli. „Niemand wird dich hier beschuldigen, Gibbli. Du warst sicher nur neugierig, was diese Technologie angeht. Habe ich Recht?“
Gibbli schwieg.
„Möchtest du, dass ich sie weg schicke?“
„NEIN!“, rief sie sofort und blickte sich kurz zu Jack um. So lange sich der militärische Direktor im Raum befand, hieß das, dass die Hinrichtung noch nicht im Gange war.
„Okay, schon gut. Alles ist gut. Die Entführer haben dich bedroht, oder? Du kannst einfach nicken oder den Kopf schütteln. Hat dich jemand von ihnen verletzt?“
„Nein“, sagte Gibbli stur. Aber ich verletze euch gleich, dachte sie böse.
„Du musst keine Angst mehr haben, du bist jetzt in Sicher­heit. Diese Frage ist sehr wichtig, okay? Ich muss wissen, ob du missbraucht wurdest. Hat sich von den Entführern jemand sexuell an dir vergangen?“
Gibbli schaute sie mit offenem Mund an.
„Gibbli, hat dich jemand vergewaltigt?“, fragte Dr. Fenchel noch einmal.
Sie schüttelte den Kopf und betete, endlich hier raus zu kommen. Sie stand kurz davor, diese dämliche Frau in Stücke zu zerreißen. Während sich die Direktorin weitere Notizen machte, beobachtete Gibbli verstohlen Jack an der Tür. Die Uhr tickte.
„Kann ich jetzt gehen?“, fragte sie ungeduldig.
„Ich kann verstehen, dass dich diese Entführung sehr mit­genommen hat. Aber bevor du gehst, muss ich noch ein paar Dinge wissen. Es dauert nicht mehr lange, ja? Du sagst, dass dich niemand verletzt hat, aber es ist doch offensichtlich. Ich frage dich noch mal, hat dich jemand von den Entführern ge­schlagen?“
„Ja.“ Wenigstens entsprach das der Wahrheit, wenn auch nicht so, wie die Direktorin dachte. Schließlich hatte Gibbli Abyss selbst darum gebeten, sie zu schlagen. Auch wenn es nicht viel gebracht hatte.
Dr. Fenchel nickte. „Deine Verletzungen müssen behandelt werden, das verstehst du doch? Die Blutergüsse in deinem Ge­sicht sehen sehr frisch aus“, sagte Dr. Fenchel. „Wann ist das passiert?“
Jack trat stirnrunzelnd näher. „Sie war nicht verletzt, als wir sie befreiten.“
Gibbli fühlte sich bloßgestellt unter seinem musternden Blick.
Die Direktorin ließ seufzend ihren Stift auf den Tisch fallen. „Ich möchte, dass sie nach diesem Gespräch im Krankenbe­reich untergebracht wird. Und ich will mit ihrem Vater spre­chen. Sofort.“
Sir Brummer schüttelte den Kopf. „Nein. Wir mischen uns nicht in die Erziehungsmethoden der Eltern ein. Wenn ihr Va­ter sie schlägt, dann ist das seine Sache.“
„Hol ihn!“, befahl Dr. Fenchel an ihn gewandt.
Er blieb regungslos sitzen. „Ich habe weitere Fragen an das Mädchen!“
„Das dauert mir zu lange, ihr könnt hier ja ohne mich wei­ter machen.“ Der militärische Direktor drehte sich um.
„NEIN!“, schrie Gibbli und sprang auf.
„Also doch“, murmelte er leise und hielt inne. „Geht.“
Entsetzt sog Gibbli die Luft ein. Sie hatte einen Fehler ge­macht. Sir Brummer wagte es nicht, sich ihm zu widersetzen, stand eilig auf und verließ den Raum.
Dr. Fenchel hingegen blickte ihn entgeistert an. „Du wirfst mich aus meinem eigenen Büro?“
„RAUS HIER!“, brüllte Jack.
Zitternd wich Gibbli einige Schritte zurück, während Dr. Fenchel wütend hinaus schritt. Es war klar, wer von den drei Direktoren das Sagen hatte.
Der militärische Direktor nahm jetzt Sir Brummers leeren Platz ein, beugte sich vor und legte seine Finger aneinander. Dabei ließ er Gibbli nicht aus den Augen.
„Setz dich wieder.“
Mit rasendem Herzen sank sie erneut auf ihren Stuhl.
„Schluss mit diesem verweichlichten Gerede. Das ist eine elitäre Akademie und ich will jetzt wissen, was hier gespielt wird. Dieser bleiche Kerl ist mir schon zu oft entwischt. Ich stehe kurz vor der Durchführung seiner Hinrichtung, die du offensichtlich verhindern möchtest. Warum?“
Gibbli schwieg und blickte stur nach unten auf ihren Schoß. Moment! Sie hob den Kopf. „Abyss? Du lässt Sky am Leben?“
„Ich stelle die Fragen! Und diese harmlose Befragung über den Zustand einer angeblichen Geisel hat sich soeben in ein Verhör gewandelt. Es ist mir scheiß egal wie alt du bist! Wenn du da mit drin steckst, brauchst du von mir keine Gnade zu erwarten. Elvira hatte recht. Meine Foltermethoden sind nicht nett und ich versichere dir, ich habe keine Skrupel, sie-“ Er brach mitten im Satz ab, riss eine Waffe aus seiner Uniform und feuerte.
Erschrocken sprang Gibbli auf und sah, dass das mechani­sche Küken zerfetzt auf dem Tisch lag. Verdammt, das hatte sie ganz vergessen. Wann war es… er wieder in ihre Tasche ge­sprungen?
„Steven“, flüsterte sie leise.
„Verbotene Technologie.“ Jacks Stimme klang bedrohlich. „Ich warne dich, keine Spielchen mehr, ich werde dich-“
„WAMM!“ Seine Worte wurden durch lauten Lärm vor dem Büro unterbrochen. Dumpfe Schreie hallten durch den Gang von draußen herein. Jack sprang auf, packte Gibbli am Arm und zerrte sie hastig mit sich zur Tür. Als er sie öffnete und hinaus lugte, zischte ein Schuss an ihnen vorbei. Draußen herrschte ein heilloses Durcheinander. Zwei leblose Körper lagen am Boden und Soldaten liefen wild umher. Niemand schien so recht zu wissen, wo sich der Angreifer befand oder was überhaupt los war. Irgendwo fiel wieder jemand um und ein zielloser Schuss traf ein Rohr an der Decke, aus dem zi­schend Dampf entwich. Ein brizzelndes Geräusch hinter ihnen erregte ihre Aufmerksamkeit. Auf dem Tisch lag das Küken. Es rauchte leicht und große Funken stoben zwischen den goldenen Rädchen aus dem Inneren hervor. Jack ließ Gibbli los und duckte sich, als es plötzlich Feuer fing und sich dann in einer kleinen Explosion restlos zerlegte. Sie nutzte die Gele­genheit und schlüpfte am Direktor vorbei, in einen der gegen­überliegenden Aufzüge. Schnell schlug sie auf eine Taste. Während die Tür langsam zuglitt, erblickte sie Jacks wütendes Gesicht. Doch er musste zurückweichen, als ein weiterer Schuss durch den Gang blitzte. Dann war der Aufzug zu und Gibbli verriegelte ihn sofort von innen.
Erleichtert stieß Gibbli die Luft aus, als sie feststellte, dass sie den richtigen erwischt hatte, der nach unten in die Gefäng­nisse führte. Na endlich! Mit geschultem Blick erkannte sie die neuen Sicherheitsvorkehrungen. Um ihn in Bewegung zu set­zen, musste man sich durch ein EAG ausweisen und dieses in den vorgegebenen Anschluss stecken. Kein Unbefugter war in der Lage, ihn zu bedienen. Sie wünschte sich Sky herbei, der es sicher geschafft hätte, Jacks oder Sir Brummers EAG mit­gehen zu lassen, wahrscheinlich ohne das selbst überhaupt zu bemerken. Doch es gab eine andere Möglichkeit. Gibbli kram­te in ihrer Tasche nach einem Schraubenzieher, um damit die Konsole zu öffnen.
Er passte nicht.
Dann eben die Abyss-Methode. Sie holte einen kleinen Schweißbrenner hervor und kämpfte sich mit ihm durch die Abdeckplatte der Konsole. Geht doch, dachte sie, als das Ding zu Boden krachte.
Ein weiterer Schrei drang durch die Aufzugverriegelung hindurch. Verdammt, sie musste sich beeilen! Mit geschickten Fingern machte sich Gibbli an den Drähten zu schaffen, schloss dann ihr eigenes EAG an und hackte sich in die Be­dienung. Der Code kam ihr beinahe primitiv vor, dennoch freu­te sie sich, als sich ein Hologramm aufbaute. Hier konnte man die einzelnen Untergeschosse auswählen. Es gab zehn. Jeder kannte die Struktur der Gefängnisse. Je schlimmer das Verbre­chen, desto weiter unten befanden sich die Gefangenen. Na­türlich existierten weitere Stockwerke und nicht alle waren mit demselben Fahrstuhl zu erreichen. Sie würde umsteigen müssen. Gibbli wählte die unterste Ebene aus und der Lift setzte sich in Bewegung.
RUMMS! Sie wurde zu Boden geschleudert. Der Aufzug stoppte kurz, fuhr dann aber normal weiter. Gibbli rappelte sich hoch. Mit einem unguten Gefühl blickte sie nach oben. Für einen Moment war sie der festen Überzeugung, jemand wäre auf den Fahrstuhl gesprungen. In der Decke befand sich eine Klappe für Notfälle. Doch diese bewegte sich nicht. Wäh­rend Gibbli ihr Werkzeug einsammelte, ließ sie das Ding nicht aus den Augen. Endlich hielt der Fahrstuhl und die Tür entrie­gelte sich automatisch. Als sie aufglitt, drückte sich Gibbli schnell gegen die Wand.
Ein Soldat stand mit dem Rücken zu ihr.
Natürlich erwartete dieser eher einen Ausbruch statt einen Einbruch. Sie duckte sich. Während er sich umdrehte, stieß sie sich nach vorne ab und rutschte unter einen nahe gelegenen Tisch. Unglaublich, es klappte, er hatte sie nicht bemerkt! Er­staunt darüber, drückte sich Gibbli weiter zurück in die Schat­ten, während der Soldat verwundert den leeren Fahrstuhl ab­suchte.
Dann bemerkte Gibbli einen weiteren Wachmann. Dieser sah jedoch ebenfalls nicht in ihre Richtung. Das lief zu gut! Sie schlich zu dem zweiten Aufzug. Wenn sie ihn erreichte und nach unten fuhr, könnte sie vielleicht einen Vorsprung er­halten. Sie war fast an der Öffnung angelangt. So nah!
„Halt!“, rief der Soldat, der vor dem ersten Fahrstuhl stand und Gibbli erstarrte. Langsam drehte sie sich um und sah sei­nen Strahler auf sich gerichtet. Jetzt wurde auch der zweite Soldat auf sie aufmerksam. Es war aus.
Plötzlich würgte der erste Soldat.
Irgendjemand schrie: „LAUF!“
Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Gibbli wirbelte herum, rannte in den Fahrstuhl und betätigte den Türme­chanismus. Währenddessen huschte ein dunkler Schatten durch den Raum. Der zweite Soldat feuerte seine Waffe ab und verfehlte ihn nur knapp. Kurz bevor die Öffnung ganz zuglitt, kam er in den Fahrstuhl geschlittert. Die letzten Schüsse des Soldaten trafen die Außenseite der Tür.
„Nox!“, rief Gibbli aufgeregt.
Er war pitschnass. „Gutes Timing“, knurrte er mit seiner ausgetrockneten Stimme und rang durch sein Atmungsgerät nach Sauerstoff.
Gibbli holte ihren Schweißbrenner hervor, um wie schon im anderen Aufzug die Abdeckplatte zu öffnen.
Draußen klopfte jemand heftig gegen die Fahrstuhltür.
„Das dauert zu lang“, sagte Nox, fuhr mit seinen Krallen kurzerhand in das Metall und riss die Platte beiseite. Dabei fielen Tropfen zu Boden. Gibbli erkannte sofort, dass es sich dabei nicht um Wasser handelte. Nox war nicht nass, er war über und über mit Blut bespritzt. Auf seiner fast schwarzen Haut konnte man das nur nicht richtig erkennen.
„Ist nicht meins“, sagte er und schüttelte angewidert ein paar Tropfen von seinen Füßen.
Gibbli wollte lieber nicht wissen, wie vielen armen Men­schen er in die Quere gekommen war, um hier herein zu ge­langen. Sie schloss ihr EAG an, um sich in die Bedienung zu hacken. Ein helles Licht durchbrach die Fahrstuhlwand.
„Du bist nicht die einzige mit Werkzeug, beeil dich!“
Das Hologramm erschien und Gibbli wählte schnell die letzte Ebene aus, das 20. Untergeschoss. Der Soldat hatte be­reits ein beachtliches Stück der Wand aufgebrannt, als sich der Aufzug endlich in Bewegung setzte.
„Dachte nicht, dass dieser verrückte Einfall von Abyss funktioniert.“ Nox lachte auf. „Dass Bo darauf einsteigt, bewusste mir. Aber Sky…“
Gibbli blickte ihn düster an. Es war also Abyss‘ Plan gewe­sen, seinen Verrat und Tod vorzutäuschen. War klar, dass nur er sich so etwas Verrücktes ausdenken würde. „Warum hast du mich gewarnt?“
„Der Zirkus vorkam mir kindisch. Wäre ich darauf einge­stiegen, säße ich jetzt auch hier irgendwo hinter Gitter.“ Er warf ihr einen Chip zu. „Abnahm ich einem Soldaten. Ich glaube, damit verschließen sie die Gefängnisse.“
Überrascht erkannte Gibbli, dass es sich um eine der alten elektronischen Karten handelte, mit denen die Soldaten da­mals auch ihre Zelle verschlossen hatten. Anscheinend hatten sie die Schlösser an den Zellen gar nicht ersetzt.
Als der Fahrstuhl abbremste, machte sich Nox bereit, hinaus zu springen. Die Verriegelung öffnete sich, doch drau­ßen war es dunkel und totenstill. An den Decken leuchtete nur noch eine einzige der Neonröhren. Soldaten gab es hier keine.
Nox packte einen Tisch und stellte ihn mitten in die Fahr­stuhlöffnung, so dass sich die Tür nicht mehr schloss. „Das aufhält sie eine Weile.“
„Sicher nicht lang“, sagte Gibbli. Irgendwann würde jemand den Schutzmechanismus umgehen und der Aufzug würde trotzdem losfahren oder die Soldaten kämen einfach den Schacht herunter geklettert. Sie schaltete das Licht ihres EAGs ein.

Ich freue mich außerdem über jeden Pieps deiner Anwesenheit hier. Schreib mir doch einen Kommentar. Was denkst du gerade?


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3