Kapitel 16: Gibbli wird zum Oca (Bis in die tiefsten Abgründe)

Eine silberne Klinge schoss keinen Millimeter an ihrem Kopf vorbei. Das Ding verfehlte Djego, der sich duckte, nur knapp. Er ließ Gibbli los. Ein weiteres Messer flog durch die Luft und riss ihren Pullover auf. Es streifte ihre linke Schulter und schrammte über die Haut, einen tiefen Schnitt hinterlassend. Während Djego davon rannte, stolperte Gibbli nach hinten und presste die Hand auf die Wunde. Doch es tat kaum weh. Abyss' Gesicht wirkte furchterregend, als er auf sie zutrat. Er streckte Gibbli bedrohlich seine langen Finger entgegen.
"Geh weg!" Sie stützte sich am Boden ab und kroch rückwärts von ihm davon.
"Du hast dich sehr verändert, während ich weg war." Der Klang seiner Stimme passte hervorragend zu der Miene, mit der er vor ein paar Minuten noch Jack angefunkelt hatte.
"Abyss!", sagte Sky warnend, der jetzt hinter ihm auftauchte.
"Du willst, dass ich gehe?", fragte Abyss leise.
Nein verdammt, sie wollte ihren Bruder zurück, den sie kannte, nicht diesen Kerl hier, der ihr weh tat. Ihm schien ihr Blick nicht zu gefallen. Wütend zog Abyss die Augen zu Schlitzen. Er wollte gerade auf sie zustürzen, doch in diesem Moment wurde er sich der Waffe bewusst, die der Kapitän ihm an den Schädel hielt. Gibbli rappelte sich auf die Beine und trat zögernd auf die beiden Männer zu.
"Du wirst sie nicht anfassen, Abyss", befahl Sky scharf.
Langsam hob Gibbli einen Arm. Ihre Hand berührte Skys Finger. Er gab nach, als sie den Strahler ein Stück zur Seite schob. Der Kapitän trat einen Schritt zurück, die Waffe jedoch weiterhin erhoben und sofort bereit einzugreifen. Abwartend beobachtete er, was sie vor hatte. Doch Gibbli hatte selbst keine Ahnung, was sie tat. Wie sie Abyss davon überzeugen sollte, ihr zu glauben, dass sie mit Djego nicht zusammen war, wie der Soldat das genannt hatte. Abyss bewegte sich nicht. Und er berührte sie nicht, obwohl er direkt vor ihr stand. Wie schon bei dem Gespräch mit Jack war sie erstaunt, wie genau er die Befehle des Kapitäns befolgte.
"Sky mag der Kapitän sein. Aber um meinen Willen durchzusetzen, muss ich euch nicht führen", sagte er. Seine grauen Augen fixierten die ihren. "Ich könnte dich alles machen lassen, was ich will."
"Das könntest du", gab Gibbli mit schwacher Stimme zurück.
"Vielleicht möchte ich das aber nicht. Wenn es sein muss, dann kann ich auch sehr, sehr, wirklich sehr viel Geduld aufbringen."
"Und was willst du?"
Eine Weile blickte er sie an, ohne etwas zu sagen. "Es geht darum, was ich will, dass du willst. Mein Ziel ist, dass ich deines bin. Und das könnte ich niemals mit Gewalt erreichen."
Ohne den Blick von ihm abzuwenden, zeigte sie auf ihre Schulter "Du hast mich verletzt." In einer warmen Linie lief das Blut an ihrem Arm entlang und versickerte im Stoff des aufgeschlitzten Pullovers.
Abyss' Miene änderte sich für einen Moment. Kurz dachte sie, er hätte die Kontrolle über sich wieder erlangt, als wäre er der alte. Doch er war immer der alte gewesen, das wusste sie. Und das bedeutete auch, er hatte sie mit Absicht getroffen. Eine goldene Gestalt trat aus einer Seitenwand heraus und Abyss' Körper spannte sich wieder an. Steven blieb stehen, als er die Waffe in Skys Händen erblickte und ein Messer in Abyss' Fingern. Dann legte er den Kopf schief und grinste, als sein Blick auf Gibblis Wunde fiel. Doch keiner beachtete den Oceaner.
"Ich ... Verzeih mir. Bitte", sagte Abyss.
"Du manipulierst mich." Gibbli wäre fast ein 'Okay' herausgerutscht.
"Natürlich tu ich das!", fuhr er sie an. "Weil ich nicht anders kann!"
"Abyss!" Sky hob warnend seine Waffe.
Abyss' Stimme wurde wieder ruhiger. "Und ich werd's solange tun, bis du nachgibst, bis ich dich erreiche. Bis du mir endlich vertraust."
Gibbli verstand es nicht. "Du weißt genau, was du sagen müsstest, damit ich alles tun würde, was du verlangst. Was du willst." Aber er sagte es nicht. Das bedeutete, er mochte sie nicht.
Er schüttelte leicht den Kopf. "Du hast keine Ahnung, was ich will, Gibbli."
"Du willst, dass etwas schief läuft." Dass schlimme Dinge passierten, Tabus brechen. Abyss wollte leben. Etwas erleben. Er wollte nicht, dass alles perfekt lief, das wäre ihm zu langweilig. Langsam sprach sie weiter. "Du willst die Gefahr spüren. Du willst das gleiche wie Steven."
"Du vergleichst mich mit ihm? Das verletzt mich, Mädchen! Dieser dumme Mensch ist-" der Oceaner bracht ab, als er sah, dass Sky warnend den Kopf schüttelte.
Abyss beachtete keinen der beiden. Noch immer durchbohrte er Gibbli mit seinem Blick, als wollte er ihr damit die Haut aufreißen und ein Loch in sie hinein graben. "Nein. Ich sehne mich nach dem genauen Gegenteil davon. Meine Handlungen mögen den Anschein erwecken, dass ich ein direkter Mann bin. Jemand, der Dinge nicht vorausplant. Jemand, der zuschlägt, bevor er nachdenkt. Jemand, der alles auf sich zukommen lässt und das Leben nimmt, wie es passiert. Jemand, der mit allen Situationen klar kommt. Jemand, wie dieser kack Goldklumpen ..."
("Hey!", warf Steven ein.)
"... der es lustig findet, wenn Menschen leiden. Jemand, der gerne überrascht wird. Das denkst du doch, oder nicht? Aber ich verrate dir etwas, Gibbli. So jemand bin ich nicht. Ich HASSE unerwartete Situationen! Das ist es, was gute Pläne ausmacht. Hast du dir je überlegt, dass es meine Absicht ist, dass ich die Leute genau so über mich denken lasse? Dass ich ihnen vorspiele, ich sei spontan? Brutal? Unberechenbar? Und dass ich das tue, um sie leichter manipulieren zu können?"
Unsicher beobachtete sie Abyss, hatte das Gefühl, er würde jeden Moment auf sie losgehen. Doch offensichtlich gehörte das nicht zu seinem Plan. Gibbli bemerkte, wie der Kapitän seine Waffe hinter ihm sinken ließ. Sky hatte sie gewarnt, damals auf Oca bei den Mog. Sie hatte es nicht glauben wollen. Abyss war nicht spontan, er war jemand, der sich doppelt und dreifach absicherte, ohne dies jedoch andere wissen zu lassen.
"Nun, Sky hat sich darüber Gedanken gemacht. Er hat mich schon lange durchschaut. Frag deinen Kapitän. Er hat seine Leute wirklich im Griff. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich immer erreiche, was ich will, Gibbli. Und ich versichere dir, kein einziger meiner Pläne ist bisher gescheitert. Und dieser wird es auch nicht. Ich bin nicht Steven."
Der Oceaner stemmte empört seine Hände an die Seiten.
Bebend öffnete sie den Mund, doch sie wusste nicht, was sie sagen sollte. In diesem Moment war es ihr völlig egal, ob er sie manipulierte oder nicht! Ihretwegen konnte er alles machen, er war doch ihr Bruder!
"Du sagtest vorhin, du willst, dass ich gehe?", fragte Abyss plötzlich. "Gut. Dann gehe ich."
"Was ...", rief sie. Was sollte das denn bitte bedeuten? Sprach das nicht genau dem entgegen, was er gesagt hatte? Er wollte sie erreichen und dann ging er? "Abyss!"
Bevor Gibbli etwas tun konnte, drehte er sich um, rauschte an Sky vorbei und ging eiligen Schrittes von ihnen fort. Sky verzog das Gesicht, als hätte ihm dieses Gespräch nicht gefallen, und rannte ihm nach. Abyss wollte sie nicht mehr sehen. Also hasste er sie? Gibbli lief den beiden Männern hinterher.
"Hey, bleib stehen, Mädchen!" Steven holte sie an der nächsten Ecke ein und hielt sie fest. "Du solltest besser nicht-"
"Nein!", knurrte Abyss von weitem.
Gibbli riss sich los und eilte um die Ecke. Abyss und der Kapitän standen am Ende des Ganges und stritten. Der Oceaner tauchte hinter Gibbli auf und hielt sie wieder fest, damit sie nicht näher heranging.
"Ich akzeptiere kein Nein!", fuhr Sky Abyss an.
"Und ich hab keine Lust darauf, noch länger eine Schachfigur in deinem lächerlichen Weltherrschaftsspiel zu sein. Ich verschwinde", entgegnete Abyss dem Kapitän.
"Du wirst gefälligst hierbleiben! Du kannst nicht verschwinden! Der ganze Planet wird auseinanderbrechen!"
"Dieser verdammte Planet ist mir scheiß egal!"
"Dieser Planet ist unsere-"
"Belanglos! Sky! Hör mir zu, du weißt das. Ich würde alles geben, alles! Für nur eine einzige Sekunde. Mein Leben, dein Leben, den ganzen Planeten, wenn ich nur für einen winzigen Augenblick, nur einen Herzschlag lang ... in dem sie mich nicht als das sieht, was ich offensichtlich bin."
"Schweig", sagte Sky leise.
"Ich kann es nicht ändern. Ich will es nicht ändern. Dennoch mach ich es nicht, niemals, ich halte das aus, Sky."
"Sag es nicht."
"Weil ich sie liebe. Ich liebe sie."
Gibbli hielt inne.
"Als Schwester", flüsterte der Kapitän.
Abyss schwieg und legte die Stirn in Falten.
"Als Schwester", wiederholte Sky. "Antworte!"
"Worauf denn bitte?", rief Abyss.
"Du liebst sie als Schwester, richtig?"
"Ich versteh dich nicht! Was willst du hören?" Abyss' Blick fiel jetzt auf Gibbli, die wieder anfing zu versuchen, sich von Stevens Griff zu befreien. Dann drehte er sich wieder Sky zu. "Sie braucht mich nicht!"
"Sie braucht dich! Mehr als-"
"Unsinn! Ich ertrage ihren Anblick keine Sekunde länger! Ich bin raus." Abyss ging davon und verschwand im nächsten Gang.
"Abyss!", rief Sky und fuhr sich verzweifelt mit beiden Händen durch seine Dreadlocks. Dann rannte er ihm hinterher.
"Was?", rief Gibbli, ebenso verzweifelt. "Warum sagt er das? Warum brauche ich ihn nicht? Abyss ist mein Bruder!"
Steven blickte sie mitleidig an, dann lachte er traurig. "Ich werde nie verstehen wie Menschen so blind sein können."
Verständnislos betrachtete sie den Oceaner.
"Er ist mehr als das. Das war er schon immer, mein Schatz."
Mehr? Was für ein Unsinn! Wie konnte jemand mehr sein, als ein Bruder? Dafür gab es keine Steigerung!
Plötzlich heulte er auf. "Ohhhh, das ist ja so schrecklich! Ich bin zutiefst betrübt, dass er ging, mein trauriges Menschlein, ohhhh, so schlimm!" Seine Miene änderte sich. Dann lachte er. "Nicht. Natürlich freue ich mich. Dein Mensch ist weg! Haha, endlich nervt er mich nicht mehr!"
In Gibbli brodelte mit einem Schlag Hass hoch. "Es ist deine Schuld!", schrie sie ihn an. "Wegen deiner dummen Aufgabe!"
Sie versuchte, seinem Griff zu entkommen. Doch Stevens Finger gruben sich fester in ihre Schultern und drückten schmerzhaft auf ihre frische Schnittwunde.
"Oh nein, Mädchen! Das ist nicht mein Fehler, du-" Er hielt inne und erstarrte.
Gibbli blickte panisch auf. Sie spürte es. Er spürte es. Sie beide spürten es. Dann begann Steven zu grinsen. Ungefiltert brach seine Kälte über ihren Körper herein. Er drückte sie nach unten, allein mit seinen Gedanken, berührte sie nicht einmal mehr.
Jack hatte die Störsender abgeschaltet.
Gibbli ging in die Knie. Mit einem Mal wurde sie sich bewusst, wenn er seine Macht zurückerlangt hatte, dann hatte sie es auch. In Gedanken befahl sie einigen Geräten, sich zu erheben. Um die beiden herum begann es zu surren.
Steven starrte sie begeistert an: Der Blick eines irren, geisteskranken Mörders!
Sie würde gegen ihn kämpfen, bis zum bitteren Ende. Die Wellen traten aus ihrem Kopf aus und sie lenkte das befehlende Feld zu einem der surrenden Geräte. Es schoss auf den Oceaner zu. Er hob die Hand und wischte es mit der Kraft seines Geistes beiseite, lange bevor es ihn erreichte. Mit voller Anstrengung ließ sie die restlichen Flugobjekte auf ihn zurasen. Zu Gibblis Entsetzen ruckte Steven nur einmal kurz mit dem Kopf und die faustgroßen Maschinen stoben von ihnen davon, prallten an die Wände und sackten zu Boden. Mit geballten Fäusten ließ Gibbli ihr Glühwürmchen aus der Werkzeugtasche schweben. Das kleine Ding war ihre einzige Chance! Es schoss mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf Steven. Doch er lachte. Statt es zu stoppen, fing er es mit nur zwei Fingern in der Luft ab. Der Oceaner drückte die beiden Finger genussvoll zusammen und zerdrückte ihre Erfindung, bis nur noch Staub davon übrig war. Mit bedrückender Langsamkeit rieselte dieser von seiner sehnigen Hand aus zu Boden und durch die Gitter hindurch. Steven hatte gelogen. Er konnte es steuern. Und Gibbli begriff, was sie nicht wahrhaben wollte: Damals am Lagerfeuer hatte dieser Irre sich absichtlich von ihr verletzen lassen! Er hatte zugelassen, dass sie ihn mit ihrer Erfindung traf und seine Haut aufschrammte. Wenn er es nicht wollte, hatte absolut niemand eine Chance gegen ihn. Weder sie, noch sonst jemand aus der Crew.
Gibbli gab sich einen Ruck und sprang an ihm vorbei. Mit aller Kraft, die sie noch aufbringen konnte, rannte sie los.
Steven folgte ihr nicht. Freudestrahlend betrachtete er seine Hände, während Gibbli so schnell wie möglich von ihm fort hastete.
Schwindelig stürzte sie durch die Gänge. Doch sie blieb nicht stehen und lief immer weiter, bis sie sein hysterisches Gelächter nicht mehr hören konnte.
Und dann stand plötzlich er vor ihr: Djego.
Gibbli schluckte und sofort wünschte sie sich den Oceaner zurück. Djegos Blick wirkte anders. Dunkler und entschlossener. Nicht mehr so lässig wie sonst. Er sah sie an, wie ein Jäger seine Beute ansah. Und ihr wurde sofort bewusst, dass mit dem Abschalten der Sender auch ihr Einfluss auf Menschen zurückgekehrt war. Wie ein verschreckter Kugelfisch starrte sie ihn an. Vergessen war all die Kraft, all das Training, das Sky ihr beigebracht hatte, als Djego ihr plötzlich seine Waffe an die Stirn hielt. Sie konnte oceanische Dinge bewegen, ja. Oder hätte es gekonnt, doch all ihre Kraft schien beim Versuch, sich gegen Steven zu wehren, verbraucht worden zu sein. Und Strahlen aufhalten, die nicht für elektromagnetische Wellen empfänglich waren, war sowieso nicht möglich.
"Wenn du dich bewegst, drücke ich ab. Verstanden?"
"Verstanden", brachte sie kaum hörbar hervor. Ihr Atem wurde flacher, schneller. Seine türkisfarbenen Augen, nur wenige Zentimeter vor ihr, raubten Gibbli jegliche Kontrolle über ihre Worte. "Warum?"
"Jack will deinen Tod", sagte Djego leise. "Er gab mir den Auftrag, dich zu ihm zu bringen oder dich zu töten. Das tat er bereits vor einer ganzen Weile. Ich hielt mich zurück. Ich erfand Ausreden. Aber ich habe das hier zu lange hinausgezögert. Ich hätte niemals warten sollen, bis dein dämlicher, alter Liebhaber zurückkehrt."
"Er ist nicht mein ... Du hättest mich längst ... längst töten können, du ...", stotterte sie.
"Ja. Das hätte ich wirklich tun sollen", stimmte er zu. "Zu deinem Glück wollte ich aber etwas anderes von dir. Das ist seltsam, plötzlich will ich es noch mehr als vorher. Als hättest du dich verändert. Und mit einem Mal, ich spüre es in diesem Moment, wird mir klar, eigentlich ist mir dein Leben egal. Jetzt habe ich erkannt, dass ich es mir genauso gut holen könnte, wenn du tot wärst. Ich überlasse dir also die Wahl. Willst du leben oder willst du vorher sterben. Für mich macht es keinen Unterschied mehr, ich habe es satt zu warten! Ich habe versucht, es dir leichter zu machen, dich zu überzeugen, aber wie es aussieht, ist das nicht möglich. Ich werde mir jetzt nehmen, was ich begehre, ohne deine Zustimmung. Ich mag dich, darum lasse ich dir diese letzte Wahl. Also, entscheide dich. Jetzt."
Gibbli zitterte. "Leben", flüsterte sie.
"Dreh dich um. Eine falsche Bewegung und du bist tot. Ich hätte das schon tun sollen, nachdem ich dich bewusstlos schlug. Ich dachte, ich könnte dich noch überzeugen. Mein Fehler."
Er warf sie herum und presste sie gegen die goldene Wand des Ganges. "Du warst das! Du hast Sky angeschossen!" Gibbli fühlte sich plötzlich wie gelähmt.
Dann ging alles ganz schnell. Er zog an ihrer Hose. Bevor sie reagieren konnte, fielen ihre Werkzeugtaschen zu Boden. Sie wimmerte. Im nächsten Moment hielt er ihr den Mund zu. Gibbli krallte sich in seinen Arm, als sie den Schmerz zwischen ihren Beinen spürte. Sie schrie in seine Hand hinein. Weg, war ihr einziger Gedanke, fliehen! Sofort! Und sie floh. Floh, zu Bo, floh in ihren Geist hinein. Sie war die blaue Frau, mit dem Marahang in der Brust. Doch mit Entsetzen erkannte Gibbli, dass Bo keine Luft atmete. Sie hatte Ocea erneut verlassen. Die Hybridenfrau tauchte durch Wasser! Gibbli spürte das kühle Nass in ihre Lunge fließen. Das war schrecklicher als ihre eigene Situation! Nox' Stimme erklang in ihren Gedanken, vorwurfsvoll. Warum, sie gekommen war, sie würde alles nur schlimmer machen, seine Versuche noch zum Scheitern bringen. Gibbli verstand nicht, worum es ging, ihre eigenen Schmerzen lenkten sie zu sehr ab und es fiel ihr schwer, in Bo's Körper zu bleiben. Offensichtlich wurden sie von anderen Tiefseemenschen verfolgt. Nox sprach weiter mit Bo, rief ihr zu, flieh, schneller, schneller, sie kommen näher, flieh! Und wieder floh Gibbli. Für einen Moment spürte sie Djego an ihrem Rücken, in ihr, den stechenden Schmerz zwischen ihren Beinen und dann erschien er. Rod. Sie blickte in seine schrecklichen, grünen Augen. Dieser Mann packte sie in Gedanken, packte Mara und tauchte sie unter, immer wieder und wieder. Die Gedanken überwältigten Gibbli und sie schrie, Mara schrie in ihrem Kopf, während das Wasser sie erstickte, das Wasser in Bo, in Maras Vergangenheit, während dieser Rod sie verletzte, während Djego sie brach. Und der Alptraum von Maras Erinnerung wurde für Gibbli Realität.
Es schliff an seiner Haut entlang, in ihn hinein. In Djego, den sie irgendwann einmal irgendwie gemocht hatte. In einer anderen Zeit. Er fluchte, schlug nach der Kugel aus und traf sie mit seiner Waffe. Das kleine Sonnenstück, das Gibbli sich aus lauter Verzweiflung aus der Luft geschnappt hatte, zitterte und flog eine scharfe Kurve. Dann jagten Gibblis Gedanken es erneut auf ihn zu. Djego wich zurück. Während er den Gang entlang von ihr weg rannte, traf er es wieder. Dort in der Ferne blitzte die leuchtende Kugel auf. Ein kleiner Funke sauste durch die Luft. Es stoppte, bewegte sich noch ein Stück nach vorne. Dann drückte die Gravitation das Sonnenstück unbarmherzig gegen den goldenen Boden. Dort lag es, kaputt. So wie sie hier stand, gegen die kalte Metallwand Oceas gelehnt.
Kaputt.
Blut rann an ihren Oberschenkeln hinab. Sie hatte versagt. Der Drang weinen zu müssen, zu wollen, stieg in ihr hoch. Doch es kamen keine Tränen. Als gäbe es nur noch diese Leere, diese ausgetrocknete, rissige Haut. Nein, nicht einmal die. Vakuum. Keine Gedanken mehr. All das Wasser in ihrer Lunge hatte sich scheinbar aufgelöst. Die Lunge selbst war fort. Das Blut und die Adern, in denen es einst floss, gab es nicht mehr. Keine Organe mehr, die weh tun konnten. Kein Herz mehr, das für ihn schlug. Nie für ihn geschlagen hatte, nicht für dieses Monster.
Und dennoch, da! Da, in dieser Leere, hing es. Zwischen ihren Rippen. Schlug weiter. Unaufhörlich drang das Klopfen durch alles hindurch, was zu erreichen war. Und es schrie noch immer. Leise, aber es schrie. Und jetzt erst verstand Gibbli, was es schrie. Es hatte schon immer geschrien. Immer das gleiche. Seit dem ersten Schlag, als diese grauen Augen direkt in es hinein geblickt hatten. Ein Schrei, der bereits lange vor dieser Leere existiert hatte, ungehört, überdeckt von allem anderen. Jetzt jedoch gab es nichts mehr, hinter dem er sich verstecken konnte. Nichts mehr, was im Stande war, diesen Schrei zu übertönen. Klar und deutlich fuhr er durch sie hindurch. Immer wieder brüllte es seinen Namen, den Namen ihres Bruders. Ihr Abgrund, ihr sicherer, beschützender Abgrund, in dem niemand sonst sie erreichen konnte. Klopf. Klopf. Klopf. Abyss. Abyss. Abyss.
 
Gibbli wusste nicht mehr, wie lange sie da stand, bewegungslos, und seinem Namen lauschte. Das Blut war längst getrocknet. Ihr Kopf fühlte sich leer an, als würden ihre Gedanken still stehen. Irgendwann realisierte sie, wo sie sich befand: In der Stadt. Allein. Was, wenn Djego zurückkam? Nüchtern betrachtete sie ihre Kleidung. Gibbli zog sich langsam an und band sich ihre Werkzeugtaschen um. Sie verdeckten das Blut etwas. Dann ging Gibbli davon. Mit offenen Augen und leerem Blick. Ein Schritt nach dem anderen. Das Gehen schmerzte. Jeder Tritt verursachte einen Stich zwischen ihren Beinen. Sie musste die oberen Stockwerke erreichen. Nein, selbst dort oben würde Djego einen Weg hinein finden. Sie musste in die Mara. Sie musste zu Abyss und Sky und den anderen. Doch ihre Schritte trugen sie hoch zur Plattform, als würde irgendetwas sie von dort aus anziehen.
Und tatsächlich, da stand er, über den Dächern der Stadt.
Ein paar Meter vor ihm blieb sie stehen. Das Portal weiter hinten gab ein seltsames Knistern von sich. Alles in ihrer Umgebung erwachte langsam zum Leben. Die vielen Maschinen begannen zu arbeiten. Helle Lichter schalteten sich ein und Vorrichtungen begannen sich zu drehen. Doch Gibbli interessierten sie nicht mehr. Oceas Schätze konnten ihr gestohlen bleiben.
"Abyss", flüsterte sie.
Die langen, blonden Haare hingen zerzaust von seinem Kopf herab. Er drehte sich nicht zu ihr um. Über den Geigenkoffer gebeugt sah es aus, als würde er packen und seine Worte bestätigten es ihr: "Verschwinde. Ich verlasse die Crew."
"Ohne mich?", fragte Gibbli kaum hörbar.
"Ich halte es nicht aus, in deiner Nähe zu sein." Der ablehnende Klang seiner Stimme schickte einen schmerzenden Stich durch ihre Brust hindurch.
Gibbli spürte, wie etwas in ihr zerbrach. "Du gehst wegen mir."
"Ich erreiche dich nicht mehr. All diese Geheimnisse. Erst mit Steven und jetzt mit diesem ... dieser ... braunlockigen Fratze."
"Abyss er hat ... er ist ..."
Abyss schlug den Geigenkasten lautstark zu und Gibbli zuckte zusammen. "Ich will es nicht hören", knurrte er und jedes Wort schnitt in ihren Körper hinein, fuhr über jeden Millimeter ihrer Haut und hinterließ tiefe Schnitte, wie sein Messer es an ihrer Schulter getan hatte. "Ich will nicht wissen, was er mit dir macht, was er für dich ist! Darum ging es nie. Ich gehe."
"Abyss, ich ... nein, tu das nicht ... du ..."
"Sag mir nicht, was ich tun soll!", fauchte er und Gibbli verstummte, als er mit voller Wucht etwas gegen die Wand warf.
Es prallte klimpernd davon ab und landete nicht weit von Gibblis Füßen entfernt. Die kleine Sonne war verbogen. C.D. stand drauf. Gibbli erkannte Djegos Anstecker sofort wieder, den Sky ihr vor einer halben Ewigkeit gegeben hatte. Sie hatte völlig vergessen, ihn zurückzubringen.
Noch immer stand Abyss da, von ihr abgewandt. Er schien tief einzuatmen, um sich zu beruhigen. "Ich tu was ich will. Und wenn ich wollte, würdest du dich winden unter meinen Fingern. Ich könnte alles mit dir machen und du wärst nicht im Stande, dich zu wehren. Aber das ... will ich nicht."
"Dreh dich um, bitte, Abyss dreh ...", wieder brach sie ab.
"Nein", sagte er leise. "Nein, Gibbli. Zwing mich nicht, dich ansehen zu müssen. Es schmerzt mich. Das wolltest du ja sowieso nie, mich ansehen. Und ich will nicht, dass du mein Gesicht so siehst. Ich will dich nicht traurig machen. Ich wollte immer nur, dass du glücklich bist, dass du lachst."
Er nahm seinen Koffer. Gibbli öffnete den Mund. Dann ging er einfach weg. Ohne sie auch nur einmal anzusehen. Ohne sich auch nur noch einmal nach ihr umzudrehen. Er ging. In dem Moment, in dem sie ihn am meisten gebraucht hätte, ging er.
Und seine Worte von damals hallten durch ihren Kopf, nachdem er die Plattform längst verlassen hatte: 'Ich werde hinter dir stehen. Immer. Egal was du machst. Egal was du über mich denkst und egal was es wagt, sich zwischen uns zu stellen. Wenn du fällst, fange ich dich auf. Auch wenn du das nicht willst. Ich tu's trotzdem.'
Ich bin gefallen, dachte sie, und du fängst mich nicht auf. Sinnlose Sätze, die nichts mehr bedeuteten. Lügen. Leere Worte, die sich auf ihren ganzen Körper erstreckten. Hohl. Verlassen. Tot. Jetzt gab es gar nichts mehr in ihr. Das Herz, das nach ihm schrie, gefror. Und Gibbli wurde zum Oceaner, zum Oca, der sie immer gewesen war.
 
Die Hülle ihres Körper schritt durch die Gänge der Stadt. Irgendwann stand sie vor den Schleusen der Mara, wo Steven sie hineinließ. Sie trat ein. Steven. Genau der Mann, den sie jetzt brauchte.
"Was ist passiert, Mädchen?", fragte er sofort und betrachtete sie abschätzend.
"Stell keine Fragen", antwortete Gibbli kalt.
Die beiden standen sich im Gang zwischen dem MARM und der Zentrale gegenüber. Es kümmerte sie nicht, ob er merkte, was passiert war. Vielleicht hatte er das Blut gesehen. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ihren emotionslosen Blick. Vielleicht hörte er, dass ihr Herz vor Verzweiflung trotz all der Leere irgendwie noch immer schrie. Nicht wegen Djego. Niemals wegen ihm. Das, was Abyss ihr angetan hatte, war tausend Mal schlimmer. Djego hatte nie die Macht besessen, sie so sehr zu verletzen, wie Abyss es getan hatte.
"Deine Aura hat sich verändert, ich spüre es. Was ist passiert?", wiederholte Steven die Frage.
"Ich habe eine Aufgabe für dich, Oca!"
"Nett. Aber du bist nicht dran."
"Ich bin dran!", fuhr sie ihn an.
Steven grinste. "Du hast ihn nicht geküsst. Du wolltest es nicht. Er hat dich geküsst. Ich hab euch beobachtet."
"Das ist mir scheiß egal!" Es berührte Gibbli nicht, auch nicht, dass er sie beobachtet hatte. Nichts berührte sie mehr.
"Der Kapitän hört es gar nicht gerne, wenn du so redest, nein, das tut er nicht."
"Es interessiert mich nicht mehr, was der Kapitän gerne hört und was nicht! Halt dein Maul und lass mich die Aufgabe stellen!"
"Nein, Mädchen. Das geht nicht. Du verletzt die Spielregeln. Diese besagen, dass ich einen Gefallen einfordern darf. Du hast es versucht und bist gescheitert."
"Du verdammtes Arschloch! Dann sag mir, was ich tun soll! Ich mache es! Was willst du, dass ich tue?"
Misstrauisch betrachtete er sie. "Okay. Gut. Ich will, dass du mir zeigst, dass du Schmerzen liebst. Zeig mir, wie du sie genießt, Mädchen."
Gibbli hob ihren Kopf und verzog den Mund zu einem schaurigen Grinsen. Nichts leichter als das. Ohne sich von ihm abzuwenden, zog sie das Messer aus ihrem Stiefel. Sie hob es an und hielt es ihm vor die Nase. Dann streckte sie ihren rechten Arm aus, die Innenseite nach oben und rammte es mitten durch ihre Handfläche hindurch. Gibbli zuckte nicht einmal mit der Wimper. Ganz langsam zog sie es wieder heraus, ihre Mundwinkel noch immer unbekümmert gehässig nach oben gezogen. Es tat weh. Es blutete. Aber sie spürte es kaum. Das war nichts gegen das, was er ihr angetan hatte. Was Abyss ihr angetan hatte! Ihr Bruder, der einzige Mensch im ganzen Universum, dem sie halbwegs vertraute, hatte sie im Stich gelassen, als sie ihn am dringendsten gebraucht hätte.
Ungläubig öffnete Steven den Mund. "Das ... kam unerwartet." Fasziniert hob er seine goldenen Finger und streckte sie nach ihrer Hand aus.
Sofort trat Gibbli einen Schritt zurück. "Fass mich nicht an!", schrie sie.
"Schon gut", der Oceaner winkte ab.
"Bist du jetzt glücklich? Darf ich dir jetzt deine Aufgabe stellen?"
Er betrachtete angeekelt die kleine Pfütze ihres Blutes am Boden und nickte dann. "Ja. Klar. Soll ich jemanden für dich aufschlitzen? Den Kapitän? Oder vielleicht diesen Menschenjungen?"
"Nein." Zufrieden ließ Gibbli das Messer sinken.
"Ich könnte ihn-"
"Nein." Für einen Moment hatte Gibbli tatsächlich daran gedacht, ihm diese Aufgabe zu stellen. Doch es gab jetzt etwas Wichtigeres, etwas, das sie Djego vollkommen vergessen ließ. "Hol Abyss zurück."
"Vergiss es", sagte Steven sofort.
"Hol ihn zurück!"
"Aber es ist doch wundervoll, dass er uns nicht mehr belästigt! Oh ja, was immer du von ihm willst, du kannst es auch von mir haben, Mädchen. Ich genieße jede traumhafte Sekunde ohne diesen-"
"Das ist deine verdammte Aufgabe! Also führ sie aus!"
Er schüttelte den Kopf. "Ich wähle die Strafe."
"Dann wird es Zeit, meinen Gefallen einzufordern. Du erinnerst dich?"
Steven verschränkte die Arme. "Jetzt?"
"Wann ich will und wo ich will."
"Und was willst du?", fragte er genervt.
"Ich will, dass du Abyss zurückholst."
"Nein, nein, nein. Unmöglich."
"Du gehst und du wirst nicht ohne ihn zurückkehren."
"Sinnlos! Dieser beschränkte Mensch würde sowieso niemals auf mich hören."
"Dann sieh es als Herausforderung."
"Das ist doch lächerlich, Mädchen, das ist-"
"Ich schwöre dir, ich zieh dir deine jämmerliche, goldene Haut ab, wenn du es nicht tust!" Ihre Worte klangen so fest, dass Steven erstaunt seine haarlosen Augenbrauen hob.
"Das ist dein Ernst", stellte er fest. "Du meinst das, was du sagst. Du wirst das wirklich tun." Beeindruckt lachte er auf.
Natürlich würde sie das tun! Was dachte dieser dämliche Haufen von Gold?
"Okay. Ich mache es. Ich liebe diese Kälte. Jetzt denkst du wie ein Oca, das ist mein Mädchen. Holen wir diesen beißenden Hund zurück." Er drehte sich um und verschwand durch eine Wand in den MARM hinein.
Erschöpft schloss Gibbli für einen Moment die Augen und fragte sich, was eigentlich ein Hund war. Dann betrachtete sie ihre Hand. Sie hatte das Messer ernsthaft mitten hindurch gestochen. Beide Seiten bluteten. Die Haut an ihren Fingern fühlte sich fremd an. Und nicht nur an ihren Fingern, überall. Sie einfach abzuziehen wäre jetzt schön. Weg, weg von ihr! Sie wollte sich waschen. Seine ekligen Berührungen wegspülen. Aber das bedeutete, alleine ins Badezimmer zu gehen, und Wasser war gerade das letzte, was sie auf ihrer Haut spüren wollte. Entschlossen hob Gibbli den Kopf und öffnete die Tür zur Zentrale.


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Sterne zeichnen – Inchies auf schwarzem Zeichenpapier (Fabriano Black Black, POSCA Marker)

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

In den letzten Tagen hatte ich Lust drauf, wieder ein paar Sterne zu zeichnen. Entstanden sind diese 25 Inchies. Ich habe dafür einen neuen Zeichenblock ausprobiert, das Fabriano Black Black Papier. Mein Plan ist, auch den Rest des Blockes mit vielen Sonnen zu füllen.

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

Da ich noch nicht weiß, was genau ich mit den Inchies anfange und ob ich sie überhaupt ausschneide, habe ich die Ränder mit Tape abgeklebt. Dadurch sieht die Seite am Ende etwas ordentlicher aus.

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

Zuerst zeichne ich erst mal den Himmel, der hier am Horizont etwas heller sein soll. Für die Übergänge bei den Farbverläufen benutze ich meinen Wassertankpinsel. Neben Schwarz und Weiß verwende ich für die Inchies folgende Farben: Marineblau, Blau und Smaragdgrün.

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

Infos zur Farbe: Ich habe durchgehend die deckenden POSCA Marker benutzt. Genaueres zu den Stiften findet ihr hier: POSCA Marker Test - Deckende Farben auf Wasserbasis

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

Als nächstes spritze ich etwas weiße Farbe über die Inchies. Das werden die ganz kleinen Sterne im Hintergrund und somit die Grundlage für den Himmel. Am Boden zeichne ich kleine Hügel ein, auf denen dann die Beobachter stehen konnten. Anschließend schenke ich jedem Inchie noch drei kleine Menschlein.

Jetzt fehlen noch die Sterne. Dafür verwende ich einen weißen Marker und einen Zahnstocher. Damit sie auch schön leuchten, zeichne ich um einige der Sterne noch einen Schein herum, mit einem weißen Albrecht Dürer Aquarellstift von Faber Castell.

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

Infos zum Papier: Es handelt sich hier um einen Block vom Black Black Zeichenpapier von Fabriano. Es ist 300g/m² schwer, also einigermaßen dick und schön glatt, ohne groß sichtbare Struktur. Es besitzt eine matte, unbeschichtete Oberfläche. Für die Herstellung werden lichtechte Pigmente verwendet, das schwarz sollte also einigermaßen Sonnenfest sein. Für Inchies bzw. kleinere Bilder erscheint es mir ganz geeignet. Allerdings denke ich, dass es nicht viel Wasser verträgt. Mein Eindruck ist, dass trockene Medien ganz gut funktionieren. Eines meiner Inchies war etwas zu nass, das merkt man auch leicht auf der Rückseite. Bei größeren Aquarellbilder wird sich das Papier also vermutlich etwas wellen.

Und hier noch die fertigen Motive ohne Tape:

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie

inchies auf schwarzem papier (fabriano) mit posca marker von sockenzombie


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Kapitel 15: Das Treffen (Bis in die tiefsten Abgründe)

Gibbli hatte keine Ahnung, wo er abgebogen sein könnte oder ob er vielleicht sogar das Stockwerk gewechselt hatte. Sie musste ihn finden!
Plötzlich erschien jemand vor ihr, mit dem sie überhaupt nicht gerechnet hatte. Irritiert blieb Gibbli stehen. Wasser tropfte nach unten und am Boden bildete sich eine kleine Pfütze.
"Bo?"
"Gibbli!"
Über die blassblaue Haut rannen noch vereinzelte Tropfen. Ihre Augen strahlten in einem grellen Orangeton. Erstaunt betrachtete Gibbli die schwarzen Haare, die Bo's Glatze jetzt vollkommen bedeckten. Und dann brach auch schon der Redeschwall über sie herein.
"Endlich finde ich jemanden! Wo seid ihr alle? Ich war kurz auf der Mara und auf der Plattform und überall ist es wie ausgestorben, bin gerade zurückgekommen. Wir haben es versucht, also ich, tagelang, die wollen nichts mit uns zu tun haben! Sie geben uns die Schuld für diese Schlacht beim Mönch. Viele von ihnen sind damals gestorben. Ich versuchte es trotzdem, aber die haben mich gejagt! Das wird nicht funktionieren, wie Sky sich das vorstellt und Nox ist - oh Gibbli, wie siehst du aus? Was ist los mit dir?"
"Ich-"
"Bist du krank? Warum bist du so dürr? Und so blass? Gibbli, was ist passiert? Warum bist du hier eigentlich allein?"
"Es geht mir hervorragend!", murmelte Gibbli genervt, als Bo endlich Luft holte.
"Du willst also nicht darüber reden. Habt ihr kein Essen mehr? Wo sind denn alle? Nicht mal Sam ist da!"
"Sam ist auf der Mara. Sie schläft bestimmt wieder irgendwo."
"Warum?"
Gibbli zuckte mit den Schultern. "Bo, ich muss Abyss finden!"
"Okay, ich helfe dir suchen. Und Sky. Er muss es erfahren, es dauert nicht mehr lange, ich spüre es."
Gibbli fragte nicht nach, was nicht mehr lange dauern würde, es war ihr egal, wovon Bo sprach. Sie dachte nur noch an Abyss. Wahrscheinlich würde er nie wieder mit ihr reden. Bestimmt wollte er sie nie wieder sehen. Aber sie musste es versuchen, sie musste ihm erklären, ja was eigentlich? Dass sie das nicht mit Absicht gemacht hatte? Sollte sie ihm von dem Spiel erzählen? Das konnte sie nicht, dann würde das mit Stevens Name rauskommen. Und irgendwie tat es ihr schon wieder leid, dass sie Djego ernsthaft geschlagen hatte. Er konnte doch nichts dafür, oder? Stevens Aufgabe hatte das alles ausgelöst. Die beiden stiegen weiter nach oben, um den Soldaten auszuweichen. Abyss würde sicher nicht mitten in Jacks Leute hineinlaufen. Verdammt, doch. Genau das würde er tun, wenn er diese unberechenbare Miene aufsetzte. Und da gab es etwas in seinem Gesicht, das Gibbli nicht deuten konnte, nicht deuten mochte. Etwas Trauriges, Verzweifeltes. Würde er sein Versprechen brechen und dieses Zeug wieder trinken?
"Manchmal redet er weniger als du. Aber ich habe ihm vielleicht zu viele Fragen gestellt. Er wollte mir nicht erzählen, wie sein Vater und meine Mutter sich kennen lernten. Ich möchte es doch so gerne wissen."
"Wo ist eigentlich Nox?", fragte Gibbli und unterbrach Bo in ihrem Selbstgespräch. Sie erinnerte sich daran, dass Samantha gesagt hatte, er wäre nicht dort, wo der Kapitän ihn hingeschickt hatte. Erst jetzt bemerkte sie, dass Bo's Halbbruder tatsächlich nicht hier war. Dann fiel ihr auf, dass sie ja gerade von ihm gesprochen hatte.
"Nox ist zu den Tiefseemenschen! Ich verstehe nicht, warum er unbedingt dorthin zurückwill. Er schwamm mir einfach davon, als wir bei den Hochseemenschen waren! Er hielt es von Anfang an für sinnlos, aber ich musste es doch versuchen. Keine Sorge, ich werde ihn schon holen, nur erst muss ich Sky davon erzählen. Wir müssen bereit sein zum Aufbrechen, wir müssen hier weg! Die Frage ist nur wohin? Ich spüre lediglich diese Wand!"
"Welche Wand?"
"Ich verstehe nicht, wie er seinen eigenen Tod nicht sehen kann. Nox kapiert es nicht, er meint, dass die Gabe so nicht funktioniert, dass es anders kommen kann, aber-"
"Still!", unterbrach Gibbli ihre Worte.
Sie befanden sich im zweiten Stockwerk von oben und Gibbli glaubte, etwas gehört zu haben. Die beiden schlichen zwischen zwei Gebäuden in einen Seitengang hinein und versteckten sich hinter ein paar großen Maschinen. Von dort aus krochen sie weiter nach vorne. Da war es wieder, das Geräusch. Ein seltsames Atmen! Gibbli zog ihren Strahler.
"Seit wann hast du-", begann Bo.
"Schhht", zischte Gibbli.
Wieder ertönte dieser schluchzende Laut, wie ein lautes Einschnaufen durch die Nase. Und dann sah sie ihn. Er saß am Boden, halb unter einer Ablagefläche verborgen. Mit dem Rücken lehnte er gegen eine der Konsolen an der gegenüberliegenden Seite des breiten Ganges. Gibbli stutzte, als sie sein Gesicht erkannte. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und vergewisserte sich mit einem weiteren Blick, dass das wirklich er war. Abyss weinte? Nein, sie täuschte sich bestimmt. Da waren keine Tränen zu erkennen. Doch Gibbli konnte sich auch nicht daran erinnern, ihn je so gesehen zu haben. Normalerweise wurde er wütend. Nein, dachte sie, er hatte geweint, als der Mönch starb, oder? Aber das hatte sie nicht gesehen. Aber warum sah er jetzt so fertig aus? Sie hatte alles falsch gemacht, oder? Bo erblickte ihn ebenfalls und wollte aufspringen, doch Gibbli umklammerte ihr Handgelenk, zog sie zurück. Kopfschüttelnd bedeutete sie Bo, still zu sein. Abyss war nicht mehr alleine. Da kam jemand auf ihn zu!
Die Waffe in ihrer Hand begann zu zittern. Gibbli dachte zuerst, es wäre ein Soldat, doch dann erkannte sie Sky.
Der Kapitän schritt auf Abyss zu und hielt ihm ein Tuch entgegen. "Hier."
Abyss riss es ihm aus der Hand. "Was soll ich damit? Engagierst du mich jetzt als Putzkraft für die Stadt?"
"Du bist zu alt", antwortete Sky leise und setzte sich neben ihn unter die Konsole.
"Zum Putzen?"
"Abyss."
Abyss starrte auf das Tuch in seinen Händen. "Ich werd dreißig, Sky. In ein paar Wochen."
"Du bist fast zehn Jahre jünger als ich."
"Neun Jahre, ein Tag und drei Stunden."
"Dein Gedächtnis ist hervorragend."
"Natürlich. Ich muss mir schließlich auch viele fast der Wahrheit entsprechende Geschichten merken."
"Du wärst so gut gewesen. Ich verstehe nicht, warum sie dich nicht annahmen. Bei deinem Talent hättest du zehn Stipendien bekommen können."
Abyss schwieg einen Moment, dann sagte er leise: "Vielleicht haben sie das ja."
Sky runzelte die Stirn. "Erkläre das."
Abyss zuckte mit den Schultern. "Ich war genau zwei Tage auf der Akademie. Zwei Tage und fünf Stunden. Die größte Verschwendung meines Lebens, bis ... naja, du weißt schon."
"Du warst ... nur wegen ihm dort. So hast du es also getan."
"Mhm."
"Es sollte mein erster Fall werden, aber ich war nicht im Stande, die Ermittlungen zu leiten. Jack hat das übernommen. Kurz bevor er zum Führer ernannt wurde."
Abyss nickte.
"Jack wusste immer, dass du es warst. Aber er hat es mir nie erzählt."
"Er konnte es auch nie beweisen", murmelte Abyss.
"Zu deinem Glück."
"Das war sicher kein Glück."
"Manchmal bist du arroganter als Steven. Also warfen sie dich nicht raus."
"Nein. Ich bin gegangen. Ich wollte nie auf die Akademie."
"Es ging dir nur darum, ihn zu erwischen. Ich verstehe das. Es ist okay."
"Ja. Du wusstest bereits, dass ich es war. Nicht dass ich mich deswegen schuldig fühlen würde, ich tu's nicht, aber warum hast du mich trotzdem in deine Crew aufgenommen?"
"Ich denke, du weißt warum."
Abyss starrte wieder auf sein Tuch.
"Das verstehe ich nicht", flüsterte Bo.
Gibbli schüttelte den Kopf, damit sie still war. Sie verstand ebenfalls nicht, worum es ging, doch offensichtlich kannte Abyss den Grund, denn er nickte.
"Du liebst mich", sagte Abyss leise.
Sky fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. "So etwas nennt man Freundschaft, Abyss."
"Natürlich", murmelte Abyss sarkastisch. "Mir war nicht bewusst, dass eine Freundschaft gewisse Dinge beinhaltet, wie-"
"Wann begreifst du das endlich?", fuhr Sky ihn genervt an. "Noch ein Wort darüber und-"
"-und was? Willst du mir den Mund zukleben? Für sie würde ich es jederzeit wieder tun."
"Ich will damit sagen, dass es sinnlos ist, darüber zu sprechen. Nach welchem Befehl hast du gehandelt? Nach meinem, Abyss! Ich bin dein Vorgesetzter, vergiss das nicht. Nein, spare dir die Erwiderung, dass du niemandem folgst, denn du folgst mir."
Abyss atmete tief ein und sagte düster: "Natürlich Sir, was immer du verlangst, mein geliebter Kapitän."
"Hör auf, mir die Worte im Mund zu verdrehen", sagte Sky ruhig.
Abyss' Stimme war kaum zu hören, als er nach einer Weile flüsterte: "Ich wollte es nicht, Sky. Ich wollte das nicht."
"Ich weiß."
Abyss senkte den Kopf und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare.
"Aber darum geht es jetzt ebenfalls nicht", fuhr der Kapitän fort. "Nicht darum und auch nicht darum, was damals geschah."
"Was damals geschah. Ouh ... das wollte ich allerdings schon. Dafür wirst du von mir keine Entschuldigung hören."
"Hatte ich auch nicht erwartet", sagte Sky.
"Diese Lockenkopffratze hat zu der Zeit sicher noch in seine dreckigen Windeln gemacht."
Sky nahm einen tiefen Atemzug und sagte dann: "Ich nehme an. Er ist ziemlich genau zehn Jahre jünger als du."
"Ist doch egal. Wie kannst du so einen Scheiß wissen?", murmelte Abyss, während er sich mit dem Tuch über seine Stirn wischte.
"Ach, das weißt du nicht? Du merkst dir auch nur, was du dir merken willst." Sky schmunzelte, dann wurde sein Blick wieder ernst. "Und ich merke es mir nicht, Abyss. Ich zeichne diese Daten auf. Das ist meine Pflicht. Jeder Flottenführer führt Logbucheinträge. So etwas könntest du dir auch angewöhnen."
"Ganz sicher nicht." Abyss lehnte sich nach hinten an die Wand und schloss die Augen. "Wir haben nicht mal ein Viertel unseres Lebens hinter uns. Das ist nichts."
"Für uns ist das viel", gab der Kapitän zu bedenken. "Männer wie wir sterben nicht an Altersschwäche. Ich sage dir, wie du sterben wirst. Mit einer Kugel im Kopf oder einem Messer im Rücken."
"Oder durch Gift", stimmte Abyss leise zu. Für ein paar Sekunden sagte niemand etwas. Dann öffnete er die Augen und sah Sky an. "Es sollte mir egal sein. Das war es doch immer. Mein ganzes Leben lang. Dein Vater war es und all die anderen, die danach kamen. Und die Sache mit Jack lässt sich ... sicher irgendwann regeln. Vielleicht. Aber das hier, ist es nicht. Es ist mir nicht egal. In meinen Träumen sehe ich ihn, Sky. Wie er sie in seinen Armen hält. Wie sie ihn anlacht. Mit dem Lachen, das ich ihr schenkte! Das Lachen, das ... das mir gehören sollte."
Sky schwieg.
"Wenn ich ... wenn ich so alt wäre wie dieser Brettmensch ..."
"Djego", berichtigte ihn der Kapitän.
"Wenn ... wenn ich auf die Akademie gegangen wäre ..."
"Was wäre, wenn. Ein sinnloses Gedankenspiel, das niemals zu etwas führt, weil das wenn nicht ist."
Abyss nickte und starrte dann auf die gegenüberliegende Seite des Ganges. Gibbli duckte sich schnell und versuchte, Bo nicht anzusehen, die leise neben ihr kauerte.
"Du hast zwei Möglichkeiten, Kapitän. Du tötest mich. Jetzt. Oder ich töte ihn."
"Die Menschen denken immer, zur falschen Zeit geboren zu sein", sagte Sky. "Im falschen Jahr. Am falschen Ort. Im falschen Körper ... Aber am Ende stellt sich immer heraus, dass es keinen besseren Zeitpunkt gab als jetzt. Keinen besseren Ort als hier. Und als in dir."
"Ich töte ihn. Ich töte ihn. Ich töte ihn. Ich ..."
Sky packte ihn an den Schultern. "Jetzt reiß dich zusammen!"
"Nein, verdammt, du hast doch keine Ahnung!", fuhr Abyss ihn an.
"Sag das nicht, weil es nicht wahr ist. Und du weißt das! Dennoch muss ich dich daran erinnern, es gibt jetzt Wichtigeres."
Missbilligend rümpfte Abyss die Nase. "Jaja, wir werden alle vernichtet. Scheiß drauf! Geh doch mit dem Goldklumpen seine Weltuntergangsparty feiern!"
"Abyss-"
"Nein, verdammt! Ich schaff das nicht mehr!"
Im nächsten Moment holte der Kapitän aus und schlug zu. Gibbli stieß erschrocken die Luft aus. Abyss kippte etwas zur Seite, den Kopf von ihm abgewandt und machte nicht einmal den Versuch sich zu wehren. Mit offenem Mund starrte er vor sich hin.
"Verflucht!", rief Sky "Wo bist du, Abyss?"
Abyss bewegte sich nicht.
"Falls sie ihn mag, musst du das akzeptieren!"
Langsam hob Abyss den Kopf und die beiden Männer blickten sich direkt an. "Das tut sie nicht. Ich töte ihn."
"Du warst auch einmal kreativer."
"Er hat keine kreative Methode zu sterben verdient."
"Du wirst ihn in Ruhe lassen", sagte Sky eindringlich.
"Es ist falsch! Er ist ein Arschloch!"
"Und du etwa nicht?"
"Ich bin ... ich will ... ich will, dass sie glücklich ist."
"Dann lass es."
"Aber sie wird nicht glücklich mit ihm sein!"
"Dann muss sie das selbst erkennen. Abyss, wenn sie ihn tatsächlich mag und du ihn beseitigst, wird sie dir das nie verzeihen."
Abyss schloss die Augen und lehnte sich wieder zurück. Gibbli hatte das unangenehme Gefühl zu fallen. Die beiden redeten über sie. Und Bo hörte alles mit. Gibbli nahm wahr, wie Bo sie prüfend musterte. Und sie schämte sich vor ihr und vor dem Kapitän.
"Wahrscheinlich verdient Gibbli eine Entschuldigung von mir", sagte Sky nach einer Weile.
"Wieso?", fragte Abyss düster.
"Gestern auf der Mara, ich wollte sie nicht wegschicken, ich war aufgewühlt, als ich erfuhr, was Jack verlangt. Einfach nur weil er es ist. Sie wird das sicher reparieren."
Abyss nickte. "Hat sie schon."
Sky lächelte kurz. "Sie ist gut."
Gibbli schluckte peinlich berührt in ihrem Versteck. Abyss schnaubte und zuckte mit den Schultern.
"Du warst auch einmal gut in dem, was du tatest", sagte Sky angriffslustig. "Stattdessen sitzt du jetzt hier und heulst."
"Ich heule nicht."
"Natürlich nicht, du tust nur so. Ich will, dass du aufstehst."
"Lass mich in Ruhe", erwiderte Abyss müde.
"Das ist im Moment nicht möglich, Abyss. Sag mir, was du planst."
"Nichts."
Der Kapitän packte ihn wieder an den Schultern.
"Rede mit mir! Dein Plan hat sich geändert und ich will wissen, was du jetzt vor hast!"
"Das geht dich einen Scheißdreck an", gab Abyss zurück, jedoch mit so gelassener Stimme, als wäre ihm alles egal. "Mach doch was du willst."
"Was ich will? Ich will den Kerl zurück, der mich anbrüllt, wenn man ihn schlägt! Wo ist er hin?"
"Weg."
"Dann hol ihn wieder her. Weil ich ihn jetzt brauche!"
"Fick dich!", schrie er Sky genervt an.
"Abyss, hast du gehört, was ich eben sagte? Ich brauche dich!"
"Du. Brauchst. Mich?", wiederholte er ungläubig die Worte. "Hast du nicht schon genug von mir?"
"Nein", sagte der Kapitän jetzt etwas ruhiger. "Du wirst mich begleiten. Zu Jack."
Abyss schüttelte langsam den Kopf. "Nein", flüsterte er leise, als wäre es das letzte, was er in diesem Moment tun wollte. "Nein, sicher nicht."
"Ich gehe nicht ohne dich dort hinunter. Lieber würde ich mich tausenden von seinen Leuten stellen, als ihm. Ich kann nicht ... ich werde ihm nicht allein gegenübertreten."
"Ist das ein Befehl, Kapitän?"
Sky schüttelte langsam den Kopf. "Nein, Abyss. Ich bitte dich." Er hielt kurz inne und sprach dann weiter. "Als mein bester Freund."
Abyss blickte ihn ausdruckslos an. "Sky, das ist ..."
"Ja oder Nein?"
Abyss zögerte einen Moment. Dann nickte er. "Aber es wird das letzte sein, was ich für dich mache."
"Einverstanden."
 
"Gibbli", sagte Bo kurze Zeit später, als die beiden Männer hinunter in die Stadt stiegen. "Ich glaube, wir hätten das nicht hören sollen."
"Er kann Djego nicht leiden", flüsterte Gibbli betrübt.
"Dieser Soldat aus Skys alter Flotte?"
Sie nickte.
"Es wird das letzte sein, was er macht. Was bedeutet das?", fragte Bo.
Gibbli zuckte mit den Schultern. Sie zögerte, dann begann sie leise zu sprechen. "Manchmal stelle ich mir vor, wie ich mir den Kopf von meinem Hals reiße, ihn mit Ketten umwickle und eine Botschaft hinein stecke, auf dem MEINS steht und ihn mir dann mit einem Schweißbrenner wieder dran mache. Verstehst du Bo? Meine Gedanken gehören mir! Aber er geht einfach nicht mehr aus meinem Kopf raus!"
Bo musterte sie stirnrunzelnd. "Du hast ihn gern", stellte sie dann fest.
"Nein ... ich meine ... vielleicht, ich ..." Gibbli schüttelte den Kopf "Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn gern haben will."
"Abyss hat dich gerne." Sie sagte das, als wäre es das normalste auf der Welt.
"Nein. Nicht mehr." Nach allem, was sie getan hatte, was Djego getan hatte, konnte Abyss gar nichts anderes tun, als sie zu hassen.
"Das glaube ich nicht. Wir sollten ihnen hinterher und das klären. Und ich muss unbedingt mit Sky sprechen. Gibbli, das was ich dir jetzt sage ist wichtig, also hör gut zu, denn ich werde nicht mehr lange hier sein."
"Wo gehst du hin?"
"Das ist jetzt nicht wichtig. Nox sagt, ich soll es dir nicht sagen, aber-"
"Dann sag es nicht", unterbrach Gibbli Bo's Worte.
"Aber ich hab es gesehen."
"Ist das wie damals, als du gesehen hast, dass ich angeblich hier in der Stadt gestorben wäre?"
"So ähnlich." Bo nickte. "Nox sagt, ich sah deinen Tod, doch du bist nicht gestorben."
"Ich hätte sterben sollen", flüsterte Gibbli.
"Was? Nein, das stimmt nicht. So meinte ich das nicht."
Aber ich meine es so, dachte Gibbli.
"Hör zu, ich dachte es nur. Ich habe das falsch interpretiert. Ich dachte, wenn du in dieser schwarzen Kugel verschwindest ... ich sah nicht, was dahinter kommt. Ich dachte, es wäre zu Ende, nicht, dass dieses Ding ein Portal ist. Ich wusste nicht, was es war. Aber darum geht es nicht. Es geht nicht um dich."
Sie versuchte, Bo zu folgen. Es fiel Gibbli schwer, sich auf ihre Worte zu konzentrieren und nicht abzudriften und den Gedanken zu verfolgen, dass sie vielleicht einfach wirklich hätte sterben sollen. "Um was dann?", fragte Gibbli leise.
"Es gibt einen Punkt, über den ich nicht hinaus sehen kann. Nox kann oder will es nicht wahrhaben."
"Du meinst, nicht ich werde sterben, sondern du?"
"Ich ... ich weiß es nicht. Manchmal habe ich das Gefühl wir alle werden sterben. Aber irgendwie auch nicht. Gibbli, du musst dich an Sky halten. Egal was passiert. Wenn ich ... wenn mir etwas passieren sollte, halte dich immer an unseren Kapitän. Er beschützt uns. Vor allem. Du wirst sehen."
"Geh auf die Mara!" Entschlossen blickte Gibbli sie an.
Bo runzelte fragend die Stirn über diese plötzliche Stimmungsänderung. "Aber ich muss es Sky sagen, wir müssen hier weg und dann wollte ich wieder los und nach Nox suchen."
"Das Marahang könnte Sam vielleicht helfen", sagte Gibbli. "Sie ist doch ständig so müde."
"Sam braucht Hilfe? Warum sagst du das erst jetzt? Du meintest doch, sie schläft nur? Was ist mit ihr?"
"Keine Ahnung."
"Gibbli, das Marahang geht hier nicht! Ich spüre bereits jetzt, wie meine Kraft schwindet, ich dachte eigentlich, dass es wieder funktioniert. Im Gebiet der Hochseemenschen tat es das, aber als ich zurück Richtung Akademie tauchte, hörte es plötzlich wieder auf, sich zu drehen!"
"Das sind die Störsender. Sky will Jack dazu bringen, dass er sie abschaltet. Aber auf der Mara wird es funktionieren. Das U-Boot besitzt einen Schutzschild. Geh zu ihr."
"Und was ist mit dir?"
"Ich ... ich komme gleich nach."
Bo zögerte. Doch Gibbli blickte ihr fest in die Augen und die Hybridenfrau nickte unsicher. Gibbli wartete, bis sie außer Sicht war. Dann machte sie sich ebenfalls auf den Weg nach unten. Doch sie schlug nicht den Weg zur Mara ein. Entschlossen schlich Gibbli durch die Gänge der Stadt. Sky und Abyss würden Jack treffen. Das bedeutete ein Gespräch mit ihnen war jetzt nicht möglich. Aber das war okay. Gibbli würde diese Sache jetzt trotzdem endgültig klären. Sie machte sich auf die Suche nach Djego. Sie würde ihm sagen, dass dieser Kuss nicht beabsichtigt war, dass sie das nicht gewollt hatte. Und danach würde sie sich mit Abyss unterhalten. So wie früher. Sie würde ihm vielleicht sogar sagen, wie sehr er ihr gefehlt hatte. Und danach würde sie Steven zur Rede stellen, ihm sagen, dass er keine neue Aufgabe mehr von ihr bekommen würde und ihm dann so lange auf die Nerven gehen, bis er Gibbli zu dieser Maschine brachte, die er gebaut hatte. Diese Maschine, die angeblich alles vernichten sollte. Alles war reparierbar. Er konnte ihr nicht erzählen, dass es nicht möglich sei. Gibbli bekam alles wieder hin. Sie war gut darin. Sky hatte das gesagt und wenn ihr Kapitän das sagte, dann musste es stimmen. Sky log nicht. Niemals.
 
Gibbli fand Djego in Stockwerk 19. Als sie ihn erblickte, schwand ihr Mut. Kurz taumelnd stützte sich ihr Arm an der Wand ab. Gibbli wünschte sich für einen Moment, sie hätte heute einmal das Frühstück nicht ausgelassen. Dann stutzte sie. Was tat er da? Neugierig trat Gibbli um einen goldenen Tisch herum, um ihn besser beobachten zu können. Djego kauerte auf der Seite eines Weges zwischen zwei Gebäuden und blickte nach unten.
Als er sich nach ein paar Sekunden noch immer nicht bewegte, gab sie sich einen Ruck und sprach ihn an. "Djego?"
Er fuhr erschrocken hoch, sprang ohne Vorwarnung auf und presste sie gegen die Wand des Gebäudes. Bevor Gibbli schreien konnte, hielt er ihr den Mund zu und seine Waffe an den Kopf. Ihre Bewegungen erstarrten. Panik kroch in ihr hoch, als sein Gesicht sich dem ihren näherte. Gibblis Atem beschleunigte sich. Sie spürte die Spitze seines Strahlers an der Seite ihrer Stirn. Langsam wanderte das Metall ihren Körper hinab. Ihre Augen weiteten sich, als er zwischen ihren Beinen innehielt. Unruhig versuchte sie, sich von ihm wegzudrehen.
"Schhht. Kein Grund zur Sorge, Freundin. Ein perfekter Moment, nicht wahr? Wir beide, ganz allein. Möglicherweise der richtige Ort. Aber der falsche Zeitpunkt." Seine Stimme bestand aus nichts weiter als einem Hauch, doch er sprach so nahe an ihrem Ohr, dass Gibbli jedes Wort verstand. "Ich lasse dich jetzt los, aber du musst leise sein. Hast du das verstanden?"
Schnell nickte sie.
"Ich meine das ernst. Kein Mucks, sonst muss ich schießen."
Gibbli schnappte nach Luft, als er sie losließ. Ihre Finger krallten sich an der Wand hinter ihr fest.
'Ich will das nicht!', flüsterte sie mit heißerer Stimme. "Djego, der Kuss-"
Sofort stürzte er wieder auf sie zu und hielt ihr die Waffe erneut an den Kopf. Sie wand sich in seinem Griff.
"Du willst das nicht?", zischte er. "Aber das machen Menschen, die zusammen sind!"
"Ich bin kein Mensch!", wollte sie schreien, doch er hielt ihr wieder den Mund zu. Zusammen sein? Was bedeutete das denn? Sie war allein! Sie brauchte nicht zusammen sein!
"Lass mich dir nicht weh tun müssen. Nicht jetzt, okay? Sei leise, du bringst uns beide in Gefahr." Seine Stimme klang jetzt etwas freundlicher. "Lass uns das später klären, ja? Ich zeige dir etwas. Ein Geheimnis." Seine Lippen berührten für einen Moment ihr Ohr. Djego drehte sich von ihr weg, ohne sich noch einmal nach ihr umzusehen, und trat an die gegenüberliegende Mauer. Dort hockte er sich neben eine Maschine auf den Boden. Er blickte auf und winkte sie mit einer Hand heran. 'Komm her', formten seine Lippen lautlos.
Unsicher wägte Gibbli ihre Möglichkeiten ab. Für einen Moment wurde ihr wieder schwindlig. Dann fiel ihr Blick auf das Loch vor ihm. Es erstreckte sich fast einen Meter breit neben der Maschine am Rand entlang der Wand. Da befand sich eine Lücke im Gitter! Vorsichtig trat Gibbli näher heran, möglichst darauf bedacht, Djego nicht zu berühren. Kurz trafen sich ihre Blicke, als sie neben ihm in die Hocke ging. Sie stützte sich am Rand der Öffnung ab, um hinab zu sehen. Dort erstreckte sich der Hof des darunterliegenden Stockwerks. Und direkt unter ihnen standen die wahrscheinlich mächtigsten Männer des gesamten Ozeans. Der oberste Führer des Landmenschengebietes, Jack Kranch und dessen ehemaliger Nachfolger, ihr Kapitän, Skarabäus Sky.
Aufgeregt wich Gibbli zurück. "Sehen sie uns?"
Djego schüttelte den Kopf und legte einen Finger auf seine Lippen. "Aber möglicherweise können sie uns hören. Verstehst du jetzt, warum ich dir den Mund zuhalten musste?", fragte er kaum hörbar.
Misstrauisch blickte sie ihn an, doch ihre Neugierde siegte. Gibbli beugte sich wieder über die Lücke. Da stand Jack, in seiner Uniform. Und direkt vor ihm Sky. So eindrucksvoll und einnehmend, dass Gibbli die Entschlossenheit des Kapitäns bis hier hoch spürte. Wahrscheinlich wäre jeder, der ihm gegenüber gestanden hätte vor ihm zurückgewichen. Doch es war Jack, der vor ihm stand und Jack würde niemals vor ihm zurückweichen. Die Spannung dort unten konnte nicht größer sein.
"Ich will, dass er geht", knurrte Jack.
"Er bleibt", gab Sky mit rauer Stimme zurück.
Gibblis Blick wanderte weiter nach hinten und fast erschrak sie wieder, als sie ihn erblickte. Da stand Abyss mit einem Ausdruck, den sie bei ihm noch nie gesehen hatte. Sein todbringender Blick schien Jack aufzusaugen. Seine Miene wirkte so kalt, dass Gibbli beinahe zu frieren begann. Wenn sie je gedacht hatte, Abyss würde ihr gegenüber manchmal furchterregend auftreten, um seinen Willen durchzusetzen, hatte sie sich wohl geirrt.
"Deine Respektlosigkeit verletzt mich! Wir hatten abgemacht allein! Ich mag ihn nicht! Er ist unberechenbar", rief Jack missbilligend. "Du weißt, wen ich will!"
Abyss fletschte die Zähne und trat einen Schritt auf die beiden zu. "DU-"
Er hielt inne, als Sky einen Arm hob und ihm bedeutete, ruhig zu bleiben. Dabei drehte sich der Kapitän nicht einmal um, sondern fixierte weiterhin Jack.
"Du kennst meine Antwort, Jack", sagte er, mit einem warnenden Unterton, der Gibbli die Haare aufstellte. "Unterstehe dich, meinen Leuten zu drohen, du sprichst nur mit mir! Wenn du noch einmal an ihn oder an sonst jemanden aus meiner Crew das Wort richten solltest, werde ich dich auf der Stelle erschießen. Ich habe deine Nachricht an Abyss auf dem Informationsstick gelöscht. Und keine Sorge, er wird nicht näher kommen. Er steht dort hinten. Und er bleibt. Ich habe meine Leute unter Kontrolle."
Jack lachte auf. "Du hast ihn unter Kontrolle, ja. Dank meiner Hilfe."
Ohne Vorwarnung schlug Sky zu.
Gibbli stieß überrascht die Luft aus. "Hat er gerade-"
"Sei still!", zischte Djego neben ihr.
"Das war ... gut." Jack rieb sich das Kinn und wischte sich etwas Blut ab. "Mach es noch mal Sky. Da fehlen noch ein paar, meinst du nicht auch?"
Wieder schlug Sky hart zu. Und er tat es nicht halbherzig, wie er es bei Abyss getan hatte, sondern fest. Gibblis Training mit ihm waren dagegen sanfte Berührungen gewesen.
Jack rappelte sich auf. Doch er wirkte nicht wütend, auch wenn ihm die Schmerzen sichtlich zu schaffen machten. "Ich dachte mir ... dass du ... mir nicht alleine gegenübertreten wirst. Darum habe ich Vorkehrungen getroffen."
Hinter ihm tauchten mehrere Soldaten auf und richteten ihre Waffen auf Sky. Dieser blieb unbeeindruckt.
"Nur zum Ausgleich. Du verstehst?"
"Weil wir ja so viel mehr sind", knurrte Abyss und seine Hände wanderten in den dunkelblauen Mantel. Doch ein Kopfschütteln von Sky hielt ihn davon ab, seine Messer zu ziehen.
"Schalte die Störsender ab!", befahl der Kapitän.
"Bleib bei mir und ich tue es", gab Jack zurück. "Du darfst mich auch schlagen, genau hier her." Er zeigte auf seine Wange. "Was meinst du?"
"Nein."
"Dann bring mir das Mädchen und ich denke darüber nach."
"Meint er mich?", flüsterte Gibbli.
"Er will dich töten, schon vergessen?", sagte Djego leise. Mit einem unguten Gefühl registrierte sie, dass er ihr näher gekommen war.
Sky unter ihnen schüttelte den Kopf. "Du rührst niemanden aus meiner Crew mehr an! Nur über meine Leiche."
"Das lässt sich einrichten."
"Nein, das lässt es sich nicht und die Antwort auf das Warum kennen wir beide, Jack."
Ein paar Sekunden sagte niemand etwas. Dann zuckte Jack resignierend die Schultern. "Schön. Meinetwegen. Dann kannst du genauso gut hier verschwinden."
"Nein! Ich habe diesem Treffen zugestimmt! Du erwartest diesen Moment seit Tagen! Ich bin hier. Jetzt. Halte die Abmachung!"
"Aber wir sind nicht allein."
Sky schüttelte den Kopf. "Du vernichtest uns, alle! Du musst sie abschalten!"
Plötzlich packte Djego Gibbli am Arm. "Da kommt jemand!", flüsterte er. "Weg hier!" Bevor sie etwas tun konnte, zog er sie mit sich und sie flüchteten durch eine Gasse zu einer Rampe. Während sie ein Stockwerk nach oben rannten, blickte sich Gibbli um. Für einen Moment glaubte sie, etwas Goldenes mit einer der Wände verschmelzen zu sehen, doch sie war sich nicht sicher. Als sie sich ein paar Schritte später erneut umdrehte, sah sie nur noch die Wand.
Am Ende der Rampe blieben sie im Hauptgang stehen. Gibbli wurde schwarz vor Augen und fast wäre sie umgekippt, hätte Djego sie nicht gestützt.
"Hey, was ist mit dir los? Hat dich jemand getroffen?", fragte er unsicher.
Ein paar Sekunden rang sie nach Luft, dann schüttelte Gibbli den Kopf. "Ich glaube, es war nur Steven." Ihre Sicht verschwamm und sie presste die Augen zusammen, um wieder klar sehen zu können.
Als Gibbli sie nach einer Weile wieder öffnete, hielt Djego noch immer ihre Schultern fest. Ein paar Minuten schienen vergangen zu sein. Sie wünschte sich, er würde sie endlich loslassen.
"Dieser Steven also. Woher genau kommt er eigentlich?"
Gibbli schwieg. Wenn Djego wüsste ... Dann riss sie erschrocken den Mund auf. Gefolgt von einer dunklen Gestalt stürmte ein heller Schatten direkt auf die beiden zu.


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Sockenzombies Skizzenbuch-Tour (Videos): Inhalte von 2013 – 2019

Paperblabks Skizzenbücher von Sockenzombie

 

Ich habe für euch ein paar Videos aufgenommen von bereits vollendeten Skizzenbüchern. Leider sind die Aufnahmen nicht sehr hochwertig, da ich das nur schnell mit der Handykamera gemacht habe, aber ein paar grobe Dinge kann man schon erkennen. Begleitet mich durch die Seiten.

Skizzenbuch von Sockenzombie 2013 - 2017

 

Was kommt in meine Skizzenbücher rein?
Kurz und knapp: Alles. Nachfolgend ein paar Beispiele, die ihr in meinen Skizzenbüchern finden könnt.

  • Storyideen für neue Geschichten und Comics. In meinen ersten Büchern schrieb ich noch normal, mittlerweile verwende ich eine eigens entwickelte Schrift, mit der ich schneller schreiben kann.
  • Notizen und Beschreibungen zu Charakteren und Orten aus meinen Geschichten.
  • Dialoge und Texte für meine aktuellen Geschichten und Bücher.
  • Planung von Projekten und Zeug, das ich noch machen möchte.
  • Ich probiere neues Material darin aus. In diesen Tests entscheide ich meist, ob ich Farben behalte und weiter verwende.
  • Farbtabellen meiner Farben oder auch von anderen Künstlern, die sie mir zuschicken oder die ich mir auf Zeichnertreffen ausleihe.
  • Sticker und Motivpapierfetzen sowie Bilder aus Büchern/Zeitschriften, die ich mir merken will, weil sie mich auf Ideen bringen.
  • Ich finde darin auch hin und wieder Zeichnungen / Gekritzel / Notizen von irgendwelchen Leuten, die sich mein Skizzenbuch schnappen. Manchmal weiß ich gar nicht, wie die da reingekommen sind.
  • Listen von allem Möglichen (Pokemon, alte Todo-Listen, coole Orte, Einkaufslisten, Rezepte, ...)
  • Ideensammlung für Miniaturbilder sowie Comic Storyboards.
  • Notizen zu Vorlesungen (meist über Astrophysik) sowie aus Büchern die ich aktuell lese und die ich mir aus irgendeinem Grund merken will.
  • Ach ja, natürlich findet ihr darin auch Skizzen.


Skizzenbuch von Sockenzombie 2017 - 2018

 

Der Vorteil von Skizzenbüchern ist, man hat alles an einem Platz. Keine herum flatternden Blätterfetzen, die irgendwo in der Wohnung verstreut liegen oder in irgendwelchen Taschen oder Jacken stecken, wo man sie nie findet, wenn man sie sucht. Hin und wieder schreibe ich auch ein Datum dazu, damit ich einen Anhaltspunkt habe, wann ich was geschrieben habe. Aber oft erweitere ich einige Seiten auch oder überklebe sie einfach, wenn sich Dinge ändern oder wenn sich etwas neues ergibt.


Skizzenbuch von Sockenzombie 2018 - 2019

So sieht es momentan aus:
Todo-Listen führe ich aktuell keine und ich besitze auch keinen Kalender. Aktuell verwende ich zwei Skizzenbücher zur gleichen Zeit: Eines für alles Mögliche und ein weiteres zum Üben. Bei ersterem handelt es sich um ein Paperblanks-Buch, ähnlich wie die Bücher, die ihr oben in den Videos gesehen habt. Bei dem anderen handelt es sich um ein Steinpapier-Skizzenbuch, in das ich fast täglich mehrere Posen menschlicher Körper zeichne. Damit ihr euch vorstellen könnt, wie das aussieht, gibt es nachfolgend schon mal einen kleinen Einblick. Sobald die beiden voll sind, werde ich wieder eine neue Video-Tour für euch machen.


Menschen Zeichnen: Übungs-Skizzenbuch von Sockenzombie 2019

 

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Kapitel 14: Einen Kapitän ärgert man nicht (Bis in die tiefsten Abgründe)

Gibbli wollte sich am liebsten erschießen. Sie war dort gewesen, in Mooks! Ein paar Siedlungen weiter lag dieser dämliche Adapter, den sie für den Schutzschild gebraucht hätte, in der Wohnung ihrer ermordeten Eltern. Sie hatte einfach nicht daran gedacht. Wie leicht hätte sie Steven davon überzeugen können, kurz dort anzuhalten und ihn abzuholen. Jetzt war es zu spät. Sie wünschte sich zu Abyss, auf die Mara. Nur mit Mühe schaffte sie es, ihre Tränen zurückzuhalten. Gibbli versuchte, sich abzulenken, und ging mehrere Male ihre Berechnungen zu den Erdbeben durch, die sie für Sky anfertigen sollte. Das Ergebnis trübte ihre Laune allerdings noch mehr.
"Wenn es nach mir ginge, würde ich euch sofort zusammen in einem Raum einschließen, nur um zu sehen was passiert." Steven saß neben ihr auf der Galerie über der Plattform an der Spitze Oceas, hatte seinen Kopf lässig auf das Geländer gelegt und ließ seine Füße nach unten baumeln. "Menschen sind wundervoll. Manchmal steckt mehr Energie in ihnen als in einem Oca. Ich liebe es, wenn dieser törichte Kraftprotz durchdreht."
Du hattest immer Recht, Steven, wir werden sterben, wir müssen einen Weg finden die Maschine abzuschalten, es wenigstens versuchen, auch wenn du behauptest, dass es keine Möglichkeit dafür gibt, wir müssen unbedingt sofort los und Sky davon erzählen, die Berechnungen sind eindeutig! Genau das hätte sie jetzt sagen sollen. "Ich will zu ihm", flüsterte Gibbli stattdessen.
"Mach dir lieber Gedanken um deine Aufgabe, Mädchen. Du hast sie noch immer nicht gelöst."
Seine scheiß blöde Herausforderung, daran hatte sie gar nicht mehr gedacht. Sie wollte auf keinen Fall Djego küssen! Oder? Gibbli schüttelte den Kopf. Wie konnte sie das auch nur je in Erwägung ziehen? "Was muss passieren, damit dieses dumme Spiel endet?"
"Töte mich." Stevens Zähne blitzten golden auf.
"Was?"
"Nun, du kannst dich auch selbst umbringen, Mädchen. Oder es versuchen, denn das würde ich natürlich nicht zulassen."
Wütend zog sie die Augen zusammen. "Es endet also, wenn einer von uns stirbt." Vielleicht wäre es wirklich das beste, zu sterben, dachte Gibbli.
Stevens Blick schweifte in die Ferne und er fuhr träumerisch mit einem Arm durch die Luft. "Denk an die Vorteile. Das solltest du wirklich. Es macht dich mutiger. Und dieses wundervolle Spiel hat dir eine konservierte Hand eingebracht. Wo ist sie eigentlich?"
Gibbli blickte nach unten auf das ausgeschaltete Portal und blieb ihm die Antwort schuldig. Sie hatte keine Lust mehr, mit ihm zu reden. Sie hatte keine Lust mehr, überhaupt mit irgendwem zu reden. Alles ging schief. Und Abyss hasste sie. Die Maschinenfinger für ihn lagen versteckt in einer der Hütten der obersten Etage Oceas. Sie wollte nicht riskieren, sie hier auf der Plattform offen liegen zu lassen. Es fehlten nur noch ein paar Verbindungen, dann würde Abyss sie benutzen können. Wenn er sie denn überhaupt haben wollte.
Eine halbe Stunde später kam Samantha und blieb unter ihnen auf der Plattform stehen. Müde lehnte sie sich an eine Säule und betrachtete Gibbli mit diesem sorgenvollen Blick. Bestimmt würde sie gleich wieder davon sprechen, wie blass ihre braune Haut doch geworden war. Darüber, wie matt ihre Haare seien und dass sie mehr essen sollte. Doch nichts dergleichen passierte.
"Sky hat es geschafft, Abyss zu beruhigen. Euer Kapitän will, dass wir alle auf die Mara kommen. Er ist ... ziemlich sauer."
 
In der Zentrale des U-Bootes trafen die drei auf Abyss und Sky.
"Steven putzt, putzt, putzt", murmelte der Oceaner und sonderte sich von ihnen ab. Er hopste am Tisch vorbei und fing an, unter der Küchentheke an irgendwelchen Gerätschaften herum zu schrauben.
Währenddessen näherte sich Gibbli dem runden Tisch. Ihr Blick fiel dabei auf Abyss. Die Finger ineinander verschränkt saß er da und betrachtete sie mit einem seltsam düsteren Blick, der ihr Unbehagen bereitete. Der Kapitän stand mit dem Rücken am Geländer vor dem Abgang zu den Konsolen hinunter und wandte sich ihnen zu. Er wirkte ruhig. Doch wie Gibbli ihn kannte, hielt er seine Wut zurück. Erschöpft ließ sich Samantha auf der gebogenen Bank nieder. Ein surrendes Geräusch ertönte und Steven kam vom Küchenbereich auf die Bank zu, stieg darauf und balancierte auf ihr entlang. Dann setzte sich der Oceaner einfach mitten auf den Tisch, die runde Kugel hinter ihm schwebend. Gibbli blieb zögernd vor ihnen stehen. Sie traute sich nicht, sich neben Abyss zu setzen. Seine grauen Augen folgten jeder ihrer Bewegungen. Sie sollte dem Kapitän von ihren Berechnungen erzählen, wagte es jedoch nicht, zu sprechen.
"Wir haben noch immer keine Nachricht von Bo und Nox", begann Sky ohne Umschweife. Seine Stimme übertönte das lauter werdende Surren. "Wir wissen nicht, ob sie Erfolg hatten. Ohne die Meermenschen ist unser Vorhaben kaum umsetzbar. Ich muss wissen, ob noch Hoffnung besteht, meinen Plan zu verwirklichen. Besteht Hoffnung, Abyss?"
Abyss wandte den Blick von Gibbli ab, dem Kapitän zu und verschränkte die Arme. Dann schüttelte er leicht den Kopf. Sky forderte ihn auf, von seiner Mission zu berichten.
Abyss begann in knappen Worten zu erzählen. Zusammengefasst, er war katastrophal gescheitert. "Ich musste einige Tiefseemenschen beseitigen, um zu fliehen. Nun ja, vielleicht ein paar mehr als nur einige."
Steven lachte. "Haha, ja, dein Gesicht sieht noch immer aus wie ein Regenbogenfisch!"
Abyss sprang auf und fuhr ihn mit erhobenem Zeigefinger an. "Das ist nur deine Schuld, Goldklumpen!"
"Abyss", sagte Sky warnend.
Abyss schnaubte, ging um den Tisch herum und trat mit verschränkten Armen zu Sky ans Geländer. Gibbli, die ihm jetzt gegenüberstand, widerstand dem Drang zurückzuweichen. Ein kleiner Roboter kam aus dem Küchenbereich auf sie zugefahren. An seinen Seiten war ein Besen angebracht und eine Art Saugvorrichtung.
Steven grinste und hob beide Arme. "Du missverstehst mich, ich meinte das nicht negativ, durchaus nicht, nein. Meinen größten Respekt, ich hätte erwartet, du kommst in mehreren Stücken zurück. Wirklich gute Arbeit, Mensch."
"Gute Arbeit?", wiederholte Sky erbost. Der Roboter fuhr um seine Kampfstiefel herum und zwischen seinen Beinen hindurch. "Hör gefälligst auf, so zu denken! Und schalte dieses Ding aus, es nervt!" Er kickte den Roboter beiseite.
Grummelnd sprang Steven auf. "Ja, ja, erst will er, dass sein U-Boot sauber bleibt und jetzt dürfen wir es nicht putzen."
Abyss blickte den Oceaner abfällig an, als dieser sich bückte und die kleine Maschine aufhob.
Steven drückte auf einen Knopf an dem Staubwischerroboter. Doch dieser surrte einfach weiter. "Ich mache alles glitzernd blank für den Kapitän, aber nein!" Erneut drückte er ein paar Mal auf den Knopf. Doch vergeblich, das Ding schaltete sich nicht ab. "Immer diese Menschen, ständig müssen sie sich selbst widersprechen!"
"Du musst den Hebel da an der Seite-", begann Gibbli leise, doch zu spät.
Der Oceaner warf den Roboter mit voller Wucht gegen eine Wand. Das Ding zersprang in mehrere Einzelteile. Metallstücke und kleine Zahnräder verteilten sich quer über den Boden. Steven zuckte mit den Schultern und setzte sich wieder auf den Tisch.
"Was hast du erwartet, als du uns aufgenommen hast, dass wir uns wehrlos zerfetzen lassen wie beknackte Elitesoldaten?", murmelte Abyss.
"Okay, wir müssen das jetzt klären. Keine Morde mehr! Das gilt für alle! Wenn jemand bedroht wird, dann bedroht ihn meinetwegen zurück. Aber bringt nicht gleich alles um, was sich bewegt!"
"Das funktioniert nicht", Steven fuchtelte mit den Händen in der Luft herum und ballte dann eine zur Faust. "Gleiches mit Gleichem? Zu dumm, dass man niemanden mehr zurück ermorden kann, wenn man selbst davor ermordet wurde."
"Ich stimme ihm ungern zu, aber er hat recht, Sky. Das ist doch Dreck! Nach deiner Gerechtigkeitsscheiße müsstest du auch jemanden zurück vergewaltigen, wenn jemand dich-"
Gibbli riss erschrocken die Augen auf, als Abyss plötzlich aufschrie. Sky hatte ausgeholt und auf ihn eingeschlagen.
"Wahahaha, Menschen." Steven machte einen zufriedenen Gesichtsausdruck.
Schwer atmend hielt sich Abyss am Geländer fest und richtete sich wieder auf. "Sky ..."
"Was?", knurrte der Kapitän. "Was willst du? Du willst wissen, warum ich dich schlage, weil du mich ja nicht geschlagen hast?"
"Das ... das wollte ich nicht sagen", erwiderte Abyss leise.
"Wie viele Menschen hast du bereits geschlagen, Abyss? Ich weiß es nicht, aber sicher zu viele! Es ist mir egal, wofür es genau war, such dir doch jemanden aus, mit dem du jetzt quitt bist."
Abyss lachte auf. "Ist das ab sofort deine Ausrede dafür, mich zu schlagen?"
"Du hast gemordet", sagte Sky langsam. "Du hast ... Sei froh, dass du Mitglied meiner Crew bist! Denn sonst würdest du längst nicht mehr hier stehen."
"Und du bist natürlich perfekt", grummelte Abyss. "Unser Kapitän, der große Held."
"Ich bin weder perfekt noch heldenhaft. Ich habe wegen euch getötet und das weißt du!"
"Nun, ich bin perfekt!", sagte Abyss überdeutlich.
Gibbli trat unsicher einen Schritt zurück. Wenn Abyss mit diesem drohenden Unterton in seiner Stimme sprach, wurde er gefährlich. Und schon gar nicht sollte man in der Nähe stehen, wenn gleichzeitig auch noch der Kapitän in dieser gereizten Stimmung war.
"Ich bin gut, Sky. Und im Gegensatz zu deinen Plänen funktionieren meine immer. Und diese Scheiße von Brot bring ich um, ob du das willst oder nicht!"
Im nächsten Moment zog Sky seine Waffe und richtete sie direkt auf Abyss' Brust.
"Hach, ich wünsche mir ... wie nennt ihr das ... Popcorn!", flüsterte Steven vom Tisch aus. "Ja, genau, wie in euren Kinos..."
Gibbli gelang es nicht, sich daran zu erinnern, ob sie den Begriff Kino irgendwann einmal in einem Kurs gehört hatte.
"Ach, nein das war vor eurer Zeit, als ihr Eliteheinis von Landmenschen noch Spaß hattet. Wenn ich doch nur Nahrung zu mir nehmen könnte ... hey, Menschenfrau, was ist mit dir?" Er stupste Samantha vorsichtig an. "Sie schläft schon wieder."
Samantha hatte ihren Kopf auf die Arme gelegt und die Augen fest geschlossen. Gibbli fragte sich, wie man bei dieser angespannten Stimmung schlafen konnte. Sie stellte sich vor, was passieren würde, wenn sie eine kleine Garnele in Samanthas halb geöffneten Mund krabbeln lassen würde. Schnell wandte sie sich wieder zu den anderen um. Der Kapitän und Abyss standen für einige Sekunden bewegungslos einander zugewandt vor dem Geländer.
"Es reicht, Abyss." Sky drückte den Strahler gegen sein ärmelloses Hemd, um sich ihm noch weiter zu nähern. Ihre Köpfe berührten sich fast. "Wenn du noch einmal so mit mir redest, schieße ich dir dein verdammtes Gesicht weg", sagte der Kapitän ruhig. "Und du weißt, warum ich das eben getan habe, warum ich dich schlug. DU WEIST ES GANZ GENAU!"
Den letzten Satz hatte er ihm ins Gesicht geschrien und Gibbli zuckte zusammen, während Steven ein überraschte "Oh" entfuhr.
"Ja", gab Abyss düster zurück.
Gibbli hatte das Gefühl, dass es hier um etwas ganz anderes ging, als um Abyss' oder Skys Morde.
Langsam senkte der Kapitän die Waffe. Dann wandte er sich von ihm ab und steckte sie zurück in seine Tasche.
"Noch mal, Sky, dir war bewusst, dass wir keine Heiligen sind, als du uns aufgenommen hast." Abyss' Stimme klang nicht mehr ganz so bedrohlich wie zuvor. "Niemand hier", fügte er hinzu und warf Gibbli einen kurzen Blick zu, der sie für einen Moment schwerelos fühlen ließ.
Sky schloss die Augen und blickte dann über die Konsolenreihen hinweg aus dem großen Frontfenster. "Hast du einmal darüber nachgedacht, dass ich euch vielleicht gerade deswegen in meiner Crew wollte?"
Verwirrt kniff Abyss die Augen zusammen.
"Ach ... Jetzt wird es interessant", flüsterte Steven.
Der Kapitän lächelte plötzlich. "Du musst noch viel lernen, Abyss. Es ist immer besser, die richtig üblen Kerle auf der eigenen Seite zu haben als zum Feind. Denn dann hat man sie besser unter Kontrolle."
"Du hinterlistige Kakerlake!", knurrte Abyss.
Samantha schreckte aus dem Schlaf hoch, als Steven aufsprang und jetzt neben ihr auf der Bank stand. "Mich hat niemand unter Kontrolle!"
"Wie schön. Ihr seid euch ja endlich in etwas einig. Vielleicht werdet ihr ja doch noch so etwas wie-"
"Niemals!", riefen Abyss und Steven gleichzeitig.
"- Freunde", vollendete Sky seinen Satz.
"Wo sind Kakerlaken? Ich habe etwas verpasst, oder?", murmelte Samantha nach einer Weile, als niemand mehr etwas sagte.
"Jack ist ein richtig übler Kerl, aber ihm gehst du nicht auf die Nerven", sagte Abyss leise. "Warum lässt du mich ihn nicht einfach abknallen?"
"Er will die Landmenschen nur beschützen", gab Sky zu bedenken.
"Und ich will ihn tot sehen. Und diesen kack Brotmensch auch."
"Er heißt Djego."
"Mir doch egal."
Der Kapitän fuhr sich mit einer Hand durch seine Dreadlocks. "Du machst mich fertig."
Gibbli konnte nicht mehr länger warten, er musste es erfahren, jetzt. "Sky ...", begann sie und Abyss wandte sich ihr sofort zu. Nervös sprach sie weiter. "Sky, es ... es gibt da etwas, was du wissen solltest."
Der Kapitän hob genervt den Kopf. "Ach, jetzt verrätst du mir also endlich, was du angestellt hast. Sprich!"
Gibbli schluckte, zog ihr EAG und öffnete ihre Berechnungen. "Die Abstände der abnormalen Beben verringern sich exponentiell", sagte sie und blickte Sky dabei nicht an. "Man merkt das nicht, wenn man sich am gleichen Ort aufhält, wir ... also ... wir werden die Auswirkungen erst gegen Ende zu spüren bekommen."
"Das bedeutet ..."
"Dass Steven die ganze Zeit recht hatte."
"Natürlich, ich habe immer recht, ich bin ein Genie!" Auch wenn sie es nie aussprechen würde und die verstreuten Einzelteile des Staubwischerroboters nicht gerade dafür sprachen, stimmte Gibbli ihm im Stillen zu. "Im Gegensatz zu euch Menschen. Macht euch keine Hoffnungen. Eure winzige Auffassungsgabe ist nicht heilbar, nein, nein. Die Welt, wie wir sie kennen wird nicht mehr lange existieren."
"Schweig!", fuhr der Kapitän den Oceaner an. Dann nahm er einen tiefen Atemzug. "Gibbli?"
"Sky, ich habe es immer wieder durchgerechnet, aber am Ergebnis ändert sich nichts. Wenn wir diese Maschine nicht abschalten, wenn sie mich oder Steven nicht registriert, dann ..." Sie blickte ihn ernst an. "Wir sterben."
"Wie lange bleibt uns?", fragte Sky mit einer Ruhe, die ihr Angst bereitete.
Sie hielt ihm ihre Berechnungen hin und deutete auf eine Zahl.
Plötzlich ertönte hinter ihnen ein kurzer, schräger Piepton. Gibbli erkannte ihn sofort. Es handelte sich um den Alarm der Mara! Ein Warnsignal.
"Gibbli." Der Kapitän befahl ihr mit einem ruckartigen Nicken, nachzusehen.
Dieser unangenehmen Situation zu entkommen, war ihr nur recht. Sie rannte sofort an ihm vorbei, hinab in die oberste Konsolenreihe. Ihr Finger tippte auf einen Bildschirm. Eine Meldung leuchtete in grellem Orangeton auf. "Das ist ein Text. Ich kann ihn nicht lesen."
"Abyss, übersetzen", befahl Sky, ohne sich vom Platz zu rühren.
Gibbli hörte, wie Abyss sich in Bewegung setzte. Ihr Herz pochte schneller. Bevor sie sich von der Konsole entfernen konnte, stand er schon hinter ihr. Sie spürte seine Wärme an ihrem Rücken und wagte es nicht, aufzusehen. Der vertraute Duft von altem Holz trat in ihre Nase. Abyss' Atem fuhr durch ihre Haare über ihre Stirn, als er sich vorbeugte, um zu lesen, was auf dem Bildschirm stand.
"Da stimmt was mit einer Luke nicht", sagte er leise. "Hier steht, jemand versucht einzudringen."
"Beschränkte Menschen. Das hätte ich euch auch sagen können, aber mich fragt ja keiner."
Sie drehten sich um. Steven legte grinsend seine Hand auf die Kugel über dem Tisch. Der Nebel darin formte sich zu einem Bild. Gibbli erkannte ihn sofort. Djego stand vor der Schleuse und versuchte hinein zu gelangen. Jetzt schlug er gegen die Scheibe und schrie irgendetwas. Doch die Kugel übertrug keinen Ton. Abyss neben ihr murmelte etwas Unverständliches. Gibbli war sich sicher, dass es sich um einen ganz bösen Fluch handelte.
Sky nickte Steven zu. "Hole ihn rein."
Abyss Körper spannte sich gefährlich an. "Das hat man davon, wenn man von der Person des Grauens spricht."
Als die besagte Person des Grauens mit Steven den Raum betrat, presste Gibbli nervös die Lippen aufeinander. Abyss' linke Hand wanderte zu einem seiner Messer.
"Nicht", flüsterte sie, was ihr einen tödlichen Blick von ihm einbrachte.
Doch er ließ das Messer stecken. Währenddessen trat Djego aufrecht vor Sky und beachtete weder Gibbli noch sonst irgendjemanden.
"Ich überbringe eine Nachricht im Namen von Jack. Er willigt ein, die Sender abzuschalten, falls du dich mit ihm triffst. Allein. Auf dem zentralen Hof zwischen den Gebäuden in Stockwerk 18. Und ich sollte auch ausrichten, dass es das letzte Mal sein wird, dass er dir dieses Angebot unterbreitet."
Sky blickte ihn an, sein Gesicht so verschlossen wie fast immer und nicht zu deuten. "Ich will Bedenkzeit."
"Du willst was?", fragte Steven und lachte dann hysterisch auf. "Du bist lustig."
Samantha, die die ganze Zeit über müde dem Gespräch gefolgt war, blickte Sky ungläubig an.
"Kapitän, den Worten dieses ... Außerirdischen zufolge bricht unsere Welt auseinander. Und die Berechnungen der geologischen Abteilung besagen das gleiche", gab Djego Jacks Wunsch Nachdruck. "Nur noch wenige Tage. Mit jedem Beben schwindet unsere Realität ein Stück mehr und es sterben Menschen! Ihr solltet endlich verhandeln, bevor es zu spät ist!"
"Schweigt, seid verflucht noch mal still!", rief Sky aufgebracht. Dann wurde er wieder ruhiger. "Hört auf, meine Worte in Frage zu stellen, ich kann es nicht mehr hören! Ich sagte, ich will Bedenkzeit. Jack bekommt meine Antwort. Morgen."
Djego sah aus, als wollte er ihm widersprechen, dann überlegte er es sich anders und trat eingeschüchtert von seinem Blick einen Schritt zurück. "Ja, Kapitän."
"Geh."
Djego hob seinen Kopf und fixierte für einen Moment Gibbli. Ein Kribbeln stieg in ihr hoch und unwillkürlich wich sie zurück, bis sie mit dem Rücken an die Konsole stieß. Dann drehte er sich um und Steven führte Djego hinaus. Die dämliche Aufgabe kam ihr in den Sinn. Abyss würde ausrasten. Sie konnte das nicht tun, oder?
"Hey!", schrie er auf einmal, packte Gibbli und zog sie zur Seite. Funken stoben aus dem Schaltpult hinter ihr. Abyss hatte sie gerade noch rechtzeitig vor einem Stromschlag bewahrt. Gibbli war mit dem Ellbogen an einen Schalter gekommen und hatte damit irgendetwas ausgelöst. Verdammt, wieso musste sie nur immer so sehr in ihre Gedanken versinken!
Sie hastete wieder auf die Konsole zu. "Ich wollte nicht ... ich ... krieg das wieder hin ... ich ..." Sie würde das nicht reparieren können, das erkannte Gibbli sofort. Das hier war ein Kurzschluss, der aufgrund der Überlastung des Schaltkreises zum Schutzschild der Mara hin aufgetreten war. Ohne den Adapter würde das Ding nicht mehr funktionieren.
"Raus aus meiner Zentrale", knurrte Sky sie plötzlich an.
"Was?" Sie schnappte nach Luft und ging langsam rückwärts, die Rampe hinab, Richtung Frontfenster.
"Warum fährst du sie so an?", fragte Samantha aufgebracht. Sie stand schwankend auf.
"Ich bin nicht laut geworden!", erwiderte der Kapitän genervt.
"Ja, aber mit deiner ruhigen Art machst du die Leute wahnsinnig, das hört sich bedrohlicher an, als wenn du einfach schreien würdest. Ich meine ... tut mir leid, ich bin so müde, worum ging es gerade?", fragte Samantha verwirrt.
"Verschwinde", sagte Sky wieder an Gibbli gewandt.
"Lass sie in Ruhe!"
"Misch dich nicht ein, Abyss."
"Ach, und wer soll das dann reparieren, wenn du sie wegschickst?"
"Steven", antwortete Sky knapp.
"Er?" Abyss schüttelte angewidert den Kopf. "Willst du, dass wir sterben?"
"Wir werden sowieso alle sterben", sagte Steven fröhlich, als er die Zentrale wieder betrat und tapste am Tisch vorbei zu ihnen nach vorne. "Um was geht es?"
"Jetzt haltet verflucht noch mal den Mund! Gibbli, du missachtest erneut meinen Befehl! Geh! Ich will dich heute nicht mehr hier oben sehen. Ich will heute keinen mehr von euch sehen!" Sky drehte sich um und eilte zur Seitentür, um in seinem Raum zu verschwinden.
"Was habt ihr jetzt schon wieder angestellt?", fragte Steven mit einer Stimme, die wohl Skys ähnlich klingen sollte.
Gibbli schüttelte betrübt den Kopf, drehte sich um und eilte hinab, vorbei an den drei Sitzen, um die Baumstämme herum und ins untere Stockwerk. Sie konnte hier ja sowieso nichts machen. Im Gang zwischen dem Badezimmer und der Maschinenräume glitt sie an einer Wand hinab und schloss ihre Augen. Sky musste es erfahren. Das mit dem Schutzschild. Aber sie konnte es ihm nicht sagen. Der Kapitän würde sie nie wieder sehen wollen! Er war jetzt schon so wütend. Und das lag sicher nicht an der Tatsache, dass diese Zeitgravitationsbeben ihren Planeten vernichten würden. Mit den Berechnungen erzählte sie ihm nichts neues, Steven hatte es ihm in seiner übertreibenden Art ständig immer und immer wieder gesagt. Lediglich der genaue Zeitpunkt war neu.
"Sam, lass mich ... ich ... will allein sein", sagte Gibbli, als sie merkte, dass Samantha ein paar Minuten später vor ihr auftauchte.
"Steven hat sich die Konsole angesehen."
"Und?"
"Naja, nachdem Abyss ihn auf einen Ölfleck an seiner Stirn aufmerksam gemacht hat, schrie er herum, er solle ihn wegmachen. Steven ist halb durchgedreht und dann weggerannt, um sich erst mal zu waschen. Du kennst ihn doch, er übertreibt es mit seinen Emotionen. Und materielle Dinge, die unbeabsichtigt an ihm kleben bleiben, findet er eklig."
"Und die Konsole?"
"Keine Ahnung, er hat nichts dazu gesagt. Du bist doch die Technikerin."
"Jetzt nicht mehr, Sam."
"Unsinn. Sky ist nur genervt."
"Er wird mich rauswerfen."
"Das kann er doch gar nicht. Steven ist nicht gut in so was, oder?"
Gibbli zuckte mit den Schultern. "Er macht mehr kaputt als ganz."
"Genau. Er kann einem vielleicht die theoretische Funktionsweise von all dem hier bis ins kleinste Detail erklären, aber wenn es an die praktische Umsetzung geht, hat er zwei Hände ohne Finger."
Ohne Finger. Wie er. "Wo ist Abyss?"
"Er versucht in Skys Raum reinzukommen. Der Kapitän hat sich eingeschlossen."
"Warum lässt er ihn nicht in Ruhe?" Okay, die Frage war dumm, weil Abyss Skys Erlaubnis wollte, Jack umzubringen und Abyss ließ nie jemanden in Ruhe, wenn er etwas wollte.
Samantha zuckte mit den Schultern. "Wenn du möchtest, versuche ich, mit Sky zu reden."
"Nein."
"Soll ich mit Abyss sprechen?", fragte sie, wirkte dabei jedoch nicht so, als würde sie das wirklich wollen.
Gibbli schüttelte den Kopf.
 
Nach einer ziellosen Wanderung durch die verwinkelten Gänge der Maschinenräume, zog Gibbli ihre Stiefel aus. Sie verkroch sich bei ihrer Hängematte, legte sich allerdings nicht hinein. An Schlaf auch nur zu denken erschien ihr wie ein Witz. Stattdessen lehnte sie sich direkt davor am Boden an eine Maschine. Dort, wo er immer lag. Auf seiner Decke. Gibbli schloss die Augen. Hunderte von Gedanken strömten sofort durch ihren Kopf und gaben ihr das Gefühl, dass ihr Gehirn gleich platzen würde. Nach ein paar Minuten entschloss sie sich, wieder aufzustehen. Doch so weit kam es nicht. Als Gibbli ihre Augen öffnete, saß er vor ihr. Einfach so.
"Abyss", flüsterte sie erschrocken.
Wie lange saß er hier schon? Wie schaffte er es immer wieder, sich so lautlos anzuschleichen?
"Hallo Gibbli."
Unsicher beobachtete sie ihn und überlegte, ob ihr Zeitgefühl kaputt gegangen war. Vielleicht hatte sie nur wieder geträumt oder war doch für einen Moment eingeschlafen? War dieser rote Streifen auf dem blassen Gesicht ein Anzeichen von Wut oder nur die Überreste einer seiner zahlreichen Wunden? Wie erkannte man, ob ein Mensch zufrieden aussah oder gleich mit einem Messer auf einen losstürmen würde? Abyss atmete ruhig, doch seine Miene wirkte, als ob ihm etwas an ihr missfiel. Berechnend betrachtete er sie, ohne irgendeine Regung oder auch nur zu blinzeln und Gibbli starrte zurück. Eine halbe Ewigkeit schien zu vergehen und Gibbli dachte schon, sie wären beide zu Stein erstarrt, als er langsam den Mund öffnete.
"Du wirkst zerbrechlicher." Sein Tonfall klang vorwurfsvoll und traurig zugleich.
Abyss war der Einzige, bei dem ihr so etwas auffiel. Jedenfalls dachte Gibbli das. Sofort verspürte sie den Drang, ihn aufmuntern zu wollen. Doch sie hatte keine Ahnung, wie so etwas funktionierte. Und dieses Gefühl, diese unsichtbare Mauer zwischen ihnen, ließ sie alle Vorsicht hochfahren. Gibbli stützte die Hände auf dem Boden ab, jederzeit bereit aufzuspringen.
"Was willst du?" Sie hasste die Unsicherheit in ihrer Stimme und wahrscheinlich klang ihre Frage wieder einmal viel aggressiver als beabsichtigt.
Doch Abyss blieb ruhig. "Begrüßt man so einen ... Bruder?"
Für den Bruchteil einer Sekunde erkannte Gibbli sein vertrautes Lächeln. Dann, sofort, wurde er wieder ernst. Aber diese kurze Regung reichte aus, um etwas in ihr zum Überlaufen zu bringen.
"Abyss, ich hab ein Problem", sprudelte es aus ihrem Mund hervor.
"Du siehst aus, als hättest du mehr als nur eins."
"Ich hab Mist gebaut."
"Die Art von Mist, bei dem dir dein Lockenwickler nicht helfen kann?"
Gibbli presste die Lippen aufeinander und zog die Entscheidung, es ihm zu sagen, zurück.
Das gefiel ihm wiederum nicht. Gar nicht. Sofort änderte sich sein Ausdruck. "Was ist? Der Arsch hat es nicht verdient, dass ich seinen Namen ausspreche!" Abyss beugte sich nach vorne. "Soll ich ihm Essen in den Mund schaufeln, dem Baby? Soll ich es ihm auch noch vorkauen? Einen Knicks vor ihm machen, und ihn mit Euer Hoheit ansprechen, willst du das?"
"Ich hab's verstanden, du magst ihn nicht!"
"Nicht mögen? Nein, ich verabscheue ihn. Abgrundtief!"
Gibbli nickte und zog sich an der Maschine nach oben. Das goldene Metall unter ihren Fingern fühlte sich kalt an. Fast rutschte sie ab, konnte sich gerade noch festhalten. Dann wandte sie entschieden ihren Blick ab und trat an ihm vorbei, um zu gehen.
"Was soll der Scheiß? Hey! Jetzt bleib-"
Er packte im Vorbeigehen ihr Handgelenk und drehte sie zu sich herum. Der Maschinenraum begann sich für einen Moment um ihren Kopf zu drehen. Gibbli wäre geschwankt, doch Abyss hielt sie so fest an den Schultern, dass sie es nicht konnte. Täuschte sie sich, oder waren seine Hände größer geworden? Ihre Finger umklammerten seine Handgelenke, während sie versuchte diese wegzudrücken. Natürlich ohne Erfolg. Am Boden kniend, befand sich sein Gesicht fast auf selber Höhe wie das ihre.
"Warum gehst du jetzt?", fuhr er sie an. "Ich mag es nicht, wenn du schweigst, also rede!"
"Das wollte ich! Ich ..." Sie gab die Versuche auf, sich loszureißen. "Ich wollte dir gerade ein Geheimnis anvertrauen, aber offensichtlich interessiert dich dieser dumme Soldat mehr als ich!"
"Du weißt, dass das nicht wahr ist." Abyss fixierte sie mit seinen grauen Augen. "Ich bin einfach nur ... Was hast du angestellt?"
"Was bist du?", entkam es ihr wütend.
"Ein Idiot? Das höre ich oft, also muss es wohl stimmen. Jetzt sag's mir."
Sie öffnete den Mund und hielt inne. Er schenkte ihr seine volle Aufmerksamkeit, als wäre sie das wichtigste auf der Welt. Abyss wusste genau, wie man jemanden zum Reden brachte. Verschämt blickte Gibbli nach unten auf ihre Zehen. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie ihm mehr verraten, als sie eigentlich wollte. Von Stevens Namen durfte er nie erfahren!
"Gibbli." Seine rechte Hand fuhr zu ihrem Kinn und drückte es nach oben.
Dieser bohrende Blick war kaum auszuhalten! "Abyss?", flüsterte sie.
"Hm?"
"Hypnotisierst du mich gerade?"
Seine Mundwinkel zogen sich nach oben. "Nein."
Diesem Grinsen konnte man nicht widerstehen. "Ich hab den Schutzschild der Mara gegrillt", sagte Gibbli leise. Jetzt hatte sie es ausgesprochen.
Abyss' Griff lockerte sich ein wenig. "Ich verstehe. Sky weiß es nicht."
"Wir werden sterben. Wegen mir!"
"Du kannst ihn reparieren", sagte er schlicht, als sei es das normalste auf der Welt. Abyss machte ihr keine Vorwürfe. Er war nicht wütend. Er gab ihr nicht das Gefühl, sich schämen zu müssen. Und es war ihm scheinbar vollkommen egal, dass es ihre Schuld war.
Gibbli schüttelte den Kopf. "Ich hab's versucht. Ich versuche das seit Tagen!"
"Aber du kannst alles reparieren."
"Nein ... also es würde vielleicht gehen, mit einem Adapter. Aber so einen gibt es hier nicht. Dieser Teil der Mara besteht nicht vollkommen aus oceanischer Technologie."
"Und wo gibt es so ein Ding?"
"In der Elite werden diese Adapter häufig benutzt für alle möglichen Arten von Energieversorgungsleitungen. Ich bin mir sicher, wir würden einen im Ausrüstungslager von Jacks Soldaten finden."
Abyss blickte sie fragend an. "Okay. Und wo genau liegt dann das Problem?"
"Jack? Er und tausende von Soldaten da unten?"
"Ach komm, das kriegen wir hin. Ich bastle wieder ein paar dieser Festluftbomben. Kein Problem."
"Aber-"
"Nichts aber, ich krieg alles hin! Nun ja, nicht immer so schnell, wie ich's mir wünsche, aber ich krieg's hin. Versprochen."
"Das ist ..." Gibbli blickte ihn fassungslos an. "Das ist ... wahnsinnig."
Bevor sie das letzte Wort ausgesprochen hatte, war Steven ein paar Meter weiter aus einer angrenzenden Wand heraus getreten.
"Wahnsinnig? Ich hoffe, das war ein Kompliment, Mädchen", sagte er mit seiner klaren Stimme.
"An mich", knurrte Abyss und ließ Gibbli los.
Misstrauisch musterte er Steven, während Gibbli zurück trat und sich an eine Maschine lehnte. Mit zusammen gekniffenen Augen betrachtete sie die rote Spur, die seine Füße auf dem Metall hinterließen. Der Oceaner kam geduckt auf sie zu, von oben bis unten so dermaßen blutüberströmt, dass man seine goldene Haut kaum noch erkennen konnte.
"Ich bin ein Genie, vergesst das nie!"
"Ja, so siehst du aus!" Abyss lachte schadenfroh.
Steven warf ein unsymmetrisch geformtes Metallstück vor Gibblis Füße.
"Der Adapter", rief sie überrascht. "Du warst ... du hast ..."
"... da unten ein wenig aufgeräumt? Ja, Mädchen."
"... du weißt was ich ... was ich ..."
"... was du mit meiner geliebten Mara angestellt hast? Denkst du, mir fällt das nicht auf? Ich erinnere euch erneut daran, das hier ist mein Gebiet, mein Zuhause, mein Kind! Vielleicht kann ich sie nicht reparieren, aber ich merke dennoch, wenn ihr etwas fehlt, ganz recht! Also mach das wieder ganz, Mädchen, während ich mir dieses grässliche Zeug abwasche. Fremdes Blut ist so eklig, bah!"
"Bist wohl aus Versehen gegen ein paar Soldaten gelaufen?", fragte Abyss grinsend.
"Aus Versehen, ganz genau, mein Freund", wiederholte Steven zustimmend. "Oh, ich mag diese kleine Verschwörung hier. Unser Geheimnis. Wie eine Familie. Siehst du Mädchen, so geht das!" Er wandte sich Gibbli flüsternd zu. "Dein Mensch und ich sind jetzt wie zwei Brüder."
"Sind wir nicht", knurrte Abyss.
"Brüder müssen sich ja nicht mögen. Tja, der Einzige der keine Ahnung hat, was auf seinem Schiff vorgeht, ist wohl der", Steven drehte sich um und blickte direkt in die Augen von Sky, "Kapitän, wow!"
Gibbli zuckte zusammen.
Den Kopf nach vorne gebeugt, um nicht gegen die niedrige Decke zu stoßen, kam er mit düsterem Blick auf sie zu.
"Na dann, erzählt mir mal, was genau der Kapitän nicht weiß."
Alle drei schwiegen. Steven versuchte, mit dem Fuß den Adapter aus seinem Sichtfeld zu schieben.
"Sagt mir, was das ist", verlangte Sky.
Der Oceaner legte den Kopf schief und zuckte mit den Schultern. "Hm. Keine Ahnung. Noch nie gesehen."
"Mir erklärt jetzt sofort jemand, warum du blutverschmiert bist!" fuhr Sky ihn an.
"Hässlich, nicht wahr, Kapitän? Leider ist es nicht meins. So eklig!"
"Ich verlange auf der Stelle zu erfahren, was hier vorgeht!" Er drehte sich herum. "Abyss, rede!"
Dieser schüttelte entschuldigend den Kopf. "Von mir erfährst du das nicht."
Plötzlich zog der Kapitän seine Waffe und schoss. Der Strahl zischte scheinbar knapp an Steven vorbei, der ihnen den Rücken zugewandt hatte. Dann wurde Gibbli klar, dass der Strahl nicht die Wand erreicht hatte. Der Oceaner erstarrte, bewegungslos. Über die Schulter hinweg wandte sich Sky ihm mit zusammengebissenen Zähnen zu. Er hatte geschossen, ohne hinzusehen! Steven drehte sich langsam um.
"Keiner geht, bevor ich eine Antwort habe, auch nicht durch Wände, ich habe diese ständige Geheimnistuerei satt!", knurrte Sky in die angespannte Stille hinein.
Steven strich mit einem Finger über seine linke Schulter und hob ungläubig den Kopf. "Du hast mich erschossen! Ich bin tot! Ich bin tot! Tot, tot, tot! Du hast mich ... wirklich das ... das ist mein eigenes Blut."
"Gut erkannt. Ich habe dich angeschossen. Aber den Tod hättest du mit Sicherheit verdient. Und diesen gebe ich dir mit Freuden, wenn du mir nicht sofort erklärst, was das dort am Boden darstellen soll!"
"Nein, nein, nein, das ist nicht fair Kapitän, nein, das ist es nicht. Du wolltest deine Ruhe, uns heute nicht mehr sehen und jetzt begibst du dich hier her? Bedeutet das, wir müssen vor dir weglaufen, weil du uns sonst siehst?"
Sky trat einen Schritt auf ihn zu. "Nicht fair? Du willst mir ernsthaft etwas über Fairness erzählen? Schön. Gut. Reden wir über Fairness. Nein, weißt du was, ich zeige dir sogar, was das ist." Bevor Steven etwas tun konnte, schoss Sky ihm ins Bein.
Der Oceaner schrie auf und hielt sich an der Wand fest, durch die er gerade noch hindurchgehen wollte.
"Das, mein lieber Oceaner, ist fair. Damals warst du noch nicht in meiner Crew. Aber jetzt bist du es. Erinnerst du dich daran? Ich bin mir sicher, Gibbli tut es."
Und wie sie das tat. Sky hatte ihn genau an der gleichen Stelle durchlöchert, an der Steven ihr damals die Finger hinein gerammt und ihr das Bein mehrmals gebrochen hatte. Gibbli blickte beunruhigt zu Abyss, der sie ebenfalls kurz ansah. Sie verstand sofort, was er ihr still sagen wollte. Sein Gesicht zuckte Richtung Sky, dann wieder zu ihr. Sie zögerte, dann gab sie sich einen Ruck.
"Das ist ein Adapter." Ihre Stimme erklang kaum hörbar.
Doch um sie herum war es so lautlos, dass Gibbli sich sicher war, dass alle jedes einzelne Wort verstanden hatten. Sky senkte langsam die Waffe.
Gibbli wagte kaum zu atmen, als der Kapitän sich ihr zuwandte. "Wofür?"
Sie hielt seinem Blick stand und flüsterte dann: "Um den Schutzschild der Mara zu reparieren, den ich kaputt gemacht hab."
Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Dann nickte er. "Repariere ihn." Sky wandte sich von ihnen ab und ging.
Mit offenem Mund starrte Gibbli auf seine Kampfstiefel, die jetzt um die nächste Ecke bogen und in den Weiten der Maschinenräume verschwanden. Das war alles? Das war verdammt noch mal alles?
"Wenn man ihn nicht anlügt, ist er nachsichtiger, als man annehmen mag. Es sind die Lügen, die er nicht ausstehen kann", sagte Abyss leise.
"Wo ist eigentlich Sam?", fragte Steven.
"Sie schläft bestimmt wieder", antwortete Gibbli in Gedanken versunken. Sie konnte noch immer nicht glauben, dass es so einfach gewesen war.
"Und warum kümmert sich keiner um sie? Ich sehe nach ihr! Sam ist wichtig. Nun, nein, nicht sie. Versteht ihr? Nein, das tut ihr natürlich nicht. Repariert meine Mara!" Steven humpelte mitten durch die angrenzende Wand hindurch.
Abyss schüttelte nachdenklich den Kopf. "Er sorgt sich um andere? Ich hab das Gefühl, seit ich zurück bin, ist hier jeder wie ausgewechselt."
Er wandte sich ihr zu und Gibbli erwiderte sein Lächeln.
Es gab noch immer einiges, was Gibbli beschäftigte, doch jetzt, wo Sky davon wusste und sie nicht auf der Stelle erschlagen hatte, erschien ihr alles nicht mehr so schlimm. Durch den Adapter war die Reparatur des Schutzschildes nur noch eine Sache von Sekunden. Es dauerte keine Minute, bis sich die Felder wieder aufbauten. Und Gibbli fühlte sich satt, eigentlich sogar zu satt. Die Schüssel mit Resten von Samanthas am Morgen gekochten Essens, aß Gibbli zwar nur zögernd, doch Abyss, der es ihr wortlos vor die Nase gehalten hatte, sah nicht aus, als würde er darüber mit sich diskutieren lassen. In dem Wissen, dass er keinen Meter weiter lag, schlief sie schnell ein und zum ersten Mal seit Tagen sogar fast die ganze Nacht durch. Gibbli erwachte erst, als die Sonnenstücke anfingen aufzuglühen und den neuen Tag verkündeten. Leise stieg sie über Abyss, der schlafend vor ihrer Hängematte am Boden lag. Sie lächelte. Wie früher. Und Gibbli hatte das Gefühl, wenn sie ihn ansah, konnte sie einfach alles schaffen. Entschlossen stieg sie nach oben, trat durch die Schleusen der Mara und begab sich in das weite Labyrinth Oceas, um zu trainieren.
 
Auf dem Rückweg zur Mara hätte sie beinahe Djego über den Haufen gerannt, der über die Verbindungsstrecke von den Andockstellen zur Stadt kam. Wahrscheinlich hatte er sich wegen der Entscheidung mit Sky getroffen. Er trat nicht zur Seite und sie schaffte es gerade noch außer Atem vor ihm anzuhalten.
"Hallo, Vielleichteinwenigmehrfreundin", sagte er.
Gibbli wusste nicht, was sie erwidern sollte. Hallo? War das das richtige Wort? Hieß das so? Sagte man das wirklich?
Mit seiner ihm typischen Bewegung wischte er sich die Locken aus der Stirn. "Sogar zerzaust siehst du unglaublich hübsch aus."
Sie blickte zu Boden. Musste er sich auch noch über sie lustig machen? Wieder stieg dieses nervige Kribbeln in ihrem Bauch hoch.
"Hey, also das von gestern, das tut mir leid."
"Ich ..." Gibbli dachte nach. Es wollten ihr keine Worte kommen. Er sprach so gelassen, als würde die ganze Welt ihm gehören, als würde ihn nichts kümmern.
"Hab mitbekommen, dass du Ärger hattest mit dem Kapitän, wegen dieser Konsole?"
Sie sollte jetzt ja sagen oder nein oder irgendetwas. Warum gab es auf der Akademie keinen Kurs, in dem man lernte, wie man nicht dumm herum stand, wenn man etwas gefragt wurde? Wahrscheinlich gab es den sogar, doch in den Sozialkursen hatte sie nie aufgepasst. Gibbli wollte keine passende Reaktion einfallen. Das Einzige, was ihr in den Sinn kam, war diese dämliche Aufgabe von Steven.
"Ich hörte euch noch reden, als ich ging. Es war meine Schuld, ich habe dich abgelenkt, oder?", fragte Djego.
Was würde passieren, wenn sie an der Reihe war und nichts tat? Wenn sie Steven keine neue Aufgabe stellen würde, sondern einfach darauf verzichtete?
"Ich mache das wieder gut, was meinst du dazu?"
Sie hätte endlich Ruhe vor ihm! Der Oceaner könnte nichts mehr tun, weil er nicht dran wäre, niemals mehr dran wäre. Wenn sie jetzt seine letzte Aufgabe erfüllen würde, wäre es vorbei. Gibbli müsste nie wieder über das Spiel nachdenken. Wenn sie ihn jetzt ... Erschrocken blickte sie auf, als sie sich Djegos Anwesenheit wieder bewusst wurde. Warum stand er plötzlich so nahe vor ihr? Gibbli hatte nicht bemerkt, wie er näher gekommen war. Sie wollte zurück treten, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. Unbehaglich nahm sie wahr, wie Djego eine Barriere überschritt, die sie in Gedanken um sich herum errichtet hatte.
"Träumst du?" Seine türkisfarbenen Pupillen erstrahlten.
Gibbli schluckte. "Ich ..."
"Ich hoffe doch von mir." Djegos Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.
Während Gibbli ihn bewegungslos anstarrte, kam sein Gesicht immer näher auf das ihre zu. Plötzlich fand sie es gar nicht mehr schön. Seine gebräunte Haut wirkte von nahem eher abstoßend. Steven sollte sich seine blöde Aufgabe sonst wo hin stecken! Das hier war falsch! Djego durfte das nicht tun, sie wollte das nicht! Sie musste hier weg, sofort! Er hielt sie nicht einmal fest, Gibbli konnte jederzeit gehen. Wenn ihre Beine nur gehorchen würden, wenn diese dummen Arme nicht so nutzlos an ihr herabhängen würden, wenn ihre weit aufgerissenen Augen sich doch nur schließen würden, um sich seinem Anblick zu entziehen. Irgendwo hinter ihr ertönten leise Schritte. Gibbli zuckte zurück, doch bevor sie sich umdrehen konnte, hob Djego seine Hand, zog ihren Kopf nach vorne und drückte seine Lippen auf ihren Mund. Überrascht stellte Gibbli fest, dass sich seine Haut härter anfühlte, als erwartet. Das Geräusch der Schritte verstummte. Gibbli riss sich von Djego los und fuhr herum. Wieder erstarrte sie mitten in der Bewegung. Da stand Abyss und fixierte sie mit seinen grauen Augen. Kalte Augen, die sie durchbohrten wie spitze Eispflöcke. Augen, die schrien, aus seinem blassen Gesicht heraus, das mit versteinerter Miene jegliche Emotionen verloren hatte.
"Ich hab dich gesucht", sagte er tonlos. "Du solltest nicht allein in der Stadt umherschleichen. Aber wie es aussieht ... bist du ja nicht allein."
"Abyss ...", flüsterte Gibbli.
"Fahr zur Hölle." Er drehte sich um und ging.
"Abyss!", schrie sie.
Noch im Sprung spürte sie Djegos Griff um ihren linken Arm.
"Nicht! Abyss!" Er verschwand hinter der nächsten Ecke. "Ich wollte das nicht!"
"Du willst ihm hinterher? Diesem Greis?", rief Djego aufgebracht.
"Ich wollte dich nicht-"
"Aber du hast es getan!"
"Du hast es getan!", fuhr sie ihn an. Gibbli holte zum Schlag aus und traf Djego in den Bauch. Er stöhnte auf und krampfte für einen Moment zusammen. Das nutzte Gibbli aus und riss sich los. Es funktionierte ja doch, wenn ihr Gegner nicht gerade ein übermächtiger Flottenführer namens Sky war. Ohne Djego weiter zu beachten, rannte sie Abyss hinterher, in die Gänge der Stadt hinein.


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Papier-Test des halbtransparenten Grafix Dura-Lar Matte

Erster Eindruck und ein paar Infos: Das transparente Papier wirkt sehr stabil und scheint wasserfest zu sein. Auf beiden Seiten befindet sich eine milchig weiße Beschichtung. Es ist in verschiedenen Größen, Dicken und Ausführungen je nach Material erhältlich. Das Dura-Lar Papier besteht aus Polyesterfolie und besitzt eine sehr glatte Oberfläche.

Für diesen Test verwende ich die matte Version in Stärke 005, welche hauptsächlich für trockene Medien wie Farbstifte oder Graphit geeignet ist.

 
grafix dura lar matte - papiertest von sockenzombie
 
Tipp: Dadurch, dass das Papier durchscheinend ist und beide Seiten bemalbar sind, kann man dies einsetzen, um räumliche Effekte zu unterstützen.

In meiner Beispielkarte stellte ich eine Unterwasserstation dar. Die Außenbereiche zeichnete ich auf der Rückseite und die Innenbereiche auf der Vorderseite.

 

unterwasser kakaokarte von sockenzombie - gezeichnet auf grafix dura lar matte

 
Tipp: Der durchscheinende Effekt kann hervorragend genutzt werden, um den Lichteinfall eines Motivs interessanter zu gestalten.

Für diese kleine Miniaturkunstkarte habe ich schwarzes Papier ausgeschnitten und auf die Rückseite geklebt, um einige Stellen weniger bzw. mehr lichtdurchlässiger zu gestalten. In folgendem Video könnt ihr euch das noch einmal genauer ansehen:

Für die Coloration der Karte verwendete ich verschiedene Farben und Stifte, um sie zu testen.

Farbstifte bzw. Aquarellfarbstifte: Eignen sich sehr gut für das Papier und lassen sich mit dem Finger zu einer schönen Fläche verwischen. Beim Vermalen mit Wasser zieht sich die Farbe zusammen, das sollte also eher vermieden werden, wenn man diesen Effekt nicht haben möchte. Ich konnte die Farbe mit einem nassen Lappen gut vom Papier entfernen. Ebenso funktionierte radieren ganz gut und der Oberflächenfilm wurde dadurch nicht beschädigt.

Copic Marker: Marker konnte ich nicht so leicht wieder vom Papier entfernen wie Farbstifte, es bleiben hier immer Reste zurück. Allgemein erscheinen sie heller auf dem Dura-Lar als auf anderen Oberflächen. Es entstehen ähnlich interessante Effekte wie auf dem Lanavanguard Papier mit gestochen scharf abgegrenzten Rändern. Es macht Spaß, mit ihnen darauf zu experimentieren.

Posca Marker: Ich habe keinen großen Unterschied festgestellt zu anderen Oberflächen. Mit den Teilen kann man einfach auf allem Zeichnen ...

Aquarelltubenfarben: Die Farbe zieht sich zusammen (ähnlich wie auf fettigen Flächen) und scheint leider nicht so gut zu halten. Für Aquarell ist das Dura Lar meiner Meinung nach eher weniger geeignet. Es soll aber ein ähnliches Papier für nasse Medien geben.

Alternativ könnt ihr das Papier auch mit einer Schicht Aquarellgrund überziehen. Dieser Tipp stammt von Cynea und sie hat ihn bei ihrer Kunstkarte "Kristallschmetterling" angewendet. Das folgende Motiv hat sie auf Dura-Lar Matte mit Aquarell und Dr. Ph. Martins Pen White gezaubert und wurde von ihr auf weißen Hintergrund aufgeklebt.

kakaokarte von cynea auf dura lar papier


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Kapitel 13: Mooks (Bis in die tiefsten Abgründe)

Während Gibbli aufgebracht in den Gängen der Stadt umherirrte, wurde sie immer unvorsichtiger. Sie hielt nach Djego Ausschau und hoffte gleichzeitig, ihn nicht zu finden. Verdammt, was tat sie hier eigentlich? Was würde Abyss nur über sie denken? Wie konnte sie ernsthaft in Erwägung ziehen, diese dämliche Aufgabe anzunehmen? Noch ein Problem, mit dem sie sich jetzt herum schlagen musste. Als gäbe es nicht schon genug. Außerdem verabscheute sie Berührungen jeglicher Art! Wenigstens hatte Steven nicht verlangt, dass sie Djego umarmen sollte. Das wäre ja noch schlimmer gewesen.
"Hey, hey, hey, vorsichtig!", rief er, als sie um die nächste Ecke bog und mitten in ihn hinein rannte.
Djego nahm sie an den Oberarmen und schob Gibbli ein Stück von sich weg. Oh nein! Schnell trat sie einen weiteren Schritt zurück. Irgendwie schlich dieser Kerl ständig in ihrer näheren Umgebung herum.
"Was ist los? Kann ich dir helfen?"
"Ich ... nichts ... ich meine ... ich ... ich brauche etwas ... also", stammelte sie.
"Du brauchst etwas", wiederholte Djego und fixierte sie prüfend. "Was brauchst du, Vielleichtfreundin?"
Gibbli biss sich auf die Lippen. Warum war es in seiner Nähe so schwer, erst zu denken und dann zu sprechen? "Hast du es Jack gesagt? Wird er sie abschalten?", fragte sie schnell, um ihn von sich abzulenken.
"Wird er es abschalten, du meinst die Störsender? Eine gute Frage. Ich ... weiß es nicht. Jack hält sich derzeit in der Akademie auf. Immerhin hat er neben seiner Belagerung hier ein ganzes Volk zu führen. Er kommt erst in einer Stunde zurück. Was brauchst du?"
Gibbli öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Nervös betrachtete sie seine Lippen.
Djego legte den Kopf schief und grinste. "Das war unhöflich von mir. Entschuldige. Lass mich die Frage anders formulieren. Wo befindet sich, was du brauchst?"
In der Hütte des Mönchs, war ihr erster Gedanke. Dann kam ihr eine Idee. "In Jacks Ausrüstungslager."
Djego betrachtete sie nachdenklich. Mit dieser Antwort hatte er wohl nicht gerechnet. Gibbli trat einen weiteren Schritt zurück. Sie hatte zu viel gesagt. Jetzt würde er nachfragen. Er würde wissen wollen, was sie brauchte und warum und wenn sie ihm erzählen musste, dass sie den Schutzschild kaputt gemacht hatte, würde er es Sky erzählen und Steven würde fragen, warum sie vor ihm stand und ihre Aufgabe nicht erledigte und eigentlich wünschte sie sich im Moment nichts sehnlicher, als in die Hütte des Mönchs. Dort befand sich, was sie jetzt wirklich brauchte. Dort war Abyss.
"Wenn du möchtest, kann ich dich dort hinbringen", sagte Djego.
Gibbli brauchte ein paar Sekunden, um seine Worte zu realisieren. "Du fragst mich nicht, warum ich dort hin will? Du fragst mich nicht, was ich von dort brauche? Du willst nicht wissen ... was ich ... was ..."
"Nun, normalerweise stelle ich die Fragen nicht, die Fragen werden mir gestellt. Ich finde nur Antworten. Ich biete Lösungen und Informationen."
Er bot ihr eine Lösung. Eine gute. Oder nicht? "Die Soldaten, wie sollen wir dort ungesehen hineinkommen?", fragte sie flüsternd.
"Ich bin Spion, Gibbli. Frag mich nach einem Eingang und ich treibe zehn weitere Wege auf, wie du dort hingelangst. Also was ist, sollen wir uns holen, was du brauchst?"
Gibbli zögerte. War es eine gute Idee, mit ihm mitzugehen? Konnte sie ihm trauen? "Ich weiß nicht, ich ..." Der kaputte Schutzschild musste repariert werden! "Okay."
 
Mit einem unbehaglichen Gefühl schlich Gibbli hinter ihm durch die Gänge, Stockwerk für Stockwerk, immer weiter nach unten. Sie hatte längst den Überblick verloren, wo genau sie sich befanden. Als sie von einem Hauptgang aus in einen schmaleren Weg zwischen zwei Gebäuden einbogen, blieb Djego plötzlich stehen.
"Warte. Hier kommt gleich eine größere Gruppe durch." Er blickte sich suchend um.
"Wohin jetzt?", fragte Gibbli leise.
Djego deutete auf einen Raum ein paar Meter weiter. "Geh da rein."
"Aber-"
Er kam ihr plötzlich unangenehm nah und legte eine Hand auf ihre Wange. Ihre Haut kribbelte unter seinen Fingern. "Gibbli. Vertrau mir. Ich lenke sie ab."
Vor Aufregung zitternd tat sie, was er sagte und schlich in den Raum. Dieser war klein und besaß nur den einen Eingang.
Djego drückte das Tor hinter ihr zu. "Ich bin gleich zurück!"
"Warte, man kann das nur von ..."
Die Luke verriegelte sich.
"... außen öffnen."
 
Ein paar Minuten vergingen. Die Sonnenstücke in der Luft leuchteten schwach. Es waren nur sieben Stück. Gibbli hatte sie bereits mehrmals gezählt. Sonst gab es hier kaum etwas. Zwei Maschinen verbanden eine Konstruktion und ein paar goldene Rohre führten neben weiteren nutzlosen Leitungen an der Decke entlang. Den Sinn des Raumes hatte sie nicht ergründen können. Um sich die Zeit zu vertreiben, drehte Gibbli an den Schaltern der beiden Maschinen herum. Natürlich rührte sich nichts. Wann kam er endlich zurück? Ungeduldig ging sie auf und ab. Hatte er sie reingelegt? Verdammt, er würde sie sicher Jack ausliefern! Oder? Nein, Djego war auf ihrer Seite. Gibbli legte ihre Hand auf eine der Wände, als diese rings um sie herum zu vibrieren begannen. Nach ein paar Sekunden ebbte es ab. Das Beben musste weiter entfernt stattgefunden haben. Beunruhigt betrachtete sie die Öffnung der Luke. Warum brauchte er denn so lange? Ein Geräusch ertönte und der Eingang bewegte sich. Na endlich!
Oh verdammt, das war nicht Djego! Mit aufgerissenen Augen starrte Gibbli auf die beiden Soldaten. Die Soldaten starrten zurück. So ein Mist! Bevor Gibbli reagieren konnte, ertönten zwei gewaltige Schüsse und die Männer kippten vornüber zu Boden. Sie waren tot! Rauch stieg aus den verschmorten Löchern in ihren Körpern auf. Doch hinter ihnen tauchte jemand auf, der noch viel gefährlicher aussah, als die Soldaten: Skarabäus Sky.
Seine Hände umfassten eine Waffe, viel größer als sein Handstrahler. Das Ding sah aus, als könnte es sogar Oceas Wände durchbohren. Doch Gibbli war sich sicher, dass die bis auf's äußerste angespannten Finger, die es hielten, im Moment auch Wände durchschlagen konnten.
"Du bist wahnsinnig!", fuhr er sie mit bedrohlich ruhiger Stimme an. "Sag mir sofort, was du hier unten treibst!"
Sie wich vor ihm zurück und stotterte: "W-Was treibst du hier unten?"
"Dich hier rausholen! Was hab ich dir beigebracht? Jetzt zieh deine Waffe!"
Sie beeilte sich, seinem Befehl zu folgen, bevor er auf die Idee kam, ihr dieses große Ding um die Ohren zu hauen. "Woher wusstest du, dass ich hier bin?"
"Ich habe doch keine Ahnung, was ihr alle ständig treibt! Ich versuche, den Feind im Auge zu behalten, dabei schaffe ich es nicht einmal, meine eigene Crew nicht aus den Augen zu verlieren!"
"Woher wusstest du es?"
"Ich will jetzt kein Wort mehr von dir hören! Komm mit."
Ehe sie etwas tun konnte, drehte er sich um und ging. Gibbli eilte hinterher.
"Du hast ungehöriges Glück, dass ich das hier mitbekam!", fauchte er leise. "Wenn ich nicht wieder den Soldaten hinterherspioniert hätte, um mehr über Jacks Vorhaben herauszufinden, wärst du jetzt sicher in seiner Gewalt!"
Nein, wäre sie nicht. Oder? Djego wäre zurückgekommen! Warum spionierte der Kapitän eigentlich? War das nicht Djegos Aufgabe? Traute er ihm nicht? Sky musste öfter hier unten umher schleichen. Beschämt blickte Gibbli zu Boden. Sie blieben an einer Ecke stehen, als ein paar Soldaten aus einem Gebäude rannten. Sky hob seine gigantische Waffe und schoss. Gibbli schluckte. Er tötete. Sky tötete Soldaten! Er musste verdammt wütend sein! Merkte er überhaupt, was er da tat? Was würde er mit ihr machen, wenn sie es zurück auf die Mara schafften? Gibbli hatte schon wieder Mist gebaut. Wie unvorsichtig konnte ein Mensch sein? Was, wenn Djego sie tatsächlich absichtlich eingesperrt hatte? Wie kam sie nur auf die dämliche Idee, ihm zu folgen?
"Woher hast du dieses Teil?", fragte sie zitternd.
"Ich weiß es nicht. Da ging wohl einer von Jacks Männern unvorsichtig mit seinem Besitz um." Er schoss wieder. Dann lächelte er sie düster an. Ein Lächeln, das sich nicht über seine Augen erstreckte. "Wir sollten sie besser nicht Abyss zeigen."
"Okay", flüsterte Gibbli und nickte schnell. Weil Abyss ja so viel mehr damit machen würde, als der Kapitän gerade. Aber wenn Sky so drauf war, würde sie allem zustimmen, was er sagte, selbst wenn er behaupten würde, Bananen seien gelb. Mit weichen Knien folgte sie ihm und hoffte, er würde das Ding niemals auf sie richten.
"Diese Soldaten haben nie existiert", murmelte Sky.
Es war ruhiger um sie herum geworden. Plötzlich ertönte ein weiterer Schuss. Es klang mehr wie ein schussartiges Zischen, als das tiefe Wummern aus der neuen Waffe des Kapitäns.
Sky zuckte.
Gibbli öffnete den Mund.
Sky ebenfalls. Als hätte jemand am Rad der Zeit gedreht, schwankte er quälend langsam ein Stück zur Seite.
Gibbli zog die Luft ein.
Die Waffe löste sich aus seinen Fingern.
Gibbli nahm das ohrenbetäubende Klirren nicht wahr, als sie am Boden auftraf.
Er blickte sie an.
Und sie blickte zurück. Fassungslos, während Blut durch sein weißes Hemd drang.
"Gibbli", befahl er ruhig und dann mit beinahe tonloser Stimme: "Lauf!" Seine Füße gaben nach. Er fiel. Lautlos.
In ihrer Starre erreichten die Geräusche des Aufpralls ihr Innerstes nicht. Sie starrte auf seinen leblosen Körper. Gibbli wollte schreien und bekam den Mund nicht auf. Einige Sekunden vergingen, die ihr vorkamen wie Stunden. Ihre Stiefel schienen mit dem Boden zu einer homogenen Masse verschmolzen zu sein.
"Sky", flüsterte sie ungläubig.
Dann schlug etwas gegen ihren Schädel. Dumpfer Schmerz durchzuckte Gibblis Kopf. Und alles wurde dunkel.
 
Ihr Kopf tat weh. Gibbli richtete sich vorsichtig auf, tastete an den Hinterkopf und befühlte die Beule. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie sich in einem kleinen Raum befand. Die Schlaffläche, auf der sie eben noch gelegen hatte, war weich gepolstert. Eine dunkelgelbe Decke lag am Boden. Sie musste hinab gefallen sein, während sie bewusstlos gewesen war. Gibbli blickte sich im Zimmer um. Die Einrichtung wirkte modern und klar. Silberfarbene Regale und Schubfächer bedeckten eine der Wände. Kabelschläuche führten aus allen Richtungen zu einem Kontrollkasten mit abgedunkeltem Display. Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckte sich ein eckiges Fenster. Kleine Quallen schlängelten sich zwischen aufsteigenden Blubberblasen hindurch, ins Licht der Tagessimulationslampen. Diese verdunkelten sich zusehends. Es musste später Abend sein. Gibbli konnte schemenhafte Gestalten im Gebäude gegenüber erkennen. Noch weiter in der Ferne ragten riesige Bauten im Wasser empor. Verbunden mit Gängen erstreckten sie sich über jeweils mehrere Stockwerke. Dazwischen gab es kleinere Gebäude und ein paar öffentliche Plätze, in denen die Gänge zusammen liefen. Mooks. Das hier war Mooks, die Hauptstadt der Landmenschen. Die größte je unter dem Meer errichtete Ansammlung von Gebäuden. Nicht direkt das Stadtzentrum, es musste sich um einen der unzähligen Außenbezirke handeln. Diese waren in sich geschlossen und besaßen jeweils einen kleinen Hafen sowie einen zentralen Kommunikationsbereich. Der Kapitän, schoss ihr durch den Kopf. Gibbli eilte zur Tür. Sie fuhr automatisch auf. Dahinter lag ein enger Wohnraum. Auch hier gab es eine Steuerkonsole für die Einrichtung. Auf einer Seite stand ein Becken, in das ein Rohr führte, gerade so dick, dass ein einzelner Can hindurch flitzen konnte. Es befand sich etwas Wasser darin, doch kein Lebewesen. Es gab einen kleinen Tisch aus silbernem Metall mit zwei glatten Hockern. Auf einem saß ein Soldat. Er blickte auf und seine rostroten Locken fielen ihm in die Stirn. Djego. Gibblis Herz schlug schneller. Vor ihm dampfte ein Teller mit gebratenem Lachs. Der Duft ließ ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch sie durfte jetzt nicht daran denken, sie musste hier weg! Von diesem Raum aus gab es zwei Durchgänge. Einer führte vermutlich in ein Badezimmer, der andere hinaus zur Eingangsschleuse, in die Gänge der Siedlung. Gibbli rannte an ihm vorbei, in der Hoffnung die richtige Öffnung zu erwischen. Sie zog an der Luke. Doch diese war verschlossen.
"Hey, ganz ruhig." Djego sprang auf und trat an sie heran.
Gibbli fuhr herum und presste sich an die Tür. Sie tastete nach ihren Werkzeugtaschen. Doch diese waren nicht mehr an ihren Oberschenkeln befestigt.
"Deine persönlichen Gegenstände liegen dort auf dem Tisch."
"Lass mich gehen!", flüsterte sie befehlend.
Er kam näher.
Gibbli schnappte panisch nach Luft. Das war zu nah! "Lass mich raus!"
"Du möchtest raus?"
Ja, verdammt, das hatte sie doch gesagt! Seine Art, alles zu wiederholen was jemand sagte, ging ihr auf die Nerven. Er hob die Hände und wischte ihre Haare aus dem Gesicht, wie er es sonst immer mit den Locken auf seiner Stirn tat. Gibblis Haut fing bei seiner Berührung an zu Kribbeln.
"Ich möchte aber nicht, dass du raus gehst. Jetzt wo du endlich wach bist. Du hast fast einen ganzen Tag geschlafen, da hatte ich doch gar nichts von dir. Die Druckveränderung im Aufzug bekam dir wohl auch nicht so gut. Du solltest dich ausruhen."
"Ich bin nicht müde!", hauchte sie kaum hörbar.
"Du bist nicht müde? Aber du wirkst erschöpft. Die Soldaten sind hinter dir her. Ich habe dich bewusstlos vor einem Gebäude gefunden, ein Stockwerk über der Kammer, in der du warten solltest. Du warst verletzt. Du solltest dich jetzt hinsetzen und mit mir essen. Es ist frisch vom Marktplatz. Ich habe noch die letzten Lachse erwischt, bevor sie geschlossen haben."
"Ich hab keinen Hunger!" Ihr Bauch protestierte gegen diese Worte. Doch wie konnte sie jetzt etwas essen, wenn Sky möglicherweise ... Nein, er durfte nicht tot sein, er war der Kapitän! "Wo ist Sky?"
"Warum fragst du nach Kapitän Sky? In Ocea nehme ich an. Ich kann verstehen, dass du durcheinander bist." Er streckte die Hände aus und nahm sie an den Schultern. "Ich wollte dich holen und dann kam dieses Beben und du warst nicht mehr da. Ich habe mir Sorgen gemacht!"
Unsicher blickte Gibbli ihn an. Meinte er das ernst? Also hatte er sie nicht eingeschlossen, um sie Jack auszuliefern? Djego schob sie zu einem der Stühle und drückte sie nach unten. Ihre Füße gaben unter seiner Berührung nach und sie sackte auf den Hocker am Tisch.
"Ich hatte Angst, die Soldaten hätten dich erwischt."
"Sky hat mich erwischt", sagte Gibbli leise und wünschte sich, er würde nicht so nahe vor ihr stehen.
"Sky ... das ist ... gut? Hey, wir sind doch noch Vielleichtfreunde?" Fragend legte er den Kopf schief.
Sie durfte sich nicht von diesen anziehenden Augen beeinflussen lassen! "Wo ist er?", fragte sie hartnäckig.
Djego setzte sich ihr gegenüber und Gibbli atmete erleichtert aus. Seine Nähe machte sie nervös.
"Ich weiß nicht, wo dein Kapitän ist. Er war nicht da, als ich dich gefunden habe. Du hast vor diesem Gebäude gelegen. Allein."
"Aber er war da! Jack hat ihn", flüsterte Gibbli entsetzt.
"Jack soll ihn haben? Jack will dich tot sehen, warum sollte er ihn mitnehmen und dich nicht?"
"Ich ... ich weiß es doch nicht ... Wir müssen ihn suchen! Wir müssen ... lass mich raus!", schrie sie ihn an und sprang wieder auf. "Warum hast du mich überhaupt hier her gebracht? Warum nicht zur Mara?"
"Warum ich das getan habe? Vielleicht, weil ich mich dort nicht erwünscht fühle? Vielleicht, weil ihr mich nie in euer Boot rein lasst? Und vielleicht, weil ich dachte, du wärst gerne in meiner Nähe?"
"Was?"
Djego schüttelte den Kopf. "Hör zu, du ... du hast doch gesagt, du brauchst etwas. Ich frage auch nicht nach, warum du es brauchst, versprochen. Aber wenn du mir wenigstens sagen würdest, wonach genau wir suchen, dann ..."
Gibbli hörte ihm nicht mehr zu. Er lenkte nur ab. Er dachte, sie wäre gerne in seiner Nähe? Was sollte denn das bedeuten? Warum dachte er überhaupt Dinge über sie? Warum dachten Menschen immer solche komischen Sachen? Gibbli schloss die Augen. Verdammt, das war doch jetzt nicht wichtig! Sky war wichtig. Sie musste Sky finden. Sie blickte auf und direkt in Djegos Augen. Erschrocken zog sie die Luft ein. Er stand wieder vor ihr.
"Lass mich geh'n", sagte Gibbli leise.
"Es sind Verbrecher. Mörder! Dein Kapitän kann dich nicht schützen! Er war der beste Flottenführer der Elite. Aber jetzt hat er sich verändert. Er ist selbst zur Gefahr geworden!"
Gibbli dachte an die toten Soldaten. Hatte Djego recht? Sky hatte sie eiskalt erschossen. Warum? Nur weil er ihretwegen wütend war? Oder möglicherweise weil er sie beschützen wollte. Sky war ihr Kapitän. Sky hielt sie am Leben. Sky hielt sie zusammen.
Djego nahm sie an den Schultern. "Bleib hier. Bei mir. Ich verstecke dich. Jack wird dich nicht finden. Und die anderen auch nicht. Du musst nicht zurück."
Abyss würde Gibbli überall finden, egal wohin Djego Gibbli bringen würde. Und sie wollte, dass er sie fand. "Ich will zurück!", sagte sie mit fester Stimme.
"Zurück", wiederholte er ihre Worte und kam näher auf sie zu. Gibbli schluckte, als Djego ihr Kinn berührte. "Das ist schade."
Ohne ihn aus den Augen zu lassen, griff sie nach ihrer Werkzeugtasche.
"Wirklich schade", wiederholte Djego leise. Seine Hand wanderte von ihrem Gesicht hinab und strich sanft über ihren Hals.
Ihre Finger krallten sich um die Schnallen. Sie stellte sich vor, wie sie ausholte und ihm das Ding samt Inhalt über den Schädel zog. Das konnte sie tun. Oder? Dann wurde sie sich Djegos Gesicht direkt vor ihrem bewusst. Wann hatte er es geschafft, ihr unbemerkt so nahe zu kommen? Stevens Aufgabe kam ihr in den Sinn. Wäre das nicht der perfekte Moment dafür? Nein, verdammt, sie musste Sky finden!
Plötzlich hämmerte etwas gegen die Eingangstür.
Djego erschrak und wich sofort von ihr zurück. Währenddessen zog Gibbli schnell die Tasche zu sich heran. Sie überlegte es sich anders und zog Abyss' Messer aus dem Stiefel.
Erneut hämmerte es an der Tür.
Djego stand mit seinem Strahler seitlich davor. Er führte einen Finger zu seinem Mund, und bedeutete ihr, leise zu sein. Zitternd schlich sie näher und erhob die Klinge Richtung Tür, nicht sicher, ob sie ihn, damit angreifen wollte oder den, der dort draußen stand. Egal wen, sie war bereit zuzustechen!
Im nächsten Augenblick krachte es wieder.
Gibbli nickte ihm zu. Djego betätigte den Öffnungsmechanismus und die Luke glitt auf. Der Eindringling schlug den jungen Soldaten ohne zu zögern die Waffe aus den Händen und ihn gleich mit zu Boden, noch bevor er reagieren konnte. Dann wandte er sich Gibbli zu. Das Messer noch immer erhoben, starrte sie ihn an. Er hob den Arm und fuhr über die Klinge, dann über den Griff zu ihrer Hand. Gibblis Finger lockerten sich, als er sie packte.
"Ich bin froh, dass er es dir geschenkt hat. Einer, seiner guten Pläne. Zur Abwechslung einmal."
Er trug noch immer das blutverschmierte Hemd. Es war eingetrocknet. Sky wirkte angeschlagen, doch entschlossener denn je. Kurz grinste er und schloss zufrieden die Augen. Dann wurde seine Miene wieder ernst und Gibbli spürte, dass er noch immer wütend war.
Währenddessen zog sich Djego am verbogenen Metall des Eingangs hoch. "Kapitän", sagte er röchelnd. "Ich habe sie vor den Soldaten gerettet!"
Sky schubste ihn beiseite. "Geh mir aus dem Weg." Er zog Gibbli mit sich zum Tisch. Dort schob er sie auf einen der Hocker und ließ sich erschöpft auf den anderen fallen. Währenddessen griff er sich an die Seite. Ein Verband blitzte unter seinem Hemd hervor. Offensichtlich hatte ihn jemand oder er sich selbst verarztet.
Djego trat auf sie zu. "Kapitän Sky, ich bin nicht euer Feind! Ich habe sie gerettet! Ich-"
"Das war nicht deine Aufgabe!", fuhr er ihn an. "Mein Befehl an dich war klar! Richte Jack endlich aus, dass er die Störsender abschalten soll! Sofort! Und wenn du ihm erzählst, dass ich hier bin und nicht in der Stadt, bist du ein toter Mann! Bestätige das!"
"Ich ... ja." Sein Blick wanderte zu Gibbli. Dann drehte er sich um und verließ ohne ein weiteres Wort die Wohnung.
Sie war mit dem Kapitän allein. Sky hatte wieder einmal seine Macht demonstriert. Doch im Augenblick wirkte er gar nicht wie der unbesiegbare Flottenführer.
"Nur einen Moment", murmelte er mit geschlossenen Augen und atmete tief ein.
Konnte sie es wagen, ihm eine der tausend Fragen zu stellen, die ihr durch den Kopf schossen? "Ich dachte, sie hätten dich erwischt", flüsterte Gibbli.
Langsam hob er den Kopf. Seine Implantate wirkten so bedrohlich! "Das haben sie. Aber sie begingen einen Fehler. Sie vergaßen, wer ich bin."
"Wie bist du hier her gekommen?", fragte Gibbli. Eigentlich wollte sie etwas ganz anderes fragen. Wie war es ihm gelungen, sie hier zu finden? Aber die Worte kamen wieder so verdreht aus ihrem Mund, als würde ein kleines Männchen auf ihrer Zunge sitzen und diese umformen.
"Wassertaxi."
Ungläubig zog Gibbli die Stirn zusammen. Es war unwahrscheinlich, dass ihn einfach so ein Taxi mitgenommen hatte. Jeder hätte ihn doch sofort erkannt!
"Von der Akademie aus. Eine gewisse Murphy Law nahm mich mit."
"Ähm ...", mehr schaffte sie nicht zu sagen.
"Sicher nicht ihr echter Name. Aber diese tollpatschige Frau half mir. Mit freundlicher Empfehlung von Abyss. Frag nicht. Sobald er zurückkommt, wird er sich einiges von mir anhören müssen. Sonderbarerweise scheint es noch immer Leute aus dieser Untergrundszene zu geben, die ihm wohlgesonnen sind. Law betreibt ihr Geschäft nicht ganz ... legal. Sie stellt keine Fragen und befördert jeden zahlungsfähigen Gast. Ihr Taxi, sie nennt die Schrottkiste Rüdiger, fällt bereits fast auseinander. Armes Ding."
Gibbli wollte lieber nicht mehr über diese Frau erfahren. Dafür, dass Abyss ein Einzelgänger war, kannte er ziemlich viele Leute.
Der Kapitän drückte ihr grob sein EAG in die Hände. "Sag mir, was du hier drauf siehst."
"W-Was genau ist das?", fragte sie stotternd. An der Seite des Gerätes steckte ein Datenspeicher.
"Die Aufzeichnungen der geologischen Abteilung. Ich dachte mir, wenn ich schon hier bin, nutze ich die Gelegenheit und statte Plotz einen Besuch ab. Ich bin mir sicher, sie wären genauer, wenn wir auf die Messinstrumente Oceas zurückgreifen könnten, aber Jack hat die Störsender ja noch immer nicht abgeschaltet, also müssen die hier genügen." Er tippte auf eine Datei und eine verschachtelte Liste baute sich über dem Gerät auf. "Das hier sind alle registrierten Beben im gesamten Landmenschengebiet der letzten Tage. Hier die Zeitpunkte, Koordinaten und die jeweiligen Stärken. Sieh sie dir an und sag mir dann, was du davon hältst." Skys Worte klangen, als fiele es ihm schwer, ruhig zu bleiben.
Gibbli war klar, dass er versuchte, seine Wut ihr gegenüber zu unterdrücken. Schuldbewusst beugte sie sich über sein EAG. "Also ... einige der Beben sind ... anders."
"Stärker?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Sprich schon!"
"Es ... also es ist nicht die Stärke, es ist die Art." Sie fuhr durch das Hologramm und verband die Liste mit einer intern gespeicherten Karte des EAGs, um die betroffenen Gebiete zu markieren. "Ein Teil hiervon sind normale Beben, wie wir sie kennen. Ein weitaus größerer Teil verhält sich von den Auswirkungen her völlig abnormal. Ich muss sie herausfiltern und einige Berechnungen anstellen. Das wird eine Weile dauern." Während sie sprach, zog Gibbli ihr EAG, um die Daten zu übertragen.
Sky nickte. "Tu das. Später. Wir müssen zurück nach Ocea." Er stützte sich am Tisch ab und stand auf. "Da ist lediglich eine Sache, die ich davor gerne geklärt hätte. Ich will wissen, warum du dort unten warst."
Gibbli, die ebenfalls aufgestanden war, hielt in ihrer Bewegung inne.
"Antworte!"
Sie zuckte zurück und presste die Lippen aufeinander.
Der Kapitän packte sie an den Schultern. "Warum, bei Ocea, sage es mir!"
Sie kniff schützend die Augen zusammen. Würde er sie jetzt schlagen, wie ihre Eltern es immer getan hatten? Würde er sie zusammenbrüllen, wie der Direktor, Brummer?
Sky tat nichts davon. Stattdessen ließ er sie wieder los und schüttelte betrübt den Kopf. Er wandte sich von ihr ab und fuhr sich mit einer Hand über seine Dreadlocks. Mit der anderen stützte er sich an einer Wand des Quartiers ab.
"Wirfst du mich jetzt raus?", fragte sie zitternd.
Langsam drehte er sich zu ihr um. Er sprach so deutlich und betonte jedes Wort, dass Gibbli ein Schauer über den Rücken lief. "Ich befahl dir, mir zu sagen, was du dort wolltest."
"Es tut mir leid."
Er trat auf sie zu. "Gibbli, ich habe es dir schon einmal gesagt, damit ich jemanden hinauswerfe, muss viel passieren. Abyss ist ein Mörder und Steven ist ... nun ja, Steven. Und sie sind noch immer in meiner Crew."
"Du bist auch ein Mörder", flüsterte sie.
"JA! JA VERFLUCHT! Siehst du, wozu du mich bringst, wozu ihr mich bringt!"
"Ich streng mich an, ich tu alles!"
"Hör auf damit!", fuhr er sie erschöpft an.
"Es reicht nicht, ich bin schwach, ich ..."
"Schweig", sagte er plötzlich ruhig.
Gibbli verstummt.
Er hatte sich dem Fenster zugewandt und blickte nach draußen in die Dunkelheit. Es war mittlerweile Nacht geworden. In der Ferne waren schwache Lichter anderer Gebäudeteile zu erkennen.
Langsam sprach Sky weiter, ohne sie dabei anzusehen. "Ich kann damit leben, wenn du Mist baust. Aber ich kann es nicht ausstehen, wenn du mich belügst und mir sagst, da ist nichts, wenn es doch etwas Wichtiges zu erzählen gäbe." Er wandte den Kopf und fixierte sie wieder eindringlich mit seinen schwarzen Augen. "Das sehe ich als persönlichen Angriff. Du hintergehst mich. Wenn du jemanden aus der Crew verletzt, dann verletze ich dich. Damit habe ich kein Problem. Aber wenn du mich als Kapitän nicht respektierst, wenn du meine Befehle missachtest, meine Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortest, dann haben wir ein Problem, Gibbli. Ich frage dich jetzt ein letztes Mal. Was hast du angestellt? Warum rennst du dort hinab zu Jacks Soldaten? Was verschweigst du mir?"
Gibbli öffnete den Mund. "Ich ..." Für einen Moment wollte sie sprechen, ihm alles erzählen, doch sie wusste gar nicht, wo sie anfangen sollte. Sie traute sich nicht zu sagen, dass das mit dem kaputten Schutzschild ihre Schuld war, aber irgendwann musste er es erfahren, oder? Und all die anderen Dinge? Sie überlegte, ihm von Stevens Spiel zu erzählen. Von dem Namen auf ihrem Rücken. Von seinen fiesen Aufgaben. Von Djego, der sie ständig ablenkte, allein wenn sie an ihn dachte und sein seltsames Verhalten, das ihr irgendwie unheimlich erschien. Ihr seltsames Verhalten, wenn sie in seiner Nähe war, korrigierte sie sich in Gedanken.
"Es ist wegen ihm", murmelte Sky und sah sich im Raum um. "Der Junge."
Sollte sie ihm von dem Druck erzählen, nicht gut genug zu sein, dass sie sich hässlich vorkam, zu dick, zu tollpatschig, zu unfähig, dass sie Angst hatte, all dem hier nicht zu genügen? Wie schlecht sie war im Laufen, im Klettern, im Kämpfen, einfach in allem, was Sky versuchte ihr beizubringen? Oder von Abyss.
"Er lernt es nie." Sky knurrte genervt auf.
Doch Gibbli nahm es gar nicht richtig wahr. Abyss, der nicht im Stande war ein U-Boot zu steuern, dachte sie und beobachtete, wie ein rauchendes Fahrzeug draußen am Fenstern vorbei schrammte. Abyss, der ihr so wahnsinnig fehlte. Den sie so sehr vermisste, selbst die Tatsache, dass er sie immer quälte mit seinen Fragen und sogar seinen Blick, der ihr sagte, er würde sie zerlegen, wenn sie ihm nicht antwortete. Gibbli schüttelte den Kopf, als ein dumpfer Knall ertönte. Nein, das würde sie nicht sagen, nicht vor dem Kapitän, das bedeutete, sie würde Schwäche zeigen! Sie konnte ihm nichts davon verraten, nicht von Abyss. Für eine Sekunde vibrierte der Boden. Abyss, dem sie alles erzählen würde, was er wissen wollte, weil er es sowieso herausfinden würde oder weil er sie so lange nerven würde, bis sie es ihm erzählte. Abyss, der sie nur einmal anzusehen brauchte, damit sie genau das tat, was auch immer er wollte, dass sie tat oder sagte. Wahrscheinlich war das rauchende Ding draußen irgendwo dagegen geprallt. Abyss, der sie hassen würde, wenn er je das mit diesem dämlichen Namen erfahren würde. Abyss, der Djego nicht ausstehen konnte und dessen Stimme sie sogar jetzt in ihrem Kopf hörte. Man, war Abyss wütend. Als würde er gegen Steven anschreien ...
Gibbli blickte auf. Sie sah nur noch den Rücken von Skys Uniform, der in den Gang draußen hinter der offenen Schleusentür einbog und um die nächste Ecke verschwand. Der Kapitän war gegangen. Was? Er konnte doch nicht ohne sie abhauen! Sie sollte aufhören zu träumen. Verdammt, jetzt war er sicher noch schlechter auf sie zu sprechen. Gibbli beeilte sich, ihm nach draußen zu folgen, doch sie kam nur bis vor die Tür, als Djego ihr entgegen hastete.
"Ich war im zentralen Kommunikationsbereich und habe mit Jack gesprochen. Er will über die Störsender nachdenken und überlegen ob ... Hey, wo willst du hin? Wo hat sich dein Kapitän versteckt?"
Gibbli antwortete nicht und spitzte stattdessen die Ohren. War da nicht gerade ...
"Was hältst du davon, du beschreibst mir, was du brauchst und ich hole es dir persönlich aus Jacks Lager. Was meinst du? Und möglicherweise, könnten wir dann ja Vielleichteinwenigmehrfreunde sein?"
"Ich ..." Sie brach ab. Da, wieder! Ihr Herz schlug schneller.
"Du?", fragte Djego vorsichtig.
"Wo ist sie? WO IST SIE?"
Gibbli riss die Augen auf. Ja!
"Beruhige dich", hörte sie Sky sagen.
Hastig rauschte Gibbli an Djego vorbei und eilte den Gang entlang. Links und rechts führten Abzweigungen zu verschiedenen Behausungen.
"WOHIN?", schrie er wieder.
"Hey, halt, du kannst doch nicht mitten im Gespräch abhauen!", rief Djego und lief ihr hinterher.
"Du solltest lieber fragen mit wem", ertönte die lachende, klare Stimme von Steven.
Sie bogen um die Ecke und Gibbli kam schlitternd zum Stehen. Da stand er, unter einer schwach leuchtenden, alten Leuchtröhre und brüllte den Kapitän an. Wie ein Riese. Mit ein paar Narben mehr als gewohnt und felsenfest. Steven stand etwas abseits an einer Wand und grinste, während Abyss' Miene so düster wirkte, wie noch nie.
"Ich habe es mir anders überlegt, führen wir dieses Gespräch später fort", sagte Djego leise hinter Gibbli.
Sie beachtete ihn gar nicht mehr und ging auf Abyss zu. Als er aufblickte, blieb sie wie versteinert stehen und starrte in seine grauen Augen. Rote Adern hoben sich bedrohlich in ihnen ab. Sein wutverzerrtes Gesicht war bis aufs Äußerste angespannt. Sein Blick glitt an ihr vorbei auf Djego.
"DU!", schrie Abyss so laut, dass Gibbli erschrak. Im nächsten Augenblick erhob er eines seiner Messer.
"Lass das!", befahl Sky und zog an seinem Arm.
Abyss versuchte, ihn abzuschütteln, und wollte auf Djego und Gibbli zustürzen. "Ich werde dich aufschlitzen und DEINE SCHEISS ORGANE - HEY!"
Während der junge Soldat kehrtmachte und flüchtete, packte der Kapitän Abyss von hinten. "Das wirst du nicht! Du hast nicht zu entscheiden, mit wem sie spricht!", knurrte Sky und versuchte mit aller Kraft zu verhindern, dass er Djego folgte.
"Idiot! Lass mich los! Ich zerfetz ihn!"
"Abyss", sagte Gibbli wimmernd.
Sky hatte Mühe, ihn festzuhalten. Doch er schaffte es trotz seiner Verletzung.
"Abyss, Abyss, Abyss!", mit wutverzerrten Falten im Gesicht funkelte er sie an. "Wie kannst du es wagen, wie kannst du mit diesem dummen Lockengesicht, du warst in seiner Wohnung, du - JETZT LASS MICH LOS, VERDAMMT!"
"Verschwinde", rief Sky ihr mit schmerzverzerrtem Gesicht zu, während er mit Abyss rang. "Nehmt den MARM!"
Unfähig sich zu bewegen, spürte Gibbli, wie Steven sie am Pullover ergriff und vorsichtig von ihnen fortzog. "Komm schon, Mädchen."
"FASS SIE NICHT AN!", brüllte Abyss. "Sie bleibt hier!"
Doch der Oceaner zog sie mit sich, während Sky Abyss in die andere Richtung schleifte.
 
Belustigt schob er sie durch den kleinen Hafen. Gibbli ließ sich nur widerwillig von Steven in den MARM schubsen. Sie lehnte mit dem Kopf an der Scheibe, während er das kleine Beiboot Richtung Meeresakademie steuerte.
"Ich bin so dumm", flüsterte Gibbli.
"Ja, das bist du, mein Schatz", sagte Steven abwesend. Kurz blickte er zu ihr auf. "Hey, keine Sorge Mädchen, Steven richtet das." Er wandte sich wieder dem Steuer zu. "Ich richte alles, oh ja. Ein wenig Kleber drauf und schon hält es wieder" Sie war viel zu aufgewühlt, um ihm zu sagen, er sollte sein Maul halten. "Du hast nur einen winzig kleinen Fehler gemacht. Aber das macht nichts."
"Nein Steven, ich bin der Fehler", murmelte Gibbli.
"Ich bin mir sicher, der Kapitän klaut aus Versehen irgendeine Tauchkapsel. Damit kommen sie schnell hinter uns her."
"Er hasst mich. Abyss hasst mich."
"Dein kleiner Mensch ist wie ein Hüpfball, verstehst du? Er hüpft und hüpft und hüpft. Und irgendwann bleibt er liegen."
Gibbli versuchte, sein Geplapper zu ignorieren, und fragte sich, wie Abyss sie eigentlich gefunden hatte. Auch Sky hatte ihr diese Frage nicht beantwortet. Woher wussten eigentlich alle, dass Djego sie zu sich in sein Quartier nach Mooks gebracht hatte? Steven konnte sie natürlich über die Kugel auf der Mara verfolgen. Plötzlich ging Gibbli ein Licht auf. Sie zog Abyss' Messer aus dem Stiefel und einen kleinen Schraubenzieher aus ihrer Werkzeugtasche. Damit löste sie vorsichtig den Griff von der Klinge. Sekunden später plumpste das Objekt zu Boden.
"Ein Ortungsbot", murmelte Gibbli leise. Das Ding war so winzig, das man es zwischen zwei Fingern verschwinden lassen konnte. Sie hob es mit einer Pinzette auf und zog ein Sonnenstück zu sich heran, um es genauer zu betrachten.
"Oh, ja. Hab gehört, wie er dem Kapitän davon erzählte. Schon vor einer halben Ewigkeit. Würde mich nicht wundern, wenn wir alle noch mehr dieser kleinen Dinger an uns haben. Dieser riesige Kerl ist ein Kontrollfreak, ja das ist er."
"Ein Kontrollfreak", wiederholte Gibbli geistesabwesend. Ihre Finger spielten mit dem Bot und rollten ihn hin und her, als wären es nicht ihre eigenen.
Sein breites Lächeln tauchte in ihrem Kopf auf. Die langen, zerzausten Haare, wenn er keine Lust hatte sie zu binden. Das blasse Gesicht, das immer wieder ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Der Seitenblick, den er ihr ständig zuwarf, egal womit er sich gerade beschäftigte, als gäbe es nichts Wichtigeres als sie. Ach, war doch sowieso alles egal. Sollte Abyss so viele Sonden anbringen, wie es ihm gefiel. Sie steckte das kleine Ding zurück in sein Messer.


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Kapitel 12: Unheil bringende Erfindungen (Bis in die tiefsten Abgründe)

Immer wieder kreisten Gibblis Gedanken um den kaputten Schild der Mara. Sie aß kaum noch. Mit Samantha sprach sie auch fast nicht mehr. Gibbli sah ihr an, dass sie sich Sorgen machte. Aber sie wollte Samantha da nicht mit hinein ziehen. Der jungen Frau schien es selbst nicht so gut zu gehen.
"Bist du wach?"
Während Gibbli durch die oberen Stockwerke Oceas rannte, versank sie immer weiter in Gedanken und zerbrach sich den Kopf über den Adapter. Sie konnte versuchen, ihn zu bauen. Aber das würde zu lang dauern.
"Du siehst krank aus, mein Schatz."
Es wäre möglich, sich hinunter zu schleichen und einen von den Soldaten zu stehlen. Jemand wie Sky könnte das schaffen, vorausgesetzt Jack hatte so ein Ding im Materiallager dabei. Es befand sich am Fuße der Stadt, irgendwo unter ihr.
"Unsinniges Gelaufe! Wozu soll das denn gut sein, Mädchen?"
Wenn es dort keinen gab, müsste man sich über den Aufzug in die Akademie schmuggeln und dort danach suchen. Gibbli spielte mit der Überlegung, es dem Kapitän doch zu erzählen, und verwarf diese Möglichkeit wieder. Er würde sie rauswerfen, wenn er es erfuhr, ganz sicher.
"Im Ernst, das ist so langweilig! Ich mag nicht mehr."
Aber sie selbst war viel zu langsam. Die Soldaten würden sie erwischen. Gibbli fühlte sich unfähig und tollpatschig. Dabei hätte es so einfach sein können. Sie wusste genau, sie besaß sogar selbst so einen Adapter. Er lag unerreichbar in Mooks, im Haus ihrer Eltern, in einer Kiste unter dem Werkzeugtisch.
Wieder ertönte seine klare Stimme: "Wenn ich dir sein Messer in deine Knie ramme, wirst du dann stehen bleiben?"
Erschrocken blieb Gibbli stehen und nahm ihn erst jetzt richtig wahr. "Was tust du hier? Wie hast du mich gefunden?"
Ihr fiel auf, dass er unversehrt war, anders als Abyss in der Aufzeichnung. Um seinen nackten Oberkörper trug er eine Umhängetasche aus glänzender Fischhaut.
"Das ist meine Stadt, schon vergessen? Außerdem bist du drei Mal an mir vorbeigelaufen, ohne mich zu bemerken. Träumst du wieder? Ich renne seit einer halben Stunde neben dir her und du beachtest mich nicht! Das ist nicht nett, Mädchen, nein das ist es gar nicht!"
"Ich ... tut mir leid", rutschte es ihr heraus, mit den Gedanken wieder beim Kapitän.
"Du entschuldigst dich? Du bist tatsächlich krank. Moment, bedeutet das, du hast mich vermisst? Ah, natürlich hast du. Ein gutaussehendes Wesen wie mich muss man einfach vermissen!"
"Sky ist nicht gut auf dich zu sprechen", murmelte Gibbli. Und am liebsten hätte sie umgehend mit ihrem Lötkolben auf ihn eingeschlagen. Er war Schuld an Abyss' Verletzungen!
"Oh ja. Das kann ich mir gut vorstellen", sagte Steven begeistert, dann sanken seine Mundwinkel und verwandelten sich in einen grimmigen Ausdruck. "Und er wird noch weniger gut auf mich zu sprechen sein, wenn er erfährt, was ich zu berichten habe." Jetzt lachte er wieder "Hach, all diese unterdrückte Wut, herrlich." Seine Miene änderte sich in Besorgnis. "Aber du gefällst mir trotzdem nicht, nein, wirklich nicht, hm, so schwach."
"Wo warst du?", fragte Gibbli, um von sich abzulenken. "Du verheimlichst etwas."
"Du auch", gab Steven zurück.
Gibbli stützte sich erschöpft an einer Wand ab und schwieg. Sie spürte ihn nicht. Das war gut und schlecht zugleich. Die Blockade wirkte noch immer in der Stadt.
"Komm schon, Mädchen. Lass uns zu den anderen gehen. Dieses Herumgerenne nervt. Und währenddessen erzähle mir, was los ist, abgesehen davon, dass du dürrer aussiehst."
"Ich bin dünner geworden?", fragte sie erstaunt. Also half das Laufen doch? Es war ihr noch gar nicht aufgefallen. Gibbli nahm sich vor, noch weniger zu essen.
"Du hast Energie verloren. Das ist nicht gut", sagte er, als sie sich auf den Weg zur Mara machten.
Musste er sich immer überall einmischen? "Wie seid ihr eigentlich hier hergekommen?", fragte sie, um ihn auf ein anderes Thema zu bringen. Sie hatte sich schon immer gefragt, wie es möglich war, so eine große Strecke zu bewältigen.
"Hier runter? Wir haben die Stadt erbaut. Nun, ich nicht, ich habe lediglich einige Verbesserungen vorgenommen, denn ich kam später, durch das Portal."
"Ich meinte die Oceaner von eurem Planeten zu unserem, hierher."
"Sie haben Technologien entwickelt, um den Raum zu krümmen. Die Strecke ihrer Reisen verkürzte sich dadurch erheblich. Natürlich würde das alleine nicht ausreichen. Seit wann interessiert dich das Mädchen, du willst mir doch sonst nie zuhören?"
"Jetzt interessiert es mich eben." Vor allem, wenn das andere Thema darum gehen würde, über ihren aktuellen Zustand zu sprechen. "Haben sie die Zeit auch gekrümmt?"
Steven betrachtete sie für einen Moment. Er wäre dabei fast gegen eine Wand gelaufen, dann ging er zögernd auf ihre Frage ein. "Das funktioniert so nicht. Nicht mit einem materiellen Körper. Wenn du ihn verlässt und die Zeit entlanggehst, das könnten wir, dann würden wir ihn zurücklassen und sterben. Du nimmst den Verlauf der Zeit wahr, weil du einen Körper hast."
"Das verstehe ich nicht. Also muss man die materielle Form ja doch verlassen", folgerte Gibbli.
"Das überrascht mich nicht, du bist ja auch nicht annähernd so schlau wie ich und wenn du noch dünner wirst, wirst du deinen Körper eher verlassen, als dir lieb ist, Mädchen."
Ihr Blick verdüsterte sich. "Du lenkst ab."
"Ich lenke ab von deiner Ablenkung?"
"Ich bin dumm und du nicht. Zufrieden? Erklärst du es mir jetzt?"
Steven grinste. "Na gut, Mädchen, weil du so nett bist. Eine Zeitkrümmung wäre durchaus möglich, jede Ebene kann gebeugt werden. Aber nur wenn man in ihr lebt und die entsprechenden Technologien dafür entwickelt. Und dann muss man sie verlassen, um es zu ermöglichen. Von außerhalb, du verstehst? Aber du musst in der Lage sein, zurückzukehren. Und das sind wir nicht. Es wäre für uns also sinnlos die Zeit zu krümmen, wir können sie nicht verlassen und zurückkehren, weil wir gar nicht erst in ihr drin sind. Wir nehmen nur den Rand ihrer Ebene wahr."
Gibbli verstand. Die Oceaner fanden also andere Methoden für die fehlenden zwei Zeitdimensionen. "Wie habt ihr es dann gemacht?"
"Wie dir bereits aufgefallen sein dürfte, gibt es hier Energiefelder in der Stadt, die bewirken, dass man hier nicht altert. Das funktioniert mithilfe von lebenden Willens gekoppelter Technologie, die sich in den Teil der von uns begehbaren Zeitebene einhakt, sich festkrallt. Der umgebende Fortschritt selbst wird dabei nicht berührt."
Also hatten die Oceaner diese Felder verwendet, um ihr Leben zu verlängern und um am Ende der Reise noch zu leben, wenn sie lange Strecken zurücklegten. Die beiden stiegen ein Stockwerk tiefer. Gibbli kannte Djegos Plan der Wachen auswendig. Bis zur Mara hatten sie mit einem kleinen Umweg um diese Zeit freie Bahn. Vielleicht konnte sie sich diesen Plan zunutze machen, um in Jacks Lager hinabzuschleichen. Sofort verwarf sie den Gedanken. Hier oben mochte es Lücken geben, aber dort unten waren die Soldaten rund um die Uhr unterwegs. Immer und überall. Es gab keine Möglichkeit, unentdeckt zu bleiben.
"Weißt du was, Mädchen? Ich weiß es! Oh ja", plapperte Steven munter weiter. Er klang dabei so übertrieben, als würde er von einer epischen Schlacht berichten. "Hier auf eurem Planeten gibt es Geschöpfe, die in der Lage sein könnten, unsere Grenze der Zeitebene zu überschreiten. Geschöpfe, die vielleicht sogar zum Teil hinein leben könnten. Gib den Tiefseemenschen ein paar Generationen und ihre Eigenfrequenz wird sich soweit verschieben, dass Zeit für sie begehbar wird wie für uns Raum. Die Landmensch-Tiefsee-Hybriden scheinen besonders sensibel dafür zu sein." Seine Stimme wurde trauriger. "Wäre schön gewesen, das mitzuerleben. Einer der Gründe, warum ich hier auf eurem Planeten bleiben wollte. Hach, so ein-"
"Warte", unterbrach sie ihn. "Was meinst du mit, wäre schön gewesen?"
"Nun, wir sterben."
"Das behauptest du ständig. Warum?", fragte Gibbli missmutig.
"Das ist eine der Fragen, die du nicht stellen sollst."
"Aha. Und warum nicht?"
"Im Gegenzug dafür, dass ich dir auch keine Fragen mehr stelle, die du nicht beantworten willst?"
Gibbli nickte. "Hm. Okay."
Sie überquerten die Überführung, die in den Felsen hinein zur Andockstelle führte. Von der Stadt aus war das Energiefeld des Sichtfensters getarnt, welches sich zwischen dem mit Luft gefüllten Hohlraum Oceas und dem Wasser befand.
"Ja, schweig mich tot. Darin bist du unschlagbar", sagte Steven nach einer Weile. "Willst du jetzt plötzlich nichts mehr von meinem überragenden Wissen abhaben, wo ich dich nicht mehr ausfrage?"
Gibbli ging genervt neben ihm her. Endlich neigte sich der letzte Gang dem Ende zu. Sie erreichten die Schleuse zur Mara. Der Oceaner drehte das Rad, um den Eingang hinter ihnen zu schließen. Gibbli wollte auf der anderen Seite gerade ein Signal schicken, damit jemand das Tor zum U-Boot öffnete, doch Steven hielt ihren Arm fest und schüttelte den Kopf.
"Warte, Mädchen" Er nahm seine schillernde Tasche ab. "Keine gute Idee, das dem Kapitän zu zeigen, oh nein. Er würde vor unterdrückter Wut viereckige Purzelbäume schlagen. Hm, das wäre sogar lustig. Egal. Öffne es dennoch lieber nicht vor seinem Gesicht." Steven holte aus dem fischhautartigen Material eine Box hervor und überreichte sie Gibbli.
Das Ding war schwer und nicht ganz so lang wie ein Taucherhelm. "Ist das ...?" Mit geweiteten Augen starrte sie es an.
"Die konservierte Hand eines Soldaten. Vor einer Stunde frisch abgehackt. Natürlich nur für dich, Mädchen. Bilde dir bloß nicht ein, dass ich das für dein dämliches Menschlein mache!"
Gibbli strahlte. Steven hatte die Aufgabe tatsächlich gelöst! Sie würde die Finger endlich bauen können! Natürlich erst, nachdem das Problem mit dem Schutzschild beseitigt war. Schnell steckte sie die Box in ihre Werkzeugtasche. Plötzlich hämmerte es hinter ihnen gegen die Scheibe. Dort draußen stand Djego! Er schrie, doch durch die schalldichte Schleuse drang kein Laut. Der Oceaner legte den Kopf schief und blickte ihn abschätzend an. Nervös trat Gibbli einen Schritt auf den Schleusendurchgang zu und schüttelte den Kopf. Sky wollte nicht, dass Fremde ohne sein Beisein das U-Boot betraten. Djego sagte irgendetwas und blickte sie mit diesen unglaublichen Augen an. Dann grinste er und Gibbli versank in seinem Lächeln. Warum musste er das nur immer machen? Sie spürte Stevens interessierten Blick auf sich und wollte sich umdrehen. Doch Djego hämmerte wieder gegen die Scheibe der Luke. Jetzt hob er sein EAG. "Nachricht für Kapitän", stand darauf. Gibbli konnte sich denken, worum es ging. Bei jeder sich bietender Gelegenheit überbrachte Djego die Nachricht von Jack, dass er Sky treffen und mit ihm verhandeln wollte. Doch der Kapitän hatte sich bisher geweigert, darauf einzugehen. Gibbli überlegte. Es gab mehrere Möglichkeiten, die Mara zu öffnen. Zum einen von innen. Dann mit der Karte, die Bo jetzt bei sich trug, das runde Metallstück aus dem Archiv der Akademie. Und natürlich konnte Steven jederzeit mit seinem Frequenzverschieber durch die Wände hindurchlaufen. Das bedeutete, sie müssten nicht einmal warten, bis Sky oder Samantha ihr Signal bemerkten. Gibbli zögerte, dann fuhr sie herum, als sich plötzlich die Innenschleuse der Mara hinter ihr öffnete. Aufrecht und mit festen Schritten trat der Kapitän durch die Luke aus der Mara heraus. Sofort nahm er die ganze Schleuse für sich ein. Alle wichen vor ihm zurück, sogar Steven. Samantha war ihm gefolgt, leise, fast unscheinbar. Sie wirkte etwas verschlafen.
"Folgt mir", befahl Sky mit emotionsloser Stimme. Sein missmutiger Blick streifte Djego auf der anderen Seite. "Alle."
 
"Hallo Vielleichtfreundin", raunte ihr der junge Soldat zu, als sie die Schleuse verließen.
Gibbli schwieg und sie gingen hinter dem Kapitän her, der sie weiter nach oben in die Stadt führte. Samantha schien mehr zu schwanken. Sofort war Djego zur Stelle und bot ihr einen Arm an. Gibbli ließ sich ein Stück zurück fallen und beobachtete die beiden.
"Das ist interessant", flüsterte Steven neben ihr, sodass nur Gibbli es hören konnte.
"Was?", fragte sie zurück, in Gedanken noch immer bei Djego. Sie wünschte sich fast, er würde neben ihr hergehen, statt dort vorne neben Samantha.
"Dieser Blick des Lockenkopfes und wie du ihn erwiderst, Mädchen", sagte der Oceaner leise. "Abyss wird das nicht gefallen. Nein, das wird es ganz und gar nicht. Oh, das ist lustig."
Gibbli stellte sich vor, wie sie Stevens Mund mit dem Schweißgerät versiegelte.
"Als würde sich die Geschichte wiederholen. Jeff und Rod und Mara."
Sie hatte keine Lust, ihm zuzuhören. An Rod wollte sie auf keinen Fall denken. Gibbli musste Steven beschäftigen, bevor er wieder mit unbequemen Themen anfing. "Du redest ständig von Ebenen. Was bedeutet das, was sind diese Ebenen?", fragte sie.
"Finde es heraus, Mädchen."
Konnte er nicht einmal seine dummen Spielchen lassen? "Wie?"
"Stell mir die richtigen Fragen."
Gibbli schnaubte. "Und welche?"
Kaum war dieses goldene Monster zurück, ging er ihr wieder auf die Nerven. Aber er würde antworten. Dafür war er ein zu großer Angeber, als dass er es einfach gut sein lassen konnte.
"Du könntest den hinreißenden Steven fragen, auf was der größte Teil oceanischer Technologie beruht, Mädchen."
"Das weiß ich längst. Elektromagnetische Felder. Du hast sie einmal als die Verbindungsebene bezeichnet."
"Du merkst dir tatsächlich, was ich sage? Ah, das erfüllt mich mit Freude! Elektromagnetische Wechselwirkung. Ja, die Verbindung zwischen Raum, Zeit und Gravitation. Und wie entsteht sie?"
"Strahlung."
"Aus was besteht elektromagnetische Strahlung?"
Gibbli zuckte mit den Schultern. "Photonen?"
"Möglich, wenn ihr es so bezeichnet. Manchmal kann man diese Photonen sehen, nicht wahr?"
"Photonen sind keine Teilchen."
"Nein, natürlich nicht, es ist nicht stofflich. Aber du siehst es, oh ja. Nicht nur das, du nimmst es nicht wahr, wie die anderen Menschen deiner Art das tun. Du siehst es wie ein Oca. Du siehst nicht nur ihr begrenztes Spektrum und die Anwesenheit. Du spürst die Veränderungen. Die Energie." Er spannte seine Finger an, erhob sie wie Krallen und tat so, als würde er während des Gehens etwas Unsichtbares in der Luft packen.
"Ich spüre ihre Frequenzen", murmelte Gibbli und beobachtete Djego, der Samantha vor ihnen gerade eine Rampe hoch half.
"Ja! Du kannst sie beeinflussen, weil du zum Teil ein Oca bist. Die Oca leben nicht nur in den drei Raumebenen, sondern auch in der elektromagnetischen Zwischenebene."
"Mit den Mog."
"Richtig, Mädchen. Nur dass die Mog eine Ebene weiter leben, versetzt. Ihnen fehlt eine Raumebene, dafür leben sie zusätzlich in der Ebene, die wir als Materie wahrnehmen."
Sie passierten eines der großen Kühlaggregate, die überall verteilt in der Stadt standen und unaufhörlich ihre eisige Luft verbreiteten. Steven hatte irgendwann erwähnt, dass man sie früher nicht brauchte, als sich noch mehr Bewohner in Ocea befanden. Doch mittlerweile wäre es ohne die Maschinen in dieser Tiefe unerträglich heiß.
"Was passiert, wenn man ein, du nanntest es Photonenstück, stoppt? Wenn man es anhält?"
"Es hört auf zu existieren." Gibbli verstand nicht, worauf er hinaus wollte.
"Nein. Nein, Mädchen. Du nimmst es nur nicht mehr wahr, innerhalb deines Bereichs. Fehlende Frequenz, die du nicht spürst oder mit der beschränkten Mathematik deiner Ebenen nicht beschreiben kannst, bedeutet nicht, dass sie nicht mehr existiert. Wenn du die Frequenzen mit Gedanken veränderst, um oceanische Technologie zu steuern, dann sieht es aus deiner Sicht so aus, als würden sie stoppen oder wie aus dem Nichts erschaffen werden. Doch das passiert nicht. Du nimmst oder übergibst sie lediglich an eine andere Ebene."
"In welche?" Gibbli dachte an die schleierhaften Leuchtwesen auf Oca. Sie bewegten sich im oder am Raum. "Ich nehme nicht an, die Mog leben in so etwas wie einer Fläche, obwohl ihnen eine Raumebene fehlt?"
"Ja und nein. Aber jetzt stellst du die richtigen Fragen, Mädchen. Denk an die Kraft der Gravitation." Steven hob im Gehen einen Golddraht vom Boden auf und fing an, ihn zu zerfeckeln.
"Gravitation ist keine Kraft."
"Natürlich nicht, das sind nur Worte deiner beschränkten Sprache. Ebenen, Dimensionen, Kräfte, wie immer du sie bezeichnest, es sind alles nur Vergleiche. Worauf ich hinaus möchte, es gibt keine fest begrenzten Ebenen, nur schleichende Übergänge. Die Frequenzen verändern sich nicht abgestuft. Du kannst eine Wellenlänge nicht stufenweise erhöhen, indem du einfach plus Eins rechnest."
"Weil es unendlich viele Zahlen zwischen Eins und Null gibt", murmelte Gibbli.
"Genau. Wie ein Kreis, eine Rampe, keine Treppen. Aber eigentlich ist es noch eine Ebenensicht zusätzlich. Das alles sind nur beschreibende Scheinbilder, um sie in deiner begrenzten Wahrnehmung vorstellbar zu machen. Nenne es, wie du willst. Doch Gravitation ist auch keine Ebene."
"Als was nimmst du Gravitation wahr? Ich meine, als Mog?"
Steven verzog das Gesicht, als würden ihn ihre Worte anekeln. "Ich unterliege ihr, weil ich kein Mog mehr bin. Aus menschlicher und aus der Sicht der Oca ist es die in ihrem Weltstück spürbare Auswirkung einer anderen Ebene. Und diese Ebene ist deine Antwort."
"Masse", sagte Gibbli.
"Materie." Steven warf die Stücke des Golddrahtes durch die Luft. "Materie ist eine Ebene, die wir ... ihr als stofflich wahrnehmt, ist für die Mog nichts anderes als eine weitere Ebene wie Länge oder Breite. Im Grunde lassen sich die Ebenen nicht einteilen. Sie sind eins. Wir nehmen sie nur als Stücke wahr, haben gelernt sie zu unterteilen, um die Umgebung besser beschreiben zu können."
"Darum also können die Mog alles Stoffliche ändern. Darum kannst du durch Räume gehen?"
"Da ich meine Physiologie veränderte, um mich den Oca anzugleichen, benötige ich technische Hilfsmittel, um das zu bewerkstelligen. Aber wäre ich nur ein Mog, dann ja, dann könnte ich das."
"Also sind wir selbst nichts weiter als Teile, Hindernisse einer Ebene?"
"Du kommst den Tatsachen näher. Zu unserem Glück sind wir mehr als das. Du hast dich durch dein Leben lediglich einem Teil dieser Materie bemächtigt. Doch ja, wir stellen einen Verbund dar. Und diese Ebene, dieses Weltstück, schluckt die Frequenzen, mit der Veränderung auf dem elektromagnetischen Spektrum. Um ocanische Technologie zu steuern, greifst du, greifen die Oca in ihre Ebene der Existenz ein. Es ist, als würdest du plötzlich eine Mauer erschaffen oder den Boden unter deinen Füßen verschwinden lassen. Nur eben auf ihrer Ebene. Du veränderst damit ihren Lebensraum."
Langsam begriff Gibbli, was die Oceaner mit ihrer Technologie unter den Mog anrichteten. Als Konsequenz waren die Mog nicht weniger grausam zu den Oceanern. Diese Leuchtwesen hatten ihr ganzes Volk beinahe vollkommen vernichtet. "Leben die Mog auch am Rand der Zeit?"
"Ja, Mädchen. Für sie liegen die Zeitebenen nur auf der anderen Seite ihres bekannten Lebensraums und es fällt ihnen schwerer, sie zu erfassen als uns."
"Es gibt Reihenfolgen?", fragte Gibbli, als sie die letzte Rampe hochstiegen, die zu den drei Häusern im obersten Stockwerk führte.
"Nicht direkt. Sie liegen nicht auf einer Linie, wenn du das meinst. Denk räumlich und weiter, umfassender."
Gibbli nickte. "Wie weit gehen diese Ebenen? Wie viele gibt es? Ich meine, wie weit reichen die Frequenzbereiche und was ist jenseits von ihnen, von ...?"
"... von weit weg und doch nicht örtlich gebunden und ganz nah, du verstehst es jetzt, Mädchen. Nach meiner Kenntnis gibt es kein Ende. Es gibt keinen Anfang. Unendlichkeit, in alle Richtungen."
"Woher weißt du das?" Sie hatte nicht erwartet, dass er auf diese Frage eine Antwort besaß.
"Als ich meine Frequenz von einem Mog zum Oca änderte, bekam ich Einblicke, wie nur wenige vor mir." Steven zögerte. "Ich kam während der Umwandlung mit Wesen in Kontakt, deren Daseinsform mehrere hundert Ebenen umfasst, inklusive der unseren."
Der Gedanke, dass es eine derartige Lebensform gab verursachte Gibbli eine Gänsehaut. Einige Meter vor ihnen öffnete der Kapitän die Luke zum obersten Stockwerk der Stadt.
"Frag nicht, was ich tun musste, damit sie mir den Übergang erlaubten, diese Geschichte ginge jetzt zu weit. Jede Spezies besitzt ihren Frequenzbereich, welcher verschieden definierte Ebenen umfasst, in denen sie lebt. Manche überschneiden sich, leben miteinander oder kommen sich in die Quere. Es gibt auch Lücken. Aber ein Großteil des Alls ist bewohnt."
"So viel Leben", murmelte Gibbli fasziniert. Und ihre beiden Spezies hatten das Pech, von den unendlichen Möglichkeiten des Seins, gerade diese Frequenzbereiche zu treffen, die sie auf so unterschiedliche Weiße wahrnahmen, dass sie nicht miteinander klar kamen.
 
Sie setzten sich im obersten Stockwerk auf den zentralen Platz zwischen den zwei Häusern. Einzig Sky zog es vor, zu stehen. Er wirkte weder wütend noch erfreut über Stevens Erscheinen.
Mit verschränkten Armen forderte er den Oceaner auf, sich zu erklären: "Wegen dir ist mein Plan mit den Tiefseemenschen gescheitert. Gib mir einen Grund, Abyss nicht zu rächen, außer, dass er es selbst tun wird, wenn er hier auftaucht."
Steven grinste. "Ich gebe dir einen guten, Kapitän. Einen sehr guten. Nun, nein, gut ist er nicht." Steven schloss die Augen. "Und ich gebe ihn dir auch nicht. Außerdem", Steven grinste, "habe ich ihm doch nichts getan, oder?"
"Ich bin mir sicher, du weißt, warum wir dieses Gespräch hier führen und nicht auf der Mara." Sky nickte zu dem Riss hinüber, der eines der drei Häuser am Platz unbegehbar machte. "Ich nehme an, dein Grund hat mit diesem Ding zu tun. Ich gehe jetzt dort hinein und werde herausfinden, was er zu bedeuten hat."
"Nein!" Steven sprang auf und stellte sich mit ausgestreckten Armen vor den Kapitän, um ihm den Weg abzuschneiden. "Du stirbst, wenn du das tust!"
"Dann sag mir, was hier los ist! Sofort!"
Steven zögerte. "Na gut, Kapitän." Er setzte sich auf den Boden vor den Riss. "Ich war in der Spionagebasis der Mog."
"Die Mog haben hier eine Basis?", fragte Gibbli erstaunt und beunruhigt zugleich.
"Wer sind die Mog?", fragte Djego.
Sky kniff die Augen zusammen.
"Ich war damals nicht der Einzige, der hier her kam. Aber die anderen wollten die Oca zusammen mit dieser Stadt zerstören. Ich musste sie aufhalten, oh ja, ihr versteht? Meine Mara, meine geliebte Mara, mein geliebter Jeff, wie konnte ich sie ihnen überlassen? Ich musste das tun!"
"Weiter", befahl der Kapitän, als Steven innehielt und Gibbli traurig angrinste.
Sie schluckte, blickte kurz zu Djego, der ihr gegenüber saß, um dann schnell wieder wegzusehen, als sie bemerkte, dass er sie beobachtete. Steven hüpfte auf die Beine und fing an vor dem Riss hin und her zu gehen. Gibbli fiel auf, dass mittlerweile mehr von der Wand gelöste Bruchstücke darin schwebten als noch vor ein paar Tagen.
"Es war einmal vor sehr langer Zeit, an einem wunderschönen Tag ..." Er blieb stehen. "Hach, das erinnert mich an eure Märchen."
"Kannst du nicht einfach normal erzählen, um was es geht?", fragte Samantha müde. Sie lehnte an einer Kiste neben Gibbli.
"Ihr wollt die kalte, seelenlose Geschichte hören? Nun gut. Es existiert eine Schutzvorrichtung, eine Maschine. Meine Maschine. Mein Meisterwerk. Ich mochte die Oca zu sehr, als dass ich sie vernichten konnte. Also vernichtete ich stattdessen die anderen Spione. Meine Brüder. Die Mog, die mit mir hier her kamen. Und ich baute die Maschine. Ein Mechanismus, der mein Volk daran hindern sollte, die Oca auf diesem Planeten zu zerstören. Ein Mechanismus, der bewirkte, dass die Mog sie hier ein für alle Mal zufriedenlassen mussten und nie wieder hier her kommen würden."
"Das ist doch gut, oder?", fragte Gibbli leise.
"Nein, nein nein. Nein, Mädchen. Du verstehst nicht! Ihr seid unwissend."
"Diese Beben sind deine Schuld", stellte Sky ruhig fest und betrachtete die Öffnung der Dimension hinter ihm. "Deine Maschine verursacht diese Risse."
Steven zögerte, dann nickte er seufzend. "Ja. Meine. Mein Versuch Leben zu retten, wird es vernichten." Er schüttelte langsam den Kopf. "Kapitän, es war die einzige Waffe, die gegen Mog hilft. Ich errichtete meine Maschine in ihrer ehemaligen Basis und ließ ihnen durch das Portal eine Nachricht über ihre Funktionsweise zukommen. Das, was gerade passiert, sollte nie passieren!"
"Eine Waffe soll helfen, Leben zu retten? Die Mog schätzen das Leben", sagte Sky. "Ich habe mit ihnen verhandelt. Sie ehren es."
Steven lachte. "Genau das brachte mich auf die Idee. Sie schätzen es nicht nur, sie lieben das Leben. Jedenfalls solange es ihnen nicht in die Quere kommt."
"Erkläre das", verlangte der Kapitän.
"Meine Maschine brachte die Mog dazu, keine Spione mehr hier her zu schicken. Leider zog ihr Krieg die Oca zurück in ihre Heimat, wovon ich verzweifelt versuchte, sie abzuhalten", fügte er theatralisch hinzu, "aber sie sind so stur, die Oca. Hier wären sie sicher gewesen! Meine Freunde, meine geliebten-"
"Komm zum Punkt!", knurrte Sky genervt.
Steven verstummte und stellte sich direkt vor den Kapitän. Furchtlos starrte er ihn an. "Meine Maschine scannt einen Teil dieses Planeten. Diese Stadt, Ocea, die Akademie über uns, die Hauptstadt Mooks und einige weitere Unterwasserstädte in der näheren Umgebung. Sie sucht nach lebender DNA der Oca, nach den elektromagnetischen Wellen, welche von ihnen ausgestrahlt werden. Registriert die Maschine sie, passiert gar nichts. Doch sollte ihre DNA jemals von diesem Planeten verschwinden, wird der Mechanismus ausgelöst. Die Mog verachten Zerstörung. Doch genau das macht dieser Mechanismus. Er zerstört. Die Oca hingegen werden angezogen von Gewalt, Kampf und Schmerzen. Ich liebte ihre Art, so aufregend, so neu, so ungewohnt. Darum baute ich diesen Schutz. Die Mog waren nicht mehr im Stande, die hier lebende Oca Kolonie zu vernichten. Denn damit hätten sie mit ihnen Milliarden Tiere ebenfalls ausgelöscht, das heißt auch alle Völker der Menschen. Das sollte sie für immer fernhalten. Genau das passiert jetzt. Diese Maschine wird den gesamten Planeten vernichten. Die Maschine wurde ausgelöst."
Stille breitete sich um sie herum aus. Gibbli blickte Steven fassungslos an. Sky runzelte die Stirn.
"Warum hast du sie nicht abgeschaltet?", fragte Samantha.
"Ich war dort, denkst du nicht, ich hätte es getan, wenn ich es gekonnt hätte? Die Maschine lässt sich nicht so einfach abschalten!"
"Nein", sagte Sky ruhig.
"Es gibt absolut nichts, was wir dagegen tun könnten, Kapitän. Ich sicherte das Überleben der Oca, die ich liebte. Und jetzt wird dieser Schutz euer Verderben sein. Dein Plan, die Menschen zu einen, ist hinfällig. Sinnlos."
"Das kann nicht sein", wiederholte Sky. "Du sprachst von oceanischer DNA. Und diese ist hier."
"Sie war hier", berichtigte Steven ihn. "Nachdem Mara starb, hat Jeff lange gezögert, bis er sich überwand zu gehen. Er hatte Angst, dass Coras Geist nicht ausreichen würde. Doch letztendlich verschwand er durch das Portal."
"Also reichte Cora aus", sagte der Kapitän.
"Oh nein, es war nicht Cora. Nicht sie allein. Es war das Kind von Mara und Jeff, von dem er nichts wusste." Steven wandte sich zu Gibbli um. "Es war die Anwesenheit deiner Vorfahren Mädchen, die den Mechanismus stoppten. Doch außerhalb der Stadt altert auch mein Volk. Dieses Kind ist längst gestorben. Und du bist nur zu einem Viertel Oca. Dein Vater war es zur Hälfte. Das reichte aus, mit Cora und mir zusammen. Doch Jack ließ deinen Vater hinrichten und du warst weg, wir beide gingen durch das Portal. Offensichtlich reichte das nicht mehr aus. Kein ganzer Oca mehr da. Die Maschine wurde in Gang gesetzt."
"Also hat Abyss es doch richtig verstanden. Darum ließen sie uns einfach gehen. Die Mog wussten es. Die Mog dachten, dieser Planet sei längst zerstört. Die Mog dachten, wenn wir durch das Portal gehen, landen wir im Nichts."
"Ja, Kapitän."
"Aber er wurde nicht zerstört. Und jetzt ist sie wieder da. Gibbli ist wieder da", sagte Sky nachdrücklich.
"Ja, umgeben von ... was auch immer alle elektromagnetischen Strahlen hier blockiert. Die Maschine dringt nicht mehr durch. Sie registriert weder mich noch mein Mädchen, wobei auch ich nicht als ganzer Oca zähle. Und Cora ist abgeschaltet. Ich ... ihr Geist ... ihre Seele vielleicht für immer verloren", flüsterte der Oceaner. Eine Träne rann über seine goldenen Wangen. "Meine kleine Cora. Meine Cora ..."
Djego schien plötzlich unruhig zu werden.
"Aber es passiert nicht sofort", stellte Sky fest. "Deine Maschine löst nur einzelne Beben aus. Warum?"
Steven schüttelte den Kopf. "Ich denke, zum Teil, eben weil sie hier nicht durchdringt. Die Maschine zögert es selbst hinaus, vielleicht hat sie doch irgendwo Reste aufgeschnappt oder drang für einen Moment durch, ich brauche Zeit für Berechnungen, ich ..."
"Was hast du?", fragte Gibbli an Djego gewandt und alle Blicke wandten sich ihm zu.
"Störsender." Er hob den Kopf. "Jack hat Störsender entwickelt, die oceanische Technologie unterbinden sollten. Darum funktioniert hier nichts. Ich ... ich hätte es früher erwähnt, aber ich wusste nicht, dass es wichtig ist." Djego zuckte mit den Schultern.
"Er muss sie abschalten", befahl Sky. "Sofort!"
Der junge Soldat sprang auf, als wäre er froh, von ihnen wegzudürfen. "Ich richte es ihm aus. Aber Kapitän, wenn ihr endlich miteinander reden würdet-"
"Nein."
"Ich verstehe das nicht, warum? Er will verhandeln! Er-"
"Das will er nicht. Das ist lediglich ein Vorwand. Jack will diskutieren des Diskutierens Willen, aber eine Verhandlung kommt für ihn niemals in Frage. Er will etwas anderes, was er nur über meine Leiche bekommen wird. Geh jetzt!"
 
"Krank", sagte Samantha, als er gegangen war. "Glaubst du, es hilft?"
Gibbli blickte ihm gedankenverloren nach und zuckte mit den Schultern. Sie hatte keine Ahnung. Vor allem war nicht einmal klar, ob Jack die Störsender auch wirklich abschalten würde. Sie beobachtete Steven, der er leise auf Sky einsprach. Dieser Oceaner war ein verdammtes Genie. Dass er Wissen über diese Art von Mechanismus besaß, war klar. Doch daraus so etwas faszinierendes zu bauen, das hätte sie ihm nicht zugetraut.
"Sam, begleite Steven zurück auf die Mara", befahl Sky plötzlich.
Gibbli stand auf, doch der Kapitän bedeutete ihr zu warten. "Steven bringt Cora auf die Mara. Er versucht, sie wieder in Gang zu bekommen. Vielleicht funktioniert es dort. Das U-Boot scheint gegen Jacks Störsender abgeschirmt zu sein."
War abgeschirmt, dachte Gibbli düster.
Sky blickte Samantha nach, die Steven zum Haus folgte, wo er Cora mühelos hochhob. "Ist dir etwas an ihr aufgefallen?"
"An Sam?", fragte Gibbli.
"Ja. Sie scheint krank zu sein. Sam ist fast durchgehend müde. Das einzige was sie noch macht, ist essen und schlafen. Ich sprach sie mehrmals darauf an, aber sie will mir nichts erzählen. Sag mir, was du darüber weißt."
"Nichts."
Er nickte. "Okay. Es geht mich auch nichts an." Sky trat näher an sie heran. "Und bei dir? Ist alles okay, Gibbli?"
Verwirrt blickte sie zum Kapitän auf. Das war eine seltsame Frage aus seinem Mund.
"Du isst wenig. Und das geht mich sehr wohl etwas an. Steven hat mich eben darauf angesprochen. Natürlich drückte er es wie immer etwas übertrieben aus. Er meinte, du siehst, wie nenne ich es ... schwach aus. Jetzt, wo er es sagte, er hat recht. Ich habe nicht bemerkt, wie du dich langsam veränderst, weil ich durchgehend hier war."
Gibbli zuckte mit den Schultern. Jetzt fing er auch noch damit an. Jetzt, wo sie endlich dünner wurde, jetzt wo sie möglicherweise vielleicht sogar irgendwann einmal auch nur annähernd zu einer ansehbaren Form kommen konnte.
"Erzähl mir, was los ist."
"Nichts", sagte Gibbli schnell.
"Ich mag dieses Wort nicht, Gibbli."
"Es ist ... nichts."
Sky stieß laut die Luft aus. "Übertreibe es nicht mit dem Laufen." Er wandte sich von ihr ab und folgte Steven und Samantha nach unten.
Erleichtert atmete Gibbli auf. Wenigstens ließ er sie in Ruhe. Sie war sich sicher, dass Abyss nicht so leicht nachgegeben hätte, er hätte alles aus ihr herausgequetscht. Darüber, warum sie so viel trainierte, so wenig aß, einfach alles, was sie dachte und ihre Gedanken verstopfte. Und über den Schutzschild, dass es ihre Schuld war. Dass sie zu nichts nutze war und alles falsch machte. Gibbli lockerte ihre Fäuste, als sie bemerkte, wie ihre Fingernägel in ihre Haut stachen.
 
Die Plattform Oceas schien weitaus besser für den Bau der Maschinenhand geeignet zu sein, als die Mara. Gibbli hatte alle Teile zum ausgeschalteten Portal hochgeschleppt. Ein paar Funken würden hier nichts kurzschließen können. Wie auch, es lief ja nichts mehr. Außerdem konnte sie hier oben konzentriert an den Fingern schrauben und die Nervenfasern der abgetrennten Hand einarbeiten, ohne dass der Kapitän bemerkte, was sie tat. Es fehlten nur noch ein paar Golddrähte und die gab es hier tatsächlich an jeder Ecke. Gibbli befand sich gerade im 28. Stockwerk, drei Etagen unter der Plattform. Dort hatte sie einen Raum mit vielen Bauteilen entdeckt, die gut zu gebrauchen waren. Gibbli steckte einige davon ein und trat hinaus in den Gang. Der Eingang gegenüber erregte ihre Aufmerksamkeit. Ein Torbogen leuchtete auf, als sie hindurch schritt. Warum reagierte er? Unheimliches Rauschen durchdrang den Raum. Er war rund angelegt mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern. Langsam trat Gibbli direkt in die Mitte. Irgendwie fühlte es sich komisch an, hier zu stehen. Ein machtvolles Kribbeln ergriff von ihr Besitz. Über ihr blitzten goldene Lämpchen auf. Das war seltsam, bekamen sie plötzlich Energie? Fast hätte sie aufgeschrien, als ein durchdringendes Dröhnen ihr durch Mark und Beine fuhr. Das Geräusch ähnelte einem tiefen Donnerschlag, wie sie es auf dem Planeten der Mog erlebt hatte. Nur etwas kürzer. Unter ihren Stiefeln begann sich etwas zu bewegen. Es klang wie aufeinander reibendes Metall, das sich alle zwei bis drei Sekunden wiederholte. Gibbli wischte ein paar Sonnenstücke beiseite und ging auf die Knie. Zwischen dem Bodengitter hindurch konnte sie ein riesiges Rad erkennen, welches den gesamten Raum ausfüllte. Es hatte angefangen, sich zu drehen! Täuschte sie sich, oder begann die Luft um sie herum dichter zu werden? Das ungute Gefühl, plötzlich im Inneren eines gigantischen Motors zu stehen, breitete sich in ihr aus. Gibbli spürte, wie ihr Körper ein paar Zentimeter vom Boden abhob. Der Sauerstoff wandelte sich! In Wasser! Sie würde gleich ersticken! Gibbli hielt die Luft an.
 
In rasendem Tempo zog sich das Wasser durch ihre Kiemen. Sie war allein. Das runde Amulett an ihrer Brust drehte sich. Es leuchtete orange auf und heilte die Wunden durch ihre eigene Kraft. Bo bemühte sich, die Schmerzen an ihren Beinen zu ignorieren. Die Kratzer der spitzen Krallen, denen sie gerade entkommen war, zogen sich quer über die bläulichen Schuppen ihrer Haut. Erschöpft schlängelte sie sich am Rand der vielen Felserhebungen entlang. In diesen Steinen befanden sich einige Behausungen der Hochseemenschen. Hätte sie auf Nox hören sollen? Ihm folgen sollen? Nein, sie führte Skys Befehl aus! Der Kapitän hatte Vorrang. Sie musste zurück und es noch einmal versuchen. Das Marahang drehte sich schneller und die Wunden begannen zu heilen. Um ihren Halbbruder konnte sie sich später kümmern.
 
Gibbli schlug die Augen auf. Verdammt, so etwas war ihr eine ganze Weile nicht mehr passiert, das letzte Mal in der Meeresgondel. Sie hatte die Kontrolle verloren und war wieder dem Marahang gefolgt, Maras DNA, in Bo's Körper. Moment, was war das? Nein! Sie befand sich ja noch immer im Wasser! Ihre Finger wanden sich um ihren Hals. Das waren ihre eigenen Finger, nicht die von Bo! Gibbli würgte und die Luft entwich ihren Lungen. Panisch strampelte sie mit den Beinen. Kurz verschwamm die Sicht vor ihren Augen. Die Umgebung war vollkommen ausgefüllt mit Wasser. Dann erblickte sie die Gestalt. Dort, ganz oben in der kuppelförmigen Decke des Raumes trieb er dahin. Oh nein! Nein, nein, nein, nein! Mit aufgerissenen Augen schwamm sie auf ihn zu. Doch Gibbli kam kein Stück vorwärts. Sie musste ihn erreichen! Mit aller Kraft wollte sie sich vom Boden abstoßen, doch ihre Füße berührten ihn nicht mehr. Es war, als hielte irgendetwas sie auf der Stelle fest. Langsam wurde ihr schwindlig. Verzweifelt versuchte sie, den Drang einzuatmen abzuwehren. Wenn sie das tat, würde sich ihre Lunge mit füllen! Das durfte nicht passieren! Nicht bevor sie ihn erreichte! Gibbli spürte, wie ihr die Kontrolle über das Bewusstsein immer mehr entglitt. Alles vor ihr verdunkelte sich. Das Wasser um sie herum verlor jegliche Bedeutung. Er starb! Er war tot! Sie wollte ertrinken.
Sie fiel mit Knien und Ellbogen voran auf den Gitterboden. Der Schmerz des Aufpralls jagte durch ihren Körper. Hustend spürte Gibbli die eiskalten Finger an ihren Schultern. Langsam hob sie den Kopf und starrte in sein goldenes Gesicht. Er hatte seine Macht wieder erlangt. Seine Kälte schoss durch jede Zelle ihres Körpers und ihr Blut schien zu gefrieren.
Völlig erschöpft starrte Gibbli Steven an. "Wo bin ich?"
Er richtete sie auf, sodass sie auf ihren Knien zum Sitzen kam. "Eine nette Vorrichtung, nicht wahr? Du bist noch immer in Ocea. Das hier ist ein Gedankenraum. Eine meiner genialsten Erfindungen."
Gibbli rang nach Luft und frischer Sauerstoff strömte durch ihre schmerzende Lunge. "Wo ... ist das Wasser? Habe ich es mir ... eingebildet?"
"Wasser also. Interessant", drang seine helle Stimme durch den runden Raum. "Nein, für dich war das durchaus echt. Das hier sind keine Hologramme, Mädchen. Es passiert in den Gedanken deiner Realität. Ein Stück Mog-Technologie, vermischt mit der Physik der Oca. Erstaunlich, was sie zusammen bewirken hätten können. Ich habe an ihm mit gebaut, durch mein Wissen konnte dieser Trainingsraum erst entstehen. Nach außen hin ist er komplett abgeschirmt, damit sie ungestört sind. Keine Beeinflussung, du verstehst? Oh ja, die Oca liebten ihn, auch wenn viele von ihnen diesen Raum nicht überlebten. Sie mussten von vorne beginnen. Hey, Fall mir nicht um, Mädchen."
Gibbli war nach vorne geschwankt. Noch immer außer Atem blickte sie zur Decke hinauf. Der leblose Körper war verschwunden. Ebenso wie das Wasser. Völlig am Ende bemühte sie sich, zu beruhigen. Steven war ihr egal. Sie wollte hier nur noch raus. Als sie sich hochdrücken wollte, schoss ein fürchterliches Stechen durch ihre Beine. Ihre aufgeschlagenen Knie wollten sie nicht mehr tragen.
Der Oceaner hielt sie fest und plapperte munter weiter. "Das Wasser um dich herum war nicht echt. Jedenfalls für andere. Alles hier drin ist echt und ist es nicht. Dieser Raum formt es in deinem Kopf. Beeinflusste Materie über den Geist, eine geniale Idee, findest du nicht? Nur für dich war es echt. Wir sollten uns öfter hier treffen, meinst du nicht auch? Ja, das sollten wir. Spürst du sie, die Kälte? Spürst du mich?"
"Steven?", fragte Gibbli mit hoher Stimme. Sich von ihm helfen zu lassen war gerade das letzte, was sie tun wollte, aber ihr blieb nichts anderes übrig. Sie zitterte noch immer am ganzen Körper und seine Kälte machte es nicht besser.
"Ja, mein Schatz?"
"Bring mich hier raus. Bitte." Gibbli schloss die Augen und versuchte, die Bilder in ihrem Kopf zu verdrängen.
Irgendwann spürte sie, wie er sie hochhob und nach draußen trug.
Es dauerte eine Weile, bis sie wieder klar sehen konnte. Steven sprang um sie herum im obersten Stockwerk Oceas und sammelte ein paar Dinge vom Boden auf. Gibbli lehnte an einer Maschine am zentralen Platz zwischen den drei Häusern. Sie spürte seine Kälte nicht mehr. In ihren Gedanken brannte sich fest ein rotes Kreuz auf den Erinnerungen an diesen schrecklichen Gedankenraum ein. Dieser Ort gehörte verboten. Gibbli würde nie wieder dort hinein gehen!
"Was passiert mit mir?" Sie verstand es nicht. Was stellte dieser riesige, blasse Kerl nur mit ihr an? "Ich zerreiße", hörte sie sich leise murmeln.
"Du solltest mehr Energie zu dir nehmen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, dich herum zu tragen, ich bin der stärkste, oh ja." Steven wandte sich von ihr ab. In seinen Armen trug er mittlerweile einen großen Haufen Schrott. Gibbli fragte gar nicht erst, was er damit vor hatte.
"Ich breche auseinander." Es fühlte sich an, als hätte Abyss eine dieser Festluftbomben in sie hineingestopft und explodieren lassen. Sie hatte keine Angst mehr. Wenn Sky sie jetzt hinaus schicken würde ins Wasser, sie hätte nichts dagegen zu ertrinken, damit dieses Gefühl endlich aufhörte. Gibbli wollte nur noch rennen, doch wusste nicht wohin. "Ich kann mich nirgendwo mehr festhalten. Ich falle."
"In einen blassen Abgrund", flüsterte der Oceaner nach einer Weile und warf den Schrott in seinen Armen auf einen größeren Haufen direkt vor dem Riss.
"Ja. Nein. Nein." Sie wollte fallen, in diesen Abgrund. Aber sie fiel nicht. Niemand schubste sie und einfach hinein springen, das traute sie sich nicht. Es ging auch gar nicht. Er war nicht da.
"Ja, nein nein? Du hattest keine Angst vor dem Wasser, nicht wahr, Mädchen? Nein, das hattest du nicht." Er nahm ein langes Rohr von dem Haufen und warf es in den Riss hinein.
Sie blickte auf, antwortete ihm jedoch nicht.
"Dieser Raum existiert, um zu lernen, mit Dingen zurechtzukommen. Er lässt die größte Angst eines Wesens Realität werden."
Wieder warf er ein paar Dinge hinein. Gibbli starrte geradeaus, an ihm vorbei auf das flimmernde Nichts, wo sich ihre Beschaffenheit zusehends veränderte.
"Du hast ihn gesehen", flüsterte Steven und drehte sich zu ihr um.
Sie blickte zu Boden. "Ich konnte nichts tun", sagte Gibbli leise und sie spürte, wie ihr die Kontrolle erneut entglitt. "Er ist ... er trieb im Wasser und hat die Augen nicht mehr geöffnet. Ich konnte ihn nicht erreichen, ihm nicht helfen. Sie waren zu. Das Wasser hielt mich davon ab, ich bekam keine Luft mehr. Sein Mund stand offen und ich konnte ihn nicht erreichen! Steven, er hat sie nicht mehr aufgemacht! Seine Haut war weiß. Ich konnte seine Augen nicht mehr sehen. Seine grauen Augen. Er ist ... ertrunken." Verzweifelt biss sie die Zähne aufeinander.
Steven starrte sie emotionslos an. "Schön zu wissen, wie man dich zum Reden bringt, Mädchen. Du weißt, dass er das nicht war. Das war der Raum, die gespielte Realität nach deinen Gedanken." Er hielt kurz inne, dann fügte er hinzu: "Deine größte Angst."
Langsam dämmerte es ihr, dass Abyss lebte. Er war nicht hier. Er war in Sicherheit, in der Unterkunft des Mönchs. Sie wünschte sich so sehr, er würde endlich zurückkehren. Ohne seine zuversichtlichen Worte erschien ihr jedes Problem gleich drei Mal so groß.
"Das ist so schrecklich!", jaulte Steven plötzlich los. "Das bedeutet, ich bin nicht deine größte Angst. Das macht mich traurig, Mädchen!" Er stieß ein langgezogenes Heulen aus. Dann seufzte er scheinbar gespielt, nahm einen großen Topf und befüllte ihn mit verschiedensten Dingen. "Willst du etwas noch traurigeres hören? Sie ist weg. Cora ist gegangen."
"Wohin?", fragte Gibbli, während Steven den Topf samt den Teilen darin in den Riss warf.
"Woher soll ich das wissen, Mädchen? Wohin auch immer man geht, wenn man dieses Stück Welt verlässt. Ihre Maschine läuft wieder, die Verbindung funktioniert auf der Mara. Aber die KI ist leer."
Gibbli verzog bedauernd das Gesicht. Sie hatte nichts anderes erwartet. Wer würde schon freiwillig tagelang in einem Körper bleiben, ohne Aussicht darauf, je wieder zu funktionieren? Natürlich hatte Cora ihn verlassen. Jeder hätte das. Es beruhigte sie, dass auf der Mara wenigstens der Teil des Schildes noch funktionierte, der Jacks Störsender davon abhielt, die Oca Technologie zu unterdrücken. Nur der Gravitationszeitschild war von ihrer Beschädigung betroffen.
"Du und ich", flüsterte Steven betrübt. "Wir sind die letzten." Wieder warf er ein Stück in den Riss. "Und keiner von uns ist ein reiner Oca. Es ist fraglich, ob die Maschine uns zusammen anerkennen wird, sobald Jack die Störsender abschaltet."
"Es muss doch einen Weg geben, die Maschine umzuprogrammieren."
"Ein Mechaniker hätte wahrscheinlich etwas eingebaut, um sie abzuschalten. Aber ich bin kein Mechaniker. Ich bin ein, wie nennt ihr das noch mal, theoretischer Physiker. Ich tat, was ich kann. Es funktionierte. Das reichte. Es gibt keine Möglichkeit."
"Ich will sie sehen."
"Sky wird nicht erlauben, dass wir gehen. Er denkt noch immer, er könnte die Stadt retten. Er setzt darauf, dass der Mechanismus uns erkennt, sobald Jack die Störsender abschaltet. Vielleicht glaubt er mir auch gar nicht. Warum glaubt mir nur keiner? Ich bin doch ein Genie!" Steven nahm einen ganzen Haufen und ließ ihn in dem Riss verschwinden.
Gibbli glaubte, ein paar Schüsseln und Besteck zwischen den Schrottteilen zu erkennen. "Was bei Ocea treibst du da eigentlich?", fragte sie ihn jetzt doch.
"Hä?" Er drehte sich zu ihr um, eine der Decken in der Hand, die Djego ihnen einst gebracht hatte und blickte sie an, als würde sie von einem anderen Planeten kommen. "Was ist? Na, irgendwohin müssen wir unseren Müll doch entsorgen." Jetzt warf er das Stück Stoff hinein.
"Die hätten wir noch brauchen können!", rief sie empört, obwohl es auf der Mara sicher genug Decken gab.
"Ach, der kleine Menschenjunge bringt dir bestimmt eine neue, wenn du ihn nett darum bittest."
Ungläubig schüttelte sie den Kopf, während er seelenruhig mit seiner Tätigkeit fortfuhr.
"Idiot", flüsterte Gibbli.
Er erinnerte sie ungewollt ein wenig an Abyss. Sie schwieg und sah ihm eine Weile zu. Ihre Gedanken wanderten zu Abyss' Hand, oben auf der Plattform. Sie dachte an die Drähte, die aus den nachgebauten Fingern heraushingen und darauf warteten, mit seinen Nervenenden verbunden zu werden. Sie musste unbedingt hierbleiben, bis er zurückkehrte. Wie kam sie überhaupt auf die Idee, mit dem Oceaner zu seiner Maschine gehen zu wollen? Es war verdammt noch mal Steven! Ohne seine Kraft vergaß sie immer wieder die Gefahr, die von ihm ausging. Doch dieser Vorfall im Gedankenraum hatte ihr seine Macht wieder in Erinnerung gebracht. Plötzlich realisierte sie, dass er direkt vor ihr stand. Sofort sprang Gibbli auf und trat einen Schritt von ihm weg.
"Wir müssen abwarten was passiert, wenn Jack diese Sender abschaltet", sagte Steven. "Aber keine Sorge Mädchen, uns wird nicht langweilig, nein. Ich habe die perfekte Idee, um uns die Zeit zu vertreiben. Der Moment für deine nächste Aufgabe ist gekommen."
Gibbli legte wütend die Stirn in Falten. Abyss war noch immer nicht zurückgekehrt. Sie hatte den Schutzschild der Mara zerstört. Hinter ihnen zog sich der Gravitationszeitriss durch den Raum, in dem Steven so hingebungsvoll ihre Sachen entsorgt hatte. "Der Planet wird angeblich vernichtet, wegen deiner dämlichen Maschine und du willst noch immer dieses dumme Spiel spielen?"
"Sie ist nicht dämlich, das weißt du. Und das Spiel ist nicht dumm. Du magst es, gib es zu. Es macht dich mutiger. Es macht dich risikofreudiger."
"Einen Dreck tut es, ich hasse es!"
"Küss ihn."
"Was?" Verwirrt schüttelte Gibbli den Kopf.
"Du hast richtig gehört, Mädchen, das ist meine neue Aufgabe an dich. Küss ihn. So etwas tut ihr Menschen doch?"
"Ich soll ...", begann sie, "ich soll Abyss ..."
"Wäh!", rief Steven und riss schockiert die Augen auf. Gibbli war sich sicher, dass er wieder übertrieb. "Doch nicht dieses eklige Individuum. Wie kannst du nur an ihn denken? Ich meinte natürlich Djego."
Gibbli schnappte nach Luft "Was? Nein! Ich will ihn nicht küssen!"
Steven lachte. "Abyss wäre erfreut das zu hören. Und ich auch. Denn dann hast du deine Aufgabe nicht bestanden und du erhältst eine Strafe."
"Das ist gemein! Du bist ein Idiot."
"Das sagtest du bereits und nein. Ich bin ein Oca."
"Du wärst gerne einer."
Er fletschte die Zähne "Wie nett du heute wieder bist, mein Schatz! Reibe es mir noch unter die Nase. Also, was ist jetzt, Mädchen?"
Ungläubig starrte sie ihn an. Ihr Kopf schien wie leer gefegt. Sie konnte doch nicht ... nicht Djego ... nicht ... Seine türkisfarbenen Augen kamen ihr in den Sinn und die Art, wie er lässig die rostroten Locken von seiner Stirn strich.
"Okay. Gut, ich mache es", sagte Gibbli entschlossen.
Überrascht verzog er das Gesicht. "Dein Ernst?"
"Immer noch besser als dir einen Gefallen zu schulden."
"Du meinst Strafe, einen Gefallen gibt es nur, wenn du es versuchst und scheiterst. Strafen gibt es, wenn du die Aufgabe ablehnst."
"Ach, lass mich doch in Ruhe damit!", grummelte sie, drehte sich um und eilte zur Rampe. Bloß weg von Steven, bevor seinem kranken Hirn noch etwas Schlimmeres einfiel, um sich die Zeit zu vertreiben. Na warte, mit der nächsten Aufgabe würde sie sich an ihm rächen!


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Kakaokarten Tutorial/WIPs – Miniaturlandschaft zeichnen

kakaokarte - sockenzombie - miniatur landschaft zeichnen - tutorial

Originalgröße: 6,4cm x 8,9cm
Kartennummer: 440

"Papa, sind wir bald da?"
"Gleich, laut Navi sind wir ganz nah. Wo ist der Plan, Schatz?"
"Hier Papa! Woa, dort oben ist es! Eine fliegende Insel!"
"Scheiße, das stand nicht in der Ausschreibung!"
"Hält dort oben auch der Schulbus oder muss ich morgens dann immer runter springen?"

Nachfolgend zeige ich euch, wie das Bild entstanden ist und gebe euch ein paar Tipps, die ihr auch für eure Miniaturzeichnungen verwenden könnt.

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Zuerst färbe ich den Hintergrund mit ein paar ersten Strukturen ein, welche bereits den ungefähren Verlauf der Landschaft andeuten sollten. Das geht am schnellsten mit Aquarellfarben.

Tipp: Nutzt kleine Änderungen der Farbtöne, um die Perspektive zu unterstützen.

Ich mache das hier zum Beispiel, indem ich in die unteren/vorderen Grüntöne des Bildes mehr Gelb hinein mische und in die hinteren/oberen eher ein bläulicheres Grün verwende.

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Jetzt hauchen wir dem Motiv etwas Leben ein. Eine einfache Landschaft wirkt etwas trostlos. Es fehlen noch viele Pflanzen

Tipp: Anzeichen von menschlicher Zivilisation machen eure Zeichnung interessant, denn daraus ergeben sich erst die Geschichten.

Ich hab hier zunächst die Strukturen und Elemente etwas angedeutet und erste Linien für die Straße eingezeichnet.

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Tipp: Legt frühzeitig fest, aus welcher Richtung das Licht kommt, um die Schatten einzelner Elemente setzen zu können.

In meinem Fall zeichne ich hier rechts/oben die helleren Bereiche ein und den sich daraus ergebenden Schatten mit den dunkleren Bereichen links/unten. An den Dächern der Gebäude könnt ihr das später gut erkennen.

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Um die Details weiter auszuarbeiten verwende ich bei dieser Karte deckende Marker (Posca Marker). Damit kann man immer mehr einzeichnen und das Bild so langsam aufbauen.

Tipp: Denkt ans Wetter, das schafft viel Atmosphäre. Ich habe mich hier für einen sonnigen Tag mit nur wenig Wolken am Himmel entschieden. Aber hinten, vor den Bergen zieht bereits etwas Nebel auf.

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Ich füge immer mehr Details hinzu und arbeite auch die Strukturen des Grases, der Straße und des Himmels weiter aus. Dazu gibt es ein paar Blumen, verschiedene Baumarten und ein paar Häuser sowie eine angedeutete Stadt hinter einem der Hügel. Ganz hinten deute ich ein paar Wälder und Wiesen an.

Tipp: Mit etwas Abwechslung wirkt euer Bild lebendiger. Seht euch echte Fotos von Landschaften an oder geht raus in die Natur, um verschiedene Arten von Bäumen und Pflanzen zu studieren.

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Trotz den reisenden Menschen neben dem Auto da am Straßenrand fehlte mir noch das gewisse Etwas an dem Motiv. Darum entschied ich mich, noch eine fliegende Insel mit einem winzigen Häuschen miteinzubauen, auf der sich außerdem das Palmenmotiv aus dem Vordergrund noch einmal wiederholt.

Tipp: Ein gutes Bild braucht eine Geschichte. Überlegt euch vor oder während dem Zeichnen, was an eurem Ort alles passieren könnte. Welche Abenteuer könnte man dort erleben und wer ist dort alles unterwegs? Was geschah dort schon alles? Denk dabei vor allem an Dinge, die Spuren in der Landschaft hinterlassen haben könnten.

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Miniaturkunst + Minigeschichte – Artist Trading Card

sockenzombie die gondel sternenhimmel kakaokarte artist trading card


Entführung

Alles ist dunkel.
Ein monotones Surren dringt in deine Ohren.
Du liegst auf einer schmalen Bank.
Was ist passiert?

Langsam öffnest du die Augen.
Da ist jemand!
Dein Atem setzt für eine Sekunde aus.
Er starrt dich an.
Die Welt um dich herum dreht sich.
Er starrt dich an.
Nein, sie fährt an dir vorbei.
Er starrt dich an.
Oder fährst du an ihr vorbei?
Er starrt dich an.
Das orange Licht ... dieser gefährlich nahe Stern dort draußen ... Das hier ist nicht dein Planet.
Er starrt dich an.
Und du sitzt in dieser fremdartigen Gondel. Mit ihm.

Und er starrt dich an.

...

Originalgröße: 6,4cm x 8,9cm
Art: Miniaturbild (Kakaokarte/Artist Trading Card)
Kartennummer: 439


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