Kapitel 2: Abgelehnt (Bis in die tiefsten Ozeane)

Wie jeden Tag, besuchte Samantha nach der Schule ihre Halbschwester Bo. Schweigend ging sie mit ihrer Mutter den Gang zu den einzelnen Zimmern im ersten Stock entlang. Es roch nach Desinfektionsmittel, doch sie hatte sich längst daran gewöhnt. Als die beiden die Tür des Krankenzimmers erreichten, hinter der Bo lag, hielt ihre Mutter Samantha da­von ab, die Tür zu öffnen.
„Warte noch“, sagte sie und holte etwas aus ihrer Tasche. Es war ein scheibenförmiges Stück Metall an einer Kette. „Das ist für deine Schwester. Aber bevor sie es bekommt, muss ich noch etwas klären. Passt du bitte darauf auf?“
„Was ist das?“, fragte Samantha und betrachtete neugierig den Anhänger, den ihr ihre Mutter um den Hals legte. Doch ihre Mutter zog den Kragen von Samanthas cremefarbenem T-Shirt hervor und ließ es darunter verschwinden. Das Metall fühlte sich gar nicht kalt an und sie spürte es kaum, als es auf ihrer Haut lag.
„Elai sagt, das heißt Marahang. Er und Nox haben es ge­stohlen. Nox hat das entschieden. Nach dem Tod von Lio hat er das Recht dazu.“
„Das verstehe ich nicht, wovon redest du?“ Was sollte das heißen? Wer hatte was gestohlen? Samantha wusste, dass mit Lio Bo’s Vater gemeint war. Er lebte schon lange nicht mehr. Aber wer waren Elai und Nox?
„Das musst du nicht verstehen, Schatz.“ Sie strich ihrer Tochter den blonden Pony aus dem Gesicht. „Geh schon vor. Ich bin noch kurz draußen, ja?“
Samantha sah ihrer Mutter nach und öffnete dann die Tür des Krankenzimmers.
 
Im weißen Bett vor ihr lag eine, dem Anschein nach, junge Frau, mit leicht bläulicher Hautfarbe und blätterte gelangweilt in einer runden Buchplatte.
Samantha wusste, dass es sich dabei um das Lieblingsbuch ihrer Schwester handelte. Eins der wenigen Dinge, die Bo in diesem Krankenhaus etwas Abwechslung boten. Es steckte voller Geheimnisse über eine Unterwasserstadt, U-Boottechni­ken und anderer Dinge und zeigte kleine Details einer faszi­nierend fremden Welt. Nach all den Jahren musste Bo das Buch schon auswendig kennen, jede einzelne Seite. Natürlich nicht den Text, denn der war in einer ihnen unbekannten Schrift verfasst. Dennoch liebte Bo die Bilder darin und Sa­mantha freute sich, wenn ihre Halbschwester von der gehei­men Stadt Ocea schwärmte. Ocea musste der Name sein, denn er stand unter dem beeindruckenden Bild vieler goldener Bauten auf der Deckseite, so wie auch am Rand der Platte in goldenen Lettern und als einziges klar lesbar.
Heute hatte Bo allerdings eine Seite geöffnet, die Saman­tha weniger gefiel. Sie zeigte ein Schaubild mit der Übersicht über verschiedene Wesen. Es waren drei Arten abgebildet: Landmenschen, Hochseemenschen und Tiefseemenschen. Darunter gab es Bilder ihrer Nachkommen. Natürlich war es bei allen drei Arten nicht gerne gesehen, wenn jemand mit ei­ner anderen Art eine Verbindung einging. Und doch passierte es hin und wieder. Dann entstand ein Hybridkind.
Während das Zeugen von Kindern zwischen Landmen­schen und Hochseemenschen eher unproblematisch verlief, da Hochseemenschen eine Lunge und Kiemen besaßen, konnten bei Nachkommen von einem Landmenschen und einem Tief­seemenschen Probleme auftreten. Denn Tiefseemenschen hat­ten nur Kiemen und konnten nicht über Wasser atmen. Wenn zum Beispiel ein Landmensch und ein Tiefseemensch ein Kind zeugten, gab es vier Möglichkeiten: Das Kind besaß eine Nase mit funktionierender Lunge. Das Kind besaß nur Kiemen. Drit­tens, es hatte beides. Oder, die vierte Möglichkeit, es besaß keins von beiden und war somit nicht lebensfähig. Bei ihrer Halbschwester handelte es sich um so einen Fall. Also fast. Bo besaß zwar beides, aber irgendwie waren weder ihre Lunge noch ihre Kiemen richtig funktionstüchtig, jedenfalls nicht für längere Zeit. Sie musste immer wieder abwechselnd Luft und Wasser atmen. Es war ein Wunder, dass ihr Körper das schon so viele Jahre durchhielt. Samantha hatte wahnsinnige Angst, sie zu verlieren. Sie liebte ihre große Schwester über alles.
„Bothilda, du siehst schrecklich aus.“
Bo hob den Kopf und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Nenn mich nicht so, Sam. Die Ärzte sagen, meine Haare wachsen wieder.“
Doch Samantha wusste es besser. Ihr fiel nichts ein, was sie darauf erwidern sollte. Schließlich senkte sich ihr Blick er­neut auf das Buch. „Bitte mach es aus. Ich mag diese Seite nicht. Sie macht mich traurig.“
Samantha drehte sich um und blickte aus dem Fenster. Sie wollte nicht, dass Bo ihre aufsteigenden Tränen sah und ver­suchte, diese zu unterdrücken. Sie verfolgte ein Blatt, das wir­belnd vom Baum fiel. Es wurde langsam Herbst. Samantha schob den Drang, das Fenster zu öffnen, zur Seite. Wie gerne hätte sie jetzt den Wind an ihrem Gesicht gespürt. Aber das war hier nicht möglich. Ihre Schwester brauchte reine Luft, die salzige Meeresluft, an der Küste von draußen, tat ihr angeb­lich nicht gut.
„Das was hier steht, gehört zu mir“, meinte Bo und drückte langsam auf eine Pfeiltaste, um die nächste Seite auf der run­den Oberfläche erscheinen zu lassen. „Alles darin. Es ist das einzige, was ich von Dad besitze. Ich glaube fest daran, dass Ocea existiert.“
Erschrocken blickte sich Samantha um. „Pass auf, dass Mum dich nicht so sprechen hört.“
„Mum ist nicht hier.“
„Du weißt, sie mag es nicht. Das alles ist… Geschichte. Die Sache mit deinem Vater fand ihr Ende noch vor deiner Ge­burt.“ Samantha hasste es darüber nachzudenken. Sie wünschte sich, Bo wäre kein Hybrid, sondern ein ganz norma­ler Landmensch. Dann wäre alles so einfach.
„Aber ich bin nicht Geschichte, Sam. Ich lebe! Siehst du?“ Bo wedelte mit ihrer Hand vor ihrem Gesicht.
Samantha beruhigte sich und konnte nicht anders, als zu lächeln. Bo brachte sie immer zum Lachen. „Das weiß ich doch.“
Ein leichtes Grummeln durchfuhr auf einmal den Raum und Samantha blickte alarmiert auf ein Glas Wasser, das auf Bo’s Nachttisch stand. Die Flüssigkeit schwappte hin und her.
„Da ist es wieder. Es wird stärker“, flüsterte Bo und um­klammerte ihr Ocea-Buch.
„Ist sicher gleich vorbei.“
Plötzlich warf ein heftiges Ruckeln des Bodens sie fast um. Samantha konnte sich gerade noch an der Bettkante festhal­ten. Es dauerte nur ein paar Sekunden, dann hörte es wieder auf.
„Bist du okay?“, hörte sie Bo’s besorgte Stimme.
Samantha ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Ja.“
Einen Moment lang war es still.
„Ich fühle mich krank, Sam.“
Sie sah ihrer Halbschwester in die Augen. Und dann gab sie sich einen Ruck. Sie musste es Bo sagen. Sie konnte es nicht mehr geheim halten, es wäre gemein. „Die Ärzte sagen, du schaffst es nicht. Mum will nicht, dass ich dir das sage. Aber ich lüge dich nicht an.“
Es war raus. Und es tat weh. Doch Bo schien nicht davon beeindruckt.
„Das weiß ich doch längst“, sagte sie leise. Dann fing sie an zu grinsen, was Samantha noch mehr verwirrte. „Ich glaube, mittlerweile kenne ich mich mehr aus mit Medizin und Krank­heiten, als alle Ärzte hier zusammen.“
„Nach ein paar Jahrzehnten solltest du das wohl auch.“
Und dann lachten sie beide los. Es war ein selten schöner Moment. Leider dauerte er nicht lange an. Plötzlich fing Bo an zu röcheln. Samantha hielt sofort inne.
„Sam… Ich krieg keine Luft!“
Nein, das war viel zu früh! Das durfte nicht sein. Samantha schlug auf einen Knopf an der Wand. Sie spürte, wie ihre Au­gen wieder feucht wurden. Hilflos musste sie zusehen, wie ihre Halbschwester sich an den Hals griff. Bo reckte ihren Kopf und versuchte nach Luft zu schnappen. Und Samantha konn­te nichts tun. Absolut gar nichts.
„Ich hab mich so gefreut, als du gekommen bist“, krächzte Bo.
„Sag nichts, das macht es schlimmer.“
Doch Bo öffnete erneut den Mund. „Mit dir an meiner Sei­te, bin ich nicht mehr allein.“
„Bo! Halt durch!“
Sekunden später eilten ein paar Ärzte ins Zimmer und setzten ein Gerät neben Bo’s Bett in Gang. Es fing laut an zu Blubbern. Das Wassergerät, so nannten sie es immer.
Einer der Ärzte nahm Samantha an den Schultern und versperrte ihr die Sicht auf Bo. Es war Dr. Bloom. „Sam, geh bitte nach draußen“, sagte er leise.
„Aber Bo…“
„Sie schafft es. Geh. Dein Vater wartet draußen.“ Er schob sie sanft Richtung Gang hinaus. Samantha erkannte noch, dass man Bo eine Maske aufsetzte und etwas um ihren Hals legte, damit sie Wasser atmen konnte. Dann schloss Dr. Bloom die Tür.
Mit hängenden Schultern sah sie ihren Vater an, der nicht weit entfernt im Gang stand. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Ihr Vater presste den Mund zusammen, sagte jedoch nichts.
„Könntest du sie nicht wenigstens einmal besuchen? Bo würde sich freuen!“, brachte Samantha hervor, als sie den Gang entlang zum Aufzug gingen, vorbei an leeren Kranken­zimmern.
„Sie ist nicht meine Tochter“, antwortete er knapp.
„Bo ist meine Schwester!“
„Halbschwester. Und ich wünschte es wäre nicht so.“
Samantha blieb stehen und ballte die Fäuste. Wie konnte er nur so etwas sagen? „Dad, das ist gemein! Ich würde ihr mein Leben geben, wenn ich könnte!“
„Tut mir Leid. Es war ein Fehler, das zu sagen.“
Sie wusste, dass er das nicht ernst meinte. Es tat ihm nicht Leid. Er hielt sich zurück. Er mochte Bo nicht.
„Wie sieht es mit deiner Anmeldung aus? Hast du dich bei der Stanis Universität eingetragen?“, versuchte er sie abzulen­ken.
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Wie konnte er so taktlos sein und jetzt damit anfangen? „Ich wer­de Kuchenbäcker! Das sagte ich dir bereits!“
„Pah. Du landest noch auf der Straße, wie deine Mutter damals!“
„Das hat gar nichts damit-“
„Kassandra?“, unterbrach sie ihr Vater und Samantha dreh­te sich um. Ihre Mutter kam den Gang entlang. Irgendetwas stimmte nicht mit ihr. Das Haar hatte sich teilweise aus ihrem Zopf gelöst und hing ihr in Strähnen ins Gesicht.
„Mum, warum bist du so nass?“
Samanthas Vater sah sie missbilligend an. „Du warst wie­der unten am Meer“, stellte er fest. Sie ignorierte es und drückte Samantha ein entrolltes Blatt in die Hand. Die Fla­sche behielt sie bei sich. Dann wandte sie sich an ihren Mann.
„Thomas, geht schon vor. Ich verabschiede mich noch von Bo.“
Ihr Vater nickte, wandte sich um und stapfte stur Richtung Aufzug, während ihre Mutter sich Bo’s Zimmer näherte. Sa­mantha folgte ihm nicht und blieb alleine im Gang zurück. Stattdessen las sie den Brief, den ihre Mutter ihr in die Hand gedrückt hatte. Er war an der Seite durchnässt, aber noch les­bar.
 
Sehr geehrte Frau Kassandra Evens,
 
leider können wir Ihre Tochter Bothilda Bamba nicht an der Akademie zulassen, da sie nicht unseren Anforderun­gen entspricht. Zudem müssen wir Ihnen mitteilen, dass es uns nicht möglich ist, sie auf unserer Krankenstation auf­zunehmen.
 
1. Alle Studiengänge und das Betreten unserer Räumlich­keiten ist Landmenschen vorbehalten.
 
2. Das Maximalalter für die Erstaufnahmen beträgt 7 Jah­re. Wir sind uns im Klaren, dass Bothilda unter ihresglei­chen noch nicht als ausgewachsen gilt, umgerechnet auf die Entwicklungsstufe eines Landmenschen hat sie dieses Alter dennoch weit überschritten.
 
3. Wir behandeln nur Mitglieder der Akademie und Land­menschen in unseren medizinischen Einrichtungen.
 
Wir bitten um Ihr Verständnis. Sollten Sie uns Spenden zu­kommen lassen wollen, steht Ihnen unser schulischer Leiter Markus Brummer gerne zur Verfügung.
 
Mit besten Grüßen
Dr. Elvira Fenchel
Medizinische Direktorin der Meeresakademie
 

Abgelehnt. Sie hatten Bo einfach abgelehnt! Samantha spürte, wie es in ihr brodelte. Dann blickte sie hoch und schlich zu­rück zu Bo’s Krankenzimmer. Die Tür stand halb offen. Durch einen kleinen Spalt beobachtete sie, wie ihre Mutter sich setz­te. Die Ärzte waren schon weg und Bo schien zu schlafen.
„Mein Baby. Es tut mir so Leid“, flüsterte Kassandra. Sie weinte leise.
Irgendetwas hielt Samantha davon ab, den Raum zu betre­ten. Es fühlte sich falsch an, als würde sie stören. War ihre Mutter wirklich unten am Meer gewesen? Samantha be­obachtete, wie Bo sich im Schlaf auf die Seite drehte. Sie be­kam von alldem nichts mit.
„Ich habe ein Abkommen geschlossen“, flüsterte Kassandra wieder. „Sie versuchen dich zu retten. Halte durch. Ich komme wieder, heute Nacht.“
Verwirrt lauschte Samantha ihren Worten. Ihre Mutter würde sich heute Nacht ins Krankenhaus schleichen? Warum? Wie konnte Bo das helfen?
„Es tut mir so Leid“, hörte sie ihre Stimme wieder. „Ich war doch noch ein Kind. Ich wollte nicht, dass du so leben musst. Eigentlich wollte ich dich damals gar nicht. Es tut mir so Leid. Aber ich mache es wieder gut. Ich hab dich lieb Bothilda.“
 
Es war später Nachmittag. Der Wind draußen verstärkte sich zunehmend und Samantha wünschte sich, sie wäre bei Bo im Krankenhaus geblieben. Stattdessen saß sie jetzt neben ihrer Mutter im Wohnzimmer. Im Fernseher liefen die aktuellen Nachrichten aus der Region. Ein beunruhigt aussehender Sprecher mit Brille hatte das Wort.
„…wird begleitet durch kleinere Erdbeben. Der Vulkan könnte jeden Moment ausbrechen. Die Bevölkerung wurde angewiesen, das Gebiet weiträumig zu verlassen.“
„Hier.“ Ihr Vater betrat den Raum und knallte einen riesigen Koffer auf den Tisch. Damit stellte er seine Absicht klar.
„Nicht ohne Bo“, sagte Samantha sofort und sprang auf.
„Jetzt seid endlich vernünftig! Bothilda kann nicht verlegt werden, das hatten wir besprochen!“
„Thomas, bitte“, versuchte ihn Kassandra zu beruhigen. „Noch eine Nacht. Morgen reisen wir ab. Ich hab den Ruck­sack für Sam schon gepackt.“
Entsetzt dreht sich Samantha um. Sie hatte was? „Mum!“, schrie sie empört. Was sollte das? Sie konnte das doch selbst erledigen! Sie war alt genug zum Koffer packen und außer­dem würde sie nicht ohne Bo hier weggehen.
Ihr Vater schien sich etwas zu beruhigen. „Na gut. Wenn es morgen mal nicht zu spät…“
Und dann brach die Hölle los.
 
Der Boden vibrierte und ein lautes Grollen setzte unvermittelt ein. Das Beben erschütterte das gesamte Haus. Der Fernseher knackte und ging aus. Samantha versuchte sich festzuhalten und spürte den Griff ihrer Mutter an ihren Schultern. Sie sah, wie ihr Vater nach hinten stolperte, in den Gang hinaus und in einer Staubwolke verschwand. Vom Tageslicht draußen drang kaum noch etwas durch. Trümmer lösten sich aus der Decke, brachen und fielen zu Boden. Samantha spürte, wie ihre Mut­ter sie unter den Tisch schubste. Doch sie kam nicht nach.
Kassandra wurde von einem der Trümmer getroffen.
„MUM!“
Verzweifelt versuchte Samantha sie unter den Tisch zu zie­hen. Da lag ihr Kopf, verkehrt herum und ihre Augen blickten in Samanthas Gesicht. Sie war eingeklemmt. Mit gebrochener Stimme versuchte sie Worte hervorzuwürgen. „Sam… sag Bo… sie darf nicht nach Ocea!“
„Was? Mum!“ Samantha sah in Gedanken das Ocea-Buch vor sich. Sprach ihre Mutter von der Stadt? Sie existierte wirk­lich?
„Elai hat… das gesagt.“
„Mum! Wer ist Elai?“, schrie Samantha. Noch immer riesel­ten größere Brocken zu Boden und einige trommelten laut über ihr auf den Tisch.
„Ihr Onkel“, würgte Kassandra hervor. „Elai ist Bo’s Onkel.“
„Mum! Du darfst nicht… Mum!“
„Bo… darf nicht in die Stadt. Sag es ihr. Und gib ihr den An­hänger.“ Ihr Blick streifte die Kette der runden Metallscheibe, die Samantha noch immer um den Hals trug. Dann fielen ihre Augen zu.
„MUM! Bitte! Wach auf!“, rief Samantha.
Ein weiterer Brocken stürzte direkt auf Kassandra. Saman­tha zucke erschrocken zurück.
„Mummi…“
Ihre Mutter bewegte sich nicht mehr. Kassandra war tot.
Nach ein paar Sekunden, die Samantha wie Stunden vor­kamen, hörte das Beben auf. Es wurde still. Samantha wollte weinen, aber es kamen keine Tränen. Ihr Kopf schien völlig leer gefegt und ihr starrer Blick verlief ins Nichts.
„Kassandra? Samantha? Wo seid ihr?“, schrie ihr Vater. Er tauchte aus einer Staubwolke auf, die sich jetzt langsam legte.
Es dauerte etwas, bis Samantha ihn wahrnahm. „Dad! Sie ist… Mum ist…“, sie schaffte es nicht den Satz zu vollenden. Völlig verzweifelt kroch sie unter dem Tisch hervor und sah zu, wie ihr Vater ein großes Trümmerstück zur Seite hob und sich vor ihrer Mutter niederkniete.
„Kassandra. Nein. Komm zurück“, brachte er unter Tränen hervor.
Ihre Augen verwässerten sich. Sofort blinzelte Samantha ihre Tränen weg. „Ich muss zu Bo“, flüsterte sie.
Ihr Vater sah auf. „Nein.“
Doch bevor er sie festhalten konnte, rannte sie los.
Er zögerte, blickte kurz zu seiner Frau, dann wieder zu sei­ner Tochter. Er schien nicht mehr zu wissen, was er denken sollte. „Dann lauf doch weg!“ Verzweifelt schüttelte er den Kopf. Samantha realisierte noch, wie er sich wieder ihrer Mut­ter zuwandte. Völlig am Ende umschloss er deren bleiche Hand. „Kassandra, tu mir das nicht an!“
Und Samantha rannte.
Bo war jetzt alles was zählte. Es musste ihr gut gehen. Sie musste am Leben sein. Sie war doch ihre Schwester!

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1 Kommentar

  1. Oha, Szenenwechsel? Die Flaschenpost als Verbindung finde ich aber eine schöne Idee! Und so fies. Arme Bo… Und die Mutter… wtf :‘-o

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