Kapitel 6: Jacks größte Schwäche (Bis in die tiefsten Abgründe)

Als Abyss und Gibbli hinab stiegen, hörten sie die Stimmen der anderen schon von weitem. Sie hatten es sich mitten am zentralen Platz bequem gemacht. Steven diskutierte mit Sky. Die Umschnalltaschen und die Uniformjacke des Kapitäns lagen neben ihm. Aus den nassen Dreadlocks rannen ab und an ein paar Wassertropfen über seinen nackten Oberkörper. Offensichtlich hatte er sich gewaschen. Nox hockte nahe der Luke, die nach unten führte. Missmutig starrte er auf einen Teller von undefinierbarem Etwas, der vor ihm am Boden stand. Es war wohl weniger das Aussehen, das ihm daran nicht gefiel, sondern mehr die Tatsache, dass es sich nicht bewegte. Zwischen ihnen dampfte auf glühenden Metallbrocken ein großer Behälter vor sich hin. Sie traten näher. Bo lag neben dem Tiefseemenschen auf einer Decke und schlief.
„Sie war kurz wach“, sagte Samantha und reichte Gibbli eine Schüssel. „Hier. Es ist nicht besonders gut. Aber mehr war aus den Dingen, die Djego gebracht hat, nicht zu machen.“
Der Duft von zu lange gekochtem Gemüse trat in Gibblis Nase. Es roch wahnsinnig lecker! Abyss setzte sich mit einer Schüssel neben Sky und lehnte sich an eine der goldenen Maschinen.
„Seid ihr reingekommen?“, fragte Gibbli, als Steven verstummte.
Der Kapitän schüttelte grimmig den Kopf.
Gibbli bemerkte, wie der Oceaner sie mit zusammen gekniffenen Augen musterte. Er schien immer noch schlechte Laune zu haben und Gibbli war sich sicher, dass er ihr bei nächster Gelegenheit eine Aufgabe für dieses kranke Spiel stellen würde. Sie setzte sich möglichst weit weg von ihm, neben Abyss. Misstrauisch beobachtete sie Steven, als er wieder anfing, leise auf Sky einzureden. Sie bewunderte es, wie ruhig der Kapitän mit ihm sprach. Abyss wäre sicher längst ausgerastet. Gibbli lehnte sich an seinen Mantel, den er hinter ihr über eine Maschine geworfen hatte.
„Iss was“, sagte er, als ihre Blicke sich trafen. „Schmeckt gut.“
Ihr fiel auf, dass seine Schüssel schon fast leer war, während sie ihre noch immer voll in Händen hielt. Wieder sah er sie kurz an, wie er es immer tat, ließ sie nie lange aus den Augen. Gibblis Mundwinkel zuckten und eine Wärme stieg in ihr auf. Beruhigt atmete sie den aufsteigenden Geruch des Essens ein. Während sie langsam ein Stück Gemüse kaute, kam ihr ein Gedanke: Auf der Akademie gab es Küchen, in denen mehrmals täglich gekocht wurde und ihre Eltern hatten Bedienstete gehabt, die das erledigten. Gibbli hatte nie richtig auf Nahrung geachtet, es gab immer mehr als genug. Vielleicht sollten sie es sich hier besser einteilen. Die Wärme in ihr ließ plötzlich nach. Sie war sowieso zu dick, kam es ihr in den Sinn. Gibbli stellte die Schüssel neben sich auf den Boden.
„Möchtest du noch etwas?“, fragte Samantha.
Sie schüttelte den Kopf und betrachtete Bo. Ihre Haut schien etwas von dem bläulichen Schimmer verloren zu haben und wirkte jetzt eher matt und gräulich. Das Marahang an Bo’s Brust leuchtete nicht mehr. Beunruhigt suchte Gibbli Abyss‘ Blick. Entweder starrte er sie die ganze Zeit an oder er hatte zufällig denselben Zeitpunkt erwischt. Seine grauen Augen wirkten besorgt und sie fühlte sich ertappt, wobei auch immer. Schnell senkte sie den Kopf wieder. Samantha strich mit einer Hand über Bo’s Stirn. Gibbli fiel ein, dass auch die beiden Geschwister ihre Eltern verloren hatten. Sie erinnerte sich daran, wie stark Samantha geblieben war, als sie mit ansehen musste, wie ein Trümmerstück ihre Mutter getroffen hatte. Wenigstens war ihr Mörder nicht lebendig gewesen. Gibblis Hass auf Jack wuchs. Sie hörte, dass Steven seinen Namen erwähnte, und sah auf.
„Ich bin vorsichtig. Das bin ich immer, ja. Und wenn er mich erwischt, dann töte ich ihn. So einfach. Komm schon, er ist ein Verbrecher, Kapitän!“
„Nicht unbedingt, Steven. Für ihn sind wir die Verbrecher. Wahrscheinlich sind wir das wirklich. Jack hält sich schließlich an die Gesetze“, sagte Sky mit rauer Stimme.
Abyss neben ihr verschluckte sich an seinem Essen und hustete.
Der Kapitän blickte ihn an und schüttelte leicht den Kopf. Dann wandte er sich wieder dem Oceaner zu. „Nun, seine Interpretation der Gesetze.“
„Aber Jack macht diese lächerlichen Menschengesetze!“
„Du irrst, Steven. Dafür sah er sich nie zuständig. Ich habe die Gesetze geschrieben. Geändert. Formuliert. Jack segnete sie nur ab oder verwarf sie. So wie er andere für sich in den Kampf schickt. Jack redet. Jack befiehlt. Jack lässt töten. Er ist kein Mensch, der sich die Hände schmutzig macht. Jack ist gerne mit dabei, aber er macht nichts. Er lässt machen.“
„Ah, wie aufregend! In diesem Punkt ist er mir sympathisch. Der makellose Steven macht sich auch nicht gerne dreckig, nein das tut er nicht“, sagte der Oceaner.
Abyss musterte ihn düster, doch Sky fuhr unbeirrt fort: „Jack interpretierte sie immer möglichst so, dass er etwas fand, um mir zu widersprechen. Nicht um Gesetzeslücken auszunutzen, die ich dann wieder und wieder versuchte zu schließen. Was nicht leicht war, denn letztendlich brauchte ich seine Zustimmung dafür. Nein, Jack liebte es, Vorwände zu finden, Meinungen in denen wir nicht übereinstimmten, um darüber zu diskutieren, allein des Diskutierens wegen.“
„Wie die Ablehnung gegenüber Tiefseemenschen?“, fragte Samantha.
„Ja“, bestätigte Sky und sein Blick fiel auf Nox, dessen leuchtend orange Augen zu ihnen herüber starrten. „Ich bemühte mich, ihn davon zu überzeugen, dass sie nicht unsere Feinde sind. Und von Ocea.“ Der Kapitän legte seinen leeren Teller beiseite. „Tatsache ist, diese Stadt dient ihm als Mittel zum Zweck. Wäre ich nicht hier, würde er nie so viele Ressourcen aufwenden, so viel Mühe und Geld. Er würde nicht einmal im Traum daran denken, hier her zu kommen.“
„Wie meinst du das?“, fragte Steven verständnislos.
„Jack würde die Stadt von oben zerstören, Bomben herab werfen und sie aus der Geschichte heraus löschen. Für die Öffentlichkeit wäre sie dann nichts weiter als ein Mythos. Nicht existent.“
„Und das tut er nicht, weil du ein bedeutender Mann bist“, stellte Samantha fest.
„Das ist nicht sein Grund, nein. Aber in der Tat, meine Anwesenheit hier hat für die Menschen dort draußen immense Bedeutung.“
„Ach, so wichtig bist du doch nicht“, warf Abyss ein.
„Ich war sein Nachfolger. Ich war im Begriff der Anführer des gesamten Landmenschengebietes unter dem Meer zu werden.“
Abyss zuckte mit den Schultern. „Na schön, du warst wichtig. Aber jetzt bist du das nicht mehr. Du solltest es nicht mehr sein!“
Einen Moment schwieg der Kapitän. „So wie du?“
Gibbli wich alarmiert ein Stück zurück, als Abyss laut die Luft ausstieß.
„Mein Einfluss ist noch immer größer, als du denkst. Nicht nur auf ihn. Abyss, wenn in der Zeitung stehen würde, dass du Ocea finden willst, dann interessiert das niemanden. Dein Wort hat dort draußen kaum Gewicht. Nicht mehr“, fügte er hinzu. Gibbli fragte sich, was er damit andeuten wollte und warum er ihn überhaupt provozierte.
Die Schüssel in Abyss‘ Händen bebte. Sky musste sich des giftigen Blickes bewusst sein, den er ihm zuwarf. Doch der Kapitän sprach ruhig weiter.
„Die Leute würden denken, du seist nur ein weiterer Spinner, der sicher bald hinter Gitter landen wird. Aber das, was ich in der Öffentlichkeit sage, hinterlässt Spuren. Wenn ein Mann wie ich behauptet, dass die Stadt nicht nur existiert, sondern nützliche Technologien enthält, die es wert sind erforscht zu werden, wenn ich behaupten würde, diese Stadt sogar gefunden zu haben, dann bringt das die Leute nicht nur zum Nachdenken. Es erregt Aufsehen. Großes Aufsehen. Es wird ihren Widerstand wecken. Etwas, was Jack ganz und gar nicht gefallen wird.“
„Du treibst sie damit zu einer Entscheidung“, stellte Steven fest.
„Ja. Eine Wahl, die jeder für sich treffen muss. Für oder gegen das aktuelle Gesetz. Für mich, der die Gesetze gezwungenermaßen machte oder für Jack, der diese Gesetze mit Freuden absegnete. Wenn rauskommt, dass Jack und ich hier unten auf verschiedenen Seiten stehen, die beiden mächtigsten Männer im Landmenschengebiet, wird das die Bevölkerung auseinandertreiben. Das könnte zu einem Krieg führen. Nicht zwischen Rassen oder anderen Arten. Auch kein Krieg, an dem nur Soldaten beteiligt sind.“
„Ach komm“, sagte Abyss skeptisch. Offensichtlich hatte er sich wieder etwas beruhigt. „Wen interessiert das, abgesehen von den Soldaten, die euch folgen?“
Sky seufzte. „Du bist außerhalb unserer Gesellschaft aufgewachsen. Versetz dich in ihre Lage, Abyss.“
„Ein Bürgerkrieg“, sagte Gibbli leise.
„Ganz genau. Und Jack weiß das. Darum will er meine Anwesenheit hier unten so lange wie möglich geheim halten. Und nicht nur meine. Ich bin mir sicher, niemand dort oben weiß, wo sich ein Teil seiner Soldaten in diesem Moment aufhält. Nämlich mitten in der verbotenen Stadt Ocea.“
Abyss runzelte verständnislos die Stirn. „Wie soll bitte so was geheim bleiben?“
„Gar nicht. Wenn die Menschen dort oben erfahren, dass es Ocea tatsächlich noch gibt und ich Recht behalte, wird die Bevölkerung meinen Verrat anzweifeln. Jack zögert es nur hinaus. Das gibt ihm vielleicht ein paar Wochen. Es ist eine Frage der Zeit, bis es zum Krieg kommen wird, falls wir keine Einigung erzielen.“
Der Oceaner lachte auf. „Das beeindruckt mich, Mensch. Dir war von Anfang an klar, dass diese Meinungsverschiedenheit mit ihm dazu führen würde und du hast dennoch nach meiner Stadt gesucht. Was für ein tolles Ende. Der perfekte Abschluss, das gefällt mir. Eine letzte Schlacht.“
„Mein Ziel ist kein Krieg, Steven!“
„Bo erzählte mir von Letitia. Sie sagte, du hast wegen deiner Tochter nach Ocea gesucht“, warf Samantha ein. Gibblis Kopf fuhr herum. Sie hätte ihr nicht zugetraut, so etwas direkt vor dem Kapitän auszusprechen. Nein, verbesserte sie sich in Gedanken. Sie hätte sich selbst nicht getraut. Samantha war jemand anderes. Jemand den Gibbli eigentlich nicht richtig kannte und irgendwie doch.
„Am Anfang ja“, sagte Sky gelassen und lehnte sich zurück. „Bis ich merkte, dass es um viel mehr geht. Technologien zu verheimlichen, die uns voranbringen, die dazu führen, dass wir uns weiterentwickeln, das ist völlig absurd. Genauso wie es falsch ist, dass die Arten dieses Planeten noch immer gegeneinander kämpfen, wo es da draußen Wesen gibt, denen wir angesichts dieser Uneinigkeit hoffnungslos unterlegen sind. Wesen, die so viel weiter sind, so viel intelligenter als wir. Wesen, wie die wir einst sein könnten. Wir dürfen den Fortschritt nicht aufhalten. Ich bin davon überzeugt, dass diese Stadt die Völker auf diesem Planeten einen wird.“
„Und wie willst du das anstellen?“, fragte Samantha interessiert.
„Nun, es gibt zwei Wege.“
„So viele gleich“, warf Abyss sarkastisch ein.
„Schweig. Möglichkeit eins, wir machen uns zum Feind. Ocea, ein übermächtiger Gegner, für den sich alle Arten einen müssten, um ihn zu besiegen.“
„Netter Gedanke, Kapitän, oh ja. Ein Plan, der Jack sogar gefallen könnte“, sagte der Oceaner fröhlich.
„Ein Plan, der unseren Tod bedeuten würde und nein, Jack würde nicht darauf eingehen. Er würde sich nie mit den Meermenschen zusammenschließen. Selbst, wenn er es täte, dieser Weg würde ein Volk erschaffen, das auf andere herabsieht, ein Volk das Fremde als Feinde betrachtet und das nur auf weiteren Krieg aus ist. Darum verfolge ich Möglichkeit zwei.“
Alle blickten ihn fragend an.
„Ocea ist ein Tabu. Menschen waren schon immer von Natur aus neugierig. Und sie sind rebellisch genug, um unsinnige Vorschriften zu brechen. Wie das Gesetz der Landmenschen, das nicht erlaubt, sich mit oceanischen Dingen zu beschäftigen. In meiner Vision gibt es kein derartiges Gesetz der Landmenschen unter dem Meer mehr. Damit meine ich, es wird ein anderes geben. Das Gesetz eines geeinten Planeten. Eines, das für alle gilt, nicht nur für die Landmenschen. Das Gesetz, Wissen zu ehren. Keine lächerlichen Tabus mehr. Technologie wird für friedliche Zwecke eingesetzt, nicht für Krieg. Nicht von den Landmenschen, sondern von allen Arten. Das ist mein Ziel. Ocea wird als neutrale und leitende Basis dieses Planeten anerkannt werden. Doch das ist nur ein weiterer Schritt, der bald folgen wird. Ihr wart der erste.“
„Wir?“, fragte Steven.
„Eine Crew, auf die ich mich verlassen kann. Eine Gruppe von Individuen, bestehend aus verschiedenen Arten. Ein Vorbild dafür, dass eine derartige Vereinigung möglich ist.“
Gibbli musste unfreiwillig grinsen. „Vorbilder?“, flüsterte sie.
„Oh, ich bin das perfekte Vorbild“, sagte Abyss mit fester Überzeugung. Gibbli war sich nicht sicher, ob er das tatsächlich ernst meinte.
„Ich bin kein Teil dieser Gruppe“, murmelte Nox.
„Ich auch nicht“, sagte Samantha.
Steven jedoch betrachtete Sky mit einer Mischung aus Faszination und Neugierde. „Und mit Crew meinst du …?“ Er ließ den Satz unvollendet.
„Eine führende Organisation. Wir werden die neue Regierung dieses Planeten bilden.“
Ich will kein Teil einer Regierung sein, dachte Gibbli.
„Wir. Eine Regierung“, wiederholte Abyss ungläubig. „Mit dir als …?“
„Anführer“, bestätigte Sky.
Abyss wandte sich Steven zu. „Er ist größenwahnsinnig.“
Der Oceaner lachte kurz auf, doch im nächsten Moment wurde er wieder ernst. „Wir brauchen noch einen Hochseemenschen“, sagte er nur.
Abyss stieß einen überraschten Laut aus und hob in einer abwehrenden Geste einen Arm. Dabei blickte er Steven kopfschüttelnd an, als wäre dieser genauso wahnsinnig wie Sky. Eine Zeit lang sprach niemand und jeder hing seinen Gedanken nach. Gibbli war sich sicher, dass sie, so wie sie alle hier saßen, vor allem zueinanderstanden, niemals so etwas wie einen Zusammenschluss bilden konnten. Steven hasste Abyss. Abyss hasste Steven. Gibbli hasste Steven. Nox wollte jedes Lebewesen fressen, das nicht seiner Meinung war, er war nur wegen seiner Freundin hier, nicht wegen der Crew. Samantha war nur wenige Jahre älter als Gibbli und Sky hatte die junge Frau nie offiziell aufgenommen. Oder hatte Gibbli das verpasst? Und Bo lag hier neben ihnen, halb tot am Boden. Und da gab es noch etwas, was Gibbli nicht verstand. Nach einer Weile wagte sie es, das Schweigen zu brechen, und sprach ihre Gedanken laut aus.
„Wenn du nur etwas gewartet hättest, dann wärst du der Anführer aller Landmenschen geworden“, sagte sie langsam zu Sky. Gleichzeitig fühlte sie sich unbehaglich, als alle ihre Köpfe hoben und sie anblickten. „Du wärst an der Macht und hättest alles haben und bewirken können, was du dir wünschst.“
Der Kapitän lächelte. „So einfach hätte es sein können, ja. Wäre da nicht Jack gewesen. Jack hätte niemals zugelassen, dass ich je seinen Posten übernehme.“
Gibblis Blick fiel auf Abyss, der Sky nicht ansah und stattdessen abwesend wirkte, als würde ihn das Ganze nicht interessieren.
„Warum nicht?“, fragte Samantha.
„Weil Ocea gegen das Gesetz spricht. Ein Gesetz, das ich jahrelang versuchte abzuschaffen. Außerdem würde er niemals jemanden an die Macht lassen, der bereit ist, sich mit Meermenschen an einen Tisch zu setzen. Er wollte nie, dass ich sein Amt irgendwann übernehme.“
„Aber du bist, nein, warst der zweite Mann der Elite. Er ernannte dich zum Nachfolger. Menschen sind unlogisch“, sagte Steven.
Sky zögerte. „Es gibt einen Grund, warum er mich zu seinem Stellvertreter und Nachfolger machte.“
Alle starrten ihn an, gespannt darauf den Grund zu erfahren. Doch der Kapitän schwieg. Lediglich Abyss schien das Interesse verloren zu haben und holte sich aus dem dampfenden Behälter eine weitere Portion Gemüse. Dann setzte er sich wieder und fing konzentriert an zu Essen. Gibblis Blick fiel auf die goldenen Maschinen hinter ihnen. Maschinen, die Jack zerstören wollte.
„Bedeutet das“, flüsterte Gibbli mehr zu sich selbst, als an Sky gewandt, „dass er dich so hasst, dass der Dreckskerl diese Stadt zerstören würde, nur weil du sie erhalten möchtest?“
„Nein. Jack hasst mich nicht“, sagte Sky mit rauer Stimme. „Ich wünschte, er täte es.“ Er blickte über den zentralen Platz zwischen den drei Häusern und dann auf Abyss, der gerade in eine schuppige Flosse biss, die er aus seiner Schüssel mit undefinierbaren Stücken hervorgezogen hatte. „Das Gegenteil ist der Fall. Er will die Stadt nicht meinetwegen zerstören. Im Augenblick bleibt ihm nichts anderes übrig, als sie zu erhalten. Das Einzige was er im Moment nicht ausstehen kann, ist die Tatsache, dass ich mich in dieser Stadt befinde. Denn das zwingt ihn, sich mit Ocea zu beschäftigen. Einen Ort, mit dem er nichts zu tun haben möchte, den er am liebsten ausradieren würde.“
„Pahh!“ Steven kniff seine goldenen Augen zusammen. „Ich sagte es dir schon einmal: Du bist wirklich gut darin, Kapitän. Im nicht Lügen. Im Herumreden um Dinge, die du nicht aussprechen willst!“
Sky schloss die vernarbten Lieder über seinen schwarzen Augen.
„Vorhin bist du dieser Frage gut ausgewichen. Tanzt um sie herum, ohne dass sie es merken. Um es auf den Punkt zu bringen: Jack zerstört meine Stadt nicht, weil du hier bist.“ Steven grinste böse. „Also, warum, Kapitän? Warum tut er das nicht?“
Gibbli bemerkte, wie Abyss langsam den Kopf hob und den Oceaner drohend über die Schüssel hinweg anblickte. Doch Sky schwieg.
„Da unten steht dieser Irre“, fuhr Steven fort und fuchtelte selbst wie ein Irrer mit den Händen in der Luft herum, dann wandelte sich seine Stimme in etwas träumerisches, „mit seinen zauberhaften Soldaten und will uns zusammen mit MEINER Stadt vernichten. Dennoch tut er es nicht. Deinetwegen!“ Mit einem kalten Unterton fügte er hinzu: „Wenn unser sowieso nur noch kurz bemessenes Leben von deinem abhängt, Kapitän, verlange ich eine Antwort. Oh ja, das tue ich. Antworte!“
Abyss sprang ruckartig auf. Während seine Schüssel auf dem Metall aufschlug und sich das restliche Essen über den Boden verteilte, schrie er ihn an: „Halts Maul du blöder Goldklumpen! Halt dich da raus! Das geht dich einen Scheißdreck an!“
Gibbli wich erschrocken zurück. Samantha und Nox blickten sich genauso verwirrt an, wie Steven jetzt Abyss‘ wutverzerrte Miene betrachtete. Einzig Sky hatte sich nicht bewegt. Plötzlich hämmerte es an der Luke. Alle drehten sich zur Rampe, die nach unten führte.
„Ich nehme an, da kommt eure Antwort“, sagte der Kapitän ruhig. Er stand auf und zog in einer fließenden Bewegung seinen Strahler hervor.
Gibbli beobachtete, wie Steven seine Arme verschränkte und sitzen blieb, als wäre das alles nichts weiter als ein lustiges Theaterstück für ihn.
„Was ist los?“, fragte eine brüchige Stimme vom Boden aus. Bo war aufgewacht! Samantha kniete sich zu ihr hinab und flüsterte ihr etwas zu.
Abyss rempelte Gibbli an. Er zog das Messer aus ihrem Stiefel, packte ihre Hand und bog grob ihre Finger um den Griff. „Vergiss es nicht immer“, knurrte er.
Wieder hämmerte jemand an die Außenseite des Durchgangs. Sky nickte dem Tiefseemenschen zu, der direkt davor lauerte. Nox zog an dem Rad und öffnete die Luke.
„Wo steckt er?“ Sofort kam eine schlanke Gestalt hereingestürmt. Die aufgeweckte Frau rannte an Nox vorbei. Ihre langen Locken wehten wild in ihr Gesicht. Sie war alleine.
Der Kapitän ließ langsam seine Waffe sinken. Abyss trat misstrauisch einen Schritt zurück, steckte seine Messer jedoch nicht beiseite.
„SKY! DU BIST WAHNSINNIG!“, schrie die Frau und blieb vor ihnen stehen.
„Das hast du mich öfter wissen lassen, als es Boote in meiner Flotte gab. Ich nehme an, mir dies mitzuteilen, ist nicht der Grund deiner Anwesenheit“, sagte der Kapitän tonlos. „Sei gegrüßt, Dessert.“ Er trat einen Schritt auf sie zu.
„ICH-“ Sie brach ab und starrte auf seine nackte Brust.
Sky zog die Augenbrauen hoch. „Ja? Du?“
„Wo … wo ist deine Uniform?“, fragte sie erzürnt. Gibbli hatte plötzlich das Gefühl, Zeuge eines Gespräches zu werden, das sie gar nichts anging.
Sky lächelte. „Wie du sicher bemerkt hast, gehöre ich nicht mehr der Elite an. Eure Kleidungsvorschriften kümmern mich nicht mehr.“
„Verflucht, das meinte ich nicht! Diese ganzen Wunden! Die Narben! Wie ist das passiert? WER WAR DAS?“
Sky betrachtete sie berechnend. „Du weißt genau, wer dafür die Verantwortung trägt.“
Dessert schüttelte den Kopf. „Nein.“
Skys Mundwinkel zuckten für eine Sekunde nach oben. „Du solltest vorsichtig sein. Du weißt nicht, wozu er fähig ist.“
„Jack würde mir so etwas nie antun!“
„Jack liebt dich nicht, Dessert.“
„Wie kannst du es wagen, so etwas zu behaupten! Du hast keine Ahnung!“
Sky hob schulterzuckend die Arme. „Geh und frag ihn.“
„Du bist doch nur eifersüchtig, weil er hat, was du nicht halten konntest!“, fuhr Dessert ihn an.
Sky verzog keine Miene. „Es berührt mich nicht im Geringsten, dass du jetzt mit ihm zusammen bist. Im Gegenteil, ich empfinde Mitleid mit dir.“
„Mitleid? Jack ist mein Ehemann!“
„Da täuschst du dich gewaltig“, sagte Sky ruhig. „Was glaubst du, warum er noch nicht angegriffen hat? Was glaubst du, warum ich noch lebe, warum er mich damals lediglich rauswarf, wo er jedem anderen auf der Stelle die Arme abgehackt hätte?“
„Du warst nicht nur Flottenführer, du warst sein Stellvertreter! Sky, sein Nachfolger! Du warst berühmt, du warst angesehen. Alle Landmenschen liebten dich! Darum ließ er Gnade vor Recht-“
„Nicht darum.“ Skys Tonfall wurde feindseliger. „Kein Posten dieser Welt würde Jack davon abhalten, gegen die Gesetze zu verstoßen. Er liebt es, Lücken zu finden, aber würde nie gegen sie handeln. Ich versichere dir, stünde ein anderer an meiner Stelle, wären wir längst alle Geschichte.“
„Du arroganter Bastard! Du kennst ihn nicht!“
Sky fletschte die Zähne. „ICH kenne ihn besser, als jeder andere dieses Planeten ihn kennt!“ Er hielt kurz inne. „Jack ließ mich nur aus einem Grund am Leben.“
„Nein“, flüsterte Dessert.
„Doch.“
„NEIN!“, schrie sie ihn an.
„Du kennst die Antwort, auch wenn du sie nicht wahrhaben willst!“
Dessert schüttelte abwehrend den Kopf.
„Warum?“, fragte plötzlich Bo mit schwacher Stimme vom Boden aus.
Sky zögerte einen Moment, blickte kurz zu Bo und dann wieder zu Dessert. „Weil ich es bin, den er begehrt.“
Gibbli wäre beinahe das Messer aus der Hand gefallen. Ein Gefühl der Erkenntnis überkam sie. Bei der Befragung in Dr. Fenchels Büro war Jack nicht so versessen darauf gewesen, ihr nahe zu kommen, wie andere es ständig versuchten. Er wollte nur Informationen. Gibblis Blick streifte Steven, der aussah, als stände er kurz davor, begeistert Beifall zu klatschen und dann zu Abyss. Erstaunt öffnete sie den Mund. Abyss war absolut ruhig geblieben und wirkte keineswegs überrascht. Er drehte ihr den Kopf zu. ‚Du hast das gewusst?‘, formte sie lautlos mit den Lippen. Abyss schluckte, sagte jedoch nichts und blickte wieder zu Sky und seiner Ex-Frau.
„Jack ernannte mich zu seinem Stellvertreter und Nachfolger, um mich in seiner Nähe zu haben!“
„Nein. Nein, nein, nein“, flüsterte Dessert immer wieder. Dann sah sie feindselig auf. „Jack ist wütend auf dich, er ist … enttäuscht von dir! Du hast gegen alle Gesetze verstoßen! Er muss dich beseitigen! Wie kann er dich begehren? DU BIST EIN LÜGNER!“
Sky musterte sie mitleidig. „Natürlich ist er wütend auf mich. Seine große Liebe hält sich nicht an seine Regeln und er kann nichts dagegen tun. Er kann mich nur anschreien, kann mir drohen, er kann mich foltern. Aber er würde es nicht wagen, mich zu töten. Niemals. Denn das würde bedeuten, dass ich endgültig für ihn verloren wäre.“
„Ich glaube dir nicht! Jack steht da unten, versammelt mit einem Großteil der Flotte und greift nicht an, weil er dich … liebt? Warum ist er dann überhaupt hier, wenn er gar nicht vor hat, gegen dich zu kämpfen?“
„Sag du es mir, du bist immerhin seine … wie immer man das … nennen mag.“
„Das passiert nicht wirklich. Nicht schon wieder. Nicht …“
„Dessert“, sagte Sky besänftigend.
„Ich … ich …“
„Ich sage es dir, warum er dort unten abwartet. Weil er verzweifelt ist. Weil er seinen verblendeten Kopf durchsetzen will. Er will es nicht begreifen.“
Dessert blickte ihn völlig aufgelöst an. „Begreifen? Was denn begreifen?“
„Dass ich nicht auf Kerle stehe.“
Abyss schnaubte verächtlich, als würde er ihm nicht glauben.
„Und schon gar nicht auf ihn“, fuhr Sky fort, ohne ihn zu beachten. „Ich sagte nie, dass Jacks Liebe zu mir auf Gegenseitigkeit beruht.“
Das hier war also nicht der Grund, warum Sky ebenfalls nie auf sie reagierte, wie andere es auf Oceaner taten. Und das, obwohl er mit ihr zusammen im Gefängnis gesessen, Gibbli sogar berührt hatte. Wahrscheinlich war er einfach stärker. Kalt und emotionslos stand er immer etwas über allen Dingen.
„Ich mochte Jack noch nie. Und du sagtest noch immer nicht, warum du hier bist“, fuhr er ruhig fort.
Dessert wirkte aufgrund der Neuigkeit über Jack noch immer aus dem Konzept gebracht. „Ich wollte … ich meine … Ich wollte herausfinden, was du vor hast!“
„Du lügst“, knurrte Sky.
„Er wird euch alle umbringen!“
„Du hast es nicht verstanden. Aber du wirst es noch begreifen. Nun gut. Geh. Du kannst meinetwegen zurückkommen, wenn dir wieder einfällt, warum du mich sprechen wolltest. Und was mein Vorhaben betrifft, richte deinem Jack aus, dass ich vorhabe, die Weltherrschaft an mich zu reißen.“
Steven klatsche breit grinsend seine Hände aufeinander und starrte den Kapitän bewundernd an.
„Du bist wahnsinnig“, flüsterte Dessert. Ihre Miene sagte eindeutig, dass sie ihn nicht ernst nahm.
„Das bin ich.“
Sie wandte sich von ihm ab, Richtung Luke, und hielt wieder inne. „Ich … ich werde ihm gar nichts ausrichten. Jack weiß nicht, dass ich hier bin.“ Dessert zögerte, dann fragte sie flüsternd: „Wo ist sie, Sky? Wo ist meine Tochter?“
Er schüttelte langsam den Kopf. „Es hat nicht funktioniert.“
Dessert verzog ihren Mund zu einem schmalen Strich und schloss gequält die Augen. Mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung ballte sie die Hände zu Fäusten.
„Komm nicht wieder“, sagte Sky.
Sie drehte sich um und schritt auf die Luke zu, ohne noch einmal aufzusehen.
„Und sprich Jack nicht darauf an!“, rief Sky ihr nach. „Bring dich nicht weiter in Gefahr“, fügte er leise hinzu, während Nox den Durchgang verschloss.
„Wir sind hier also nicht sicher. Nur du bist es“, flüsterte Samantha. Sie hielt Bo’s Hand, die offenbar wieder eingeschlafen war. „Er wird nicht locker lassen, bis er kriegt, was er will.“
„Jack befolgt die Gesetze“, sagte Sky. „Er wird ein paar Versuche starten, mich auf seine Seite zu ziehen. Doch irgendwann wird er zugeben müssen, was er bereits weiß: Dass ich niemals nachgeben werde. Früher oder später wird er sich etwas überlegen, um die Stadt dennoch zu zerstören. Und euch. Doch solange er Hoffnung hegt, dass er mit mir verhandeln könnte, solange sollte er mich in Ocea wissen. Denn meine Anwesenheit hier ist der einzige Grund, der ihn davon abhält hier alles zu sprengen.“
„Wie fies“, sagte Steven anerkennend. „Du nutzt seine Liebe aus. Oh, das mag ich, Kapitän!“
„Reiz mich nicht!“, Sky wandte sich ihm zu. „Ich werde dich auf eine Mission schicken.“
„Eine Mission? Mich? Hervorragend! Ja! Ja! Wohin?“
„Abyss wird dich begleiten.“
Stevens Grinsen gefror.
„Bist du irre?“, fuhr Abyss Sky empört an. „Ich geh nicht mit diesem hirnlosen Arsch!“
Gibbli stimmte ihm im Stillen zu. Das war wirklich keine gute Idee. Die beiden würden sich gegenseitig umbringen!
„Du wirst“, befahl Sky knapp.
„Nein, verdammt!“, rief Abyss aufgebracht.
Sky trat einen Schritt auf ihn zu und Abyss verstummte.
„Abyss, diese Technologie zu erforschen und Oceas Existenz in die Öffentlichkeit zu rücken, ist von großer Bedeutung und wir müssen das gut vorbereiten. Alles, was hier unten geschieht, unterliegt strengster Geheimhaltung und Jack wird sich hüten, ein Wort davon in der Öffentlichkeit zu erwähnen. Wir werden genau das tun.“
„Aber das wird doch sowieso irgendwann von allein passieren“, protestierte Abyss.
„Und du sagtest vorhin, das würde …“, Steven fing wieder an, genüsslich zu grinsen, „… das würde einen Krieg auslösen.“
„Nicht, wenn wir davor genug Menschen auf unsere Seite ziehen. Wir veröffentlichen das ja nicht sofort. In diesem Punkt ist unser Weg mit dem von Jack der gleiche. So lange Ocea noch geheim bleibt, haben wir Zeit.“
„Und was hast du in dieser Zeit vor?“, fragte Abyss misstrauisch.
„Die Landmenschen werden uns folgen, wenn sie erkennen, wie viele wir sind. Und sobald Jack alleine da steht, wird er einsehen müssen, dass es keinen Sinn mehr macht, sich gegen uns zu stellen.“
„Wie viele?“ Steven schüttelte den Kopf. „Kannst du nicht zählen, Mensch? Wir sind sieben!“
„Die Meermenschen“, sagte Gibbli leise, die plötzlich erkannte, was der Kapitän vor hatte.
„Ja.“ Sky nickte dem Oceaner zu. „Ihr werdet zu ihnen reisen und ihnen eine Botschaft von mir überbringen. Nox, du wirst denselben Auftrag erhalten. Wir brauchen die Hochseemenschen und die Tiefseemenschen.“
Nox starrte ihn düster an. Im ersten Moment wirkte er, als würde er ablehnen, dann krächzte er langsam: „Aber das nicht einfachwird.“
„Nimm Bo mit. Möglicherweise funktioniert das Marahang etwas weiter weg von hier wieder.“
„Sinnlos“, warf Abyss ein.
„Erkläre mir, was genau du daran als sinnlos erachtest“, forderte Sky ihn auf.
Abyss zuckte mit den Schultern. „Na, einfach alles.“
„Das ist keine Erklärung. Ich gebe dir einen direkten Befehl und du wirst ihn ausführen.“
Abyss schüttelte den Kopf. „Schön, angenommen, es funktioniert und wir überzeugen die Meermenschen, was ich bezweifle. Was dann? Wie willst du die Landmenschen bestechen, die jahrelang ihren Angriffen ausgesetzt waren? Die Familien und Freunde durch sie verloren! Willst du dich mit einem Megafon auf die Straßen stellen und sie missionieren wie ein geisteskranker Sektenführer?“
„Man muss nicht schreien, um gehört zu werden. Es reicht, zur richtigen Zeit das Rechte zu sagen“, antwortete Sky ruhig. „Die Nachrichtenfirmen werden es bis ins letzte Eck verbreiten. Nicht jeder ist gegen die Meermenschen. Die Landmenschen wissen, dass die anderen, genauso wie sie, vieles verloren haben durch unsere Flotten. In einem Krieg gibt es niemals Sieger und die Menschen werden das erkennen. Wer gewinnt oder verliert, hat in einem solchen Kampf keine Bedeutung, denn die Gewinner sind genauso schuldig des Mordes. Es ist vollkommen sinnlos, sich gegenseitig abzuschlachten. Das muss enden! Mein Einfluss ist groß und ich werde die Landmenschen davon überzeugen, mit Worten, Abyss. Und um deren Macht solltest gerade du am besten wissen.“
Abyss schwieg. Dann sagte er: „Hm. Mit den Tiefsee- und Hochseemenschen zusammen wären wir ganz nebenbei in der Überzahl.“
„Das klappt nicht. Egal was wir tun, wir müssten erst an Jack vorbei“, gab Samantha zu bedenken. „Es gibt keinen Weg aus der Stadt heraus. Wir sind hier gefangen.“
„Das ist nicht richtig. Erzähle ihnen, was du mir vorhin gezeigt hast“, befahl Sky an Steven gewandt.
Der Oceaner richtete sich auf. „Es ist möglich, über die Andockstelle der Mara zu tauchen. Tiefseemenschen halten den Druck dort aus. Sie liegt etwas außerhalb der Stadt, mitten im Gestein und führt über ein Höhlensystem hoch durch den Meeresboden.“
„Warte“, knurrte Abyss, „es gibt einen Zugang für die Mara?“
„Wir hätten mit der Mara direkt hier her tauchen können?“, fragte Gibbli mit zusammen gebissenen Zähnen. Sie hätten sich gar nicht über den Zentrumsturm zu diesem Aufzug durchkämpfen müssen!
„Klar, mein Schatz.“ Der Oceaner zuckte mit den Schultern. „Außerdem gibt es Rettungskapseln. Von der Stadt aus führen mehrere Stege in den Felsen hinein. Ein paar Stockwerke unter uns liegt einer davon. Diese Übergänge gehen zu jeweils fünf Kapseln, mit denen man sich durch das Gestein nach oben schießen kann. Sie sind nicht steuerbar und die Wucht ist stark, aber die Strecke genau berechnet. Sie landen direkt auf einer tropischen Insel über dem Ozean.“ Während er sprach, wurde seine Stimme schwärmerischer, dafür Abyss‘ Miene immer zorniger. „Eine wundervolle Insel! Es ist traumhaft dort, Mädchen! Es gibt feinsten Sand, saftig grüne Palmen und singende, fliegende Wesen, könnt ihr euch das vorstellen?“ Steven fuhr mit den Armen weit in die Luft. „So winzige, bunte Tierchen. Man kann ihnen sprechen beibringen. Natürlich sind sie dumm, aber sie plappern alles nach, was man ihnen sagt! Und die Luft erst, sie duftet nach süßen Früchten! Oh, ich liebe dieses kleine Stück Land.“
„Du verdammter Mistkerl setzt uns tausenden von Soldaten aus, lässt uns in die Gefängnisse der Akademie einbrechen und von diesem Clown foltern, um uns jetzt zu erzählen, dass es einen geheimen ZUGANG FÜR DIE MARA GEGEBEN HÄTTE?“, donnerte Abyss‘ Stimme über den zentralen Platz.
Steven grinste gequält und blickte ihn gespielt unsicher an. „Es war sehr amüsant, euch zuzusehen?“
„Du bist tot.“ Abyss griff nach einem seiner Messer.
Sky packte wie beiläufig seinen Arm und zog ihn von dem Oceaner weg. „Nox, nimm Bo mit. Ihr schwimmt durch die Andockstelle der Mara. Ich zeige euch den Zugang. Anschließend werden wir diesen Streit hier endgültig klären. Nein, Abyss, du wirst ihn nicht skalpieren, ihr beide werdet die Rettungskapseln nehmen und euch dann auf den Weg zu den Meermenschen begeben.“
Abyss blickte den Kapitän fassungslos an, riss sich dann von ihm los und machte auf der Stelle kehrt. Fluchend verschwand er in dem Raum hinter Cora.
Gibbli fragte sich, an welcher Stelle sie selbst in diesem Plan mitspielen würde. Und was sollte Samantha machen, die jetzt leise mit Nox diskutierte? Anscheinend wollte der Tiefseemensch nicht, dass sie ihn begleitete. Das war ja auch gar nicht möglich, wegen des hohen Drucks in der Andockstelle. In dieser Tiefe konnte man nicht einmal mit einem Tiefsee-Druckanzug tauchen.


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