Kapitel 4: Der Dimensionsriss (Bis in die tiefsten Abgründe)

Gibbli nahm wahr, wie Sky neben ihr aus der Dunkelheit taumelte. Er ließ ihren Arm los. Sie stürzte hinein ins Licht und landete mit dem Bauch voran auf dem goldenen Metalluntergrund. Abertausend Sonnenstücke hingen überall in der Luft Oceas herum und alles strahlte so hell, dass es fast weh tat. Gibbli fühlte sich unglaublich leicht. Obwohl die Luft der Stadt dichter war als in den Städten der Landmenschen unter dem Meer, gegen die zähe Atmosphäre bei den Mog glich das hier einem Traum. Dazu kam die geringere Schwerkraft. Gibbli war sich sicher, wenn sie jetzt springen würde, käme sie mindestens fünf Meter weit! Die plötzliche Druckveränderung ließ Übelkeit in ihr hochsteigen. Sie schluckte. Es dauerte jedoch nicht lange und das mulmige Gefühl in ihrem Magen verschwand. Ein paar Schritte weiter hörte sie, wie Abyss sich lautstark, auf allen vieren krabbelnd, erbrach.
„Tss, eklige Menschen, können nichts bei sich behalten, wäh … verschmutzen meine schöne Stadt und Steven muss wieder putzen, bah …“, murmelte der Oceaner genervt.
Gibbli schirmte ihre Augen mit einer Hand ab und blickte sich am Boden sitzend um. Hinter sich erkannte sie den Kapitän, dem das blendende Licht absolut nichts ausmachte mit seinen Implantaten. Auch die Druckveränderung beeinflusste ihn wie gewohnt nicht so sehr wie die anderen. Natürlich nicht, dachte Gibbli, die Elitesoldaten wurden für so etwas trainiert. Er stand beim Portal und legte konzentriert nach Stevens Anweisungen einige Hebel um, während dieser etwas auf einer Konsole einstellte. Kurze Augenblicke darauf dehnte sich die Kugel des Durchgangs geräuschlos aus und wurde durchsichtiger. Dann zog sich das schwarze Objekt in der Vorrichtung in sich selbst zusammen, bis es ganz verschwand.
„Jetzt müssen sie andere Wege finden“, hörte Gibbli die klare Stimme des Oceaners. „Wie die Oca früher. Ich wage zu behaupten, wir haben ein paar Jahre gewonnen.“
„Erkläre das!“, verlangte Sky.
„Tss, ihr Menschen seid so naiv. Denkt ihr wirklich, die Mog lassen einen Oca lebend davonkommen? Niemals. Die Abmachung war, uns durch das Portal gehen zu lassen. Und das taten sie. Aber sie werden sichergehen wollen, dass wir tot sind, darauf könnt ihr euch verlassen. Die Mog vergessen nie etwas und sind sehr nachtragend. Sie werden mich jagen. Mein Mädchen. Und ihren Menschen.“ Weinerlich schüttelte er sich. Dann lachte er und sagte: „Na gut, um den ist es nicht schade.“
Gibbli wollte gerade aufstehen, als lange Finger sich ihr entgegenstreckten. Erschrocken hob sie den Kopf und erkannte Abyss‘ lächelndes Gesicht über ihr. Sie ergriff seine Hand und er zog sie hoch.
„Wo ist unser Willkommensfest?“, fragte Steven überschwänglich.
„Vielleicht hatte keiner Lust auf einer Party zu erscheinen, auf der du anwesend bist“, murmelte Abyss und zog zwei seiner Messer.
Irgendetwas stimmte nicht, doch Gibbli war zu benommen, um festzustellen, um was es sich handelte. Die komplette Plattform erschien wie ausgestorben und alles wirkte leer. Gibbli bemerkte, wie Sky abschätzend seinen Strahler hob und auf den nach unten führenden Weg richtete. Wenige Sekunden später tauchte dort ein schlanker Schatten auf. Sie kniff die Augen zusammen, um die näher kommende Gestalt zu erkennen. Seine dunkelblaue Haut hob sich von den orange leuchtenden Pupillen in den Höhlen ab. Ein Anblick, an den sich Gibbli wohl nie gewöhnen würde.
Sky und Abyss senkten die Waffen und sie gingen langsam auf ihn zu. Nox betrachtete die vier der Reihe nach, während er auf einer blass rosafarbenen Frucht kaute. Steven musterte er besonders ablehnend, sagte jedoch nichts.
„Wo sind die anderen?“, fragte Sky und Nox wandte sich ihm zu.
„Unten“, antwortete der Tiefseemensch knapp. Währenddessen kaute er weiter, als ginge ihn das alles nichts an.
„Berichte!“, befahl der Kapitän.
Scheinbar genervt nahm er die Frucht aus dem Mund. „Ihr fortwart lange. Viele Tage. Wir abriegelten die oberste Etage. Wie befohlen von dir. Wir beobachteten die Soldaten.“
„Also ist er da? Jack?“ Abyss Finger spannten sich gefährlich an.
Nox nickte.
„Sag mir wie viele“, verlangte Sky.
„Hunderte. Vielleicht tausende. Sie beschränken sich auf die untersten drei Ebenen von Stadt. Manchmal höherwandern ein paar von ihnen. Aber sie untenbleiben meistens.“
Gibbli erinnerte sich daran, dass sie beim Hochfahren damals etwa dreißig nach oben hin immer kleiner werdende Abschnitte durchquert hatten. Ocea war ein riesiges Labyrinth aus Gängen, Räumen und Maschinen.
„Was isst du da eigentlich?“, fragte Abyss. Er schien begierig darauf, wieder richtige Nahrung zu sich zu nehmen. Bestimmt hatten er und Sky ebenfalls diese komischen Energiekugeln essen müssen.
„Weiß nicht“, antwortete Nox. „Bo kochte es. Vor zwei Tagen. Schmeckt eklig. Angeblich bekommen wir morgen Fisch.“
„Woher?“ Gibbli blickte ihn besorgt an. Fisch bedeutete Wasser.
Der Tiefseemensch wandte sich ihr zu, überrascht, dass sie das Wort an ihn richtete. „Ein komischer Mensch erschien. Mehrmals. Bringt uns Essen und Wasser. Wollte mit dir sprechen.“ Er nickte Sky zu.
„Wer?“, wollte der Kapitän wissen.
„Merkte mir nicht seinen Namen.“ Nox zuckte mit den Schultern. „Lockenkopf. Landmenschenfratze aus dem Süden.“
„Kennst du ihn?“, fragte Abyss.
„Südländische Gesichtszüge schränkt die Auswahl ein, ich bin mir nicht sicher. Ihr habt ihm aber nicht erzählt, dass ich weg war?“, fragte Sky scharf.
„Wir reinlassen ihn nicht. Er kommt wieder mit neuem Essen. Fragt immer nach dir. Er stellt es in die Etage unter uns. Die Soldaten trauen sich nicht mehr zu uns. Verirren sich nicht gerne in die oberen Bereiche. Ein paar von ihnen zurückkehrten vielleicht nicht.“ Nox‘ spitze Zähne blitzten bedrohlich auf.
„Gute Arbeit. Das ist wundervoll!“ Steven lachte. „Endlich wieder Leben in der Stadt. Und Kampf. Und Leichen.“
Sky schien nicht erfreut zu sein, sagte jedoch nichts dazu.
Sie gingen von der Plattform aus zur hinabführenden Rampe, vorbei an dem verrammelten Aufzug, Richtung oberste Etage der Stadt.
Nox und Sky schritten voraus.
„Hier stimmt etwas nicht“, hörte Gibbli Steven hinter ihr flüstern. Doch niemand schien ihn zu beachten. Bis auf Abyss, der ihn hin und wieder argwöhnisch musterte und darauf aufpasste, dass er Gibbli ja nicht zu nahe kam.
„Erzähle mir, was sonst noch passiert ist“, verlangte der Kapitän.
„Eine Frau“, antwortete Nox knapp.
„Genauer“, forderte Sky.
Er fasste an seinen Hals, um das Atmungsgerät neu zu justieren. Gibbli erinnerte sich daran, dass Nox noch nie viel gesprochen hatte. Den Tiefseemenschen schien das an der Luft schwerzufallen.
„Die so schrie, auf Mara. Versuchte zu gelangen in unseren Bereich. Versuchte wehzutun der Tür. Dagegenschlug immer.“
„Dessert? Meine Ex-Frau war hier?“
„Ja.“
„Was wollte sie?“
Nox zuckte wieder mit den Schultern. „Verlangte nach dir. Sollst dich melden. Sonst zerstört Jack die Stadt. Wir reinließen sie nicht. Ging wieder.“
„Wann?“, fragte ihn Sky weiter aus.
„Gestern.“
„Und das war alles?“
„Nein. Gab Erdbeben. Kleines.“
Steven blickte alarmiert auf, was Gibbli misstrauisch machte. Seit wann war der Oceaner ängstlich? Erdbeben waren mitten im Wasser bei der Akademie zwar eher ungewöhnlich, konnten aber vorkommen. An den küstennahen Unterwasserstädten gab es stärkere. Hin und wieder erschütterten kleinere Wellen den Meeresboden, doch die Gebäude waren so angelegt, dass sie leichten Schwankungen standhielten. Gibbli hatte allerdings keine Ahnung, wie sich so etwas auf Ocea auswirkte, eine Stadt, die im Untergrund in ausgehöhlten Felsen errichtet worden war. Hoffentlich hatten die Oceaner das beim Bau bedacht. Sky schien es keine Sorgen zu bereiten und Steven sah aus, als hätte er das Beben schon vergessen. Aufgeregt sprang er jetzt neben Nox her.
„Du wirst diesen goldenen Flummi nicht wirklich behalten, oder?“, raunte Abyss Sky im Gehen zu.
„Er ist Mitglied der Crew.“
„Jaja, aber der bleibt nicht für immer, oder?“, hakte Abyss erneut nach.
Der Kapitän antwortete ihm nicht. Sie passierten die goldenen Wände im letzten Stück der Plattform. Dann stiegen sie hinab, an den ersten Dächern der Häuser vorbei. Die Rampe führte direkt auf einen breitflächigen Platz ins Zentrum der obersten Etage. Dort blieben sie stehen. Von hier verlief die Rampe weiter nach unten in einen Gang zu einer runden Tür. Diese hatten Bo, Nox und Samantha anscheinend verriegelt. Vom Zentrumsplatz aus, auf dem sie standen, führten drei Türen ab in verschiedene Bauten. Vor einem der Gebäude lag ein riesiges Trümmerstück, das den Eingang versperrte. Nein! Gibbli rieb sich die Augen. Es lag da nicht, es schwebte davor! Und daneben schwebten weitere Bruchstücke. Sie blickte nach oben. Aus der felsigen Seitenwand des Untergrundes hatte sich ein großer Teil gelöst. Das waren aber sehr seltsame Auswirkungen für ein kleines Erdbeben! Gibbli trat näher heran, um den schwebenden Felsen genauer zu begutachten.
„Weg da, Mädchen!“, schrie Steven, hastete nach vorne und zog sie zurück.
Abyss hob alarmiert den Kopf. „Fass sie nicht an!“
Doch der Oceaner hatte Gibbli längst wieder losgelassen und betrachtete verwirrt seine sehnigen Hände. „Oh nein“, flüsterte er.
„Oh nein?“ Abyss musterte ihn feindselig.
Überrascht wurde auch Gibbli klar, dass Stevens Einfluss weg war. Ja, er war sogar seit dem Verlassen des Portals kein einziges Mal zu ihr durchgedrungen.
„Seltsame Auswirkung. Es hat tatsächlich begonnen“, sagte der Oceaner mit hoher Stimme. Dann begann er zu lachen. „Wir sterben! Wahahaha!“
„Was ist das?“, fragte der Kapitän. Er trat neben Gibbli und betrachtete ebenfalls den Felsen, ohne sich ihm weiter zu nähern.
„Veränderte Ebenen. Drei werden zu einer. Andere kommen hinzu. Wunderschön! Ein Riss zur Gravitationszeit. Diese Felsstücke sind nicht mehr jetzt, Zeit und Gravitation werden zu Orten. Jeder, der sich ihnen nähert, wird aufhören, hier zu existieren.“ Aus Stevens Stimme sprach gleichzeitig Begeisterung und Bedauern.
„Das sind nicht nur andere Dimensionen, das ist ein Riss im Gesetz“, murmelte Gibbli.
„Die Naturgesetze können sich nicht so einfach ändern. Wie ist das möglich?“, fragte Sky.
Gibbli zuckte mit den Schultern und schüttelte dabei nachdenklich den Kopf.
„Hey, Goldhaufen, was heißt das?“, rief Abyss. „Was hat begonnen? Rede!“
Doch der Oceaner beachtete ihn nicht und wandte sich an den Tiefseemenschen. „Wo ist Cora?“
„Aus.“ Nox tappste auf einen der zwei anderen Eingänge zu. „Da drin.“ Er krallte sich an den Rand des Metalls und begann damit, die Tür mit aller Kraft zur Seite zu schieben.
Gibbli beobachtete ihn irritiert, bis ihr einfiel, dass er ja keine oceanische Technologie beherrschen konnte. Oceaner öffneten Türen normalerweise mit elektromagnetischen Wellen ihrer Gedanken.
„Sam findet sie gruselig. Wir gehen nicht in dieses Haus. Rückwand einstürzte.“
Während er angestrengt zog, sah Gibbli durch den sich öffnenden Spalt in der Tür ein paar der kleinen Sonnenstücke schweben. Und mitten im einzigen Raum des halb eingestürzten Gebäudes stand die bewegungslose Kind-KI.
Steven schob den Tiefseemenschen mit überlegener Miene beiseite, als würde er nichts wiegen, packte die Eingangstür und riss sie kurzerhand heraus. „Schwache Menschen“, murmelte er dabei. Nun, so konnte man auch Türen öffnen.
Wie immer grinste Cora breit und zeigte ihre angebrochenen Zähne. Ihre Glubschaugen starrten regungslos vor sich hin, wie versteinert.
Steven stürzte in den Raum hinein und kniete sich vor ihr nieder. Er umfasste ihre Schultern und legte seinen Kopf auf den ihren. „Was haben sie mit dir nur gemacht? Was haben die beschränkten Menschen dir angetan? Meine Cora!“, flüsterte er mit weinerlicher Stimme.
„Niemand fasste sie an!“, krächzte Nox genervt. „Schaltete sich ab. Vor zwei Tagen.“
„Von nichts haben sie eine Ahnung, nein das haben sie nicht. Ich bringe dich zurück und dann feiern wir, wirst schon seh’n, Steven besorgt Luftballons“, murmelte der Oceaner an die KI gewandt vor sich hin.
„Idiot. Wir brauchen keine Luftballen, wir haben hier genug davon. Wie kann man die überhaupt ballen? Er ist durchgeknallt“, sagte Abyss müde hinter ihnen und Gibbli drehte sich zu ihm um.
Er hatte sich auf eine der goldenen Maschinen gesetzt, die am zentralen Platz zwischen den drei Häusern standen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb er über seine verstümmelte Hand. Dann hob er den Kopf. Gibbli folgte seinem Blick. Sky stand noch immer vor den schwebenden Trümmern des anderen Gebäudes. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie die Luft vor den betroffenen Stellen flimmerte. Es sah aus wie ein kleiner Riss mitten im Raum, als würde die Welt an dieser Stelle aufplatzen. Mit zusammengekniffenen Augen hob der Kapitän ein kleines Goldstück vom Boden auf, der übersät war mit weiteren Splittern. Nachdenklich wog er es in seiner Hand, dann warf er es hinein. Gibbli beobachtete fasziniert, wie das Ding im Riss stehen blieb und sich dunkel färbte. Anschließend schwebte es, wie die anderen Felsstücke darin, mitten in der Luft. Unerreichbar. Es hatte die Gravitationszeit betreten und existierte nicht mehr an diesem Ort.
„Das ist nicht gut, nein ist es nicht“, murmelte Steven.
Gibbli erschrak, als sie seine klare Stimme direkt neben sich vernahm. Unbemerkt hatte er den Raum verlassen, in dem Cora stand. Sie trat einen Schritt von ihm davon. Doch er folgte ihr. Irgendwie wirkte er angestrengt. Gibbli blickte ihn verwirrt an und seine Miene verfinsterte sich.
Abyss verzog seine Augen zu Schlitzen und sprang auf.
Der Kapitän drehte sich zu ihnen um. „Erkläre das genauer!“, verlangte er. Kurz zuckte sein Kopf zu Abyss, der daraufhin mürrisch seine Hände sinken ließ. Diese hatte er gerade krallenartig erhoben, um den Oceaner am Hals zu packen und ihn zu würgen.
Steven schüttelte den Kopf, Abyss völlig ignorierend und musterte Gibbli erneut.
„Du wolltest Mitglied meiner Crew werden, also verhalte dich auch so! Erzähle uns, was dieser Riss zu bedeuten hat! Wie kann ein Beben die Gravitationszeit aushebeln?“
„Ich … ich weiß es nicht, Kapitän. Es passt nicht, es darf nicht sein, wir sind hier. Doch es ist“, sagte der Oceaner. „Aber vergesst diese Felsen, Materie macht komische Dinge. Ja, das tut sie. Ich meine, nur jetzt, für einen Moment. Spürt ihr denn nichts, beschränkte Menschen?“
Niemand wusste eine Antwort auf seine Frage oder wovon er überhaupt sprach.
„Er ist verrückt, Sky. Ich könnte machen, dass er schläft“, sagte Abyss leise. „Für alle Ewigkeit. Was meinst du?“
Noch immer betrachtete Steven sie alle auffordernd, als erwarte er eine Antwort.
„Ich spüre nichts“, flüsterte Gibbli schließlich.
„Gutes Mädchen!“
Der Kapitän blickte ihn berechnend an. „Vielleicht sollte ich jemandem erlauben, doch ein kleines Stück von dir abzuschneiden, damit du anfängst klare Worte zu gebrauchen. Gibbli, prüfe die Gravitationswerte und-“
Sky hielt inne. Während Abyss aufsprang, lag auch schon ein Messer in dessen erhobenen Fingern, jederzeit bereit auf Steven einzustechen, als hätte er nur darauf gewartet. Sky machte eine missbilligende Handbewegung in seine Richtung, als hätte er es wissen müssen. Er ruckte verneinend mit dem Kopf, woraufhin Abyss enttäuscht seinen Arm senkte.
„Ja! Das ist eine hervorragende Idee, ich brauche etwas Scharfes.“ Bevor irgendjemand reagieren konnte, bückte sich Steven und zog das Messer aus Gibblis Stiefel.
„Hey!“, schrie Abyss.
Jetzt hob auch Sky drohend seine Waffe und richtete sie auf den Oceaner, der mit dem Messer in der Hand von ihnen wegtrat, näher an den Riss heran, während Gibbli einen Schritt zurückwich.
Abyss, der gerade zum Wurf ausholte, hielt inne, als der Oceaner mit einer fließenden Bewegung feierlich den Arm erhob und sich in seine eigene Handfläche schnitt. Diese fing sofort an zu bluten. Dunkle Tropfen fielen auf das goldene Metall unter ihren Füßen und rannen zwischen den Splittern durch das darunter liegende Gitter hindurch.
Nox stand ein paar Meter weiter vor Coras Hauseingang. Er betrachtete Steven mit verschränkten Armen, während der Kapitän seinen Strahler wieder senkte.
„Du machst den Boden dreckig“, sagte Abyss abfällig, noch immer mit erhobenem Messer.
„Nein, nicht diesen Boden, nicht hier, nicht … jetzt …“, murmelte Sky. Sein Blick verfolgte einige der blutigen Tropfen, die sich gelöst hatten und in den Riss geraten waren. Sie verfärbten sich schwarz, sowie das Goldstück zuvor und schwebten jetzt bewegungslos auf der Stelle.
Doch Gibbli war sofort aufgefallen, was Steven im Sinn hatte. Es ging ihm nicht um den Riss. „Es heilt nicht“, sagte sie leise.
„Es heilt nicht“, wiederholte Steven. „Danke! Danke, mein Schatz, endlich ein sinnvoller Satz. Wenigstens eine, die mitdenkt!“
„Bo ist krank“, sagte Nox und alle blickten ihn an. „Das Marahang funktioniert nicht mehr.“
„Das konntest du natürlich nicht sagen, bevor ich mir die Hand aufschlitzte.“
Nox grinste und seine unheimlichen Zähne kamen zum Vorschein. Gibbli war sich sicher, dass er den Oceaner schon immer bluten sehen wollte, immerhin hatte dieser seine Braut entführt. Steven grinste jedoch nur zurück.
Der Tiefseemensch hob seine spitzen Finger und zeigte auf die dritte Tür. „Sie sind da drin.“
 
Gibbli hob den Kopf, als die junge Frau auf sie zuschritt. Samantha war gerade aus der Hütte getreten, in der sich der Kapitän jetzt mit Bo befand. Gibbli schätzte Bo’s Schwester auf drei oder vier Jahre älter als sie selbst. Die Augen auf Samanthas sommersprossiger Haut standen halb offen und wirkten müde. Eine Strähne hatte sich aus ihren blonden Zöpfen gelöst.
„Hallo“, sagte Samantha und ließ sich zwischen Gibbli und Nox nieder.
Sie hatten es sich mitten auf dem Hauptplatz bequem gemacht. Abyss versuchte gerade mit Skys Strahler, die Überreste von Nox‘ Essen genießbar zu machen. Der Tiefseemensch lehnte mit verschränkten Armen neben ihm an einer Kiste und musterte angeekelt das verkohlte Etwas, das von Abyss‘ Fingern baumelte.
„Ach, mach es doch besser“, sagte Abyss genervt. Er stand auf und ging davon.
„Was tut er da?“, fragte Samantha und blickte Abyss nach. Er blieb vor dem anderen Haus stehen, das nur aus einem Raum bestand. Belustigt beobachtete er den Oceaner. Durch die jetzt türlose Öffnung konnte man Steven darin erkennen, der an Cora schraubte.
Gibbli zuckte mit den Schultern. „Es wird nicht funktionieren.“
Sie hatte es Steven schon gesagt, aber der glaubte ihr nicht. Konzentriert tippte er irgendwelche Berechnungen auf ein paar tragbare Konsolen ein. Natürlich waren diese nutzlos, ohne Verbindung zum System der Stadt. Die meisten funktionierten gar nicht mehr. Konsolen, die aus oceanischer Technologie bestanden, ließen sich nicht einschalten und eingeschaltete Konsolen gingen nicht mehr aus. Steven kontrollierte immer wieder die Zahnräder an der kleinen Kind-KI.
„Wie geht es Bo?“, fragte Nox.
„Nicht besonders. Sie schläft noch immer.“ Samantha zog ihre Lippen zu schmalen Strichen zusammen. Dann sprach sie leise an Gibbli gewandt weiter. „Seit gestern wacht sie kaum noch auf, immer nur ganz kurz und sie hat Probleme mit dem Atmen.“
Gibbli kam es seltsam vor, mit Samantha zu sprechen. Die Art, wie sie sich um andere sorgte und sich überall einmischte, wirkte vertraut. Sie tat das nicht auf die kindliche Weise wie Bo, sondern ganz beiläufig, als wäre es selbstverständlich und als wäre sie immer Teil der Crew gewesen, auch wenn sie es letztendlich nie war. Das gab Gibbli das Gefühl, Bo’s Schwester ewig zu kennen. Vielleicht, lag das aber daran, dass sie durch das Marahang einmal in ihrem Körper gesteckt hatte.
Gibbli bemerkte, wie Cora plötzlich ruckartig einen Schritt vor trat. Es quietschte und ein klackerndes Geräusch drang zu ihnen herüber. Abyss trat abschätzend einen Schritt vom Eingang zurück.
„Ja! Verneigt euch vor mir!“, rief der Oceaner und sein Blick aus dem Haus heraus traf direkt Gibblis Augen. „Ich hoffe, du fühlst dich minderwertig, Mädchen, in Anbetracht meines Genies!“
Gibbli blieb regungslos sitzen. Die Kind-KI machte einen weiteren Schritt nach vorne. Dann blieb sie stehen und das klackernde Geräusch erlosch.
„HA! Versager!“, jubelte Abyss schadenfroh.
„Ich sagte doch, es funktioniert nicht“, meinte Gibbli unbeeindruckt.
Der Oceaner beugte sich hinab. „Unsinn. Ich bin unfehlbar!“ Er warf eine flackernde Konsole beiseite, zog eine Schraube an Coras offenem Hinterkopf fest und begann erneut an ihr herum zu basteln.
„Nichts funktioniert“, murmelte der Tiefseemensch mit seiner kratzigen Stimme. „Wir raussollten aus Stadt.“
„Es fing vor zwei Tagen an“, erklärte Samantha. „Nox erzählte mir, dass Oceaner alles mit Gedankenkraft machen. Wir fanden heraus, dass es versteckte Hebel gibt. Damit konnten wir einige der Geräte manuell bedienen. Doch diese Hebel funktionierten plötzlich nicht mehr. Ich war zwei Etagen weiter unten fast eine Stunde lang in einem Raum gefangen, bis Nox mich fand. Diese dumme Tür ging einfach nicht mehr auf. Dabei verlaufe ich mich doch sowieso ständig. Ich hätte nicht gedacht, dass die Gebäude unter dem Meer alle so verwinkelt angelegt wurden.“
Gibbli blickte sie fragend an. „Was habt ihr dort unten gemacht?“
„Maschinen gesammelt. Geräte und Bauteile hier hoch geschleppt, die uns nützlich erschienen.“ Samantha nickte zu den Kisten, die hinter Nox standen. „Aber es funktioniert gar nichts. Wir dachten, es liegt daran, dass wir keine Oceaner sind und dieses Zeug einfach nur nicht steuern können. Aber dann hörten auch die automatischen Dinge auf zu arbeiten. Nicht einmal die Sonnenstücke werden in der Nacht noch dunkel. Es ist, als wären sie in ihrem Zustand stecken geblieben. Zum Schlafen mussten wir sie einfangen und aus dem Haus tragen, weil sie nicht mehr ausgingen.“
Sky trat aus dem Gebäude, in dem Bo lag und Samantha verstummte.
„Bo hält durch. Vorerst“, sagte der Kapitän mit rauer Stimme. Als er Abyss erblickte, trat er genervt auf ihn zu, riss ihm den Strahler aus der Hand und schlug diesen gegen seine Brust. „Hör auf, mein Zeug anzufassen, ohne mich zu fragen!“
Abyss wollte etwas erwidern, doch im nächsten Moment schrie Steven erfreut auf und zog damit alle Blicke auf sich. Wieder ruckelte Cora ein Stück nach vorne und fiel erneut aus.
„Gut gemacht“, grummelte Abyss, „jetzt steht die dämliche Fratze mitten im Eingang!“
„Steven, komm heraus“, befahl Sky. „Ich brauche eine Übersicht über die Stadt.“
Der Oceaner blickte von Cora auf. „Ihr habt sie durchquert. Sie ist kegelförmig angelegt, über dreißig Stockwerke hoch und-“
„Das sehe ich. Sage uns etwas, was ich nicht weiß. Woher bezieht sie die Energie? Gibt es eine zentrale Steuerung? Einen Maschinenraum?“
„Oh, du stellst immer die falschen Fragen, Kapitän. Wenn du mich nur gehen lassen würdest, dann könnte ich-“
„Ich sagte nein“, unterbrach Sky ihn und Steven schnaubte beleidigt. Gibbli erinnerte sich an die hitzige Diskussion, die er mit dem Oceaner geführt hatte, bevor er in Bo’s Hütte verschwunden war. Sie hatten etwas abseits gestanden und Gibbli hatte nicht genau verstanden, um was es gegangen war. Offensichtlich wollte Steven irgendwohin.
„Ihr bleibt dort, wo ich euch befehle zu sein und im Moment ist das genau hier. Ich werde morgen entscheiden wie wir weiter vorgehen. Bis dahin, Oceaner, solltest du über dein Verhalten nachdenken.“
Dass er ihn einen Oceaner genannt hatte, schien Steven wieder etwas milder zu stimmen. Gibbli unterdrückte ein Gähnen und starrte hungrig auf die verkohlten Überreste des ungenießbaren Essens, das Abyss neben die Kisten geworfen hatte.
„Für heute verordne ich Ruhe. Wir warten ab, bis dieses angeblich ehemalige Crewmitglied von mir hier auftaucht. Versucht etwas zu schlafen.“
„Ich brauche so etwas nicht.“ Steven erhob sich, als hielte er sich für etwas Besseres.
„Ich schlief gestern bereits“, krächzte Nox und Samantha erklärte, dass sie mit Bo abwechselnd geschlafen hatten, immer einer, um sich gegenseitig vor möglichen Eindringlingen zu warnen. Sie natürlich öfter als Nox, denn Tiefseemenschen benötigten nicht so viel Schlaf wie Landmenschen.
„Gut. Nox, Steven, ihr behaltet den Eingang dort im Auge. Falls irgendjemand, sei es dieser Mensch aus meiner alten Crew oder sonst jemand auftaucht, will ich sofort informiert werden.“ Er runzelte die Stirn und knurrte genervt. „Und hört auf, die Soldaten zu töten!“, fügte er hinzu. Scheinbar erschien ihm das Grinsen des Tiefseemenschen und des Oceaners etwas zu bösartig.
 
Da Oceaner wie die Mog keinen Schlaf benötigten, gab es in der Stadt zwar Sitzgelegenheiten aber keine bettenähnlichen Gebilde. Steven erklärte, dass sein Volk keine Decken benutzte, ebenso wenig wie Kleidung oder andere Stoffe. Er trug lediglich eine Hose, weil Rod einst darauf bestanden und Mara die schillernde Fischhaut, aus der sie bestand, gefallen hatte. Sky und seine Crew fanden blaue Planen, welche einige der Maschinen schützend bedeckten. Der Stoff fühlte sich an wie eine Gummibeschichtung. Als wärmende Unterlage eignete es sich nicht. Nachdem das Material anfing, direkt in ihren Händen zu zerbröseln, untersuchten sie es genauer. Es stellte sich heraus, dass sich die Planen auflösten, sobald sie eine Temperatur über 25°C annahmen.
In dem kleinen Raum standen nur ein paar Maschinen an den Wänden. Es war unbequem, auf Metall zu schlafen. Doch immer noch besser, als bei den Mog, wo Gibbli sitzend in einer Ecke gekauert hatte, um jederzeit in eine andere flüchten zu können, wenn Steven ihr zu nahe gekommen war. Sie befanden sich im Gebäude der Kind-KI, mit der eingestürzten Rückwand. Dadurch, dass Cora so klein war, stellte es kein Problem dar, sich an ihr vorbeizuzwängen, oder wie Abyss es tat, einfach über sie drüber zu steigen. Dennoch hatte sich die KI an einer eher ungünstigen Stelle abgeschaltet und stand jetzt mitten im Eingang. Die Tür konnte man dank Steven also sowieso nicht zuschieben. Sky hatte eine der Planen über die offene Rückseite des Gebäudes gespannt, um ihren Schlafbereich abzudunkeln. Dadurch konnten sie von innen allerdings auch nicht mehr hinab sehen, in die anderen Stockwerke der Stadt. Samantha lag im anderen Haus bei Bo. Gibbli war durchaus bewusst, dass der Kapitän sie ebenfalls dort drüben haben wollte. Doch sie dachte nicht daran, von Abyss‘ Seite zu weichen. Ihr zu Hause war genau hier. Bei ihm. Er hatte es sich neben ihr am Boden gemütlich gemacht. Offensichtlich war er der einzige, dem der harte Untergrund nichts ausmachte, er schien es gewohnt zu sein, so zu schlafen.
„Sky?“, fragte Abyss.
„Nein“, antwortete der Kapitän, ohne sich anzuhören, was er fragen wollte.
Gibbli blickte nach oben an die Decke. Irgendwo in einer Ecke leuchtete ein Sonnenstück, das sie vergessen hatten nach draußen zu bringen. Es warf einen schwachen Schein gegen das goldene Metall. Einerseits sollte sie ja froh sein, denn vor dem Oceaner musste sie nun keine Angst mehr haben. Ja, er war nicht ungefährlich und sie war sich sicher, dass er sie früher oder später an dieses dumme Spiel erinnern würde, um es fortzuführen, aber ansonsten gehörten ihre Gedanken und Emotionen jetzt ihr alleine. Andererseits, ein wenig traurig machte es sie schon, dass nichts mehr funktionierte. Sie hatte sich darauf gefreut, all die Maschinen zu erforschen und ihre Funktionsweise zu ergründen. Wenn sie doch nur funktionieren würden! Ob es wohl mit diesem seltsamen Riss und dem Beben zusammen hing? Die Energie war schließlich da. Gibbli hatte einige Messungen mit ihrem EAG durchgeführt. Nur die Übertragung schien nicht mehr zu klappen, als wären alle elektromagnetischen Verbindungen unbrauchbar. Wie auf dem Planeten der Mog. Aber die Mog befanden sich weit weg. Diese Gedanken führten zu nichts und Gibbli wischte sie beiseite. Die Berechnungen dafür konnten bis morgen warten. Müde schloss sie die Augen.
„Hey, Sky“, hörte sie Abyss flüstern. „Schläfst du schon?“
„Wenn ich ja sage, bist du dann endlich still?“, murmelte der Kapitän.
„Ja auf meine erste Frage oder auf die Frage ob du schläfst?“
„Lass mich schlafen, Abyss.“
Plötzlich spürte Gibbli einen Stich an ihrem Rücken. Der Name! Sofort war sie wieder hellwach. Jemand war an sie herangerückt und hatte einen Arm um sie gelegt. Erschrocken drehte sie sich herum und starrte in das blasse Gesicht. Das schwache Licht spiegelte sich in seinen grauen Pupillen wieder. Doch er sagte nichts. Er wirkte zufrieden und strahlte Zuversicht aus. Etwas in seinem Ausdruck schien zu schreien, dass er alles erreichen konnte und dass jeder, der an seiner Seite stand, siegen würde. Ihr Atem beruhigte sich etwas. Es war nur Abyss. Er würde auf sie aufpassen. Er würde sie beschützen. Sie vergrub ihren Kopf an seiner Brust, um das Klopfen seines Herzens zu hören, das ihr erneut bewies, dass er lebte. Die Zeit verstrich und Gibbli döste langsam ein. Doch nur ein paar Minuten später weckte sie das Rascheln von Abyss‘ Mantel wieder. Die vielen versteckten Messer darin schlugen dumpf auf den Boden, als sich weiter hinten im Raum jemand herum warf. Sky war es nicht ganz gelungen, seinen Missmut über ihre gegenwärtige Situation zu verbergen. Nicht, dass er sich beschwert hätte. Doch seine Miene wirkte noch düsterer als sonst und er schien einfach keine bequeme Position zu finden. Abyss hatte irgendwann eine spitze Bemerkung fallen lassen, dass er als Flottenführer wohl besseres gewohnt war. Daraufhin hatte Sky ausgesehen, als würde er ihn gleich erschießen. Schließlich hatte Abyss ihm zur Versöhnung angeboten, sich auf seinen Mantel zu legen. Doch Gibbli ahnte, dass dem Kapitän etwas völlig anderes durch den Kopf ging als ein harter Metallboden. So wie sie ihn kannte, sah er es als seine Verantwortung an, sie hier alle heil herauszubringen. Dieser Riss schien ihm nicht weniger Sorgen zu bereiten als ihr. Ein Stück außer Kontrolle geratene Physik. Unberechenbar. Und dann gab es da noch die Bedrohung der Landmenschen. Gibbli dachte an Jack und die tausenden von Soldaten, welche die unteren Stockwerke der Stadt besetzten. Bestimmt würden sie irgendwann zu ihnen hochkommen. Es war nur eine Frage der Zeit. Sie saßen hier in der Falle.
Wieder hörte sie, wie Sky sich herum drehte, dann begann er leise zu sprechen. „Ich warne dich. Lass sie in Ruhe.“
„Kommt jetzt wieder dieser ganze, sie ist deine Technikerin Verantwortungsblabla Mist?“ Abyss Stimme hörte sich müde an. „Du bist nicht ihr Vater.“
„Du wirst sie verletzen.“
„Das denkst du von mir?“
„Ich kenne dich, Abyss. Und ich denke von dir, dass du zu allem fähig bist.“
„Falsch und richtig. Und an meinem Plan hast du nichts Verwerfliches gefunden.“
Der Kapitän warf sich wieder herum und Gibbli hörte wieder das Rascheln von Abyss‘ Mantel, auf dem er lag. „Du bist ein Lügner.“
„Ja, bin ich. Lass mich verdammt noch mal schlafen, Sky.“
Der Kapitän knurrte etwas unverständliches und drehte sich wieder von ihnen fort.


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