Kurzgeschichte: Die letzte Wache (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 11)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel - Zum Tutorial: Die letzte Wache

 

Als ich aus meinem Gleiter stieg, traf mich fast der Schlag. Irgend so ein Arsch hatte die Wände der Station rot streichen lassen.

"Hey, die Ablösung ist da!", schrie ich. Doch Nixon, mein Vorgänger kam mir schon entgegen. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich auf der Stelle umgefallen. Doch ich konnte mir die Frage nicht verkneifen. "Was soll der Scheiß? Als ob es da draußen nicht schon genug rot gäbe!"

"Das ist die Schuld von Ima, sie war vor mir dran. Faselte etwas von Weihnachten." Ohne ein weiteres Wort stieg Nixon in den Gleiter und betätigte die Schleuse. Er schien es eilig zu haben die Station zu verlassen.

Ich stieg die Treppe nach oben und fand die üblichen Post-its vor. Die Wächter schrieben sie, wenn sie sich langweilten. An einem Großteil davon war ich wohl nicht ganz unschuldig. "Dieser Zettel ist gelb.", stand auf einem. Oder "Drück bloß nicht auf den roten Knopf!", was natürlich ein Scherz war. Hier waren alle Knöpfe rot.

Ich beschloss mich von meinem Flug zu erholen und etwas zu schlafen.

Blitzschnell schoss ich hoch. Der Alarm surrte ohrenbetäubend durch die Räume. Im Nachthemd rutschte ich die Treppe nach unten und warf mich vor den Bildschirm, während mein erster Blick nach draußen mir bestätigte, dass sich am schwarzen Loch nichts verändert hatte.

Der Alarm hörte von einer Sekunde auf die andere auf. Ich prüfte die Meldungen. Da war nichts! Absolut gar nichts, was darauf hinwies, dass irgendetwas nicht stimmte. Alle Werte im Normalbereich. Sogar die Strahlungswerte standen etwas unter der erwarteten Menge. Die üblichen Werbemitteilungen von der Erde lagen im Postfach. Nicht mal hier draußen, an diesem abgelegenen Ort, blieb man davon verschont, eine Schande! Ich beachtete sie nicht weiter und ließ mich mit dem Kontrollzentrum verbinden.

"Außenstation Deef 08 an Kontrollzentrum."

Ein mürrisch dreinblickender Mitarbeiter erschien sofort auf meinem Schirm. "Hier Kontrollzentrum. Ist Ihnen wieder langweilig?"

Ich meldete ihm den Alarm und fragte nach ungewöhnlichen Vorkommnissen. Doch er schien nichts bemerkt zu haben.

"Schicken Sie mir die Daten durch, ich werde sie überprüfen lassen. Und ziehen Sie sich gefälligst etwas an! Nur weil Sie sich am Ende der Galaxis aufhalten, heißt das nicht, dass Sie die Kleidungsvorschriften missachten können!", schnauzte er mich noch an und schaltete dann ab.

Genervt schickte ich die gesammelten Daten ins Solare System und machte mich dann auf den Weg nach oben, um meine Kleidung zu holen. Ich kam gerade fertig aus dem Bad, als ein kleines Blinken unter dem Monitor mir eine neue Nachricht signalisierte.

Sie enthielt lediglich die Bitte um eine erneute Datenübertragung. Ich konnte mir nicht vorstellen warum sie die Daten noch mal wollten. Was sollte sich schon ändern innerhalb so kurzer... da fiel mein Blick auf die Werte. Ja, was sollte sich ändern. "Unmöglich", flüstere ich erschrocken. Die Strahlungswerte waren weiter gesunken. Sofort gab ich die neuen Werte durch. Auf die Antwort wartete ich nicht mehr. Schnell warf ich die wenigen Dinge, die ich dabei hatte in meinen Rucksack und brachte sie in die Fluchtkapsel.

Als ich zurück nach oben kam, erkannte ich den mürrischen Mitarbeiter auf dem Bildschirm wieder. "Wo waren Sie?", schrie er und dann "Es entzieht bereits die ersten kleinen Teilchen. Sie befinden sich im Einflussbereich des schwarzen Lochs. Es muss sich ausgedehnt haben, ohne dass wir es bemerkten. Die Messungen ergeben jedoch noch keine Gefahr für Sie."

"Was heißt das?"

"Das heißt, Sie bleiben wo Sie sind und warten auf die Ablösung."

"Nein!"

"Das ist ein Befehl." Mit diesen Worten verschwand er wieder vom Monitor.

Fassungslos blickte ich nach draußen auf den dunklen Fleck. Diese hirnlosen Affen hatten doch keine Ahnung. Ich musste hier weg, bevor es nicht mehr ging. Aber wenn ich die Fluchtkapsel bestieg, würde mich das den Job kosten. Sie würden mich vielleicht sogar jagen, wegen Befehlsverweigerung.

Mein Blick fiel erneut auf die Werte. Die Strahlung war weiter gesunken. Mein Blick nach draußen ließ mich nicht länger zögern. Ein kleiner Gesteinsbrocken bewegte sich langsam von der Station weg, auf das schwarze Loch zu. Wie Gummi zog er sich in die Länge.

Ich drehte mich um und rannte los. Diese Entscheidung rettete mir das Leben. Als ich mich eine halbe Stunde später in der Kapsel schon weit außerhalb der Station befand, erkannte ich, dass sie sich bereits merklich zu verzerren begann.

Ich lebte. Doch konnte ich es wagen in meine Heimat zurückzukehren?

 

Der arme Forscher. Er traute sich nicht mehr nach Hause, dabei hat er so viele nützliche Informationen über das schwarze Loch gesammelt! Kam hier reingestapft mit einem Plakat von seinem Heimatplaneten. Siehst du, dort drüben hängt es jetzt! „Wanted“ steht drauf und eine hohe Summe. Er faselte etwas von verletzter Ehre und Verpflichtungen. Ich stopfte ihm was zu Essen in den Mund und schickte ihn dann wieder fort. Nicht dass es mich stört, hier gesuchte Verbrecher zu bewirten, aber mit seinem Gejammer vertrieb er mir die anderen Gäste!

Es hätte auch seine Kollegen treffen können, wie sie wohl darüber denken? Frag sie doch gleich mal selbst. Schau, da drüben kommt Ima. Sie ist oft hier in der Bar und liebt meinen blutroten Ikkaifrucht–Drink!

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:

→ Unterstütze Sockenzombie, indem du diesen PayPal Account fütterst.

Alle Geschichten, Tutorials, Programme und Infos auf diesem Blog sind kostenlos und werbefrei! Mit jedem Euro hilfst du, wiederkehrende Serverkosten abzudecken und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.

Vielen Dank!

Schreibe deine Gedanken zu diesem Artikel:


(Weitere Infos unter "Kommentarfunktion" im Impressum.)