Kurzgeschichte: Der Aufzug (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 7)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel – Zum Tutorial: Der Aufzug

 

Mit unruhigem Blick starrte ich aus dem Fenster. Das Taxi war spät dran. Warum zum Teufel fuhren diese dummen Autos nicht schneller? Ich hasste Autos. Sie erinnerten mich an mein altes Leben. Als er noch da war.

Manchmal malte ich mir aus, wie es sein würde, wenn er plötzlich vor mir stünde. Sein Blick würde mich durchbohren. Wäre er überrascht? Wütend? Traurig? Wie immer ganz sicher undurchschaubar. Im nächsten Moment könnte alles und nichts passieren. Würde er mich angreifen? Schlagen? Oder anschweigen? Wahrscheinlich würde er an mir vorbei gehen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Mein Fahrer schielte kurz auf meine Füße, die unbewusst auf den Boden des Wagens trommelten.

„Tut mir Leid.“

Genervt starrte er wieder auf die Straße. Ein Bus überholte uns.

„Können wir nicht schneller fahren?“

Er goss sich ein Glas dieser eklig grünen Flüssigkeit ein, die zurzeit total im Trend lag. Es kam mir vor wie Stunden, als er sie ganz langsam und genüsslich austrank.

„Nein.“

Ein normaler Mensch wäre ausgerastet. Doch ich wurde nicht laut. Ich rede nicht mehr viel. Es gab nur eine Person, der ich mein Vertrauen geschenkt hatte. Vor der ich laut werden konnte. Und das war der größte Fehler meines Lebens gewesen. Und doch hörte ich noch immer seine Stimme in meinem Kopf. Ich würde sie unter Milliarden wieder erkennen.

Mist! Wegen diesem scheiß blöden Taxifahrer würde ich den Aufzug verpassen! „Ich muss ihn erreichen. Es ist die letzte Fahrt auf die Raumstation für diese Woche“, sagte ich leise.

Der Fahrer ignorierte mich. Das kam oft vor, dass die Leute mich überhörten. Es erinnerte mich ein wenig an ihn. Er hatte mich damals im Stich gelassen. Er hatte mich plötzlich ignoriert. Ging mir aus dem Weg und lehnte es ab, auch nur ein Wort mit mir zu sprechen, scheinbar grundlos. Jedenfalls wusste ich nicht, warum er das tat.

Verdammt! Reiß dich zusammen! Er ist weg! Schon seit Jahren! Ich schloss die Augen. Wieso musste ich jede freie Minuten an diesen Idioten denken?

Endlich hielt das Taxi am Abflughafen.

„Du bist unverantwortlich!“, empfing mich ein Mitarbeiter unfreundlich. Er holte mein Gepäck aus dem Wagen, um es zur Teleportabteilung zu bringen. Ich hastete die Stufen hoch zu einem gegenüber liegenden Gebäude. Es wäre so viel einfacher, wenn man lebende Wesen teleportieren könnte.

Drinnen brachte mich die neue Rolltreppe nach oben, schneller als ich hätte laufen können. Noch eine Ebene, ich konnte kurz verschnaufen.

Er war der erste Mensch, der mich umarmte. Der erste Mensch, der mich annahm, so wie ich war. Ich hätte wissen müssen, dass es nicht sein durfte. Ich hatte niemals Freunde. Es war nicht richtig. Wir waren nie ein Paar und doch bedeutete er mir mehr, als ein Ehemann einer Frau, als ein Vater seiner Tochter jemals bedeuten konnte. Wir waren keine Geschwister, trotzdem war er wie der große Bruder, den ich mir immer gewünscht hatte. Mein bester und einziger Freund.

Vergiss ihn! Vergiss ihn! Vergiss ihn! Die Rolltreppe erreichte die oberste Ebene.

Meinen Ausweis vorzeigend rannte ich am Schalter vorbei. Der Eingang lag erkennbar am Ende des Ganges. Sie waren dabei den Aufzug zu schließen.

„Nein! Wartet, ich muss da rein!“ Meine ganze Lunge brannte, das musste ein neuer Rekord sein. Schnell drückte ich mich durch die Kontrolle zu den Schleusen.

In dem Moment, als mein vorderster Zeh die Schwelle überschritt, spürte ich seine Anwesenheit. Noch lange, bevor ich ihn sah, wusste ich, dass er es war. Mein Herz erkannte ihn immer.

Als ich erschrocken den Kopf hob und ihn erblickte, rastete die Tür ein. Fest. Unveränderbar. Für vier Stunden. Eingeschlossen. Mit ihm. In einem Gläsernen Aufzug. Auf engstem Raum.

 

Bestimmt interessiert dich jetzt, was im Aufzug passiert ist. Nun, ich hab keine Ahnung. Sie hat es mir nie erzählt. Sie hat mir auch nie erzählt, warum dieser Kerl da drin war. Vielleicht hat sie das nie herausgefunden? Aber vielleicht kannst du das ja für mich herausfinden? Tust du das bitte, ja?

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


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