Kurzgeschichte: Lasst die Monster los (Der Geschichtensammler im All – Kapitel 2)

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


 

sockenzombie
Motiv zum Kapitel - Zum Tutorial: Lasst die Monster los

 

Ich saß in dem ausbruchsichersten Gefängnis der Galaxis. Umgeben von Vakuum trieben wir durch die wunderschönsten Nebel. Die Kapseln wurden mit Menschen bestückt und dann auf eine lange Reise geschickt. Ihre Geschwindigkeit bestimmte die Dauer der Haft. Wir bewegten uns langsam, etwas unter Lichtgeschwindigkeit. Es gab Vorräte, die man sich einteilen musste. Doch keinem von uns wurde gesagt, wie viel Zeit genau vergehen würde bis zur nächsten Zivilisation.

Die Zelle teilte ich mir mit Lele, einer jungen Frau. Sie sah so zerbrechlich aus und erweckte niemals den Anschein, als könnte sie jemandem wehtun. Doch keiner hier war unschuldig, das hatten uns diese Wesen klar gemacht.

Jeder durfte eine persönliche Erinnerung mitnehmen. Meine Wahl war schlecht. Mittlerweile kannte ich das Buch auswendig. Ich wünsche mir sehnlichst meinen Gegenstand mit einem der anderen zu tauschen. Doch Lele hatte sich nur ein altes Kissen ausgewählt und Schleusen zu den anderen Gefängnis-Schiffen gab es keine. Da waren nur wir beide. Ich konnte Lele oft nicht ansehen. Ihr trauriger Blick zerriss mir jedes Mal aufs Neue mein Herz. Und manchmal waren da auch die Gesichter der anderen namenlosen Menschen aus den anderen Kapseln. Wir konnten sie hinter den Gittern weiterer Zellen da draußen erkennen. Sahen, wie sie langsam verzweifelten.

„Bonney…“, die sanfte Stimme von Lele ließ mich hochschrecken, „da draußen ist etwas.“

Schnell sprang ich auf. „Wo?“

„Siehst du? Da drüben!“

Das Schiff war fremd und riesig. Tausende von uns würden im Inneren Platz finden. Mit weit aufgerissenen Augen betrachtete ich das Grauen „Nein! Was tun sie da?“

„Sie sammeln die Kapseln ein“, kommentierte Lele das Geschehen leise. Ich vermied es, sie anzusehen und fing an, gegen die Scheiben zu schlagen. „Nein!“

„Sie retten uns“, flüsterte sie wieder, scheinbar unberührt.

„Das dürfen sie nicht!“ Erschöpft ließ ich mich auf die Knie fallen.

 

Irgendwann nahm uns das fremde Schiff auf. Wir stiegen aus und Lele verschwand in der Menschenmasse der anderen Gefangenen. Ich würde sie nie wieder sehen.

Mit uns wurden ein paar Millionen weitere Kapseln geborgen. Die Wesen stellten sich als friedliche Forscher vor. Sie dachten, sie täten etwas Gutes. Dabei erkannten sie nicht, dass sie mit uns den Tod in die ganze Galaxie brachten.

Was wir getan haben? Wir sind Menschen. Wir haben gemordet, geplündert, gefoltert. Wir haben ganze Arten ausgerottet und uns sogar gegenseitig das Leben genommen. Wir ließen unsere Kinder verhungern und ignorierten es, bis alles zerbrach.

Ich, Bonney, wusste von den Bomben und den Kriegen auf der Erde. Doch ich ignorierte das, lebte in meiner eigenen, heilen Welt, wie Milliarden andere Menschen.

Jeder Einzelne von uns trägt die Schuld mit sich. Wir taten das Schlimmste, was ein Volk in diesem Universum tun kann. Wir haben unseren Planeten verletzt. Wir haben die Erde zerstört. Wir haben zugelassen, dass es so weit kommt.

 

Der Gast, der mir diese Geschichte erzählte, ein junger, hoffnungsloser Bursche, verließ leider viel zu früh meine Bar. So konnte ich nie erfahren, was mit den Menschen weiter passiert war. Und warum seine Freundin Bonney ausgerechnet ein Buch als letzte Erinnerung ausgewählt hatte. Was denkst du? Glaubst du Bonney hat ihre Zellengenossin jemals wieder gesehen? Dieser Bursche wollte Lele jedenfalls finden, für Bonney.

Man erzählt sich, dass noch heute ein paar dieser Gefängnis - Kapseln vergessen im Universum herumtreiben. Vielleicht machst du dich auf die Suche nach ihnen? Das sollte wirklich mal getan werden!

 


 

Diese Kurzgeschichte ist Teil einer längeren Geschichte:


Dieser Blog ist werbefrei. Du bestimmst selbst, was dir meine Programme, Informationen, Geschichten und Tutorials wert sind! So kannst du mich unterstützen:

  • Füttere meinen PayPal Account (Damit hilfst du, wiederkehrenden Serverkosten dieses Blogs abzudecken, sowie Hard-, Software und Material zum Erstellen zukünftiger Artikel zu finanzieren.)
  • Auf Instagram (Abonniere mich, like dort meine Beiträge oder teile sie mit einem @s0ckenz0mbie)
  • Teile Links dieses Blogs auf deinen Seiten, Blogs, in Foren, auf deiner Facebookseite oder anderen Social Media Seiten

Vielen Dank! Ich freue mich, dich weiterhin mit Geschichten zum Träumen zu bringen und dich mit hilfreichen Artikeln unterstützen zu dürfen. <3

Eine Antwort schreiben